miniatur|Gespräch von Holger Klein mit Reinhard Hüttl zu seiner Arbeit am Geoforschungszentrum Potsdam (2014). Reinhard F. Hüttl (* 1. Januar 1957 in Regensburg) ist ein deutscher Forst- und Bodenwissenschaftler. Von 2007 bis 2021 war er Wissenschaftlicher Vorstand und Vorstandsvorsitzender des Helmholtz-Zentrums Potsdam, Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ). Seit seiner Pensionierung im Januar 2021 ist Hüttl Wissenschaftlicher Direktor und geschäftsführender Gesellschafter der Eco-Environment Innovation eGbR (EEI) in Berlin.

Ausbildung und Beruf Hüttl studierte von 1978 bis 1983 Forst- und Bodenwissenschaften an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau und an der Oregon State University in Corvallis (USA). 1984 bis 1985 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Bodenkunde der Universität Freiburg, wo er 1986 promoviert wurde.

Von 1986 bis 1992 leitete er das internationale Forschungsreferat des Bergbauunternehmens Kali und Salz in Kassel und war dort mit Fragen der Rekultivierung von Bergbaufolgelandschaften befasst. Nach einer Vertretungsprofessur in Hawaii (1990–1991) war er von 1992 bis 1995 Leiter des Instituts für Wald- und Forstökologie am Zentrum für Agrarlandschafts- und Landnutzungsforschung (ZALF e. V.) in Eberswalde.

Von 1993 bis 2021 hatte Hüttl den Lehrstuhl für Bodenschutz und Rekultivierung an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus inne und war von 1993 bis 2000 zudem Vizepräsident der Universität. Im Jahr 2007 wurde er zur Übernahme des Amtes des Wissenschaftlichen Vorstands und Vorstandsvorsitzenden des Helmholtz-Zentrums beurlaubt, das er bis zu seiner Pensionierung im Januar 2021 leitete.

Weitere öffentliche Funktionen Seit 1995 ist er ordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW), seit 2006 Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie für Land- und Forstwirtschaft und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 2011 wurde er als ordentliches Mitglied in die Academia Europaea aufgenommen. Seit 2008 ist Reinhard Hüttl auswärtiges Mitglied der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften und seit 2022 ist er Einzelmitglied dieser Akademie. Seit Gründung der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) ist Hüttl deren Mitglied und war dort von 2008 bis 2017 Präsident und von 2017 bis 2022 Vizepräsident.

Von 1996 bis 2000 war Reinhard Hüttl Mitglied des Sachverständigenrats für Umweltfragen der Bundesregierung. Von 2000 bis 2006 gehörte er dem Wissenschaftsrat an und war dort ab 2003 Vorsitzender der Wissenschaftlichen Kommission. Er war Mitglied der Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung der Bundesregierung (2011) sowie des Bioökonomierates der Bundesregierung, dessen Vorsitz er von 2009 bis 2012 innehatte.

Weitere Tätigkeiten umfassten unter anderem die Mitgliedschaft in der Jury des Deutschen Umweltpreises der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (2010–2014) sowie im Wissenschaftlichen Beirat für Waldpolitik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (2013–2022). Von 2008 bis 2021 war Reinhard Hüttl Mitglied des Aufsichtsrats der BMW AG.

