mini|Einflussgebiet des antiken Griechenlands im 6. Jahrhundert v. Chr. In der Geschichte des griechischen Weinbaus wird insbesondere der große Einfluss des antiken Griechenlands auf den Weinbau der Anrainerstaaten des Mittelmeers deutlich. Die Griechen entwickelten neue Methoden des Weinbaus und der Kellertechnik. Sie teilten ihr gesammeltes Wissen um den Wein mit den Völkern, mit denen sie in Kontakt standen.
Der Weinbau im Griechenland der Antike Aus archäologischen Funden von Kernen in Dikili Tash, einem Tell bei Philippi im Regionalbezirk Drama, gewannen Forscher die Kenntnis, dass in Griechenland bereits in der späten Jungsteinzeit Beeren der Wilden Weinrebe verarbeitet wurden.Ancient Wine Making In Neolithic Greece, in Archaeology News Report am 20. März 2007 von Tania Valamoti Nach einem Fund auf dem Gebiet des heutigen Irans handelt es sich um das zweitälteste Zeugnis dieser Art weltweit. Dieser neue Befund legt eine Ausbreitung des Weinbaus vom Iran über den Bosporus nach Griechenland nahe. miniatur|Gefäß mit einer Inschrift mit Linearschrift A Aus der frühen Bronzezeit finden sich bereits zahlreiche Belege einer weiten Verbreitung der Rebe. Ausgrabungen auf der Insel Kreta zeigen die vorgriechische Geschichte des Weinbaus in der Region. In Vathypetro (), einer Ausgrabungsstätte in der Nähe von Archanes, ist eine der ältesten Weinpressen der Welt zu sehen. Die ausgegrabene Steinkelter und zahlreiche Tongefäße aus der minoischen Kultur belegen, dass auf Kreta die Wiege des griechischen Weinbaus stand. Aufgrund der engen Handelsverbindungen zwischen Kreta und Ägypten gehen die Historiker heute davon aus, dass die Minoer den Weinbau von ihren Nachbarn übernahmen.
Bei den gefundenen großen Amphoren handelte es sich häufig um Vorratsbehälter von Wein, während kleinere Gefäße der Lagerung von Olivenöl dienten. Die noch heute erzeugten geharzten Weine dürften ihren Ursprung in der ehemals praktizierten Konservierungsmethode haben, bei der die Wände der Amphoren mit Harz abgedichtet wurden. Der Stellenwert des Weins in dieser Kultur muss bereits hoch gewesen sein, da ein Ideogramm der Linearschrift A für den Wein identifiziert wurde.
Durch intensive Handelsbeziehungen kamen der Wein und der Weinbau schon bald auf die Insel Santorin, die zur damaligen Zeit Thira hieß. Über die Kykladen fand der Weinbau seinen Weg auf das griechische Festland. Vermutlich war dies jedoch nicht der einzige Weg der Verbreitung. Da den Altbabyloniern der Weinbau mindestens genauso früh wie den Ägyptern bekannt war, ist auch eine Verbreitung über die heutige türkische Westküste des damaligen Kleinasiens über die Ägäischen Inseln wahrscheinlich.
miniatur|Goldenes Trinkgefäß, das auf das Jahr 1500 v. Chr. datiert wurde und aus einem der Schachtgräber Mykenes stammt. Archäologische Belege eines intensiven Weinbaus während der mykenischen Kultur zwischen 1600 und 1050 v. Chr. sind reichhaltig vorhanden. Neben getrockneten Kernen und Überresten gepresster Beeren finden sich zahlreiche Abbildungen auf Keramikarbeiten wie Töpfen und Vasen. In Pylos fanden Archäologen einen Keller mit 35 gut erhaltenen Gefäßen. Auf einigen dieser Gefäße fanden sich Inschriften, die auf ihren Verwendungszweck zur Lagerung von Wein hinweisen. Die weiterentwickelte Linearschrift B kannte bereits Ideogramme zu den Begriffen Wein und Weinberg und Vermutungen legen den Schluss nahe, dass es bereits den Beruf des Weinhändlers gab.
Mykenische Keramik mit den Exportgütern Olivenöl und Wein fand man in Ägypten, Zypern, Syrien, Sizilien und Süditalien. Andererseits importierte das mykenische Griechenland Wein anderer Regionen, wie Weinmischgefäße aus Kanaan belegen.
