Das Christentum ist eine in China anerkannte religiöse Minderheit. Die Anzahl der in China lebenden Christen ist umstritten, da keine offiziellen Register existieren. Von unterschiedlichen staatlichen und unabhängigen Quellen werden Zahlen zwischen 40 und 70 Millionen angenommen. Das Christentum, insbesondere der Protestantismus, ist die in China am schnellsten wachsende Religionsgemeinschaft.
Christentum im Allgemeinen wird mit Lehre des Christus () übersetzt. Die drei größten Strömungen des Christentums werden als Dongzheng jiao (, d. h. Orthodoxes Christentum), Tianzhu jiao (, d. h. Katholizismus), Jidu Xinjiao (, d. h. Protestantismus) bezeichnet.
Ein Großteil der Christen praktiziert ihre Religion in nicht offiziell registrierten Kirchen oder Gemeinden. Es existieren zwei offiziell registrierte chinesische christliche Kirchen, die dem Staatlichen Amt für religiöse Angelegenheiten unterstellt sind: die Katholisch-Patriotische Vereinigung () mit einer Mitgliederanzahl von 6 Millionen im Jahr 2012 und die protestantische Patriotische Drei-Selbst-Bewegung () mit 20 Millionen Mitgliedern im Jahr 2012.
Zahl der Christen Nachdem die europäischen Missionare in den 1950er Jahren des Landes verwiesen wurden und nachdem während der Kulturrevolution das religiöse Leben streng verboten war, hat das Christentum in den letzten dreißig Jahren ohne wesentliche ausländische Unterstützung einen massiven Aufschwung genommen. Inzwischen hat China eine der größten christlichen Gemeinden mit weiterem stabilem Wachstum. Bisher hat die übrige Christenheit von dieser äußerst lebendigen chinesischen Variante des Christentums noch nicht viel Notiz genommen. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Entwicklung von der Zentralregierung weitgehend geleugnet wird.
1997 gab es in der Volksrepublik China nach offiziellen Angaben etwa 19 Millionen Christen, das wären 1,4 % der Bevölkerung;Hans van Ess: Die 101 wichtigsten Fragen: China. C. H. Beck, München 2008; S. 106. 2018 wurde diese Zahl, die nur „registrierte“ Christen umfasst, in einem Dokument der Regierung auf 36 Millionen erhöht. Auch die Schätzungen über die Gesamtzahl der Christen (inklusive „nicht registrierter“ Christen) belegen ein starkes Wachstum. 2009 rangierten sie von rund 30 Millionen bis zu 80 Millionen, das wären 2,2 % bis 5,9 % der Bevölkerung.Kim Kwong-Chan: The Christian community in China. The leaven effect. In: Daniel H. Bays: Christianity in China. From the Eighteenth Century to the Present. Stanford University Press, 1999, S. IX; David H. Lumsdaine (Hrsg.): Evangelical Christianity and democracy in Asia. Oxford University Press, Oxford 2009, S. 44 f. Die evangelikal-christliche Missionsorganisation Asian Harvest behauptete sogar, dass 7,63 % der Bevölkerung auf dem chinesischen Festland Christen seien;; Asian Harvest. das wäre ein höherer Anteil als in Taiwan, wo 6,57 % der Bevölkerung Christen sind.Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor: (Bericht des US-amerikanischen Außenministeriums). Neuere Schätzungen sprechen von 100 bis 130 Millionen Christen in China.
Offizieller Status Der Katholizismus und der Protestantismus werden in der Volksrepublik China als eigenständige Religionen angesehen. Es gibt wenig Ökumene. Die katholische und die protestantischen Kirchen haben untereinander kaum Kontakt. (PDF). Universität Hamburg, 5. März 2008
Die kirchliche Situation ist sehr kompliziert und abhängig von Konfession, Denomination und Ort oder Diözese. Es herrscht eine zunehmende Intransparenz im Bereich der sogenannten katholischen Untergrundkirche bzw. den protestantischen „Hauskirchen“ bei gleichzeitiger Entstehung von ausgedehnten Grauzonen zwischen dem „Untergrund“ und der vom Staat offiziell anerkannten Kirchen. Es gibt ein sehr intensives religiöses (sakramentales) Leben und unzählige Aktivitäten, die eigentlich in keiner Entsprechung zum Personal und zu den finanziellen Möglichkeiten der Kirche stehen. In der chinesischen Christenheit gibt es eine Vitalität des christlichen Lebens, die den europäischen Christen inzwischen meist fremd ist. Es besteht immer noch theologische Unklarheit und Unsicherheit in den Gemeinden mit der Gefahr, dass ganze Gemeinden von Sekten vereinnahmt werden. Es gibt eine große Unversöhnlichkeit zwischen den Gruppierungen der Kirchen, z. B. der offiziellen katholischen Kirche und der ehemaligen katholischen Untergrundkirche. Winfried Gluer: Christliche Kirche in China . Vereinigung Christen im öffentlichen Dienst Baden-Württemberg, 25. Juli 2006.
