Die Suchoi Su-27 (, NATO-Codename: Flanker) ist ein russischer, noch in der Sowjetunion entwickelter Luftüberlegenheitsjäger. Sie wurde als Gegenstück zur US-amerikanischen F-15 Eagle entwickelt und stellt bis heute das wichtigste Jagdflugzeug der russischen Luftstreitkräfte dar. Die Su-27 bildet die Grundlage für Suchois spätere sogenannte Serie 30 (Su-30, Su-33, Su-34, Su-35, Su-37).

Geschichte Form und Einordnung Die Su-27 ist um etwa 30 Prozent größer als die MiG-29, und das Verhältnis zwischen beiden Flugzeugen kann ähnlich gesehen werden wie das ihrer US-amerikanischen Gegenstücke F-15 Eagle und F-16 Fighting Falcon. Sie gleicht der F-15 in aerodynamischer und struktureller Hinsicht, obwohl sie große Erweiterungen an den Vorderkanten besitzt, welche die Wendigkeit erhöhen, besonders bei großen Anstellwinkeln. Die aerodynamische Auslegung verleiht dem Flugzeug die Fähigkeit zu spektakulären Flugzuständen, wie dem Kobramanöver. Der Flugzeugtyp ist fortgeschrittener als die MiG-29 und ausgestattet mit Fly-by-wire-Steuerung und einem Puls-Doppler-Such- und -Feuerleitradar vom Typ Fasotron NIIR Schuk oder NIIR N001, das look-down/shoot-down-Fähigkeit besitzt.

Genauso wie die MiG-29 hat sie einen IR-Such- und Verfolgungssensor.

Entwicklung und Erprobung

Die Su-27 wurde vom Suchoi-Konstrukteur Michail Simonow aufgrund einer Ausschreibung von 1971 als Reaktion auf die F-14 entworfen, ursprünglich, um die Su-15 und MiG-23 in ihrer Rolle als Abfangjäger zu ersetzen.Wilfried Bergholz: Russlands große Flugzeugbauer. Das vollständige Typenbuch. Jakowlew, Mikojan/Gurewitsch/Suchoj. Aviatic, Oberhaching 2002, ISBN 3-925505-73-3, S. 192. Neben Suchoi beteiligten sich noch die Konstruktionsbüros Mikojan-Gurewitsch mit der MiG-29 und Jakowlew mit der Jak-45 an dem Projekt. Der Prototyp Suchoi T-10-1 flog am 20. Mai 1977 erstmals (NATO-Codename Flanker-A), mit Wladimir Iljuschin, dem Sohn des sowjetischen Flugzeugkonstrukteurs Sergei Iljuschin, am Steuer. Der erste Entwurf T-10 mit geschwungenen Flügelspitzen und Zwillingsleitwerk zentral über den Triebwerksdüsen erwies sich als Flop. Weil die Avionik zu schwer ausfiel, konnte die projektierte instabile Auslegung nicht erreicht werden. Dadurch wurde die Wendigkeit grundlegend beeinträchtigt. Die ursprünglich ungekühlten Turbinenschaufeln verkrafteten die Hitzebelastung nicht und mussten durch zapfluftgekühlte Exemplare ersetzt werden. Da die Zapfluft dem Kompressor entnommen wird, erhöhte sich der Verbrauch und die Reichweite wurde weiter reduziert. Auch hatte der Entwurf T-10 eine mangelhafte seitliche Stabilität, der die Konstrukteure bei den späteren Serienprototypen T-10-S durch größere Seitenleitwerke, Finnen und die Verlegung vom Triebwerkbereich nach außen begegneten. Gleichzeitig zeigte sich, dass die LERX und die Tragflächen falsch ausgelegt waren. Der zweite Prototyp T-10-2 stürzte am 7. Juli 1978 ab, wobei der Testpilot Jewgeni Solowjow ums Leben kam. Der eigentliche Urahn der Su-27 ist die T-10-S, die am 20. April 1981 zum ersten Mal flog. Die Serienfertigung startete im Jahr 1982 im Gagarin-Flugzeugwerk in Komsomolsk. Die 1984 bei den Luftverteidigungsstreitkräften in Dienst gestellte Su-27PD ist mit Vorflügeln, umgekehrten eckigen Flügelspitzen mit Raketenaufhängungen und mit in Richtung Heckausleger gerückten Seitenleitwerken ausgestattet. 1989 wurde sie das erste Mal im Westen auf der Luft- und Raumfahrtmesse in Paris Le Bourget vorgeführt. Die Su-27PU ist ein zweisitziger Langstrecken-Abfangjäger. Weitere Varianten sind die Su-27IB (Jagdbomber) und die Su-27M (Mehrzweckversion). Die Su-30M ist ein für Bodenangriffe konzipiertes Flugzeug. Su-33 bezeichnet eine Variante für den Einsatz auf Flugzeugträgern. Der Prototyp Su-37 war das fortgeschrittenste Modell, jedoch stürzte die Maschine 2002 ab.

