mini|hochkant|Logo des Programms Memory of the World der UNESCO

Deutschland ist im Internationalen Register des Weltdokumentenerbes mit 28 Einträgen vertreten. Sie dokumentieren „die Vielfalt deutscher Beiträge zur Kulturgeschichte“ innerhalb des UNESCO-Programms Memory of the World (Weltdokumentenerbe). Das Programm wurde 1992 von der UNESCO als das dritte Welterbeprogramm gestartet, um sowohl den freien Zugang zu den kulturell bedeutsamen und historisch wichtigen Dokumenten zu sichern (unter anderem durch die Digitalisierung der Dokumente) als auch das dokumentarische Erbe vor Zerstörung und Vergessen zu bewahren.

1997 wurden die ersten Dokumente in das Register eingetragen, 1999 war mit der Sammlung des Berliner Phonogramm-Archivs erstmals das Welterbe in Deutschland mit einem Beitrag im Dokumentenerbe vertreten. Die Liste des Weltdokumentenerbes umfasst wertvolle Buchbestände, Handschriften, Partituren, Unikate, Bild-, Ton- und Filmdokumente.

Deutsches Nominierungskomitee Die Deutsche UNESCO-Kommission hatte im Juli 1999 die Gründung eines nationalen Nominierungskomitees für das Programm Memory of the World beschlossen. Mit dem Vorsitz des Expertengremiums wurde der Historiker Joachim-Felix Leonhard beauftragt.

Während die Nominierungen zum Weltkultur- und Weltnaturerbe durch die deutschen Bundesländer erfolgen, können im Programm Memory of the World auch Einzelpersonen, Verbände und Nichtregierungsorganisationen Vorschläge beim Deutschen Nominierungskomitee einreichen, welches diese nach Beratung und bei positiver Bewertung an das internationale Beraterkomitee einreicht. Ursprünglich waren Einreichungen auch direkt an das internationale Beraterkomitee möglich. So wurde bereits vor der ersten Sitzung des Deutschen Nominierungskomitees mit dem Berliner Phonogramm-Archiv der erste deutsche Beitrag nach einem gemeinsamen Vorschlag des Archivs mit dem Wiener Phonogrammarchiv in das Register des Weltdokumentenerbes aufgenommen.

Die Aufgabe des deutschen Nominierungskomitees besteht sowohl in der Prüfung und Bewertung eingereichter Vorschläge als auch in der Erarbeitung eigener Vorschläge für das Weltregister. Seit 2007 kann jeder Mitgliedsstaat der UNESCO alle zwei Jahre zwei rein nationale und unbegrenzt mehrnationale Vorschläge bei dem internationalen Beraterkomitee einreichen. Nach den Empfehlungen des Beraterkomitees entscheidet abschließend der Exekutivrat der UNESCO über die Aufnahme in das Internationale Register.

Deutsche Beiträge zum Weltdokumentenerbe Legende: Jahr: Jahr der Eintragung in das Register des Memory-of-the-World-Programms Bezeichnung: Bezeichnung des betreffenden Dokuments gemäß der Publikationen der Deutschen UNESCO-Kommission Beschreibung: Beschreibung des Dokuments inklusive Angaben zum Aufbewahrungsort Bild: Exemplarische Illustration zum Dokument

Jahr Bezeichnung Beschreibung Bild 1999 Tondokumente traditioneller Musik 1893–1952 (Edison-Zylinder) des Berliner Phonogrammarchivs Die Sammlung historischer Edisonwalzen im Berliner Phonogramm-Archiv, einer Abteilung des Ethnologischen Museums, umfasst rund 150.000 Aufnahmen aus der ganzen Welt. 135x135px|Foto Sitz des Ethnologischen Museums Berlin im Humboldt Forum 2001 Goethes literarischer Nachlass Das von Johann Wolfgang von Goethe angelegte Archiv seiner Manuskripte, Briefe, Tagebücher und wissenschaftlichen Abhandlungen wird im Weimarer Goethe- und Schiller-Archiv aufbewahrt. 95px|Faksimile Manuskript zu Goethes Gedicht Gingo biloba 2001 Gutenberg-Bibel Das 1282 Seiten umfassende Exemplar in der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist die einzige vollständige Gutenberg-Bibel auf Pergament in Deutschland und eine von vieren weltweit. Zwischen 1452 und 1454 entstanden rund 180 Exemplare der Bibel in der Druckerwerkstatt von Johannes Gutenberg, davon etwa 30 auf Pergament. Das Göttinger Exemplar ist vollständig aufbereitet im Internet verfügbar. 95px|Faksimile Seite der Gutenberg-Bibel 2001 Beethovens 9. Sinfonie Ludwig van Beethovens Symphonie Nr. 9, d-Moll, op. 125, wurde 1824 vollendet. Das Autograph wird von der Staatsbibliothek zu Berlin aufbewahrt, ergänzende Teile befinden sich im Bonner Beethoven-Haus und der Bibliothèque nationale de France. 135px|Faksimile Handschrift zu Beethovens 9. Sinfonie 2001 Fritz Langs Stummfilmklassiker „Metropolis“ Fritz Langs Stummfilm aus dem Jahr 1927 wurde nach umfangreichen Restaurierungen der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung als erster Film ins Weltdokumentenerbe aufgenommen. 135px|Faksimile Aufnahmeurkunde der UNESCO für die Archivkopie von Metropolis 2003 Reichenauer Handschriften Die Handschriften aus dem Kloster Reichenau gelten als herausragende Beispiele der ottonischen Buchmalerei. Ausgewählt wurden das Aachener und das Münchner Evangeliar Ottos III., die Bamberger Apokalypse, der Egbert-Psalter, der Gero-Codex, das Perikopenbuch Heinrichs II., das Evangeliar aus dem Bamberger Dom, das Poussay-Evangelistar, der Codex Egberti sowie die Handschrift Msc.Bibl.22 der Staatsbibliothek Bamberg. 95px|Faksimile Seite aus dem Codex Egberti 2005 Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm wurden erstmals in den Jahren 1812 und 1815 veröffentlicht. Die Handexemplare der Märchensammlungen werden seit 2015 in der GRIMM WELT Kassel ausgestellt und befinden sich seit 1932 im Besitz der Murhardschen Bibliothek Kassel (Universitätsbibliothek Kassel).