Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), bis 2001 Universitätskrankenhaus Eppendorf, ist ein Krankenhaus der Universität Hamburg im Hamburger Stadtteil Eppendorf. Das UKE ist eine öffentliche Einrichtung, in der ärztliche und pflegerische Hilfeleistungen angeboten werden. Im Gegensatz zu dem in den 2000ern privatisierten Landesbetrieb Krankenhäuser Hamburg, heutiger Name Asklepios Kliniken Hamburg, ist es öffentlich und vertritt als Universitätsklinikum den Anspruch eines Ausbildungskrankenhauses.
Das Klinikum umfasst heute in 13 Zentren mehr als 80 Kliniken, Polikliniken und Institute. Mit über 1800 Betten, davon rund 270 Betten im Universitären Herz- und Gefäßzentrum UKE (UHZ) sowie etwa 60 Betten in der Martini-Klinik, ist es eines der größten Krankenhäuser in Hamburg. Jährlich nimmt das Klinikum etwa 97.000 Patienten stationär auf. Hinzu kommen 475.000 ambulante Patienten, davon rund 121.000 über die Notaufnahme.Das UKE in Zahlen - Geschäftszahlen 2022, uke.de, abgerufen am 27. Dezember 2023.
Das UKE beschäftigt rund 16.100 Angestellte, davon sind 2400 Ärzte und Wissenschaftler. Weitere 3100 entfallen auf Pflegekräfte und Therapeuten. Die übrigen sind in Technik und Verwaltung beschäftigt. Zusätzlich studieren am UKE, beziehungsweise der medizinischen Fakultät, im Wege der akademischen Ausbildung rund 3400 Studierende in den Fachrichtungen Medizin und Zahnmedizin.Das UKE in Zahlen - Geschäftszahlen 2022, uke.de, abgerufen am 27. Dezember 2023.
Das UKE bietet im Jahr 200 Ausbildungsplätze an, unter anderem für Diätassistenten, Pflegefachmänner/-frauen, Gesundheits- und Krankenpfleger, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger, medizinische Fachangestellte (MFA), operationstechnische Assistenten (OTA), Orthoptisten, Physiotherapeuten, zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) sowie im Bereich Medizinischer Technologie.Ausbildung & (Duales) Studium im UKE . auf uke.de, abgerufen am 25. September 2023 Die Tochtergesellschaft School of Life Science Hamburg, eine staatlich anerkannte Berufsfachschule für biologisch-technische Assistenz hat jährlich 78 Ausbildungsplätze angeboten ist aber im August 2024 mit der BS06 (BS 06 Berufliche Schule Chemie, Biologie, Pharmazie, Agrarwirtschaft) in Bergedorf fusioniert.
Geschichte mini|hochkant=0.75|Alfred Kast mini|Neuer Haupteingang (2011) mini|Alter Haupteingang (2006) mini|Erikahaus (2006) Vorgeschichte und Bau Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war das bis dahin einzige allgemeine Krankenhaus in Hamburg, das 1823 gegründete Allgemeine Krankenhaus St. Georg, trotz vorangegangener baulicher Erweiterungen den Aufgaben der Gebrechlichen- und Krankenversorgung offensichtlich nicht mehr gewachsen. Eine Revision im Jahre 1876 konstatierte einen Zustand der Dauerüberfüllung. Die Behandlung Schwerkranker im Keller und die mangelnde Belüftung der Krankensäle wurde besonders kritisiert. Die unerwartete Zunahme der Patienten resultierte neben dem starken Bevölkerungswachstum der Stadt und den zu jener Zeit grassierenden Seuchen (z. B. Cholera) auch aus erweiterten Behandlungsmöglichkeiten durch den starken medizinischen Fortschritt.
Zur Lösung des Problems schuf der Senat die Stelle eines ärztlichen Direktors neu und berief 1879 Heinrich Curschmann auf diesen Posten. Dieser war von Anfang an davon überzeugt, dass nur ein großer Krankenhaus-Neubau die Probleme lösen könnte. Nach fünfjährigen Verhandlungen mit den Behörden wurde (auch weil Bürgermeister Carl Friedrich Petersen hinter dem Projekt stand) 1884 durch den Senat der Neubau als Pavillonanlage nach dem Konzept von Curschmann bewilligt. Während Curschmann ein Gelände in der Innenstadt favorisiert hatte, entschied sich der Senat für den kostengünstigeren Ankauf von Gelände außerhalb der Stadt im damaligen Vorort Eppendorf, der sich seit 1871 jedoch bereits unter unmittelbarer städtischer Verwaltung befand.