Versionen mini|Sowjetische Su-27 und eine US-amerikanische F-16A, 1990 Su-27P (NATO-Codename: Flanker-A) Als erste Serienversion war diese rein auf den Luftkampf ohne Luft-Boden-Kampfmöglichkeiten ausgelegt. Als Abfang- bzw. Luftüberlegenheitsjäger wurden die Flugzeuge ab 1982 bei der sowjetischen Luftverteidigung in Dienst gestellt. Gemeinsam mit den neuen MiG-31 bildeten sie die Elite der Langstrecken-Luftverteidigung.

Su-27PD (Flanker-B)Diese Version der Testflieger- und Kunstflugstaffel geben ihre Vorstellung auf fast allen großen Airshows auf der Welt. Sie sind unter anderem voll kampffähig und mit einer Luftbetankungsvorrichtung ausgerüstet. mini|Su-27S der ukrainischen Streitkräfte, Kiew 2012 Su-27SDiese Version ist praktisch identisch mit der Su-27P, mit nur einem leicht modifizierten Waffensystem, das neben Luft-Luft-Raketen zumindest den Einsatz ungelenkter Luft-Boden-Raketen zur Bodenunterstützung erlaubt. Die Maschinen wurden ab 1985 bei den Frontfliegerkräften in Dienst genommen. Auch hier sind noch viele Maschinen im „Originalzustand“ bei den russischen Luftstreitkräften im Einsatz.

Su-27SKBei Su-27SK handelt es sich um eine leicht abgespeckte Exportversion der Su-27S. Abstriche wurden lediglich im Bereich der russischen Avionik gemacht, die jedoch durch französische oder israelische Systeme verbessert werden kann. Die Su-27SK steht in China, Vietnam, Äthiopien, Indonesien und Angola im Dienst.

Su-27M (Flanker-E)Werksbezeichnung und Vorserienversion der Su-35, die als Prototyp zu Testzwecken eingesetzt wurde.

