mini|Luftbild des Betriebsgeländes in Harsewinkel mini|Drohnenvideo von CLAAS Tucano 430 in Estland (August 2022)

Die Claas KGaA mbH (Eigenschreibweise: CLAAS) ist ein 1913 gegründetes deutsches Familienunternehmen der Agrartechnikbranche mit Hauptsitz im westfälischen Harsewinkel. Das Unternehmen stellt unter anderem Mähdrescher, Feldhäcksler und Traktoren her. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Claas einen Umsatz von rund 4,9 Milliarden Euro und beschäftigte weltweit mehr als 11.500 Mitarbeitende an 35 Standorten in 20 Ländern.

Geschichte mini|hochkant|Das ursprüngliche Claas-Logo mit dem „Knoter“

Anfänge und Neuanfang nach dem Ersten Weltkrieg Die Ursprünge des Unternehmens Claas gehen auf ein 1887 von Franz Claas in Clarholz (Westfalen) gegründetes Unternehmen zur Herstellung von Milch-Zentrifugen zurück. Schon vorher beschäftigte sich Claas – auf dem elterlichen Hof – mit landwirtschaftlichen Geräten. Um etwa 1900 begann er mit der Entwicklung und Herstellung von Strohbindern und Ablegern für Mähmaschinen. Auf der Basis von mechanischen Strohbindern aus Großbritannien entwickelte er eine eigene Maschine, die er 1907 auf den Markt brachte. Als zweites Standbein entstand ein Lohnunternehmen, das den Getreidedrusch anbot. In den besten Jahren waren 20 bis 30 Arbeitskräfte beschäftigt.

Am 8. April 1913 übernahm der Maschinenschlosser und Sohn, August Claas, in Clarholz das väterliche Unternehmen und spezialisierte sich fortan auf die Herstellung und Reparatur von Strohbindern. Ein Jahr später, am 12. Januar 1914, firmierte er mit seinen Brüdern Bernhard und Franz Claas jun. als „Gebrüder Claas“. Nachdem die Brüder Bernhard, August, Franz jun. und Theo gesund aus dem Ersten Weltkrieg heimgekehrt waren, erwarben sie 1919 ein stillgelegtes Hartsteinwerk in Harsewinkel und verlegten den Unternehmensstandort dorthin. Auf etwa 1.000 Quadratmetern produzierten sie ihre Strohbinder. In den Nachwirkungen des Krieges war das benötigte Material nur schwer zu bekommen, so dass sie größtenteils gebrauchte Strohbinder aufarbeiteten und weiterentwickelten.

Mittlerweile gelang es Claas wie schon vor dem Krieg, die Strohbinder im benachbarten Ausland wie den Niederlanden abzusetzen. Der niederländische Abnehmer Reensink aus Zutphen bezahlte in Gulden, die sich im Gegensatz zur Reichsmark als stabil erwiesen und Claas handlungsfähig ließ. 1921 meldete August Claas seinen verbesserten „Knoter“ für Strohbinder als Patent an und legte damit den Grundstein für die Produktpalette des Unternehmens. Bald konnte Claas seine Strohbinder auch in Frankreich und Belgien absetzen, so dass im Jahr 1924 der 1.000. Strohbinder produziert wurde. Doch bald erkannten die Brüder, dass an Stelle der Strohbinder die Strohpressen auf den Markt drangen und produzierten ab 1931 eigene Pressen.

Produktion von Rüstungsgütern und Einsatz von Zwangsarbeitern Bereits im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs gab es Vorbereitungen, um auch Waffen und Munition in den Werken fertigen zu können. Während des Zweiten Weltkrieges konnten 1940 und 1941 nur jeweils 450 Maschinen produziert werden. 1943 wurde die Produktion von Erntemaschinen schließlich ganz verboten und die Produktion auf Rüstungsgüter umgestellt. 1944 waren 336 Zwangsarbeiter in dem Werk von Claas im Einsatz.

Nach dem Krieg wurde August Claas kurzzeitig als Amtsbürgermeister von Harsewinkel ernannt, im Zuge seines Entnazifizierungsverfahrens aber bald darauf von der Militärregierung wieder abgesetzt und verhaftet. Sein Bruder Franz Claas war als Politischer Leiter wie andere als aktive Nationalsozialisten eingestufte Bürger von der Teilnahme an Wahlen zunächst ausgeschlossen.

