mini|Gipsmodell der Schlosskapelle
Die Schlosskapelle in Dresden ist ein in den Jahren 1551 bis 1553 errichteter Sakralbau im Residenzschloss Dresden.
Kapelle Die Kapelle entstand von 1551 bis 1553 nach dem Vorbild der Torgauer Schlosskapelle und stellt den zweiten protestantischen Kirchenbau in Sachsen dar,Birgit Grimm: Himmel aus Ziegeln und Sandstein. In: Sächsische Zeitung, 12. September 2013 (kostenpflichtig online). wie in Torgau als Querkirche mit Kanzel an der nördlichen Längswand gebaut. Sie war 10,2 Meter breit und 21,8 Meter lang. Im Sakralbau wurden spätgotische Formen mit Formen der Renaissance gemischt. Er zeigte ein Schlingrippengewölbe, also ein verstärktes Kreuzrippengewölbe, im Stil der Spätgotik, das auf Dreiviertelsäulen ruhte. Diese Säulen stützten sich auf Emporenhöhe auf nach innen gesetzte Strebepfeiler. Bauplastiken aus Sandstein, Drachen und Engel, und figurale Malereien in den Zwickeln, schmückten das Gewölbe.
mini|Wiederhergestelltes Schlingrippengewölbe (Fertigstellung: 2013)
Durch die Konversion des Kurfürsten Friedrich August I. zur katholischen Kirche genügte die Kapelle den Ansprüchen nicht mehr. Zugunsten der Katholischen Hofkirche erfolgte die Auflösung und Umnutzung der Kapelle im Jahr 1737. Das Renaissance-Portal, der Altar und der Taufstein wurden in die Sophienkirche überführt, die nun als evangelische Hofkirche diente.Fritz Löffler: Das alte Dresden – Geschichte seiner Bauten. E. A. Seemann, Leipzig 1981, S. 38 und S. 59, Bildnr. 67. In den zweigeschossigen Kapellenraum wurde ein weiteres Geschoss mit einem Ziegelgewölbe eingezogen, sodass ein mehrgeschossiger Gebäudeflügel entstand, der zu Wohnzwecken genutzt wurde. Nach der weitgehenden Zerstörung des Schlosses im Zweiten Weltkrieg blieb das Erdgeschossgewölbe des 18. Jahrhunderts zunächst erhalten, stürzte 1966 aber trotz Sicherungsmaßnahmen ein. Ab 1985 erfolgte der Wiederaufbau des Gebäudekomplexes. 1989 wurde der Rohbau der Kapelle fertiggestellt, die dem Staatsschauspiel vorübergehend als Interimsbühne diente.Jörg Schurig: Dresdner Schlosskapelle vollendet. In: Sächsische Zeitung, 11. September 2013 (dpa). In den Jahren 2009 bis 2013 wurde das Schlingrippengewölbe aufwendig rekonstruiert.Thomas Bauer, Jörg Lauterbach: Das Schlingrippengewölbe der Schlosskapelle Dresden – Aspekte einer historischen Rekonstruktion. (PDF; 2,13 MB) In: Neumarkt-Kurier, 2015, Nr. 1, S. 8–11.
Im September 2013 erfolgte die Wiedereröffnung als Konzert- und Veranstaltungsraum.Pressemitteilung: . In: Staatliche Kunstsammlungen Dresden 3. September 2013. Mit der temporären Ausstellung Alles in Allem. Die Gedankenwelt des mystischen Philosophen Jacob Böhme wurde die wiederhergestellte Schlosskapelle im Jahr 2017 erstmals als Ausstellungsort genutzt.Carsten Probst: Ausstellung in Dresden: Das Leben des mystischen Philosophen Jacob Böhme. In: Deutschlandfunk, 3. September 2017; abgerufen am 13. Mai 2021.
