mini|300px|Kasino der Kaiser-Wilhelms-Akademie in Berlin (1904) Die Pépinière-Corps waren Studentenverbindungen an der Pépinière, die ab 1818 Medicinisch-chirurgisches Friedrich-Wilhelms-Institut und ab 1895 Kaiser-Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen hieß. Die drei Corps Franconia, Suevo-Borussia und Saxonia verlegten 1919 ihren Sitz von Berlin an die neue Universität Hamburg.
Militärärztlicher SC
Ab 1860 wurde am Medicinisch-chirurgischen Friedrich-Wilhelms-Institut von Studentenvereinigungen gesprochen, die bald feste Form erhielten. Die Bünder sollten die Exklusivität der einzelnen Semester untereinander durch eine Gemeinschaft von Jung und Alt ersetzen. Im Wintersemester 1897/98 gründeten Friderico-Guilelmia (später Franconia) und Suevo-Borussia den Militärärztlichen Chargierten-Convent, der zur unbedingten Satisfaktion stand. Im Sommersemester 1903 beschloss er die Bestimmungsmensur. Im Wintersemester 1904/05 wurde Couleur eingeführt.Paulgerhard Gladen: Geschichte der studentischen Korporationsverbände, Bd. II, Würzburg 1985, S. 20. Die drei Bünder führten ein Verbindungsleben wie Corps, mit Pauken, Bestimmtag und gelegentlichen Säbelpartien, mit Convent, Kneipen und Mittagstisch. Dem Berliner Senioren-Convent (KSCV) gehörten die drei Bünder nicht an, weil ihre Mitglieder nicht an einer Universität studierten. Sie bildeten einen eigenen SC, der mit dem SC zu Berlin in einem Paukverhältnis stand. Mit der Annahme der Bezeichnung „Corps“ am 19. Oktober 1907 wurde der Verband in SC an der Kaiser-Wilhelms-Akademie (Berliner Militärärztlicher SC) umbenannt.
Schon während des einjährigen Militärdienstes, dem sich die „Pfeifhähne“ beim Garde-Füsilier-Regiment (den „Maikäfern“) oder anderen Regimentern des Gardekorps unterzogen, wurden Militärfüchse aufgenommen. Fünf Aktivensemester und fünf Partien waren Pflicht. Das Medizinische Staatsexamen stand nach dem 12. Semester an. Die Auswahl der Corps war sorgsam. Nach der damals strengen Abiturauslese und der Zulassung zur Akademie war die Admission die dritte Prüfung. Von den siebzig Erstsemestern, die 1913 an der Akademie aufgenommen wurden, nahm Saxonia fünf, Franconia elf auf.
Der Besuch beim Altreichskanzler Otto von Bismarck (1895), die Einweihung des neuen Akademiegebäudes (1910) und das 25-jährige Regierungsjubiläum von Kaiser Wilhelm II. (1913) waren Höhepunkte des Corpslebens an der Kaiser-Wilhelms-Akademie. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, wurden die Akademieangehörigen von ihren jeweiligen Truppenteilen sogleich angefordert, die älteren Semester als Unterärzte, die jüngeren als Sanitätsdienstgrade, die Erstsemester als Feldsoldaten. Die Corps suspendierten. Nach dem verlorenen Krieg feierten sie gemeinsam am 27. Januar 1919 „Kaisers Geburtstag“ mit Kommers und Landesvater. Der Studentenalltag wurde bald durch die inneren Unruhen in der Reichshauptstadt unterbrochen. Schon Ende Dezember 1918 hatte Oberst Wilhelm Reinhard zur Bildung einer Offizierskompanie aufgefordert, um die Regierung vor den aufständischen Spartakisten zu schützen. 140 Studenten der Akademie, darunter alle Angehörigen der Saxonia, folgten dem Ruf. Fünf Tage lang bildete die Kompanie den einzigen Schutz der Regierung. Im März 1919 bat die Regierung erneut um Hilfe. Die „Sachsen“ nahmen an den Kämpfen in Berlin-Lichtenberg und Adlershof teil. Am 1. Oktober 1919 wurde die Kaiser-Wilhelms-Akademie nach dem Friedensvertrag von Versailles geschlossen. Die drei Corps sahen keine Überlebenschancen, zumal es in Berlin außer den sechs Kösener Corps noch andere schlagende Verbindungen gab. Mithin suspendierten sie am 5. Oktober 1919.
Franconia Die spätere Franconia ging aus dem Gesangverein „Militärärztliche Stimmritze“ hervor, der am 13. Mai 1861 an der Pépinière gegründet worden war. Die geplante Umbenennung in Friderico-Guilelmia (1897) wurde von der Direktion der Akademie nicht genehmigt. Vielmehr suspendierte sie sowohl die Friderico-Guilelmia als auch die ebenfalls umgetaufte Suevo-Borussia. Alle sechs Chargierten der beiden Verbindungen erhielten zudem sechs Tage Arrest. Nach zwei Monaten konnten die Alten Herren schließlich eine Aufhebung der Suspension erreichen. Die Vereinigung nahm daraufhin mehr und mehr Corpssitten mit Zirkel (1899) und Bestimmungsmensuren (1903) an. Studentische Fechtwaffen wurden angeschafft, weil dem SC zu Berlin die große Anzahl von Waffenbelegern lästig wurde. Zugunsten des Fechtens wurde ferner der Chorgesang im Winter 1902/03 abgeschafft. Das rot-weiß-rote Corpsburschenband (1904), die rote Studentenmütze (Berliner Format) und die roten Kneipjacken (1906) wurden der Franconia vom Corps Holsatia vergeblich streitig gemacht. Ab 1907 nannte sich die Vereinigung Corps Franconia. Der Zirkel erhielt die endgültige Form. Der Wahlspruch war Pro patria et honore. Eingeführt wurde zudem die Corpsschleife, die auch Bräuten Alter Herren am Tage der Vermählung verliehen werden konnte.
