mini|hochkant=1.2|Bundesrepublik Deutschland (grün) und Deutsche Demokratische Republik (orange), 1949–1990. Ost- und West-Berlin wurden de facto von ihren jeweiligen deutschen Staaten verwaltet bzw. waren ein Teil davon, aber rechtlich war Berlin eine unabhängige Einheit, die von den vier Alliierten Mächten kontrolliert wurde. mini|hochkant=1.2|Vorsitzender des Ministerrats Willi Stoph (links) und Bundeskanzler Willy Brandt in Erfurt 1970, das erste Treffen der Regierungschefs der beiden deutschen Staaten mini|hochkant=1.2|Die Berliner Mauer (1961–1989) war das Symbol der deutschen Teilung. Das Foto wurde 1980 aufgenommen.

Als deutsche Teilung oder Teilung Deutschlands (auch Spaltung Deutschlands genannt) wird die Existenz zweier deutscher Staaten auf dem Gebiet Deutschlands im Zeitraum vom 7. Oktober 1949, als die Deutsche Demokratische Republik (DDR) gegründet wurde, bis zur deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 bezeichnet. Die DDR trat am 3. Oktober 1990 der Bundesrepublik Deutschland bei. Sie war ein Ergebnis des Zweiten Weltkriegs sowie des anschließenden Kalten Krieges zwischen den einstigen Verbündeten der Anti-Hitler-Koalition, hauptsächlich zwischen den USA und der Sowjetunion.

In dieser Zeit der Teilung waren die beiden deutschen Staaten unabhängig voneinander. Dies unterscheidet sich von den deutschen Staaten vor der deutschen Einigung im Jahr 1871, als sie Teil unterschiedlicher Konföderationen waren, beispielsweise des Deutschen Bundes. Die Teilung war eine Folge der deutschen Niederlage im Zweiten Weltkrieg. Die Bundesrepublik ist eine liberale Demokratie und unterhält enge Beziehungen zu den USA, während die DDR dem Kommunismus folgte und von der Sowjetunion beeinflusst war. Zu dieser Teilung gehörte auch die im Potsdamer Abkommen von 1945 vereinbarte Abtrennung der Ostgebiete des Deutschen Reiches. Das nördliche Ostpreußen wurde sowjetisch. Die Volksrepublik Polen wurde für ihre Westverschiebung mit deutschen Gebieten östlich der Oder-Neiße-Grenze entschädigt, die etwa ein Viertel des deutschen Territoriums von 1937 ausgemacht hatten. Mit dieser Westverschiebung mussten die Polen auf ihre Territorien östlich der Curzon-Linie verzichten, die nun den Sowjetrepubliken Ukraine und Weißrussland eingegliedert wurden. Damit verlor sie das Gebiet wieder, das bis 1795 zu Polen-Litauen gehört hatte und das die Zweite Polnische Republik zum Teil in den 1920er Jahren von Russland zurückerobert hatte. Das neue polnische Territorium wurde etwa 20 Prozent kleiner als das Territorium der Zweiten Polnischen Republik.

Mit der Herstellung der Einheit Deutschlands kam es schließlich zur völkerrechtlichen Zession der Ostgebiete zum 3. Oktober 1990 (durch eine Friedensregelung).Joachim Bentzien, Die völkerrechtlichen Schranken der nationalen Souveränität im 21. Jahrhundert, Peter Lang, Frankfurt am Main 2007, S. 68 f.; Michael Kirn, Der deutsche Staat in Europa. Aufgaben und Ziele des vereinigten Deutschland, Verlag Urachhaus, Stuttgart 1991, S. 211. Zuvor unterzeichneten die beiden deutschen Staaten jedoch 1950 und 1970 separate Verträge mit Polen zur Anerkennung neuer Grenzen.

In einem größeren Zusammenhang gehört die deutsche Teilung zum Komplex der zwischen 1806 und 1990 bestehenden deutschen Frage.