Ab den 1960er Jahren 1969 übernahm Claas mit der Josef Bautz AG in Saulgau ein Werk für Futtererntemaschinen. Von Bautz wurde der Mähdrescher TITAN übernommen. Erstmals wurde serienmäßig ein hydrostatischer Fahrantrieb eingesetzt und er hatte ein abnehmbares Schneidwerk von 3,60 m Breite. Im Februar 1970 übernahm Claas den 1874 von Wilhelm Speiser gegründeten Betrieb für von Traktoren gezogene Häcksler und verlegte deren Produktion nach Saulgau. Im selben Jahr wurde der Dominator vorgestellt, der sich als überaus erfolgreich erwies. 1971 entwickelte Claas seinen ersten Zuckerrohrernter.mini|Erster Traktor von Claas: der Xerion2003 übernahm Claas 51 % der Aktien des französischen Traktorenherstellers Renault Agriculture und konnte damit erstmals ein vollständiges Traktoren-Sortiment anbieten. 2004 trat Cathrina Claas, Tochter von Helmut Claas, aktiv in das Familienunternehmen ein. Im Jahr 2005 entstand in Zusammenarbeit mit Kramer die Teleskoplader-Baureihe Claas Scorpion. Im russischen Krasnodar begann die Produktion im neuen Mähdrescherwerk. Als erster westlicher Hersteller verfügte Claas über eigene Kapazitäten in Russland.

Anfang 2006 stockte Claas seinen Anteil bei Renault Agriculture auf 80 Prozent auf. 2007 entstand in Morinda in der Nähe von Chandigarh im Bundesstaat Punjab das zweite Mähdrescherwerk in Indien. Die Produktion in dem Werk mit 300 Beschäftigten wurde im Oktober 2008 aufgenommen. Auf der Agritechnica 2007 wurde der Claas Tucano als neues Mittelklassemodell vorgestellt. Die Schneidwerksbreiten liegen zwischen 5,40 und 9 Metern, das Korntankvolumen beträgt 9.000 Liter und die Entleerleistung ist 75 Liter pro Sekunde. 2008 erfolgte die vollständige Übernahme von Renault Agriculture.

Im Jahr 2010 nahm das Joint-Venture-Unternehmen Uz CLAAS Agro LLC die Fertigung von Claas-Maschinen in Usbekistan auf. 2014 erfolgte die mehrheitliche Übernahme des chinesischen Landtechnikproduzenten Shandong Jinyee Machinery Manufacture Co. Ltd (Jinyee) mit Sitz in der Gaomi. Die Eröffnung des neuen Entwicklungszentrums für eFarming in Dissen in Niedersachsen erfolgte im Jahr 2017.

Helmut Claas, Sohn des Unternehmensgründers August Claas, verstarb am 5. Januar 2021 im Alter von 94 Jahren. Seine Tochter Cathrina Claas-Mühlhäuser verantwortet seit 2010 als Aufsichtsratsvorsitzende und seit 2020 als Vorsitzende des Gesellschafterausschusses alle wichtigen Entwicklungen und Entscheidungen in der Unternehmensgruppe.

Im Jahr 2023 gab Claas alle Landmaschinen der neuesten Abgasstufe für den Betrieb mit hydrierten Pflanzenölen (HVO) frei. Darüber hinaus erfolgte die Erstbefüllung in den Werken Harsewinkel und Le Mans ebenfalls mit dem nachhaltigen Biokraftstoff. Durch diese Maßnahme können jährlich 2.500 Tonnen CO2 eingespart werden.

2024 feierte Claas 500.000 produzierte Mähdrescher. Im September 2024 verkaufte das Unternehmen seine Produktion in Indien an Yanmar, einen Landtechnik- und Motorenhersteller aus Japan.

Aktivitäten in Russland trotz internationaler Kritik Claas betreibt im russischen Krasnodar ein Werk für Mähdrescher sowie ein Büro in Moskau. Das Werk in Krasnodar beschäftigte 2022 rund 600 Mitarbeiter. Im Zuge des Russisch-Ukrainischen Kriegs werfen Kritiker dem Unternehmen vor durch seine anhaltende Präsenz indirekt die Verletzungen des humanitären Völkerrechts durch Russland zu ermöglichen. Durch Gesetze aus dem Jahr 1997 sind Unternehmen in Russland verpflichtet, militärische Mobilisierungsmaßnahmen zu unterstützen, was Bedenken aufwirft, dass Claas direkt oder indirekt zur russischen Kriegsführung gegen die Ukraine beiträgt. Diese Situation birgt erhebliche Reputations- und Rechtsrisiken für das Unternehmen. 2022 wurde die Produktion von Mähdreschern in Krasnodar ausgesetzt. Grundsätzlich bleibt Claas aber weiter in Russland aktiv.

