Die atlantische Hurrikansaison 1998 begann offiziell am 1. Juni und dauerte bis zum 30. November 1998. Diese Daten begrenzen konventionell die Zeit des Jahres, in der sich im Atlantischen Ozean die meisten tropischen Wirbelstürme bilden; allerdings endete die Saison tatsächlich erst mit der Auflösung von Hurrikan Nicole am 1. Dezember. Die bedeutendsten Stürme der Saison waren Hurrikan Georges und Hurrikan Mitch; Georges verursachte schwere Schäden in der Karibik und an der Golfküste der Vereinigten Staaten und tötete 603 Personen, meist in der Dominikanischen Republik und in Haiti. Mitch tötete mindestens 11.000 Personen, vor allem in Honduras und Nicaragua und ist damit der atlantische Hurrikan mit den meisten Opfern in moderner Zeit. Nur die Zahl der Opfer des Großen Hurrikans von 1780 liegen höher.
Saisonüberblick mini|links|Hurrikan Earl and Hurrikan Danielle Die Saison begann spät, da sich das erste System erst gegen Ende Juli entwickelte und auch Anfang August war eher ruhig. Der weitere Verlauf der Saison war bis Anfang Oktober recht aktiv. Im September erreichten fünf Stürme Hurrikanstatus, der Monat war mit sieben Stürmen insgesamt unter den aktivsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Außerdem existierten zwei Stürme im November, einer davon entwickelte sich zu einem Hurrikan. Insgesamt zogen 1998 sieben tropische Systeme an den Küsten des Atlantischen Ozeans über Land, vier davon als Hurrikan. Mit sechs tropischen Wirbelstürmen im Golf von Mexiko war diese Region relativ stark betroffen.
mini|Die vier Hurrikane Georges, Ivan, Karl und Jeanne am 26. September Ein äußerst ungewöhnliches Ereignis trat im Verlauf der Saison ein, als am 26. September vier Hurrikane gleichzeitig im atlantischen Becken bestanden, Georges, Ivan, Karl und Jeanne. Seit der atlantischen Hurrikansaison 1893 wurde zuvor ein solches Zusammentreffen noch nie aufgezeichnet. Bereits die gleichzeitige Existenz dreier Hurrikane ist ziemlich selten; zwischen 1950 und 2005 trat dieser Fall nur siebenmal ein.
Stürme Tropischer Sturm Alex
Am 26. Juli löste sich eine tropische Welle von der Küste Westafrikas und wanderte westwärts. Die Welle, die schon recht gut organisiert war, gelangte rasch in ein Gebiet mit vorteilhaften Bedingungen für eine weitere Entwicklung. Am 27. Juli bildete sich etwa 550 km südsüdwestlich der Kapverden das Tropische Tiefdruckgebiet Eins. Nach fast 24 Stunden der Ruhe, während der das System eine schwache Organisation und nur minimale Konvektionstätigkeit aufrechterhielt, ergaben Satellitenaufnahmen eine starke Konvektion in der Nähe des Zentrums des nun sich intensivierenden Tiefs. Etwa um Mitternacht des 29. Juli wurde das Tiefdruckgebiet zum tropischen Sturm hochgestuft.
Alex blieb auf westnordwestlichen Kurs, kämpfte jedoch mit Windscherung und einem subtropischen Trog, der den Sturm fast auseinanderriss. In der Frühe des 31. Juli erreichte Alex nach den Annahmen des NHCs mit einem Zentralluftdruck von 1002 hPa und Windgeschwindigkeiten von 80 km/h seine größte Intensität. Die Windscherung nahm zu und schuf für die weitere Entwicklung nahezu unmögliche Bedingungen, und so löste sich das System rasch auf, als es am 2. August in eine nordwestliche Richtung drehte. Alex war zunächst der letzte Sturm, der sich im Juli bildete, da es in den Jahren 1999–2001 keinen tropischen Wirbelsturm im atlantischen Becken in diesem Monat gab. Der nächste Julisturm war Arthur, der sich am 15. Juli 2002 formte.