Suevo-Borussia An der Pépinière wurde am 21. Juni 1868Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 61. der Verein der Studierenden der Militärärztlichen Bildungsanstalten gegründet, aus dem die Suevo-Borussia hervorging. Der Wahlspruch war Honeste et hilare.
Saxonia Die zwangsläufige Rivalität von Franconia und Suevo-Borussia sowie die Einführung der Bestimmungsmensur mit der Notwendigkeit eines Unparteiischen machte eine dritte Verbindung wünschenswert. Das führte am 18. Oktober 1907 zur Gründung des Corps Saxonia. Nach militärischem Muster hatten die beiden anderen Corps jeweils neun Aktive verschiedener Semester und 60 Alte Herren abzugeben. Hinzu kamen freiwillige Meldungen. Der Bund führte sogleich Zirkel, Studentenwappen und Farben. Das Band war rot–weiß–grün, das Fuchsband weiß–grün. Die Mütze im großen Berliner Format war grün mit weißer Paspel und rot–weiß–grünem Rand, die Kneipjacke schwarz. Die Chargierten trugen hellgrüne Pekeschen.
Im Ersten Weltkrieg fielen 18 von 170 Mitgliedern. Im April 1919 konnten noch sechs Füchse aufgenommen werden. Das Sommersemester verlief nicht ohne innere Spannungen, wie sie bei der Zusammensetzung des Corps aus Kriegsteilnehmern und Abiturienten nicht ausbleiben konnten. Nach dem Friedensvertrag von Versailles wurde die Kaiser-Wilhelms-Akademie zum 1. Oktober 1919 geschlossen. Die drei Corps konnten nicht in Berlin bleiben; denn die sechs Corps im Berliner Senioren-Convent (KSCV) waren sich genug und lehnten die Aufnahme der drei Pepiniere-Corps ab. Der HKSCV wünschte und förderte ihre Verlegung an die neugegründete Universität Hamburg.
Hamburger SC 120px|mini|SC zu Hamburg – Franconia, Suevo-Borussia, Thuringia Jena, Albertina und Lusatia Breslau (1952) Auf der Suche nach einer anderen Universität verfiel man auf die im Mai 1919 gegründete (von den Gewerkschaften bestimmte) Universität Hamburg. Akkreditiert waren im WS 1919/1920 schon 30 Verbindungen. Cheruskia und Hammonia waren pflichtschlagende Korporationen, die vom Hamburgischen Kolonialinstitut stammten und lange vor der Universität gegründet worden waren. Cheruskia gründete 1919 den Teutoburger Vertretertag, der 1927 zur Deutschen Wehrschaft wurde. Als Corps Irminsul kam der Bund 1933 in den Rudolstädter Senioren-Convent und 1934 in den Weinheimer Senioren-Convent.
Die KWA-Corps waren in Hamburg erwünscht; sie sollten die vaterländischen Kräfte im Kampf gegen die an der Universität einflussreichen Linksradikalen stärken. Die Lage verlangte schwerwiegende und komplizierte Entscheidungen: Die Beschlüsse der drei Corps und ihres SC, die Befürwortung durch den SC zu Berlin, der Antrag beim Kösener Senioren-Convents-Verband und die abändernde Entscheidung des Vororts München, die Zustimmung des AHSC Hamburg und die Findung hilfsbereiter Alter Herren. Obendrein war Eile geboten, weil auch die von der Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg vertriebenen Corps eine Übersiedlung nach Hamburg erwogen. Die noch in den Semesterferien getroffenen Entscheidungen bedeuteten, dass nicht wenige Angehörige der drei Corps das Band ablegen mussten, damit ihr Bund überleben konnte. Einer brachte es auf den Punkt: „Wir hätten uns eine Mensur nur durch schlechtes Benehmen auf der Straße besorgen können. Fast bedauere ich mein damaliges gutes Benehmen.“ Die Renoncierungsfrage wurde gelöst, indem Mitglieder des Alte-Herren-Senioren-Convents Hamburg die drei Corps neu gründeten und die Aktiven des betreffenden Berliner Corps aufnahmen. Die Alten Herren konnten – wenn sie gefochten hatten – mit Band übernommen werden (was vom oKC 1920 gebilligt wurde). Die Vorverbindungen wurden als corpsähnlich anerkannt. Diejenigen ihrer Angehörigen, die mangels eigener leichter Waffen auf Waffen eines anderen Corps gefochten hatten, konnten ebenfalls mit Band übernommen werden. Die anderen konnten Corpsschleifenträger werden.
Am 11. Oktober 1919 – acht Tage nach der Suspension in Berlin – rekonstituiert, gründeten die Berliner Corps den Hamburger Senioren-Convent. Gefochten wurde wie bei den meisten Hamburger Verbindungen auf Korb. Ihre Stammkneipe in Hamburg war das Bierhaus Rieper in der Schaumburger Straße.
Franconia