Rituale, Feste und Gefäße miniatur|Zwei junge Männer mit Skyphoi flankieren einen Dritten mit einer Trinkschale; Außenseite einer attisch-rotfigurigen Trinkschale des Käfig-Malers, um 490/80 v. Chr. In der griechischen Mythologie war das Trankopfer aus Flüssigkeiten wie Wasser, Milch, Honig, Wein oder Öl die häufigste Kulthandlung. Es geschah morgens und abends, zum Gebet, beim Eid, bei Antritt einer Reise oder bei Symposien und Gastmählern. Die beim Trankopfer verwendeten Gefäße unterschieden sich meist von denen für den Alltagsgebrauch. Ein gängiges Gefäß war das Rhyton, libiert wurde mittels Phiale (φιάλη oder phialē) beziehungsweise Patera (beides Opferschalen) sowie Lagynos und Guttus (Opferkannen).
Im Oktober feierte Athen das Weinlesefest Oschophoria. Im Winter folgten die Lenäen, bei denen ursprünglich um Wachstum und Fruchtbarkeit des neuen Jahres gebeten wurde. Im Februar fanden die Anthesteria statt, die nachweislich seit dem 15. Jahrhundert v. Chr. gefeiert wurden. Zu den Anthesterien gehörten unter anderem Weinwetttrinken. Später kamen noch die Dionysien hinzu.
In einem Linos genannten Gefäß wurden die Beeren zerstampft. Der gewonnene Saft wurde zur alkoholischen Gärung meist mittels eines Weinschlauchs aus Ziegenfell in einen Pithos gegeben. Amphoren wurden in der Antike als Speicher- und Transportgefäße für Öle und Wein, Garum, Südfrüchte wie Datteln und anderes benutzt. miniatur|Jugendlicher beim Befüllen einer Trinkschale aus einem Kolonettenkrater; Tondo einer attisch-rotfigurigen Trinkschale des Antiphon-Malers, um 490/80 v. Chr. Wein wurde grundsätzlich mit Wasser getrunken, der Genuss von unverdünntem Wein galt als Merkmal der Barbaren. Nur bei dem Trankopfer zu Beginn eines Symposions wurde unvermischter Wein verwendet. Die übliche Mischung waren fünf Teile Wasser auf zwei Teile Wein, eine Mischung aus gleichen Teilen galt bereits als unmäßig und wurde akratos (unvermischt) genannt. Zum Verdünnen nutzten die Griechen als Mischgefäß in der Anfangszeit häufig den Weinkessel (Lebes oder fälschlicherweise häufig als Dinos bezeichnet), später setzten sich jedoch andere Formen des Kraters durch. Ein Krater konnte eine beachtliche Größe aufweisen, wie der Volutenkrater von Vix belegt. Diese großen Gefäße waren wahrscheinlich nicht für den praktischen Gebrauch bestimmt, sondern standen in sepulkralem Zusammenhang. Zur Kühlung nutzte man einen Einsatz für den Krater, Psykter genannt. Zu diesem Zweck war er mit frischem Wasser oder seltener mit Hagel oder Schnee gefüllt.
Pythagoras erfand den Becher der Gerechtigkeit, dessen Konstruktion den Nutzer zum maßvollen Trinken zwingt. Wird der Becher über das Maß gefüllt, läuft der gesamte Inhalt aus. Der Legende nach war dieser Becher für die Arbeiter an der Wasserversorgung der Insel Samos gedacht, um deren großen Weinkonsum Pythagoras sich sorgte.
Zum Befüllen der Transportgefäße verwendete man Kellen oder Gefäßformen wie den Kyathos. Zum Transport und Einschenken wurden Kannen, so Oinochoen oder Olpen, benutzt. Als Trinkgefäß dienten der Skyphos, der Kantharos sowie die zeitweise sehr populäre Trinkschale Kylix. In manchen Regionen bildeten sich Sonderformen als Trinkgefäß heraus, in Lakonien etwa war die Lakaina besonders beliebt.Wolfgang Schiering: Die griechischen Tongefäße. Gestalt, Bestimmung und Formenwandel. 2. Auflage. Mann (Gebr.-Mann-Studio-Reihe), Berlin 1983, ISBN 3-7861-1325-4, S. 148f. Mit ihrer Trink- und Gelagekultur hatten die Griechen großen Einfluss auf andere mediterrane Gebiete, vor allem die Etrusker orientierten sich sehr an der griechischen Trinkkultur.
