Oberhof ist eine Landstadt im Landkreis Schmalkalden-Meiningen in Thüringen (Deutschland). Sie liegt am Kamm des Thüringer Waldes auf etwa 815 m ü. NHN in der Nähe des Rennsteigs. Oberhof wird von der Landesplanung als Teil des kreisübergreifenden und funktionsteiligen Oberzentrums Südthüringen festgeschrieben.

Oberhof ist als deutsches Wintersportzentrum bekannt. Besonders populär sind hier die Sportarten Biathlon, Rennrodeln bzw. Bobsport, Skilanglauf und die Nordische Kombination. Die Stadt lebt vom Tourismus. Im Jahr 2009 kamen 132.000 Gäste mit insgesamt 426.000 Übernachtungen nach Oberhof.Thüringer Landesamt für Statistik Damit ist Oberhof nach Erfurt und Weimar der meistbesuchte Ort in Thüringen sowie der meistbesuchte Ferienort im Thüringer Wald.

Oberhof ist auch bekannt für die dort stationierte Sportfördergruppe der Bundeswehr sowie für sein Sportgymnasium, welches das Zentrum der Wintersport-Nachwuchsförderung in Thüringen darstellt.

Geografie Oberhof liegt im Thüringer Wald, einem Mittelgebirge, in etwa 815 Metern Höhe. Südlich des Ortes verläuft der Rennsteig, der den Kamm des Gebirges darstellt. Die Stadt liegt auf einer Hochfläche, weshalb es im bebauten Gebiet keine großen Höhenunterschiede gibt. Direkt ans Stadtgebiet grenzt südlich der 904 Meter hohe Schützenberg. Etwa vier Kilometer südöstlich liegen mit dem 983 Meter hohen Großen Beerberg und dem 978 Meter hohen Schneekopf die beiden höchsten Berge Thüringens. Südwestlich von Oberhof liegen auch zwei Rennsteigpässe: der Pass am Grenzadler (ehemalige Landesgrenze zwischen dem Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha und Preußen) sowie der Pass am Rondell. Sie waren seit altersher Übergänge von Handelsstraßen. Bei Oberhof entspringen auch mehrere Flüsse, die Gera im Osten, die Ohra im Norden, die Hasel im Süden und die Schönau im Westen.

Die Umgebung Oberhofs ist komplett bewaldet, meistverbreitete Baumart ist die Fichte.

Ausdehnung des Stadtgebiets mini|hochkant=1.2|Stadtansicht Oberhof mini|hochkant=1.2|Lotto Thüringen Arena am Rennsteig.Biathlon-Weltmeisterschaften 2023 mini|Blick vom Schneekopf (978 m) auf Oberhof. Aus dieser Perspektive erkennt man sehr gut die Lage der Stadt Oberhof auf dem Hauptkamm des Thüringer Waldes in etwa 800 m Höhe.

Das Stadtgebiet hat die Form eines auf den Kopf gestellten T, wobei sich der älteste Siedlungskern im Südosten befindet. Später wuchs der Ort dann in Richtung Westen und in den letzten 50 Jahren auch in Richtung Norden. Das Gründle, eine natürliche Feuchtfläche im Nordosten der Stadt, blieb bis 1994 unbebaut. 1996 wurde hier die „Rennsteig-Therme“ errichtet.

Oberhof besitzt keine Ortsteile.

Nachbargemeinden Oberhof liegt im nordöstlichsten Zipfel des Landkreises Schmalkalden-Meiningen und grenzt im Südwesten an die Städte Steinbach-Hallenberg und Zella-Mehlis. Im Osten grenzt die Stadt an die Landgemeinde Geratal im Ilm-Kreis und die kreisfreie Stadt Suhl. An die zum Landkreis Gotha gehörigen Gemeinden Luisenthal und Ohrdruf grenzt Oberhof im Norden.

Klima Das Klima Oberhofs ist sehr rau, deshalb konnte sich der Ort vor 1900 auch nicht entwickeln. Anders als die übrigen Orte des Thüringer Waldes liegt Oberhof ungeschützt nach Norden, Westen und Osten auf einer Hochfläche. Die nächstgelegene Wetterstation ist auf der Schmücke in etwa sechs Kilometern Entfernung am Rennsteig.Klimadiagramm Die jährliche Niederschlagsmenge ist mit etwa 1300 mm sehr hoch, die Jahresdurchschnittstemperatur liegt mit 4,4 °C im niedrigen Bereich. Die durchschnittliche Juli-Temperatur liegt bei 12,8 °C, die Januar-Temperatur bei −4,0 °C. Schnee liegt üblicherweise von Mitte November bis Ende März.