Su-27SMDa nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 der Militäretat immer weiter gekürzt wurde, sind die meisten Flugzeuge immer noch auf dem technischen Stand, in dem sie bis 1994 ausgeliefert wurden. Die Exporte der erfolgreichen Su-27/30-Familie (vor allem nach China) gaben den russischen Luftstreitkräften (WWS) die Chance, ihre Flotte zu modernisieren. Zunächst bot IAPO an, Kampftrainer Su-27UB zu Mehrzweckjägern Su-27UBM zu modernisieren, was dann auch für 30 Maschinen bewilligt wurde. Dann jedoch entschieden sich die WWS zu Gunsten der Su-27SM und stornierten das UBM-Programm. Das SM-Programm wurde gemeinsam mit China finanziert, das seine Su-27SK seitdem auf SKM-Standard bringen ließ. Die erste Su-27SM flog am 27. Dezember 2002. Am 23. Dezember 2004 wurden die ersten sieben Su-27SM an die WWS übergeben. Vier Su-27SM gingen zum 4. ZBPiPLS (Zentrum für Gefechtsausbildung und Umschulung des fliegenden Personals) in Lipezk. Im Laufe des Jahres 2005 folgten zehn Maschinen, von denen vier zusammen mit Frontbombern Su-24M vom 18. bis 25. August 2005 am russisch-chinesischen Manöver Krylo-2005 teilnahmen. Seit Ende 2006 fliegen 24 Su-27SM beim 23. IAP auf der AB Dzjomgi bei Komsomolsk. Die Wahl des Stützpunktes war wohl mit der Nähe zum Werk zu erklären, falls Nachbesserungen anfielen. Nicht umsonst heißt es bei den WWS, dass beim 23. IAP der Service am besten sei. Vom 10. bis 12. Juli 2007 nahmen die Su-27SM des 23. IAP am Manöver Krylo 2007 teil, bei dem sie die Landung auf einer Fernstraße Chabarowsk–Komsomolsk trainierten. Die Modernisierung findet bei KnAAPO in Komsomolsk statt. Die Waffenlast steigt von sechs auf acht Tonnen.

Während der Modernisierung durchlaufen die Triebwerke AL-31F eine grundlegende Instandsetzung und werden auf den Standard AL-31FM1 modernisiert, bei dem eine reparaturfreie Betriebszeit von 1000 Stunden erreicht und der Schub auf 13,5 Tonnen erhöht wird. Nach dem Abschluss der Erprobungen wird weiterhin die Version AL-31FM2 mit 14,5 Tonnen Schub zur Verfügung stehen. Langfristig beabsichtigte das in Moskau ansässige Unternehmen Saljut mit der finalen Version des AL-31F, dem AL-31FM3, ein Triebwerk mit 15 Tonnen Schubkraft zu entwickeln, das ohne weitere Veränderungen in der Konstruktion des Flugzeugs für den Einbau in alle Modifikationen der Su-27-Familie geeignet sein soll. mini|Su-27SKM, MAKS 2005 Su-27SKM Das ist die Exportversion der Su-27SM. Neben der Volksrepublik China verfügte Indonesien über acht Flugzeuge. Des Weiteren standen Indien und Lateinamerika als Exportmarkt im Visier.

Su-27SM2Interne Bezeichnung innerhalb der russischen Luftwaffe für die Su-35BM.

Su-27UBErste Serienversion eines Kampftrainers der Su-27P und Su-27S.

Su-27PUEbenfalls eine Kampftrainerversion, allerdings mit Luftbetankungsvorrichtung. Später produziert bzw. bekannt als Su-30.

Su-27UBKExportversion der Su-27UB und Kampftrainer für die Su-27SK.

Su-27UBMVersion vom Kampftrainer zum Mehrzweckjäger. Die WWS entschieden sich 2001 zuerst für diese Version, stornierten jedoch dann wieder zu Gunsten der Su-27SM.

Su-27K (Flanker-D)Werksbezeichnung der Su-33

Su-27KUBSchiffsgestützter Kampftrainer mit nebeneinanderliegenden Sitzen, auch als Mehrzweckjäger verwendbar mini|Su-27SM3 Su-27SM3Die Version verfügt über eine verstärkte Konstruktion, womit die maximale Startmasse um mindestens 3 Tonnen erhöht werden konnte, um u. a. modernere Luft-Luft- und Luft-Boden-Raketen mit vergrößerter Reichweite verwenden zu können. Das Flugzeug verfügt über modernisierte AL-31F-M1-Triebwerke, die über eine erhöhte Schubkraft und verlängerte Serviceintervalle verfügen. Des Weiteren wurde 13 analoge Anzeigen durch vier Flüssigkristallbildschirme (LCDs) ersetzt. Die Auslieferung der modernisierten Versionen, die im Dienst stehende Su-27S und Su-27SP ersetzen, begann im Februar 2011.

