Aha (eigentlich Hor-Aha) ist der Name eines altägyptischen Königs (Pharao) der Frühdynastischen Periode.Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002, S. 44–45. Er war nach Meinung einiger Ägyptologen der erste König der 1. Dynastie, nach Meinung anderer Forscher der zweite.
Aha war der Nachfolger von König Narmer und Vorgänger von König Djer. Er regierte ungefähr zwischen 3000 und 2960 v. Chr. und wurde in früherer Zeit gern mit dem legendären Ahnenkönig Menes späterer Quellen gleichgesetzt.Nicolas Christophe Grimal: A history of Ancient Egypt. Oxford u. a. 1994, S. 36–39. Heute identifiziert ihn die Mehrheit der Ägyptologie als den Herrscher Teti I. ramessidischer Königslisten und diesen als Athothis des antiken Chronisten Manetho. Obgleich Aha archäologisch sehr gut belegt ist (selbst über die Grenzen Ägyptens hinaus), weiß man über die Herkunft und Identität dieses Herrschers noch immer wenig, weshalb viele kontroverse Thesen um ihn aufgestellt wurden. Weder ist bekannt, mit wem er liiert war, noch, wie lange er geherrscht hat. Zeitgenössische Artefakte legen zumindest nahe, dass Aha vor allem militärisch sehr aktiv war und viele Fürstentümer unter sich vereinte.
Name und Identität Zum Horusnamen Aha ist archäologisch ausschließlich durch seinen Horusnamen bezeugt. Dieser erscheint auf Artefakten aller Art (Tonsiegel, Tongefäß-Ritzungen, Gefäßinschriften, Elfenbeinetiketten etc.) und taucht auch außerhalb Ägyptens auf, so zum Beispiel in der Levante und im unteren Nubien (heutiger Norden Sudans). Der Horusname wird mit dem Gardiner-Zeichen D34 (menschliche Arme, die Schild und Knaufkeule halten) geschrieben, welches allgemein „Aha“ gelesen und mit „Kämpfer“ übersetzt wird.Jürgen von Beckerath: Handbuch der ägyptischen Königsnamen. München / Berlin 1984, S. 46 & 171.
Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei die Art und Weise, wie Ahas Serech gestaltet ist: Bei genauerer Betrachtung ist erkennbar, dass die Füße und Krallen des Horusfalken in den Serech hinein reichen und daher der Horusfalke Schild und Keule selbst festhält (siehe hierzu obige Abbildung). Unter Ägyptologen gibt es deshalb um diese Namensdarstellung eine lebhafte Diskussion, da eine mögliche tiefere Symbolik dahinter vermutet wird.Gregory Phillip Gilbert: Weapons, Warriors and Warfare in Early Egypt. Archaeopress, Oxford (UK) 2004, ISBN 1-84171-571-9, S. 41–43. Bestärkt wird dieser Argwohn dadurch, dass auf zahlreichen Elfenbeinetiketten eine besondere Form des Serechs erscheint, bei der ein menschlicher Arm mit Knaufkeule aus einer der oberen Ecken des Serechs wächst. Dieser „kämpfende Serech“ ist auch bei den Königen Djer und Wadji zu sehen. Möglicherweise sollte im Falle Ahas dadurch unter anderem bildhaft wie symbolisch die direkte Verbundenheit des Königs mit dem Schutzpatron Horus zur Schau gestellt werden: Aha lässt Horus für sich kämpfen.Ann Macy Roth: Objects, humans and hybrids: The evolution of Early Egyptian representations of the divine. In: Diana Craig Patch, Marianne Eaton-Krauss, Susan J. Allen: Dawn of Egyptian Art.Metropolitan Museum of Art, New York 2011, ISBN 978-1-58839-460-6, S. 201.
Ahas Eigenname wird möglicherweise bereits in Tonsiegelabdrücken überliefert. Mehrere Tonsiegel zeigen Ahas Serech, in welchem das Gardiner-Zeichen X1 (ein Brotlaib) in doppelter Ausführung erscheint. Diese Zeichengruppe wird mit ttj transkribiert und als „Teti“ gelesen. Gelehrte wie Josep Cervelló Autuori sehen darin den Geburtsnamen von Aha und die Vorlage für die späteren Königslisten.Josep Cervelló Autuori: Narmer, Menes and the Seals from Abydos. In: Zahi A. Hawass, Lyla Pinch Brock: Egyptology at the Dawn of the Twenty-first Century. Kairo 2003, S. 168–175.