Der in den folgenden fünf Jahren nach Plänen der Hamburger Architekten Carl Johann Christian Zimmermann und Friedrich Ruppel umgesetzte Neubau mit 55 Pavillons,Ralf Lange: Architekturführer Hamburg. Edition Menges, Stuttgart 1995, ISBN 3-930698-58-7, S. 145. (Eintrag D 81: Universitätskrankenhaus Eppendorf) großzügig angeordnet auf einem parkartigen Gelände, markiert den Übergang vom kasernenartigen Armenhospital zum modernen Behandlungskrankenhaus nach dem Stand der medizinischen Erkenntnis. Bereits während der Bauzeit (ab 1885) wurde der Betrieb in bereits fertiggestellten Gebäuden aufgenommen. Zu den Chefärzten des Eppendorfer Krankenhauses gehörte ab 1885 Hermann Kümmell, der dort von 1919 bis 1923 erster Ordinarius für Chirurgie wurde.Christoph Weißer, Jörg Arnholdt: Neue Aspekte zum Berufsweg des Chirurgen Fritz König (1866–1952) unter Berücksichtigung zweier Autographen seines Lehrers Ernst von Bergmann (1836–1907). In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018 (2021), S. 123–134, hier: S. 132, Anm. 51. Ein Jahr vor der offiziellen Fertigstellung nahm Curschmann 1888 eine Professur in Leipzig an und verließ Hamburg. Alfred Kast wurde zum ersten ärztlichen Direktor des neuen Krankenhauses bestellt.
„Neues Allgemeines Krankenhaus“ 1889–1934 Kaiserzeit Im Eröffnungsjahr umfasste das Neue Allgemeine Krankenhaus 1340 Betten in zwei Hauptabteilungen. Neben der medizinischen bzw. internistischen Abteilung mit Epidemiestation gab es die chirurgische Abteilung mit der vorerst einzigen Spezialabteilung, der für Augenkranke. Neben 25 Ärzten verzeichneten die Personalakten 160 Angehörige des Wartpersonales und 134 Angehörige des Dienstpersonales. Mit einem amtlichen Bestand von 1346 Kranken war das Krankenhaus am Tag der offiziellen Eröffnung (19. Mai 1889) bereits überbelegt.
Die bauliche Anlage galt als konsequenteste Umsetzung eines Pavillonkrankenhauses und war jahrzehntelang Vorbild für viele Krankenhausneubauten in aller Welt. Auch infolge der Choleraepidemie in Hamburg 1892 wurde die Wasserversorgung mit ungefiltertem Elbwasser als Schwachpunkt der Patientenversorgung erkannt und so erfolgte im folgenden Jahr die Errichtung eines Sielgrubenhauses und einer Desinfektionsanstalt. Ab 1908 wurde das Krankenhaus durch einen eigenen Tiefbrunnen mit einwandfreiem Trinkwasser versorgt.
Wurde während der Anfangsjahre die Patientenversorgung noch ausschließlich von angelernten Wärterinnen und Wärtern getätigt, so wurde aufgrund guter Erfahrungen mit ausgebildeten Krankenschwestern während der Choleraepidemie um die Jahrhundertwende die Schwesternversorgung eingeführt. 1900 hatte die kurz zuvor gegründete Schwesternschule bereits 80 Absolventinnen.
Nach der Jahrhundertwende wurde das nun Allgemeines Krankenhaus Eppendorf genannte Krankenhaus von den ärztlichen Direktoren gezielt zur Forschungs- und Lehrstätte ausgebaut, die sich – so erweisen die Festschriften zum 25-jährigen Bestehen 1914 – durchaus mit Universitätskliniken messen konnten. Als weitere Spezialabteilungen entstanden: 1899 Abteilung für Entbindungen und Frauenheilkunde, 1900 Abteilung für Hals-Nase-Ohren-Kranke, 1908 Abteilung für Hautkranke, 1912 Abteilung für physikalische Therapie und eine Röntgenabteilung, 1913 Abteilung für Kinderheilkunde.