Anonyme Beschuldigungen Im Oktober 2020 ließ Reinhard Hüttl sein Amt als Vorstandsvorsitzender des GFZ aufgrund anonym erhobener Compliance-Vorwürfe zunächst ruhen. Anfang 2021 bat er das Kuratorium des GFZ um die Aufhebung seines Anstellungsvertrages. Zu diesem Zeitpunkt ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf Untreue, Betrug und Vorteilsannahme. Am 26. Januar 2021 wurde Hüttl vom Kuratorium des GFZ fristlos gekündigt. Eine Mitgliedschaft beim Institute for Advanced Sustainability Studies ruht seitdem.Hinnerk Feldwisch-Drentrup: Top German scientist fired after police raid of homes and offices. In: Science 371 (6531), S. 762–763. Viele Posten von Hüttl, einem der bestvernetzten Politikberater Deutschlands, ruhen derzeit, andere hat er verlassen. Im November 2021 akzeptierte er einen gegen ihn wegen Betrugs in 21 Fällen erlassenen Strafbefehl des Amtsgerichts Potsdam und gab zu, versehentlich Spesen nicht ordnungsgemäß abgerechnet zu haben. Die übrigen Verdächtigungen ließ die Staatsanwaltschaft fallen.

Heutige Tätigkeit Nach seiner Pensionierung im Januar 2021 gründete Hüttl gemeinsam mit einem Kollegen die Eco-Environment Innovation eGbR (EEI) mit Sitz in Berlin. Die Einrichtung befasst sich mit wissenschaftlicher Beratung zu Klimawandel, Energiewende sowie zur Nutzung und zum Schutz natürlicher Ressourcen, insbesondere im Bereich Bodenschutz.

Reinhard Hüttl ist dort als Wissenschaftlicher Direktor und geschäftsführender Gesellschafter tätig. Darüber hinaus engagiert er sich in verschiedenen wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gremien.

Mitgliedschaften und Engagements Mitglied des Stiftungsrates der acatech Stiftung (Deutsche Akademie der Technikwissenschaften) Mitglied im Kuratorium der TÜV Rheinland-Stiftung Mitglied im Kuratorium von Global Energy Solutions e. V. Mitglied im Kuratorium des Senats der Wirtschaft – Stiftung für gemeinwohlorientierte Politik Mitglied im Beirat des Clean Energy Forum Mitglied der Boden-Initiative der Stiftung Kunst und Natur Nantesbuch Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung August Bier für Ökologie und Medizin Mitglied im Executive Komitee von Euro – CASE.

Ehrungen 2004: Ehrendoktorwürde der Universität für Bodenkultur Wien 2008: Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland

Veröffentlichungen Hüttl, R.F., (1997): Neuartige Waldschäden. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Berichte und Abhandlungen, 5, Akademie Verlag, Berlin, 131–215, ISBN 3-05-003273-1

Hüttl, R.F., (2015): Vom System Erde zum System Erde-Mensch. Naturwissenschaftliche Rundschau, 68, 38–41.https://scienceblog.at/vom-system-erde-zum-system-erde-mensch

Hüttl, R.F., David, K., Schneider, U. (2019): Historische Gärten und Klimawandel: Eine Aufgabe für Gartendenkmalpflege, Wissenschaft und Gesellschaft. Verlag De Gruyter Akademie Forschung, 423 S. ISBN 978-3-11-060 748-2

Hüttl, R.F. & Gerwin, W. (2024): Landscape Development From Point Zero. Pacific Science, 77, 309–325.

Hüttl, R. F. und Schneider B. U. (2025) Unsere Böden: Kohlenstoff-Speicher oder Kohlenstoff-Quelle? Aktuelle Situation und Perspektiven. Impuls-Studie Nr. 5, Clean Energy Forum (Hrsg. Friedbert Pflüger); 46 S.

Weiterführende Informationen

Profil von Hüttl bei der BTU Cottbus-Senftenberg, als Geschäftsführender Gesellschafter und Wissenschaftlicher Direktor des EEI Abruf am 11. Mai 2026 Meldung über Hüttl als neuen Leiter des GFZ

Einzelnachweise

Kategorie:Forstwissenschaftler Kategorie:Hochschullehrer (Brandenburgische Technische Universität Cottbus) Kategorie:Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) Kategorie:Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Academia Europaea Kategorie:Korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie für Forst- und Landwirtschaft Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Ehrendoktor der Universität für Bodenkultur Wien Kategorie:Person (BMW) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1957 Kategorie:Mann