Vorgeschichte der Teilung 1943–1949 Bereits während des Zweiten Weltkriegs trafen sich die „großen drei“ Alliierten der Anti-Hitler-Koalition – Sowjetunion (UdSSR), Vereinigte Staaten (USA) und Vereinigtes Königreich – zu Konferenzen in Teheran, Jalta und kurz nach dem gemeinsamen Sieg über das nationalsozialistische Deutschland in Potsdam. Gemeinsames Ziel der Verbündeten war, zur Eindämmung einer erneuten Kriegsgefahr ein Wiedererstarken des besiegten Deutschlands (Deutsches Reich) zu verhindern. Zugleich rangen die Alliierten aber auch untereinander um ihre künftigen Einflusszonen auf dem europäischen Kontinent.

1943: Teheran-Konferenz

mini|Deutschland in den Grenzen vom 31. Dezember 1937. Die danach von NS-Deutschland eingegliederten Gebiete wurden anschließend von den Alliierten nicht anerkannt.

Auf der Moskauer Konferenz vom Oktober 1943 legten die Außenminister fest, dass Deutschland in seinen Grenzen von 1937 von den Siegermächten besetzt und bis auf Weiteres auch regiert werden solle. An der folgenden Teheran-Konferenz nahmen der US-Präsident Franklin D. Roosevelt, der britische Premier Winston Churchill und der sowjetische Partei- und Staatschef Josef Stalin teil. Zu dieser Zeit verlief die Frontlinie des Krieges gegen Deutschland noch tief auf sowjetischem Gebiet. Stalin verfocht energisch die Zerschlagung Deutschlands, um dauerhaft Sicherheit vor diesem gewinnen zu können. Man einigte sich auf eine Aufteilung des Deutschen Reiches (damals unter der Herrschaft des von Adolf Hitler geführten NS-Staates) in mehrere Teilstaaten oder Protektorate.

1945: Konferenz von Jalta

mini|Gebäude des Kammergerichts in Berlin: Tagungsort und Sitz des Alliierten Kontrollrats in Deutschland

Als sich zwei Jahre später die Alliierten im Februar 1945, diesmal in Jalta auf der Krim erneut trafen, um die Erklärung von Jalta zu verabschieden, waren die Interessengegensätze zwischen den Westalliierten und der Sowjetunion bereits deutlicher zutage getreten. Churchill, Roosevelt und Stalin stritten um die Zukunft der ehemaligen deutschen Satellitenstaaten in Ostmittel- und Südosteuropa. Stalin installierte damals bereits in den von der Roten Armee besetzten Gebieten sowjettreue Regimes. Das stand nicht zuletzt in Widerspruch zur britisch-amerikanischen „Atlantik-Charta“ von 1941, in der die beiden Westalliierten vereinbart hatten, Fragen des Territoriums und der Staatsform nicht ohne Anhörung des betroffenen Volkes zu entscheiden.

Die etwaige Gefahr, die künftig von Deutschland ausgehen würde, wurde als nicht mehr so stark wahrgenommen. An ihre Stelle trat der beginnende Ost-West-Gegensatz, der später den Begriff Kalter Krieg erhalten sollte. Die Westalliierten änderten ihre Ziele und wollten nun ein starkes und stabiles Deutschland als Gegengewicht zu den Expansionsbestrebungen der Sowjetunion. Auch Stalin hatte kein Interesse mehr an der Teilung Deutschlands, da er damit rechnen musste, dass kleine westdeutsche Staaten, die auch das für Reparationszwecke interessante Ruhrgebiet enthalten hätten, sich angesichts der im Osten Deutschlands stehenden Sowjetarmee dem Westen zuwenden würden.

Offiziell hielten aber alle drei Teilnehmer der Konferenz am Ziel einer Teilung Deutschlands fest. Es wurde beschlossen, Deutschland gemäß der in den beiden (am 12. September bzw. 14. November 1944) niedergelegten Zonenprotokollen enthaltenen Vorschläge der Europäischen Beratenden Kommission (EAC), in drei Besatzungszonen und die Hauptstadt Berlin in ebenfalls drei Sektoren aufzuteilen. Die EAC war ein von den drei Außenministern eingesetzter diplomatischer Ausschuss, dessen Mitglieder den Verlauf der Grenzen und die Verwaltung der Besatzungszonen diskutierten und ihren darüber erzielten Konsens in den Protokollen fixierten. Jede Siegermacht sollte in ihrer Besatzungszone durch ihren eigenen Oberbefehlshaber in eigener Verantwortung regieren. Für Deutschland als Ganzes betreffende Fragen sollte ein Rat der Oberbefehlshaber (Alliierter Kontrollrat) gebildet werden, der Entscheidungen gemeinsam und einstimmig treffen sollte. Auch hierin zeigt sich, dass die Teilung Deutschlands nicht mehr oberstes Ziel der Beteiligten war. Nachdem der sowjetische Vertreter vor dem Hintergrund des beginnenden Kalten Krieges am 20. März 1948 den Kontrollrat (de facto), was im Jahr darauf zur Teilung Deutschlands führte.