J-11Chinesische Lizenzversion der Su-27SK, welche von Shenyang gebaut wird.

Technische Daten mini|Risszeichnung mini|Silhouette der Su-27 Kenngröße Su-27P Su-27SM Typ Luftüberlegenheitsjäger Mehrzweckkampfflugzeug Besatzung 1 Länge 21,94 m Spannweite 14,70 m Flügelfläche 62,04 m² Flügelstreckung 3,48 Tragflächenbelastung minimal (Leermasse): 264 kg/m² nominal (normale Startmasse): 378 kg/m² maximal (max. Startmasse): 491 kg/m² minimal (Leermasse): 272 kg/m² nominal (normale Startmasse): k. A. maximal (max. Startmasse): 532 kg/m² Höhe 5,93 m Leermasse 16.380 kg 16.870 kg normale Startmasse 23.430 kg ca. 25.700 kg max. Startmasse 30.450 kg ca. 33.000 kg Treibstoffkapazität ca. 9400 kg g-Limits −3/+9g Höchstgeschwindigkeit Mach 2,35 bzw. 2496 km/h (auf 10.975 m Flughöhe) Mach 2,15 bzw. 2284 km/h (auf 10.975 m Flughöhe) Mach 1,1 bzw. 1345 km/h (auf Meereshöhe) Dienstgipfelhöhe 18.500 m 17.750 m Steigrate 300 m/s k. A. Einsatzradius 1340 km k. A. Überführungsreichweite 3530 km 3680 km Triebwerke 2 × Mantelstromtriebwerk Saturn/Ljulka AL-31F1 2 × Mantelstromtriebwerk Saturn/Ljulka AL-31FM1 Schubkraft mit Nachbrenner: 2 × 122,58 kN ohne Nachbrenner: 2 × 74,50 kN mit Nachbrenner: 2 × 132,44 kN ohne Nachbrenner: 2 × ca. 80 kN Schub-Gewicht-Verhältnis maximal (Leermasse): 1,48 nominal (normale Startmasse): 1,07 minimal (max. Startmasse): 0,82 maximal (Leermasse): 1,60 nominal (normale Startmasse): 1,05 minimal (max. Startmasse): 0,82

Bewaffnung Festinstallierte Bewaffnung im Bug1 × 30-mm-Maschinenkanone Grjasew-Schipunow GSch-301 (9A-4071K) mit 150 Schuss Munition

Waffenzuladung von 6.000 kg an zehn Außenlaststationen Ab Su-27S Luft-Luft-Lenkflugkörper6 × AKU/APU-470-Startschienen für je eine GosMKB Wympel JSC R-27R1/ER1 (AA-10 „Alamo“) – halbaktiv radargelenkt für Langstrecken2 × AKU/APU-470-Startschienen für je eine GosMKB Wympel JSC R-27T1/ET1 (AA-10 „Alamo“) – infrarotgesteuert für Langstrecken In: eng.ktrv.ru, Tactical Missiles Corporation JSC, abgerufen am 13. Februar 2023. (englisch)4 × P-12-1-D-Startschienen für je eine GosMKB Wympel JSC R-73E/EL (AA-11 „Archer“) – infrarotgesteuert für Kurzstrecken

Ungelenkte Luft-Boden-Raketen4 × GosMKB Wympel JSC B8M-1-Raketen-Rohrstartbehälter für je 20 × ungelenkte S-8-Luft-Boden-Raketen; Kaliber 80 mm4 × GosMKB Wympel JSC B13L-Raketen-Rohrstartbehälter für je 5 × ungelenkte S-13-Luft-Boden-Raketen; Kaliber 122 mm4 × PU-O-25-Raketen-Startbehälter für eine ungelenkte S-25OFM-Luft-Boden-Rakete; Kaliber 340 mmdiverse ungelenkte 100-kg-, 250-kg- und 500-kg-Bomben

ECM-Pods2 × Störbehälter Sorbzja (ab Su-27P) Zusätzlich ab Su-27SM