Erste Erwähnung in der Literatur miniatur|Wein und Götter: Athene füllt aus einer Oinochoe Wein in den Kantharos des Herakles; Tondo einer attisch-rotfigurigen Trinkschale des Python und des Duris, um 480/470 v. Chr. Die Zeiten zwischen 1200 v. Chr. und ca. 750 v. Chr. sind mangels zeitgenössischer Schriftquellen nicht so gut erforscht und werden auch als Dunkle Jahrhunderte bezeichnet. Es ist die Zeit zwischen dem Ende der sogenannten mykenischen Palastzeit und dem Aufschwung in der archaischen Zeit etwa ab 750 v. Chr. Bereits in den Werken von Homer wird der Wein als ein wichtiger Teil der Alltagskultur dargestellt (→ Pramnischer Wein). Sowohl Griechen als auch Trojaner, selbst die als unzivilisiert dargestellten Kyklopen tranken Wein, während die Nahrung der Götter aus Nektar und Ambrosia bestand. Einzige Ausnahme war Dionysos, Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit und der Ekstase. Auch wenn der von Homer erwähnte mythische Nestorbecher bislang nicht gefunden wurde, sind etliche Beschreibungen Homers durch archäologische Funde belegt.
Hesiod war der erste griechische Autor, der in seinem Werk auf die Arbeit im Weinberg und den Ausbau von Wein eingeht. In seinem epischen Lehrgedicht Werke und Tage berichtet der im 7. Jahrhundert vor Chr. lebende Autor von der Weinlese der Insel Chios. Durch die Beschreibung der Himmelskonstellation von Sirius, Orion und Arktur kann der Zeitpunkt der Lese auf den Monat September datiert werden. Nach der Lese wurden die Beeren zehn Tage in der Sonne und nochmals fünf Tage im Schatten getrocknet. Erst dann erfolgte die Pressung.Auszug aus dem Lehrgedicht Werke und Tage, Vers 570 bis 589 Darüber hinaus berichtet Hesiod über die korrekte Lagerung des Weins.Auszug aus dem Lehrgedicht Werke und Tage, Vers 609 bis 617
Auf Theophrastos von Eresos (* um 371 v. Chr. zu Eresos, Lesbos; † 287 v. Chr.? in Athen) gehen die ersten botanischen Beobachtungen zurück. In seiner Naturgeschichte der Gewächse behandelt Theophrastos – gestützt allerdings weniger auf eigene Untersuchungen, sondern mehr auf Berichte von Landwirten, Reisenden, Holzhauern und Kohlenbrennern – vor allem Fragen der Holztechnologie und der Holzbenutzung, aber auch die Standortskunde diverser Nutzpflanzen einschließlich der Rebe. In seinem Werk De Odoribus (Über die Gerüche) beschreibt er den Einfluss von Böden und der Wasserversorgung auf den Wein und fasst die Gewürze zusammen, die einem Wein zur Verbesserung hinzugegeben werden können.
Auch die Fabel Der Fuchs und die Trauben von Äsop steht mit dem Weinbau in Verbindung.
Archaische Zeit miniatur|hochkant=1.5|Griechische und phönizische Kolonisation In der archaischen Zeit (700–500 v. Chr.) kam es zur sogenannten Großen Kolonisation des Mittelmeerraums. Gründe waren neben Überbevölkerung und Sicherung von Handelswegen auch innere Kämpfe in Griechenland. Der Weinexport profitierte von dieser Kolonisation in erheblichem Maße. Neben Athen als wichtigstem Inlandsmarkt wurden Märkte am Schwarzen Meer, entlang der Donau bis in das Gebiet des heutigen Österreich, in Süditalien nach Solunt und nach Etrurien erschlossen. Wichtigstes Transportmittel war das Schiff, eine Tatsache, die auch im 9. Gesang der Ilias beschrieben wird.Ilias 9. Gesang, Vers 70–72 Mit der Gründung von Massalia, dem heutigen Marseille vermittelten die Griechen den dortigen Kelten erste Einblicke in einen gewerblichen Weinbau und legten damit noch vor den Römern den Grundstein des Weinbaus in Frankreich.
Frühe Weingesetzgebung Schon früh wurde Wein ein beliebtes Handelsgut. Von Homer wissen wir um den pramnios oinos, einen Wein der Insel Ikaria. Dionysos, der Gott des Weines, hatte bei Ikaria eine legendäre Begegnung mit Piraten. Er soll auch den Wein von Oinoe (gr. Οίνος, Wein) besonders geschätzt haben. Die Bekanntheit ging später so weit, dass der pramnios oinos zum Synonym für kräftigen, alkoholreichen Wein stand und nicht notwendigerweise von Ikaria kommen musste.Ein ähnliches Schicksal erfuhr im 20. Jahrhundert der Chablis, dessen Name weltweit zur Vermarktung trockener Weißweine genutzt wurde. Wenig später galten Weine der ägäischen Inseln als hervorragend. Die Weine der Insel Chios genossen dabei den besten Ruf, aber auch die Erzeugnisse von Lesbos und Thasos standen den erstgenannten kaum nach.