Außerdem wurde in Jalta eine Vereinbarung getroffen, durch die Frankreich zur vierten Besatzungsmacht wurde und somit Anspruch auf Sitz und Stimme im Alliierten Kontrollrat bekam. Die von der EAC dazu geführten Gespräche mündeten in das am 26. Juli 1945 niedergelegte dritte Zonenprotokoll. Es enthielt den Vorschlag, welche Gebiete für diese im Westen und Südwesten Deutschlands zu schaffende Zone aus der US-amerikanischen und britischen Zone „herausgeschnitten“ werden sollten.

1945: Potsdamer Konferenz

mini|Winston Churchill, Harry S. Truman und Josef Stalin, 25. Juli 1945 auf der Potsdamer Konferenz mini|Die ehemaligen deutschen Ostgebiete

Das auf der Konferenz von Potsdam vereinbarte Abkommen führte unbeabsichtigt in Richtung Teilung Deutschlands. Es teilte Deutschland in vier Besatzungszonen, die eigentlich zwei ideologisch gegensätzliche Zonen waren. Dies war die Grundlage, die später zur Gründung der beiden deutschen Staaten führte. Zuvor hatte am 8. Mai 1945 Deutschland militärisch kapituliert. Mit der Berliner Erklärung vom 5. Juni 1945 wurde der deutsche Staat offiziell abgeschafft und hier ein militärisches Besatzungsregime der vier alliierten Mächte errichtet.Rudolf Morsey: Die Bundesrepublik Deutschland. Entstehung und Entwicklung bis 1969 (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 19). Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-70114-2, S. 2.Wilhelm Grewe: Deutschlandvertrag. In: Werner Weidenfeld und Karl-Rudolf Korte (Hrsg.): Handbuch zur deutschen Einheit 1949–1989–1999. Campus, Frankfurt am Main/New York 1999, S. 293. Bevor diese Erklärung abgegeben wurde, hatten sich die von NS-Deutschland annektierten oder einverleibten Gebiete bereits von Deutschland getrennt, so hatte beispielsweise Österreich am 27. April 1945 seine Unabhängigkeit erklärt. Man stritt nun solange über die künftige Ordnung Südosteuropas und die immer noch ungeklärte Reparationsfrage, bis abzusehen war, dass die Konferenz scheitern würde. Dies wollte aber keine der drei beteiligten Nationen. Die Vereinigten Staaten wollten die Sowjetunion in die entstehenden Vereinten Nationen integrieren und sie nicht vor der Weltöffentlichkeit brüskieren.

Die Briten hingegen waren der Auffassung, ihre Rolle als Weltmacht vom Fortbestehen der Koalition abhängig machen zu müssen; denn fest ans westliche Lager gebunden, werde man schnell zum bloßen Juniorpartner der USA. Der Zusammenhalt der Anti-Hitler-Koalition war für jede der drei Seiten wesentlich.

Um die Konferenz doch noch zu einem Erfolg zu führen, schlugen die USA einen Kompromiss in der Reparationsfrage vor. Der Streit um die Reparationen drehte sich im Wesentlichen darum, dass Amerikaner und Briten nach dem „First Charge Principle“ erst dann Reparationen aus Deutschland abziehen wollten, wenn der Inlandsbedarf befriedigt war. Die UdSSR, von Kriegsschäden weit mehr betroffen als die USA und Großbritannien, war nicht bereit, dies zu akzeptieren. Der Kompromissvorschlag der Amerikaner sah nun vor, Deutschland als Reparationsgebiet einfach zu teilen. Damit stünde es jeder Partei frei, in ihrer Besatzungszone ihre eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Der Vorschlag wurde angenommen.