Seit dem 1. März 2005 galten in China erstmals landesweite Vorschriften für religiöse Angelegenheiten, die das Verhalten der verschiedenen Gemeinschaften gegenüber dem Staat auf eine in vielen Bereichen pragmatische Ebene stellten.Redaktion: Ein Hauch von Demokratie Christen profitieren von den Entwicklungen in China. In: Die Tagespost, 2. Juni 2005, (online). Mit dem Religionsgesetz vom 1. Februar 2018 hat der Staat aber wieder eine deutlich härtere Haltung angenommen. Dies hat zu deutlichen Spannungen zwischen Staat und vielen christlichen Kirchen geführt.Siehe z. B. den Bericht von Open Doors.
In den Monaten ab Mai 2025 sowie in größerem Umfang am 10. und 11. Oktober 2025 wurden mehrere Mitglieder der Glaubensgemeinschaft Light of Zion Church verhaftet. Im September 2025 gaben die Behörden einen Verhaltenskodex für Geistliche heraus, der Online-Predigten nur noch von zugelassenen Gruppen erlaubt.
Geschichte links|mini|200x200px|Christliche Stele aus dem Jahr 781 betitelt mit 大秦景教流行中國碑 "Stele für die Verbreitung der Lehren von Daqin in China" Erste christliche Missionare der Assyrischen Kirche des Ostens (oft fälschlicherweise als Nestorianische Kirche bezeichnet) erreichten China im 7. Jahrhundert während der Tang-Dynastie. Jesuitische Missionare verstärkten ihre Bemühungen im 16. und 17. Jahrhundert, geleitet von Michele Ruggieri und Matteo Ricci. Trotz jahrhundertelanger Bemühung konnte das Christentum in China bis in die 1980er Jahre kaum Fuß fassen. Bei der Gründung der Volksrepublik China im Jahre 1949 nur etwa 1,8 Mio. Christen, davon 750.000 Protestanten,Paul Hattaway: How Many Christians are There in China?, S. 23, wobei bei vielen der Kirchenmitgliedern die Hoffnung, von den Europäern materiell profitieren zu können, mitschwang.Richard Wilhelm: , 1926 1949 galten weniger als 500.000 Personen erklärtermaßen als Christen.
Die Volksrepublik China wurde, gemäß der kommunistischen Verfassung, als ein laizistischer Staat gegründet. Zu dem Ziel, eine klassenlose Gesellschaft zu errichten, gehörte die Beseitigung der Religionen, die in der Folge unter Druck gerieten. Bis Mitte der 1950er Jahre wurden alle ausländischen Missionare ausgewiesen, zu dem Zeitpunkt etwa 6.200. Den Kirchen in China wurde der Kontakt zu Institutionen und Vereinigungen im Ausland untersagt.Stefan Friedrich: Christen in der VR China, Konrad-Adenauer-Stiftung, 2003. Während der sogenannten Kulturrevolution (1966–1976) wurde die Religionsausübung dann vollkommen unterdrückt.
Unter Deng Xiaoping begann eine neue Periode der Öffnung (seit 1979), in der auch die Religionsausübung wieder erlaubt wurde. Seit Mitte der 80er Jahre gibt es in China ein massives Anwachsen der Religionsgemeinschaften. Wissenschaftler sprechen von einem „Religionsfieber“ (zongjiao re). Inzwischen kommen allein zur offiziellen protestantischen Kirche Chinas jedes Jahr eine Million Menschen neu zu den Gemeinden hinzu. Nicht nur das Christentum wächst im heutigen China, auch der Buddhismus, der Daoismus und der Islam. Das Christentum hat sich aber in den letzten Jahren am schnellsten entwickelt.
