Ruhland () ist eine Landstadt im Landkreis Oberspreewald-Lausitz im Süden des Landes Brandenburg, westlich von Hoyerswerda und östlich von Elsterwerda. Sie ist Verwaltungssitz des Amtes Ruhland.

Geografie mini|links|Willkommen in Niederschlesien Die Stadt Ruhland liegt etwa zehn Kilometer südwestlich von Senftenberg und südöstlich von Lauchhammer in der Oberlausitz. Unmittelbar nördlich der Stadt beginnt die Niederlausitz, von ihr durch die Schwarze Elster getrennt. Durch den Ort fließen das Ruhlander Schwarzwasser und der Ruhlander Binnengraben der Schwarzen Elster. Ruhland liegt im geografischen Raum der Königsbrück-Ruhlander Heiden.

Das Gebiet um Ruhland und Tettau ist der einzige Teil der Oberlausitz im Land Brandenburg. Alte und neue Flurnamen sind in der Liste der Flurnamen in Ruhland aufgezählt und beschrieben.

Stadtgliederung Zu Ruhland gehören der Gemeindeteil Arnsdorf und die Wohnplätze Herschenzmühle, Kolonie Schönburgsau, Matzmühle, Neue Sorge und Waldesruh.Die Stadt Ruhland im Kommunalverzeichnis Brandenburg

Geschichte Bis zum Zweiten Weltkrieg mini|links|Ältestes Haus der Stadt Ruhland (Dresdener Straße 35) Ruhland wurde als Fischersiedlung gegründet und war schon vor 1200 Kirchdorf. Urnenfunde lassen auf eine Besiedlung bereits am Ende der Jungsteinzeit schließen (ca. 2500 v. Chr.). Im Jahre 1317 wurde der Ort als Rulant erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort kam 1319 mit dem Wechsel der Oberlausitz von der Markgrafschaft Brandenburg zu Böhmen.Chronik der Stadt Ruhland 1317–1997, Ruhland 1995–1997, im Rahmen von ABM entstanden 1332 wurde die Kaupenburg erstmals in einem Kaufvertrag als „Schloß Rulant“ genannt. Im Jahre 1397 wurde Ruhland in einer Urkunde König Wenzels IV. von Böhmen erstmals als Stadt genannt.Homepage Amt Ruhland Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Ruhland Grenz- und Zollstation zwischen der Oberlausitz und Kursachsen.

Seit 1397 war Ruhland im Besitz der Adelsfamilie von Gersdorff. Diese verkaufte 1618 das Schloss Ruhland (Kaupenburg) an einen Gottfried von Wölfersdorff auf Bernsdorf und 1622 den Gutsbesitz (Ruhland, Guteborn, Arnsdorf und Biehlen) an Hans Georg von Hoym. 1783 starb Gotthelf Adolf von Hoym, sein Besitz fiel an seine Tochter Louise-Henriette, Gemahlin Heinrichs XLII., des späteren Fürsten Reuß zu Schleiz. 1849 endete die Gerichtszuständigkeit der Gutsherrn (Patrimonialgerichtsbarkeit). 1880 starb Adelheid zu Reuß-Schleiz, ihr Besitz ging an die Tochter Anna zu Bentheim-Tecklenburg-Rheda. Nach deren Tod 1902 fiel der Besitz an ihre älteste Tochter, Prinzessin Luise zu Schönburg-Waldenburg, Mutter des letzten Schlossherrn auf Guteborn, Prinz Ulrich, 6. Fürst von Schönburg-Waldenburg. Die Wappen der Adelsfamilien befinden sich im Wappensaal des Gutshofes und an der Patronatsloge der evangelischen Kirche.