November 2025 wurde die Schloßkapelle im nutzungsoffenen Rohbauzustand für die verschiedensten Veranstaltungen feierlich übergeben.Übergabe der Schloßkapelle Dresden als Eventlocation im Residenzschloss auf skd.museum.de Über die weitere Nutzung wird der neue Eigentümer Staatliche Kunstsammlungen Dresden nach Erfordernissen und Bedarf entscheiden.Pressemitteilung auf msu-dresden über die weitere Verwendung der Schloßkapelle
Schlingrippengewölbe mini|links|3D-Konstruktion der Bauform eines Joches von dem Schlingrippengewölbe durch das Architekturbüro Anwand. mini|Modellsimulation der Deckenkonstruktion mit dem Schlingrippengewölbe und Mauersteinen. 2007 wurde mit der Planungsphase der Wiederaufarbeitung des Innenausbaues begonnen.Sächsisches Staatsministerium der Finanzen (Hrsg.): Der Wiederaufbau des Dresdner Schlosses, Eine Baudokumentation 2008–2019, www.sib.sachsen.de, Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, Dresden 2020, Seite 56 Schon in den 1980er Jahren wurden unter Gerhard Glaser erste Wiederaufbauarbeiten begonnen, die sich aber im Wesentlichen auf den Wiederaufbau der im Krieg eingestürzten Gemäuer der Hofseite, Abstützung der Außenseite und Herstellung einer provisorischen Decke zu dem darüber liegenden Propositionssaal beschränkten.Sächsisches Staatsministerium der Finanzen (Hrsg.): Der Wiederaufbau des Dresdner Schlosses, Eine Baudokumentation 2008–2019, www.sib.sachsen.de, Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, Dresden 2020, Seite 59
Für den konkreten Wiederaufbau des Gewölbes stand ein von Matthäus Daniel Pöppelmann 1731 angefertigter Aufriss ohne Deckenspiegel zur Verfügung. Außerdem gab es den von David Conrad 1676 angefertigen Kupferstich mit der vollständigen Darstellung des Deckengewölbes. Versuche, auf Grundlage dieses Kupferstiches mit Hilfe von Bildbearbeitungsprogrammen auf eine 3D-Ansicht zu gelangen, schlugen ebenso fehl wie der Zugriff auf andere vorhandene Deckenkonstruktionen und deren Übertragung auf die Räumlichkeiten der Schlosskapelle. Erst dem Dresdner Kunst- und Architekturhistoriker Stefan Bürger gelang es (basierend auf einer Dissertation zu Figurierten Gewölben zwischen Saale und Neiße und methodischen Vorarbeiten) in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Anwand, eine alle überzeugende Lösung mit Hilfe einer Computerbearbeitung zu finden, die dem vergessenen Proportionschema folgte, das sich im Wesentlichen nach der Sächsischen Elle mit einer Länge von 56,64 Zentimeter richtete.Sächsisches Staatsministerium der Finanzen (Hrsg.): Der Wiederaufbau des Dresdner Schlosses. Eine Baudokumentation 2008–2019, www.sib.sachsen.de, Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, Dresden 2020, Seite 60 Die Geometrie des Schlingrippengewölbes besteht in dem Grundriss aus gleichmäßigen Kreisformen.Sächsisches Staatsministerium der Finanzen (Hrsg.): Der Wiederaufbau des Dresdner Schlosses, Eine Baudokumentation 2008–2019, www.sib.sachsen.de, Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, Dresden 2020, Seite 58 Die Herausforderung bestand darin, diese gleichmäßige Kreisformkonstruktion, wo sich an einen Kreuzungspunkt jeweils drei Kreise kreuzten und jeweils im Gewölbe aufgehangen bzw. auf Stützpfeilern aufgelegt waren, an die verschiedenen Decken - und Auflagehöhen des tonnenförmigen Gewölbedaches anzugleichen.
Die Bauausführung des Schlingrippengewölbes war die nächste Herausforderung und nur möglich, weil der über der Schloßkapelle liegende Propositionssaal noch keinen Fußboden besaß. Bei der Umsetzung der Planung hielt sich das Sächsische Immobilien- und Baumanagement an jede Kleinigkeit, die noch im Bau vorhanden war. So wurden drei doppelt gekrümmte Steine der Gewölberippen als Anhaltspunkte für die Fertigung verwendet sowie später im Rippengewölbe verbaut. 2008 baute die Firma Dreßler Bau zunächst ein Joch der Gewölbedecke an der Wand zum Hausmannsturm, wobei die unteren Kreuzungspunkte der Schlingrippen zunächst von unten abgestützt bzw. auf die schon gesetzten Säulen aufgesetzt wurden. Zum Setzen des Gewölbes, bei dem kein Lehrgerüst benötigt wurde, wurden spezielle schmale Ziegel mit den Maßen 28 × 13 × 6,5 cm und spezieller handangefertigter Kalkspatzenmörtel verwendet.Sächsisches Staatsministerium der Finanzen (Hrsg.): Der Wiederaufbau des Dresdner Schlosses, Eine Baudokumentation 2008–2019, www.sib.sachsen.de, Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, Dresden 2020, Seite 61 Nach Fertigstellung eines Joches konnte von der Gesellschaft für Wissens- und Technologietranser (GWT-TUDD) der TU Dresden ein Belastungstest durchgeführt und dem Gebäudeabschnitt die erforderliche Tragkraft bescheinigt werden. Der Aufbau der folgenden Joche folgte danach und konnte 2012 beendet werden.