Kirchenorganisation mini|Katholische Kirche Sacré-Cœur von Shizhi, Guangzhou In China gibt es fünf staatlich anerkannte Religionen: Katholizismus, Protestantismus, Buddhismus, Daoismus und Islam, die jeweils eine sogenannte „Patriotische Vereinigung“ besitzen müssen. Die patriotischen Vereinigungen („Massenorganisationen“) der Kirchen, die in den 50er Jahren entstanden sind, gründen auf den bereits in den 30er Jahren des 20. Jh. von chinesischen Theologen formulierten Drei-Selbst-Prinzipien bzw. Autonomien. Dies sind: 1. Selbsterhaltung, d. h. finanziell selbstständig zu sein und keine ausländische Hilfe annehmen. 2. Selbstverkündung, d. h. das Evangelium durch einheimische Kräfte zu verkünden. 3. Selbstverwaltung, d. h. die Kirche in China selbstständig, ohne ausländischen Einfluss zu verwalten.
Zu diesen staatlich geforderten Vereinigungen zählen die protestantische „Patriotische Drei-Selbst-Bewegung“ und die „Patriotische Vereinigung der Katholischen Kirche“, die beide bereits 1951 gegründet worden waren. Gemäß der Satzung sind die Patriotischen Vereinigungen nicht für den direkten religiösen Bereich zuständig. Bei den Katholiken gibt es dafür die Bischofskonferenz, für die Protestanten ist dies der „Chinesische Christenrat“. Die Patriotischen Vereinigungen sollen die Kirchen im materiellen wie politischen Bereich unterstützen, aber auch kontrollieren.Georg Evers: Religionsfreiheit in der VR China, S. 98 (). Die offiziellen Organisationen haben für die Gemeinden selbst aber nur beschränkten Einfluss. Jede lokale Gemeinde ist, auch finanziell, für sich selbst verantwortlich.Gotthard Oblau: Die evangelische Kirche in China, 28. Dezember 2007 (). Einen Einfluss haben die staatlichen Kirchenorganisationen bei der Ausbildung der Pfarrer und Priester und bei der Bereitstellung von Arbeitsmaterialien. Religiöse Amtsträger dürfen religiöse Aktivitäten nur nach der Bestätigung durch die Religiöse Organisationen und der Registrierung bei den Abteilungen für religiöse Angelegenheiten durchführen. Jeder Prediger muss also von einer patriotischen Drei-Selbst-Bewegung anerkannt werden. Neue Vorschriften für religiöse Angelegenheiten in der VR China (PDF; 217 kB)
Neben dieser offiziellen Kirche gibt es noch eine breite Grauzone von Gemeinden, die teilweise toleriert, teilweise ignoriert, manchmal auch schikaniert werden; zur mangelnden Religionsfreiheit siehe auch Christenverfolgung#China. Es kommt sowohl auf die lokalen Behörden wie auch auf die jeweiligen Gemeinden, es gibt teilweise sehr obskure Sekten, an. Die rechtliche Lage ist sehr unklar, bis heute gibt es kein Gesetz für die Religionen. Auf jeden Fall gehört die Mehrheit der chinesischen Christen keiner der beiden großen offiziellen Kirchen an.
Römisch-katholische Kirche miniatur|Katholische Kirche in Chengdu
Die römisch-katholische Kirche ist geteilt in die 1958 gegründete offizielle Kirche und die ehemalige Untergrundkirche. Beide Kirchen haben ungefähr 70 Bischöfe. Die Strukturen der offiziellen und der inoffiziellen Kirche verlaufen parallel, so dass die Diözesen oft doppelt besetzt sind. Beide Organisationen haben eine vom Vatikan nicht anerkannte Bischofskonferenz. Die meisten Bischöfe der offiziellen katholischen Kirche sind inzwischen vom Papst anerkannt und legitimiert und in einem Brief an die chinesischen Katholiken im Jahr 2007 erläuterte der Papst, dass er eine Vereinigung der beiden katholischen Kirchenflügel Chinas wünscht, und dass es keine Bischofsernennungen im Untergrund mehr geben wird. Die Zuständigkeit für die Bischofsernennungen blieb umstritten. Der Papst war der Ansicht, ihm stünde das Recht auf Ernennung der Bischöfe zu, die chinesische Regierung bestand auf dem Verfassungsartikel, dass keine Kirche aus dem Ausland gesteuert werden dürfe. Es wurde ein Kompromiss angestrebt. 2018 wurde die Kompromisslösung unterzeichnet.
Evangelische Kirchen miniatur|Presbyterianische Kirche in Quanzhou
Innerhalb der evangelischen Konfession wird zwischen den Kirchen der patriotischen Drei-Selbst-Bewegung, den Versammlungspunkten im Bereich der Drei-Selbst-Bewegung, halb unabhängigen ländlichen Kirchen sowie den sogenannten Hauskirchen unterschieden.