Hurrikan Bonnie
Bonnie entstand am 19. August aus einem schlecht organisierten tropischen Tiefdruckgebiet östlich der Leeward Islands. Der tropische Sturm zog nach West-Nordwest, passierte den Antillenbogen und erreichte nördlich von Puerto Rico am 22. August die Stärke eines Hurrikans. Zu dem Zeitpunkt drehte der Sturm nach Nordwesten ab, von den Bahamas und Florida weg, auf die Carolina-Staaten zu. Bonnie intensivierte sich mit Windgeschwindigkeiten von 185 km/h zu einem Kategorie-3-Hurrikan und behielt diese Stärke bis kurz vor dem Überqueren der Küste durch das Auge am 27. August bei Wilmington, North Carolina bei. Über Land setzte Bonnie eine Wende nach Osten fort, die der Hurrikan noch über Wasser begonnen hatte und gelangte als tropischer Sturm wieder über die Meeresoberfläche. So konnte sich Bonnie noch einmal zu einem Minimal-Hurrikan intensivieren, bevor sich das System weiter auf dem Weg nach Nordosten rapide abschwächte. Bonnie wurde am 30. August etwa 450 km südsüdöstlich von Neufundland außertropisch.
Eine Messstation elf Kilometer nördlich von Wilmington zeichnete im Zusammenhang mit Bonnie eine Niederschlagsmenge von 370 mm auf. Die Auswirkungen von Hurrikan Bonnie sind für drei Tote verantwortlich, sowie Sachschäden in Höhe von 720 Millionen US-Dollar (1998; inflationsbereinigt Millionen US-Dollar), der größte Teil davon in Hampton Roads, Virginia. Bonnie war der dritte Hurrikan, der innerhalb von drei Jahren direkt auf North Carolina traf.
Tropischer Sturm Charley
Charley bildete sich am 21. August im westlichen Golf von Mexiko aus einer tropischen Welle, die sich am 9. August von der Küste Afrikas gelöst hatte. Das System zog westwärts und intensivierte sich bis zum Landfall mit Windgeschwindigkeiten von 115 km/h bei Port Aransas am 22. August. Charley setzte seinen Weg über Land fort, bis sich das System am 25. August bei Del Rio auflöste.
Charley erzeugte im und um das Val Verde County in Texas gefährliche Überflutungen. Dreizehn Menschen starben in diesem Bundesstaat und weitere sieben Opfer wurden aus dem südlich der Grenze zu Mexiko liegenden Ciudad Acuña, Coahuila gemeldet. Zwischen 300 und 1500 Häuser, Wohnwagen, Betriebe und Wohnungen wurden durch die Überschwemmungen entweder beschädigt oder zerstört. Der Sachschaden summierte sich auf bis zu 50 Millionen US-Dollar (1998; inflationsbereinigt Millionen US-Dollar). Del Rio meldete im Zusammenhang mit Charley rund 430 mm Niederschlag innerhalb von 24 Stunden. Diese Regenmenge war ein Rekordwert für die Stadt und die höchste Niederschlagsmenge durch einen tropischen Wirbelsturm in Texas seit dem Durchzug des Tropischen Sturms Claudette 1979.
Hurrikan Danielle
Danielle erhielt ihren Namen am 24. August, als sich das Zentrum des Sturmes etwa 1100 km westsüdwestlich der Kapverden befand. Der Sturm zog in westnordwestlicher Richtung und intensivierte sich zum Hurrikan. Während der nächsten fast sechs Tage zog Danielle fast gerade weiter. Die Stärke des Hurrikans schwankte zwischen einem schwachen Hurrikan der Kategorie 1 und einem starken Hurrikan der Kategorie 2 hin und her. Bei der Annäherung an das Festland Nordamerikas drehte Danielle zunächst nach Norden und schließlich nach Nordosten ab. Bonnie war nach dem Überqueren der Küste der Carolina-Staaten am 28. August wieder auf den offenen Ozean hinausgezogen, und so galt die Aufmerksamkeit der US-amerikanischen Öffentlichkeit nun Danielle, die als Kategorie-2-Hurrikan auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala andauernde Windgeschwindigkeiten von 160 km/h erreichte.
Danielle zog weiter rasch nach Nordwesten. Ein Trog im Jetstream vor der Ostküste der Vereinigten Staaten hinderte Danielle jedoch daran, über Bermuda hinweg zu ziehen. Als Danielle deswegen über kühleres Wasser gelangte, setzte der Verlust der tropischen Eigenschaften ein. Danielle wurde am 4. September für außertropisch befunden, als das System sich südlich von Kap Race, Neufundland, befand. Die Windgeschwindigkeiten Danielles entsprachen zu dem Zeitpunkt durchaus noch denen eines Hurrikans und das System behielt seine Organisierung bei, als es weiter ostwärts zog. Der außertropische Sturm wurde noch verfolgt, bis er sich am 8. September nördlich von Irland mit einem anderen System vereinigte.