Ehemalige und aktuelle Baureihen Mähdrescher mini|Mähdrescher Lexion 550 Der erste von Claas entwickelte Mähdrescher war der gezogene Mäh-Dresch-Binder (MDB) aus dem Jahr 1936. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Mäh-Dresch-Binder weiterentwickelt und erhielt die Bezeichnung Super. Ab 1946 wurde dieser in Serie produziert. Ab 1953 baute Claas das etwas kleinere Modell Super-Junior, das auch von den seinerzeit gängigen Schleppern gezogen werden konnte.Albert Mößmer: Alles über Landmaschinen. GeraMond Verlag, München 2007, ISBN 978-3-86245-541-6, S. 51. Den ersten selbstfahrenden Mähdrescher mit der Modellbezeichnung Hercules (kurze Zeit später aus markenrechtlichen Gründen in SF umbenannt) brachte Claas 1953 auf den Markt. Bereits 1955 erschien das verbesserte Modell SF 55. Einen Sonderweg ging Claas mit der Einführung des Geräteträgers Huckepack im Jahr 1957, der mit entsprechenden Anbauten als selbstfahrender Mähdrescher eingesetzt werden konnte. Die Produktion wurde jedoch 1960 wieder eingestellt.Albert Mößmer: Alles über Landmaschinen. GeraMond Verlag, München, 2007, ISBN 978-3-86245-541-6, S. 53.

1958 begann Claas mit der Fertigung der beiden günstigeren Mähdrescher Europa mit einer Schnittbreite von 2,10 m und Columbus mit einer Schnittbreite von 1,80 m für kleinere Betriebe. Zu Beginn der 1960er Jahre folgte der Mähdrescher Matador für größere Betriebe in der Version Standard und Gigant. Die Lücke zwischen den kleineren und größeren Mähdreschern schloss der ab 1964 angebotene Mercur.Albert Mößmer: Alles über Landmaschinen. GeraMond Verlag, München 2007, ISBN 978-3-86245-541-6, S. 54. Trotz des gesättigten Marktes stellte Claas Ende der 1960er Jahre eine Reihe neue Mähdrescher vor, die einige technische Neuerungen aufwiesen und auch ein neues Design besaßen.Albert Mößmer: Alles über Landmaschinen. GeraMond Verlag, München 2007, ISBN 978-3-86245-541-6, S. 55 ff. Dazu zählten die Baureihen Senator, Mercator, Consul, Cosmos, Comet, Corsar, Garant und Protector. Um auf dem Stand der Technik zu bleiben, setzte Claas die Einführung neuer Baureihen zu Beginn der 1970er Jahre fort. So erschienen 1971 die Baureihen Compact und Dominator. Letztere wurde stetig weiterentwickelt und zählt zur erfolgreichsten Baureihe des Konzerns.Produkthistorie Claas-Mähdrescher zwischen 1971 und 1993, abgerufen am 5. November 2023. Für den asiatischen Markt und dort insbesondere für die Reisernte stellte Claas 1992 die Baureihe Crop Tiger vor. Ein Jahr später folgte als Weiterentwicklung des Dominator die Baureihe Mega.

1996 startete die Markteinführung der Baureihe Lexion, die in weiterentwickelter Form mit den Baureihen 5000, 6000, 7000, und 8000 nach wie vor angeboten wird (Stand 2025).Produktübersicht Claas Lexion, abgerufen am 5. November 2023. Die Baureihe Medion folgte 2001. 2008 brachte Claas die Baureihe Tucano und zwei Jahre später die Kompaktbaureihe Avero auf den Markt.Produkthistorie Claas-Mähdrescher ab 1996, abgerufen am 5. November 2023. 2022 nahm die Baureihe Trion als Ersatz für die Tucano-Reihe ihren Anfang.Claas Mähdrescher Trion: Tucano wird zum Lexion für Jedermann, abgerufen am 5. November 2023. Als Ersatz für die Baureihe Avero folgte 2024 die Evion-Reihe.Evion ist der neue kleine Schüttlerdrescher von Claas , abgerufen am 5. November 2023.

Traktoren mini|Traktor Axion 850 mini|Schmalspurtraktor Nexos 260 M Claas spezialisierte sich zwar früh auf Erntemaschinen, gleichzeitig wollte das Unternehmen aber auch in den Schlepperbau einsteigen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand daher der Schlepperprototyp Jumbo mit einer vergleichsweise hohen Leistung von .Oldtimer Traktor, VF Verlagsgesellschaft mbH, Ausgabe Juli 2023, , Seite 87 ff. Ende der 1950er Jahre kam dann der Geräteträger Huckepack auf den Markt. Da dieser jedoch kaum Kunden fand, wurde er 1960 wieder eingestellt. Bis Anfang der 1970er Jahre entwickelte Claas dann den Mehrzweckschlepper HSG, der allerdings aufgrund einer Umsatzkrise und des kurz vorher erschienen MB-tracs nicht auf den Markt gebracht wurde.