Frühere Gleichsetzungen mit Menes mini|rechts|hochkant=0.7|Elfenbein-Etikett des Hor-Aha mit dem umstrittenen Nebti-Namen Menj (ganz oben rechts).
Auf einem Elfenbeintäfelchen aus dem Grab des Aha bei Abydos ist eine der ältesten schriftlichen Darstellungen des Wappens der beiden Herrinnen direkt gegenüber dem königlichen Serech des Aha eingraviert. Es befindet sich innerhalb eines zeltförmigen, dreifach ausgeführten Zierrahmens zusammen mit einer alten Form des Nebti-Namens. Unter dem Wappen der beiden Herrinnen ist das Gardiner-Zeichen Y5 (Spielbrett mit Spielfiguren darauf) zu sehen, das Mn gelesen wird. Das zeltähnliche Gebilde könne als ein Pavillon gedeutet werden, den Aha augenscheinlich aufsuchte. Die Tatsache, dass Ahas Horusname und der Pavillon mit dem Nebti-Wappen gemeinsam und direkt nebeneinander abgebildet werden, deuten die Gelehrten Günter Dreyer und Wolfgang Helck als Beweis dafür, dass Aha mit Menes identisch sein müsse.Percy E. Newberry: Menes: the founder of the Egyptian monarchy (circa 3400 B.C.). In: Winifred Brunton: Great ones of ancient Egypt: Historical studies by various Egyptologists. Hodder & Stoughton, London 1929, S. 37–53.
Des Weiteren verweisen sie auf Tonsiegel des Königs Dewen (fünfter Herrscher der 1. Dynastie), auf denen eine Auflistung der Horusnamen von König Narmer bis Dewen eingedrückt sind. Die Horusnamen werden dabei im Wechsel mit dem Namen des Friedhofgottes Chontamenti abgelöst. Günter Dreyer argwöhnt, ob Chontamentis Name vielleicht die Namen von kurzzeitigen Zwischenregenten ersetzen sollte. Demnach hätte Menes’ wahrer Name zwischen Narmer und Aha und Tetis wahrer Name zwischen Aha und Djer erscheinen müssen.
Auf dem Palermostein, ein Bruchstück des berühmten Annalenstein der 5. Dynastie, ist der Herrschaftsantritt von König Djer festgehalten. Der Vorgänger, dessen Herrschaftsende ebenfalls erhalten ist, wird einhellig als Aha identifiziert. Doch seltsamerweise vermerkt der Palermostein augenscheinlich zwei Sterbedaten. Die angegebenen Kalenderdaten lassen auf eine zeitliche Diskrepanz von 45 Tagen oder gar von 1 Jahr und 45 Tagen schließen. Laut Walter Bryan Emery und Siegfried Schott lege dies nahe, dass diese Diskrepanz Hinweise auf ein kurzfristiges Interregnum eines weiteren Königs liefern könnte. Dieser Umstand würde eine Gleichsetzung von „Teti“ mit Hor Aha unwahrscheinlich machen und möglicherweise auf einen weiteren, eigenständigen König hindeuten.Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten. In: Akadermie der Wissenschaften und der Literatur (Hrsg.): Abhandlungen der geistes- und sozialwissenschaftlichen Klasse. Nr. 10. Mainz 27. Oktober 1950, S. 54.
Heutige Gleichsetzung mit Teti I. Die Ausführungen von Wolfgang Helck und Günter Dreyer sind nach heutigem Forschungsstand nicht mehr haltbar. Ägyptologen wie Toby Wilkinson, Jacques Kinnaer, Thomas C. Heagy und Josep Cervelló Autuori kritisieren Helcks und Dreyers Methoden und Argumentationsweisen. Es wird beklagt, dass die vorgenannten Gelehrten augenscheinlich versuchten, der 1. Dynastie mit allen Mitteln einen „ominösen Zwischenregenten“ aufzuzwängen, nur damit König Aha oder ein anderer Herrscher als Menes dastehe. Die archäologischen Funde und deren zeitgenössischen Dokumente würden dabei teilweise ignoriert.Thomas C. Heagy: Who was Menes? In: Archéo-Nil: Revue de la société pour l’étude des cultures prépharaoniques de la vallée du Nil. Band 24, Januar 2014. Société pour l'étude des cultures prépharaoniques de la vallée du Nil, Paris & Peeters Publishers, Leuven 2014, , S. 59–92.