Wie viele vom Wintersport abhängige Mittelgebirgsregionen ist auch Oberhof von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. So ist die Region nicht mehr „schneesicher“, wie dies noch in der Vergangenheit der Fall war. Oberhofs Bürgermeister fasste die Situation auf Basis von Studienergebnissen wie folgt zusammen: „Man sagt da ganz offen: Freunde, passt auf! Wir werden 20 Schneetage weniger haben. Das klingt erstmal wenig spektakulär, denn man kann ja sagen: Dann haben wir immer noch 80 – das ist nicht das Problem! Aber die sind ja nicht am Stück. Das heißt Kalt- und Warmwetterperioden werden sich immer häufiger abwechseln. Ich sag es mal hemdsärmelig: Eine Woche Regen, eine Woche Schnee.“

Geschichte miniatur|Oberhof um 1900 miniatur|Ehemaliges Jagdschloss von 1830 Oberhof wurde 1470 erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort im Amt Schwarzwald gehörte zu verschiedenen Ernestinischen Herzogtümern, zuletzt von 1826 bis 1918 zum Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha. 1830 ließ Herzog Ernst I. ein Jagdschloss errichten. 1861 kamen die ersten Feriengäste in den Ort. Mit der Fertigstellung des Brandleitetunnels der Bahnstrecke Neudietendorf–Ritschenhausen erhielt Oberhof 1884 einen Bahnanschluss, der den Ausbau des Fremdenverkehrs ermöglichte. 1901 besuchten 4.948 Gäste den Ort, 1913 waren es 12.772.Ulrich Hess: Geschichte Thüringens. 1866 bis 1914. Aus dem Nachlaß herausgegeben von Volker Wahl. Böhlau, Weimar 1991, ISBN 3-7400-0077-5, S. 118, 341.

Nach der Gründung des Oberhofer Wintersportvereins, auf Initiative des Oberhofer Arztes Kurt Weidhaas, im Februar 1904 entwickelte sich der Ort zu einem Mittelpunkt des Wintersports. Unter dem Einfluss des Herzogs Carl Eduard, der Wintersport betrieb und das Schlosshotel (1908) sowie das Golfhotel (1912) bauen ließ, wurde Oberhof ein mondäner Wintersportort. Im Jahr 1906 wurden die erste Bobbahn und die erste Skisprungschanze eingeweiht, 1907 der Herzogliche Golfclub Oberhof gegründet, einer der ältesten Golfclubs Deutschlands.

Am 21. September 1912 wurde in Oberhof im Herzoglichen Golfhotel als Deutsches Reichskomitee für die wissenschaftliche Erforschung des Sportes und der Leibesübungen der Vorläufer der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention gegründet. Es war weltweit die erste sportmedizinische Vereinigung. Deutschland gilt damit als Mutterland dieses Fachgebietes. Aus Anlass des 100. Jahrestages wurde in Oberhof eine neue Gedenktafel am ehemaligen Golfhotel enthüllt, die von dem Sportmediziner Professor Karl-Hans Arndt aus Erfurt gestiftet worden war.100 Jahre Deutsche Sportmedizin – Verbandsgründung in Oberhof. In: Ärzteblatt Thüringen. Bd. 23, Nr. 10, 2012, , S. 535.

Im Jahr 1931 wurden im Ort erstmals Weltmeisterschaften ausgetragen, und zwar im Zweierbob und in der Nordischen Kombination auf der Hindenburgschanze. 1939 wurde Oberhof als Luftkurort in die amtliche Liste der Großdeutschen Heilbäder eingetragen.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten etwa 170 Frauen und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern Zwangsarbeit verrichten: beim Forstamt, bei der Bahnmeisterei, in Wehrmachtsreservelazaretten und im Fremdenverkehrsgewerbe. Oberhof war Lazarettstadt. Die großen Hotels dienten als Reservelazarette für die verwundeten Soldaten. Im April 1945 kamen beim Todesmarsch des KZ Bad Salzungen drei Häftlinge ums Leben und wurden später auf dem Waldfriedhof an der Crawinkler Straße begraben, wo ein Gedenkstein an sie erinnert.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 255. Am 3. April 1945 beantworteten amerikanische Panzer deutsches MG-Feuer mit schwerem Granatbeschuss, unter anderem auf ein deutsches Geschütz, den deutschen Gefechtsstand im Hotel Diana und das Schlosshotel. Dadurch brannte das zentral gelegene Herzogliche Schlosshotel vollständig aus.Lothar Günther: Die amerikanische Episode 1945. Auf den Spuren des XII. US-Korps der Dritten US-Armee in Südwest-Thüringen. Wehry Verlag, Untermaßfeld 2014, ISBN 978-3-9815-3078-0, S. 83–93.

