mini|König Rennbootmotor (1960er-Jahre) Die vom Berliner Unternehmen König Motorenbau hergestellten Außenbordmotoren waren in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die weltweit erfolgreichsten Rennmotoren in den Klassen bis 700 cm³ des Motorbootsports. Daneben wurden Außenbordmotoren für den Freizeitbereich und zuletzt auch Motoren für Ultraleichtflugzeuge hergestellt.

Geschichte Rudolf König (* 2. April 1894) gründete die Firma 1927 in Berlin SO 36 (Kreuzberg). Erstes Produkt war ein SeitenbordmotorHelmut Hütten in Schnelle Motoren (ISBN 3-87943-974-5), Motorbuch Verlag (Stuttgart), Seite 363 mit etwa 1 PS (0,74 kW) Leistung. Der getriebelose Motor mit langer Propellerwelle wurde ursprünglich als Flautenschieber für Segelboote konzipiert. Weitere Anwendungsbereiche und Bauarten des Motors waren verbreitet.Seitenbordmotor "König", Deutsches Museum digital (eingesehen am 18. September 2025). Nach dem Zweiten Weltkrieg baute er mit seinem Sohn Dieter das Unternehmen wieder auf.Rudolf König bei klassik-boote.de (eingesehen am 18. September 2025)) Von Kreuzberg zog König nach Charlottenburg um, erst zum Einsteinufer, dann in Thaters Privatweg und bis zur Schließung am 31. Mai 1998 an den Friedrich-Olbricht-Damm. Zeitweise gab es für Verkauf und Wartung eine Zweigstelle in Hitdorf bei Köln. Das Unternehmen ging nicht in Konkurs, sondern wurde geschlossen.

Dieter König starb am 17. August 1991 an den Folgen seiner schweren Verletzungen, einen Tag nachdem er bei Saarmund mit einem Ultraleichtflieger während eines Testfluges abstürzte, im Krankenhaus. Auf dem Gelände des Motor-Rennboot-Club (MRC) in Berlin-Steglitz befindet sich ein Gedenkstein für Dieter König.Dieter König, bei gedenktafeln-in-berlin.de, (eingesehen am 18. September 2025).

Außenbordmotoren Nach dem ersten Seitenbordmotor konstruierte Rudolf König 1932 seinen ersten Heckmotor, 1937 folgte ein Dreizylinder-Sternmotor mit 500 cm³, der auch zu Motorbootrennen eingesetzt wurde. Das Motorenprogramm umfasste vor dem Krieg drei Seitenbordmotoren mit Leistungen zwischen 1,25 und 2,5 PS und Heckmotoren zwischen 6 und 18 PSAnzeige in Mann Boot Motor (Berlin), Heft August 1938. Im Jubiläumsjahr 1977 umfasste das Programm folgende Zweitaktmotoren:

4 PS Seitenbordmotor 4 PS, 1 Zylinder, 60 cm³. Dieser Motor wurde von der jugoslawischen Firma Tomos produziert und unter der Marke König vertrieben 10 und 18 PS, beide 2 Zylinder, 250 cm³. Diese wurden ebenfalls von Tomos produziert und unter König vertrieben 30 und 40 PS, beide 2 Zylinder, 603 cm³ 60 PS, 3 Zylinder, 905 cm³ 70 PS, 3 Zylinder, 905 cm³. Dieser Motor ist eine Weiterentwicklung des 60-PS-Motors in Zusammenarbeit mit Volvo Penta, vergl. Patent GB1519905A Twostroke internal combustion engine.

Die von König selbst konstruierten Zwei- und Dreizylindermotoren wurden mit Flachdrehschiebern gesteuert, die unmittelbar auf der Kurbelwelle zwischen den Kurbelwangen saßen.

Rennsport Bis 175 cm³ 1935 stellte Rudolf König auf der Wassersportausstellung in Berlin einen neuen Rennmotor mit 175 cm³ und etwa 10 PS bei 5800 1/min vor.Dr. Ing. Lüscher in: Die Yacht (Berlin), Heft 10/1935, Seiten 16–17. Mit diesem Motor wurden im gleichen Jahr mehrere Weltrekorde aufgestellt. Der Dauerrekord über zwei Stunden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 53,57 km/hAutor unbekannt in: Die Yacht (Berlin), Heft 10/1935, Seiten 14–15., gefahren von dem Berliner Bob Blankenfeldt, wurde bis heute nie überboten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war diese kleinste Hubraumklasse im Bootsrennsport vor allem in der DDR sehr beliebt, dort wurden eigene Motoren hergestellt. Bei den zwischen 1956 und 1972 ausgetragenen 16 Europameisterschaften waren fünf Mal Fahrer mit König-Motoren erfolgreich.