So ist beispielsweise das bereits genannte Gebilde auf dem Elfenbeintäfelchen des Aha eher als ein Schrein zu deuten, der den beiden Herrinnen gewidmet war. Die Zeichengruppe Nebti-Wappen + Mn-Zeichen ist demnach kein Königsname, sondern der Name des Schreins selbst. Gegen eine Identifizierung als Königsname spricht auch, dass der königliche Nebti-Name nachweislich erst unter König Semerchet (siebter Herrscher der 1. Dynastie) eingeführt wurde - etwas, das der Kairostein, ein weiteres Bruchstück des Annalensteins, sogar quittiert, indem er Semerchets Geburtsname, Irj-Nebti, zusammen mit dem Nebti-Wappen innerhalb einer Königskartusche abbildet. Es ist unwahrscheinlich, dass ein so wichtiger Königstitel wie der Nebti-Name unter Narmer oder Aha eingeführt wurde, dann über Generationen hinweg gemieden und erst unter Semerchet wiedereingeführt worden wäre. Ein solcher Umgang mit Königstiteln ist für die gesamte Frühzeit nicht bezeugt. Außerdem wären die Aha-Täfelchen das einzige Zeugnis für das Eintragen eines Nebti-Namens innerhalb eines Pavillons oder Zeltes. In diesem Falle ist das Elfenbeinetikett leider keine Hilfe bei der Frage um die Gleichsetzung von Narmer mit Menes.Jacques Kinnaer: The Naqada label and the identification of Menes. In: Göttinger Miszellen. (GM) Band 196. Seminar für Ägyptologie und Koptologie der Georg-August-Universität Göttingen, Göttingen 2003, , S. 23–30.
Auch die zeitliche Diskrepanz auf dem Kairostein ist als Beweis für einen eigenständigen „Blitzherrscher“ namens „Teti“ gemäß Toby Wilkinson nicht ausreichend: Zum einen erscheint ein Zeitfenster von nur 45 Tagen als viel zu kurz, als dass sich ein Interregnum überhaupt gelohnt hätte. Zum anderen bleibt fraglich, warum ein solcher „Blitzherrscher“ überhaupt auf dem Annalenstein hätte erscheinen sollen: es gab einfach nichts, worüber die Steintafel hätte berichten können und die Namensbanderole des Herrschers hätte auf dem Annalenstein gar keinen Platz gehabt. Weiters: Auf dem Kairostein wird Djer, dritter König Ägyptens, als „Iteti“ bezeichnet. Im Umkehrschluss muss „Teti I.“ als zweiter Name in den Königslisten König Aha meinen, weshalb der Name „Meni“ nur für Narmer übrig bleibt. Zu guter Letzt weist Toby Wilkinson darauf hin, dass die Horusnamen der 1. Dynastie auf zeitgenössischen Tonsiegelabdrücken sich zählgleich mit den Kartuschennamen des Turiner Königspapyrus und der Königsliste von Abydos decken (8 Horusnamen vs. 8 Kartuschennamen) und mit der Herrscherabfolge des Annalensteins übereinstimmen.Toby A. H. Wilkinson: Royal Annals of Ancient Egypt. London 2000, S. 186 u. 187.
Ägyptologe Josep Cervelló Autuori verweist auf bereits erwähnte Tonsiegel des Aha aus dessen Grab und aus Sakkara. Mehrere Tonsiegel zeigen Ahas Serech, in welchem das Gardiner-Zeichen X1 (ein Brotlaib) in doppelter Ausführung erscheint. Diese Zeichengruppe wird mit ttj transkribiert und als „Teti“ gelesen. Autuori sieht darin den Geburtsnamen von Aha und die Vorlage für die späteren Königslisten. Um seine Ausführungen zu stützen, verweist er zum Vergleich auf die Tonsiegel der Könige Narmer, Djer, Wadji und Dewen, auf denen bestimmte Zeichengruppen refrainartig im Wechsel mit dem Horusnamen erscheinen: Narmer = Serech + Mn; Djer = Serech + Itj; Wadji = Serech + Ita und Dewen = Serech + Chasti. Demnach bleibt „Teti“ nur noch für König Aha übrig.Josep Cervelló Autuori: Narmer, Menes and the Seals from Abydos. In: Zahi A. Hawass, Lyla Pinch Brock: Egyptology at the Dawn of the Twenty-first Century. Kairo 2003, S. 168–175.
Familie und Herkunft mini|rechts|hochkant=0.7|Elfenbein-Etikett mit dem Serech des Hor-Aha, links davon der Name der Benerib.