Danielle verursachte keine Verluste an Menschenleben, die Britischen Inseln bekamen am 6. September jedoch die Auswirkung des Resttiefs deutlich zu spüren. Einige Menschen mussten aus Seenot gerettet werden. Danielle verursachte an der Westküste Großbritanniens Sachschäden; in Cornwall wurden Menschen an der Küste in Sicherheit gebracht.
Hurrikan Earl
Earl wurde am 31. August im südwestlichen Golf von Mexiko zu einem benannten System. Earl zog in einer allgemein nordöstlichen Richtung und intensivierte sich am 2. September etwa 230 km südsüdöstlich von New Orleans zum Hurrikan, obwohl er eine eher auf ein subtropisches System hinweisende Struktur ähnlich einem Komma mit einem trockenen Abschnitt aufwies. Beim Landfall am 3. September in der Nähe von Panama City, Florida war der Hurrikan in die Kategorie eins eingestuft. Earl zog über Land und wurde über Georgia außertropisch, bevor er wieder über das Meer gelangte und seine Zugbahn über den nördlichen Atlantik führte. Er wurde schließlich am 8. September von den außertropischen Resten Danielles absorbiert.
Hurrikan Earl verursachte den Tod von drei Personen. Der größte Teil der auf 79 Millionen US-Dollar (1998; inflationsbereinigt Millionen US-Dollar) geschätzten Sachschäden wurde durch die 7,3 m hohe Sturmflut verursacht. Der Niederschlag bei der Überquerung Floridas war kräftig und erreichte etwa 8 km nordöstlich von Panama City mit 416 mm den höchsten Wert.
Tropischer Sturm Frances
Frances bildete sich am 8. September im westlichen Golf von Mexiko. Das System triftete kurz nach Süden, schlug dann aber eine nördliche und schließlich nordwestliche Zugbahn ein. Der Landfall am 11. September nördlich von Corpus Christi erfolgte als mäßig starker tropischer Sturm. Dieser schwächte sich in ein tropisches Tiefdruckgebiet ab, das über Land nordwärts wanderte und sich nördlich von Dallas, Texas auflöste.
Der Sturm hatte relativ große Ausmaße; der Radius der Winde in Sturmstärke reichte 485 km vom Zirkulationszentrum weg. Eine Sturmflut von bis zu 7,3 m wurde an der Küste von Texas aufgezeichnet, und in manchen Gebieten fielen mehr als 250 mm Niederschlag.
Der Tropische Sturm Frances war durch einen Tornado für ein direktes Opfer im Lafourche Parish von Louisiana verantwortlich. Schwerer Regen führte zu weitreichenden Schäden durch Überschwemmungen im Südosten des Bundesstaates Texas und im Südwesten von Louisiana, die auf 500 Millionen US-Dollar (1998; inflationsbereinigt Millionen US-Dollar) geschätzt wurden.
Hurrikan Georges
Eine tropische Welle löste sich von der Küste Afrikas und organisierte sich am 15. September etwa 550 km südsüdwestlich der Kapverden in ein tropisches Tiefdruckgebiet. Es entwickelte sich am nächsten Tag etwa 1150 west-südwestlich der Kapverden zu einem tropischen Sturm. Georges nahm einen für einen Kapverden-Typ-Hurrikan typischen Verlauf und folgte einer nahezu geraden westnordwestlichen Zugbahn. Georges intensivierte sich stetig und erreichte am 20. September fast die Kategorie fünf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala, etwa 530 km östlich von Guadeloupe. Georges schwächte sich von da an stetig ab, blieb aber auf Kurs zu den Leeward Islands und den Großen Antillen.
Am 21. September erreichte Georges die Inselgruppe. Er zog über mehrere kleine Antilleninseln hinweg, zunächst über Antigua. Nachdem er die Leeward Islands hinter sich gelassen hatte, folgten Puerto Rico und nach einer leichten Intensivierung Hispaniola. Dort verlor er über dem Bergland einiges an Kraft und gelangte als minimaler Hurrikan wieder über Wasser. Anschließend zog Georges die Nordküste Kubas entlang und überquerte Key West, Florida als Kategorie-2-Hurrikan. Über dem Golf von Mexiko drehte der Hurrikan leicht nach Norden und querte die Festlandsküste bei Biloxi am 28. September. Über dem Süden des Bundesstaates Mississippi, schwächte sich der Sturm dann ab und mäandrierte langsam nach Osten, wo er sich am 1. Oktober über dem Norden Floridas auflöste.