Bis 700 cm³ mini|250-cm³-Rennmotormini|Boxermotor mit Drehschieber Im Jahr 1963 wurde von der U.I.M. die erste Weltmeisterschaft im MotorbootrennsportHistorie Motorboot - Weltmeisterschaften, Abruf am 4. Februar 2024. ausgetragen. Bis einschließlich 1999 wurden in den Hubraumklassen 250 cm³, 350 cm³, 500 cm³ und 700 cm³ insgesamt 130 Weltmeistertitel vergeben, 115 davon an Fahrer mit König-MotorenDatenbankabfrage beim Rennbootarchiv Schulze.

1947 wurde die erste Europameisterschaft nach dem Krieg ausgetragen. Bis einschließlich 1999 wurden in den Hubraumklassen 250 cm³, 350 cm³, 500 cm³ und 700 cm³ insgesamt 176 Europameistertitel vergeben, 138 davon an Fahrer mit König-Motoren.

Zum Einsatz im Rennsport kamen anfangs Reihenmotoren (bis drei Zylinder) oder Zweizylinder-Boxermotoren, überwiegend aber Vierzylinder-Boxermotoren. Alle Vierzylindermotoren nutzten die gleiche Kurbelwelle. Das Hubraumspektrum von 250 bis 700 cm³ ergab sich durch unterschiedliche Bohrungen. Weitere Konstruktionsmerkmale der Vierzylinder-Boxermotoren:

zwei Vergaser ein seitlich angebrachter Einlass-Drehschieber mit Zahnriemenantrieb zwei Resonanzschalldämpfer

In den 1990er-Jahren rüstete König die Einlasssteuerung teilweise auf Flatterventile um. mini|Steinhausen/Huber 1976 auf dem Nürburgring Es gab weitere Erfolge in Klassen mit Serienmotoren und benzinbetriebenen Rennmotoren („Stock-Motoren“).

Motorradsport Auf Anregung des neuseeländischen Rennfahrers Kim Newcombe entwickelte Dieter König Anfang der 1970er-Jahre in Anlehnung an die Bootsmotoren ähnliche Vierzylinder-Zweitakt-Boxermotoren („Doppelboxer“)König-Doppelboxer Rennmotor bei zweitakte.de (eingesehen am 18. September 2025) für Rennmotorräder der 350er und 500er Solo- wie auch der Gespannklasse, die er vorwiegend in eigene Fahrgestelle einbaute. 1973 wurde Newcombe hinter Phil Read postum Vize-Weltmeister der 500-cm³-Klasse. 1975 und 1976 gewann das Duo Rolf Steinhausen/Josef Huber mit einem Busch-König-Gespann die Seitenwagen-Weltmeisterschaft.

Flugzeugmotoren Für Leichtflugzeuge entwickelte Dieter König spezielle Motoren.Kyrill von Gersdorff, Kurt Grasmann, Flugmotoren und Strahltriebwerke Entwicklungsgeschichte der deutschen Luftfahrtantriebe von den Anfängen bis zu den internationalen Gemeinschaftsentwicklungen, Bernard & Graefe, Koblenz, 2. Auflage, 1985, Seiten 262, 306–307, ISBN 3-7637-5283-8. Für Ultraleichtflugzeuge bot die Firma König in den 1990er-Jahren fünf verschiedene Zweitaktmotoren mit dreiFlugmotor König "SC 430", geschnitten Deutsches Museum digital (eingesehen am 18. September 2025) bzw. vier Zylindern an.Anzeige in einem Programmheft vom Motorbootrennen 1991

Patentinformationen

Literatur Kyrill von Gersdorff, Kurt Grasmann, Flugmotoren und Strahltriebwerke Entwicklungsgeschichte der deutschen Luftfahrtantriebe von den Anfängen bis zu den internationalen Gemeinschaftsentwicklungen, Bernard & Graefe, Koblenz, 2. Auflage, 1985, Seiten 262, 306–307, ISBN 3-7637-5283-8. Winni Scheibe, König BMW 500 Touring bei winni-scheibe.com, 2020, (eingesehen am 18. September 2025).

Weblinks

Meistertanke, König Motorenbau, 23. Dezember 2022, Bericht aus den historischen Fabrikräumen, Video bei youtube.com, (eingesehen am 18. September 2025). Christner Family, Quincy vs König, Bilddokumente zur Unternehmensgeschichte von König, (eingesehen am 18. September 2025). Wayne Baldwin, König factory photo album, Bilder aus den historischen Fabrikräumen, 1975, (eingesehen am 18. September 2025). Teamheronsuzuki, König boxer racer, Album 1, Album 2, hochauflösende Bilder bei flickr.com, (eingesehen am 18. September 2025).

Einzelnachweise und Bemerkungen

Kategorie:Motorenhersteller Kategorie:Motorbootsport (Deutschland) Kategorie:Unternehmensgründung 1927