Am 13. November 1950 wurden insgesamt 48 Familien (ca. 170 Personen), überwiegend Eigentümer von Hotels und Pensionen, aufgrund der vom Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrats Walter Ulbricht erlassenen Anordnung auf Anweisung des Thüringer Innenministeriums vom 10. November 1950 wegen angeblicher „Wirtschaftsverbrechen“ entschädigungslos enteignet und aus Oberhof deportiert. Alles Inventar musste für die volkseigene Weiternutzung in den Gebäuden bleiben. Diese Aktion wurde bis Februar 1951 noch zweimal wiederholt. Zahlen hierzu liegen nicht vor.Oberhof - sein dunkelster Tag Anschließend wurde Oberhof von der DDR-Führung systematisch zu einem Urlaubs- und Sportzentrum ausgebaut. Die Pensionen wurden als Ferienobjekte des FDGB-Feriendienstes weiterbetrieben. 1952 wurde Oberhof in den neugegründeten Bezirk Suhl eingegliedert.

Von 1951 bis 1956 fanden die DDR-Wintersportmeisterschaften in Oberhof statt. 1964 wurde der Bau der Großschanze am Rennsteig für das Skispringen abgeschlossen und 1971 die Rennschlittenbahn fertiggestellt, auf der 1973 erstmals die Rennrodel-Weltmeisterschaften ausgetragen wurden.

Am 17. November 1957 wurde die evangelische Christuskirche eingeweiht. Grundsteinlegung für den Neubau, der ein Gotteshaus von 1783 ersetzte, war im Frühjahr 1953. Es war die erste neugebaute Kirche in der neugegründeten Deutschen Demokratischen Republik.www.insuedthueringen.de: Christuskirche. Der erste Bau eines Gotteshauses in der DDR ist 50 Jahre her. 17. November 2007

Walter Ulbricht ließ für sich und hochrangige Parteikader 1963 das Gästehaus des DDR-Ministerrates, eine exklusive Nobelherberge, nahe Oberhof () errichten. Einige Hektar Wald wurden dafür gerodet. Hinsichtlich der Materialbeschaffung wurde das geheime Objekt wie eines zur Landesverteidigung bevorzugt, auch Importmaterialien aus dem „nichtsozialistischen Währungsgebiet“ wurden großzügig verwendet. 1990 wurde das Gästehaus geschlossen und verfällt seitdem.MDR, 22. Januar 2013, 20.45 Uhr

Von 1968 bis 1978 erfolgte unter flächengreifendem Abriss der vorhandenen Bausubstanz ein Aus- und Umbau Oberhofs, der den Charakter des Ortes völlig veränderte. Der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht zog für die Planungen seinen Berliner Architekten Hermann Henselmann heran. Beide liebten repräsentative Symbolarchitektur. Mit der Ablösung von Ulbricht wurden nicht alle Planungen verwirklicht. Die Aufnahmekapazität der Hotels und Heime wurde auf 4500 Betten vergrößert. Dazu wurden unter anderem die großen Hotelanlagen Panorama (1969) in der Form von zwei 56 Meter hohen Sprungschanzen, Rennsteig (1973) in der Form eines Rennsteigsteins und Fritz Weineck (1975) errichtet. 1971 wurde in Ortsmitte als Erlebniszentrum der „Obere Hof“, mit sieben Restaurants der größte Gaststättenkomplex der DDR, eröffnet. Ein neues Wohnviertel entstand in Plattenbauweise.

Nach der Wende wurden im Jahre 2002 das FDGB-Hotel Rennsteig, ein 15-stöckiges Hochhaus im Zentrum des Ortes, ausgestattet wie ein Interhotel, und das Ernst-Thälmann-Haus (ehemals Hotel Thüringer Wald) abgebrochen. Im Jahr 2003 folgte das 500-Betten Hotel Schützenberg (ehemals Fritz Weineck). Es wurden wieder kleinere Hotels und Pensionen eingerichtet. Von den 50 im Jahre 1950 vertriebenen Familien leben Anfang des 21. Jahrhunderts acht wieder in Oberhof.

Auf dem Gelände des Kurparkes wurde 2001 ein Hochseilgarten errichtet und 2016 wieder abgebaut. 2011 hatte der Ort 3500 Gästebetten. Zwischen 2019 und 2022 errichtete die österreichische Unternehmerfamilie Mayer am Schützenberg für rund 65 Millionen Euro das Familien-Resort The Grand Green mit über 500 Betten in mehr als 100 Familiensuiten und 15 Chalets. Auf dem Gelände stand früher das FDGB-Erholungsheim „Fritz Weineck“.

Im Jahr 2000 wurde Oberhof staatlich anerkannter Luftkurort.stadt-oberhof.de/geschichte/ 2015 verlor es den Kurort-Status,Beate Kiesewalter-Henkel: Auf der Oberhofer Höh' ist der Luftkurort passé. In: insuedthueringen.de, 9. September 2015 seitdem ist es ein staatlich anerkannter Erholungsort.

Einwohnerentwicklung