mini|hochkant|Stadtkirche Ruhland Mehrfach, unter anderem 1542, später im 17. Jahrhundert 1624, 1648 und 1661 wurden zahlreiche Gebäude Ruhlands durch Brände zerstört. Am 22. August 1768 fielen fast alle Gebäude einem weiteren Großbrand zum Opfer: 184 Bürgerhäuser, 60 Scheunen sowie öffentliche Gebäude und die Kirche. 20 Häuser überstanden den Brand.Aus der Chronik. Als vor 240 Jahren ganz Ruhland brannte. In: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Senftenberg, 23. August 2008. Eines davon existiert heute noch und befindet sich in der Dresdner Straße, auf der Wetterfahne ist das Jahr 1672 angegeben. Der Wiederaufbau von 1768 bis 1774 erfolgte nach Plänen von Samuel Locke. Die Kirche wurde in der heutigen Form im Barockstil zwischen 1772 und 1774 neu erbaut. Das Holz für den Turmbau bekam Ruhland von der angrenzenden Gemeinde Zschornegosda (Teil des heutigen Schwarzheide) geschenkt. Am 1. April 1870 wurde Ruhland an die Bahnstrecke Großenhain–Cottbus angebunden und erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung. Das ansässige Gewerbe, besonders die Fischerei und das Schuhmacherhandwerk, versorgte bis 1900 das Umland. Ab dem 19. Jahrhundert wurde die Stadt vom nahen Braunkohletagebau geprägt. Veränderte Grundwasserverhältnisse (stärkere Absenkungen, dadurch Zustrom eisenhaltigen Schichtenwassers) führten dazu, dass die am 23. Mai 1914 eröffnete Badeanstalt später nur noch als Angelgewässer genutzt werden konnte.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Ruhland wiederholt von alliierten Fliegerverbänden angegriffen. Zuerst geschah dies am 21. Juni 1944 durch 123 B-17 Flying Fortress der 8th Air Force. Die Maschinen hatten als Teil der Operation Frantic das Hydrierwerk der BRABAG in Schwarzheide als Ziel und landeten nach dem Angriff auf Flugfeldern in der UdSSR.Mark J. Conversino: Fighting With The Soviets: The Failure of Operation Frantic, 1944–1945. (1997) Am 24. August und am 11. September 1944 folgten jeweils weitere Angriffe als Teil der Luftschlacht über dem Erzgebirge.Ruhland bei Reise Travel Ein für den 7. Oktober geplanter Großangriff mit 333 Maschinen der USAAF wurde wegen schlechter Sicht nicht ausgeführt, stattdessen wurden Dresden und Freiberg bombardiert.Sächsische Zeitung: Der Luftangriff vom 7. Oktober 1944 Das Gleiche passierte am 15. Februar 1945, als ein weiterer geplanter Angriff von 459 Flugzeugen auf Ruhland nicht ausgeführt werden konnte und daher Cottbus angegriffen wurde.Als Bomben auf Cottbus fielen In der ersten Jahreshälfte 1945 folgten dann noch weitere Angriffe. Insgesamt wurden im Ort 18 Häuser zerstört, 140 Einwohner wurden getötet.

In der DDR Jugendopposition In den 1960er Jahren erlangte das „Zollhaus“ Ruhland, eine nahe der Autobahnabfahrt gelegene Gaststätte mit Tanzsaal, überregionale Bedeutung für die Entwicklung einer von der herrschenden SED unabhängigen und westlich orientierten Jugendkultur. Die resolute Wirtin Trude Wolf lud auch nach der Leipziger Beatdemo immer wieder von den Genehmigungs-Behörden verbotene bzw. in der DDR unerwünschte Beat-Bands ein, die Tramper aus allen Bezirken der DDR anzogen.Gerold Hildebrand: Ungehorsame Schüler in Anklam und Ruhland. In: Horch und Guck, Heft 38, 2002, S. 39–41 Ruhland wurde zu einem „Mekka der Osthippies“.Hippies in der DDR auf jugendopposition.de In den 1980er Jahren organisierte der Enkel der Wirtin vor allem Blues-Konzerte, u. a. mit der Kult-Band Monokel.Michael Rauhut, Thomas Kochan (Hrsg.): Bye Bye, Lübben City. Bluesfreaks, Tramps und Hippies in der DDR. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2004.

Schulgarten mini|Schulgarten (1965) Der Biologielehrer Horst Bormann erreichte mit viel Engagement unter Einbeziehung von Schülern im Schulunterricht und in der Freizeit eine Gestaltung des Schulgartens mit Beeten und besonderen Anlagen und Einrichtungen, die als vorbildlich und beispielhaft (1955 Konsultationsgarten und danach Muster-Schulgarten im Kreis Senftenberg, Vorzeigebeispiel im Bezirk Cottbus) galt und über eine Fernseh-Dokumentation in der gesamten DDR bekannt wurde. Dieser Schulgarten musste nach 1990 aufgegeben werden, ein bescheidener Ersatz befindet sich hinter der Turnhalle in der Ortrander Straße.