Goldenes Tor mini|Wiederhergestelltes Portal der Schlosskapelle (1555) Das Außenportal, Goldenes Tor oder auch Schönes Tor genannt, wurde nach dem Vorbild römischer Triumphbögen errichtet. Es trägt die inschriftliche Datierung 1555. Auf zwei Paar korinthischer Säulen, die auf Sockeln errichtet wurden, ruht ein mit einem Fries geschmücktes Gebälk mit Zahnschnitt, Kymation und Konsolen. Zwischen den Säulen in Nischen stehen links Statuen von Johannes dem Täufer mit Buch und Lamm, darunter Johannes, dem Evangelisten, mit Kelch und Adler. Zwischen den rechten Säulen stehen der gehörnte Moses mit den Gesetzestafeln, darunter Simon Petrus mit Schlüssel und Tafel.
Über dem Gebälk befindet sich eine Attika, die im Mittelfeld mit einem Relief mit dem Thema der Auferstehung verziert worden ist. Zu beiden Seiten des Reliefs in der Mitte befinden sich die Nischenfiguren Jesaja und Paulus, die von flankierenden Pilastern geschmückt werden. Drei Statuen stehen oberhalb der Attika, Christus in der Mitte flankiert von den Allegorien Glaube mit dem Kelch und Stärke mit der Säule.Fritz Löffler: Das alte Dresden – Geschichte seiner Bauten. E. A. Seemann, Leipzig 1981, S. 53, Bildnr. 57. [Das Tor zur Schloßkapelle]
Die hölzerne Tür umrahmen verzierte Pilaster mit Kapitellen. Das Relief im Mittel zeigt Jesus und die Ehebrecherin, links davon das Kurwappen, rechts das der Wettiner Wappen. Die Attika der Tür darüber trägt die Lateinische Inschrift VDMIE, die Abkürzung für den Wahlspruch der sächsischen Kurfürsten Verbum domini manet in aeternum (= Gottes Wort bleibt in Ewigkeit).
Wilhelm Lübke bezeichnete es als „die weitaus edelste Portalkomposition der ganzen deutschen Renaissance, in Schönheit der Verhältnisse, Klarheit der Komposition, Anmut der Ornamente und Freiheit der Gliederung den Geist durchgebildeter Hochrenaissance“.
Das Goldene Tor wurde 1737 an das Westportal der Sophienkirche angebaut, beim Umbau der Kirche 1864 jedoch entfernt. Im Jahr 1872 wurde es neben der Südfassade des Johanneums aufgebaut, wo es im Jahr 1945 beschädigt wurde. Im Jahr 2004 wurde das Portal dort abgebaut und mit Teilergänzungen wieder am alten Standort als Eingang der Kapelle aufgebaut.
Diskussion um die Urheberschaft Der Architekt und die weiteren an der Kapelle beteiligten Künstler sind nicht urkundlich bekannt, sondern können nur aufgrund kunsthistorischer Schlussfolgerungen vermutet werden. Früher wurde oft Melchior Trost genannt, für den es aber keine Belege gibt. Wahrscheinlicher ist aufgrund weiterer ähnlicher Werke, dass das Schlingrippengewölbe von Paul Speck entworfen und errichtet wurde, einem Spezialisten für diese Art von Werk.Oelsner / Prinz (2019), hier: S. 126–130.
Sicherlich geht das in einem strengen antikisierenden Stil gehaltene Portal der Schlosskapelle (Goldenes Tor) auf weitere Künstler zurück. Der Entwerfer ist aber unbekannt; es dürfte sich um einen Italiener gehandelt haben, der die zeitgenössische Renaissancearchitektur in Italien aus eigener Anschauung kannte. Ausgeführt wurde das auf 1555 inschriftlich datierte Werk von einem aus Prag angeworbenen italienischen Steinmetztrupp unter der Leitung von Giovanni Maria Aostalli und der Dresdener Werkstatt des Hans Walther II.Oelsner / Prinz (2019), hier: S. 130. So werden dem Bildhauer Hans Walther II das Auferstehungsrelief der Attika und die Figuren des Moses und des Petrus auf der rechten Seite zugeschrieben.
Altäre mini|Zweiter Altar der Schlosskapelle nach dem Entwurf von Wolf Caspar von Klengel (1662). Historische Aufnahme von 1912. Gleichzeitig mit dem Bau entstand der Altar der Schlosskapelle.