Seit 1990 Vier Jahre nach der politischen Wende beschloss die Stadtverordnetenversammlung die Festlegung des 10 ha großen Sanierungsgebietes „Ruhlander Stadtkern“ mit den Zielen der Stärkung der Rolle des Ortskerns, der Verbesserung des Ortsbildes und der Wohnverhältnisse sowie der Erhöhung der Attraktivität des Stadtkerns Dies geschah dann unter Beratung und Betreuung durch die Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft. Mehr als 70 private Gebäude wurden gefördert und der öffentliche Raum komplett saniert.Amt Ruhland/DSK: Flyer Sanierungsgebiet Ruhland-Stadtkern, nachvollziehbar die Punkte 1–21 von Stadtrundgang Ruhland auf der Homepage des Amtes Ruhland, abgerufen am 11. Mai 2019

Verwaltungsgeschichte Ruhland gehörte bis 1635 zur böhmischen Krone und ging danach mit den Lausitzen an das Kurfürstentum Sachsen über. 1815 – infolge des Wiener Kongresses – kam die Stadt mit der gesamten nördlichen und östlichen Oberlausitz zu Preußen, wo sie zum Kreis Hoyerswerda gehörte – erst in der Provinz Brandenburg (1815–25), dann abwechselnd in den Provinzen Schlesien (1825–1919 und 1938–1941) und Niederschlesien (1919–1938 und 1941–1945). Da der Landkreis westlich der Oder-Neiße-Linie lag, wurde er 1945 Teil der sowjetischen Besatzungszone und in das Land Sachsen eingegliedert. Mit der Verwaltungsreform von 1952 kam Ruhland zum neugegründeten Kreis Senftenberg im DDR-Bezirk Cottbus (1990–1993 im Land Brandenburg). Seit der Kreisreform 1993 liegt die Gemeinde im Landkreis Oberspreewald-Lausitz.

Eingemeindungen

1974 wurde Arnsdorf auf eigenen Wunsch nach Ruhland eingemeindetHistorisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberspreewald-Lausitz. S. 36.; bis dahin gehörten nur die ersten Häuser zu Ruhland.

Am 13. März 2012 wurde der bis dahin zu Ruhland gehörende Wohnplatz Sorgenteich nach Guteborn umgegliedert.Gemeinde- und Ortsteilverzeichnis des Landes Brandenburg. Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg (LGB), abgerufen am 17. Juni 2020.

Geschichte der Ortsteile Bis Ende 1928 war Ruhland in einen Stadt- und einen Gutsbezirk gegliedert. Das zu Naundorf (Teil des heutigen Schwarzheide) gehörende Zollhaus wurde 1910 zum Stadtbezirk eingemeindet. Im selben Jahr wurden in der Kolonie östlich der Bahnlinien (später „Neue Sorge“) die ersten Häuser entlang der jetzigen Theodor-Schmidt-Straße gebaut. Im Westen der Stadt wurden 1908–1922 Grün- und Parkanlagen (Prinzess-Luisen-Weg, Ehrenhain, Heldenhain) angelegt.

Die von 1921 bis 1923 entstandene Siedlung Schönburgsau gehörte anfangs zum Guts-, ab 1922 zum Amtsbezirk Ruhland. Prinz Ulrich, 6. Fürst von Schönburg-Waldenburg, ließ westlich des Schwarzwassers Wald abholzen und übergab Siedlern Baugrundstücke. Ab 1930 wurden diese Grundstücke meistbietend verkauft, auch an Personen mit Arbeit in Lauchhammer und Schwarzheide. Die Siedlung wurde zwischen 1935 und 1938 wesentlich erweitert.

Am 30. Mai 1997 erfolgte der erste Spatenstich zum „Wohnpark Neue Sorge“Ruhlands neue Sorge. In: Lausitzer Rundschau, 30. September 2006., womit das Wohngebiet östlich der Bahnlinie wesentlich erweitert wurde.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 1 786 1890 1 958 1910 2 626 1925 3 110 1933 3 395 1939 4 055 Jahr Einwohner 1946 4 533 1950 4 669 1964 4 394 1971 4 345 1981 4 670 1985 4 612 Jahr Einwohner 1990 4 325 1995 4 037 2000 4 262 2005 4 106 2010 3 896 2015 3 665 Jahr Einwohner 2020 3 739 2021 3 767 2022 3 769 2023 3 734 2024 3 728 2025 3 713 Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberspreewald-Lausitz. S. 26–29Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Stadtverordnetenversammlung Die Stadtverordnetenversammlung von Ruhland besteht aus 16 Stadtverordneten und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 SPD 26,6 % 4 36,7 % 6 Unabhängiger Freier Wählerbund 18,5 % 3 26,6 % 4 CDU 35,9 % 6 23,5 % 4 Die Heimat (2019: NPD) 5,4 % 1 7,4 % 1 Die Linke 8,7 % 1 3,4 % 1 Bündnis 90/Die Grünen 4,8 % 1 2,4 % – Insgesamt 100 % 16 100 % 16 Wahlbeteiligung 59,4 % 65,6 %

Bürgermeister