Weimarer Republik mini|Erika-Schwestern mit der Oberin Dietrich und Ernst Roedelius (1923) Nach Gründung der Universität Hamburg im Jahre 1919 wurden zwar etliche Ärzte des Eppendorfer Krankenhauses als Professoren berufen, eine formelle Anerkennung als Universitätskrankenhaus durch den Senat blieb aber Jahrzehnte unerreicht. Um kein allgemeines Krankenhaus zu verlieren, favorisierte die Gesundheitsbehörde den Neubau eines Universitätsklinikums in Hamm/Horn und stieß damit auf den Widerstand der Mehrheit der Ärzte, die in Eppendorf bleiben wollten. Der von den Ärzten geforderte Ausbau des bestehenden Krankenhauses zur Erfüllung der neuen Aufgaben im Lehr- und Forschungsbetrieb wurde von der Behörde abgelehnt mit Hinweis auf die höheren Kosten im Vergleich zu einem Neubau. So blieb eine Einigung aus, neben wenigen Modernisierungsmaßnahmen wurde 1926 ein einziges Gebäude für universitäre Aufgaben mit einem Hörsaal mit 150 Plätzen errichtet. Während der Weltwirtschaftskrise 1929–1932 wurde aufgrund fehlender Mittel weder ein Neubau noch eine umfassende Modernisierung eingeleitet. Im Gegenteil musste die Schwesternschule geschlossen werden und so entstand (auch durch den Geburtenrückgang als Folge des Weltkrieges) ein Mangel an Pflegepersonal.
„Universitäts-Krankenhaus Eppendorf“ (UKE) Zeit des Nationalsozialismus mini|Stolpersteine am Haupteingang des Gebäudes O10
Zum Beginn des Nationalsozialismus wurden 1934 die Schließungspläne vorerst aufgegeben und das Krankenhaus am 1. April 1934 offiziell zum Universitäts-Krankenhaus Eppendorf ernannt.
Nach der Machtergreifung wurde 16 jüdischen Angehörigen des Lehrkörpers die Lehrbefugnis entzogen. Mehr als 60 „nichtarische“ Medizinstudenten wurden von der Universität vertrieben. Zur Erinnerung an die entlassenen Professoren und Privatdozenten wurden im Jahr 2014 16 Stolpersteine vor dem Eingang zum Hauptgebäude verlegt für Ernst Delbanco, Walter Griesbach, Arthur Haim, Erwin Jacobsthal, Hermann Josephy, Viktor Kafka, Otto Kestner, Paul Kimmelstiel, Walter Rudolf Kirschbaum, Rahel Liebeschütz-Plaut, Martin Mayer, Ernst Friedrich Müller, Heinrich Poll, Ernst Sieburg, Hans Türkheim, Friedrich Wohlwill.Wir stellen uns der Verantwortung. Gespräch mit Prof. Hendrik van den Bussche. In: Vorstand des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) (Hrsg.): 125 Jahre UKE. Rückblick und Ausblick. UKE, 2014, S. 22–27. Einer der Entlassenen nahm sich das Leben, einer verstarb 1937 in Hamburg, den anderen gelang die Emigration in den Jahren 1934, 1936, 1938 und 1939. Einer kehrte im Jahr 1949, ein weiterer 1951 nach Hamburg zurück.Medizinische Fakultät der Universität Hamburg, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Hrsg.): Stolpersteine im UKE. Faltblatt, Hamburg 2014. (Fotos, Fachgebiete und Angaben zu den Stationen der Emigration)
Betriebsangehörige, die in der SPD oder KPD organisiert waren, wurden entlassen, die Tätigkeit des Betriebsrates verboten. Der langjährige Direktor Ludolph Brauer wurde wegen „national unzuverlässiger Gesinnung“ in den Ruhestand versetzt.
Besonders für die psychisch Kranken der Staatskrankenanstalt Friedrichsberg hatte die Herrschaft der Nationalsozialisten verheerende Folgen. Die Anstalt wurde 1934 aufgelöst, 700 Patienten wurden zur „Verwahrung“ in andere Anstalten gebracht, 300 als „heilbar“ eingestufte Personen wurden in einer neugegründeten Psychiatrischen- und Nervenklinik des UKE untergebracht. Für diese Klinik wurden 1942 neue Pavillons auf dem Gelände errichtet. Bei Neuaufnahmen fungierte sie als Schleusenbetrieb: Wurde keine Behandlungsfähigkeit bescheinigt, wurde der Patient in der Regel zunächst in die Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn verlegt, später von dort in Tötungsanstalten verbracht. Krankenmorde in der Kinderklinik scheiterten am Widerstand des Personals. Heinrich Berning unternahm Menschenversuche.Oliver Schirg: Als das UKE ohne Widerstand ein Rädchen im Nazi-Getriebe war. In: Hamburger Abendblatt vom 15. Oktober 2014.
Von zwei Professoren (Johannes Brodersen und Rudolf Degkwitz (senior)), Medizinstudenten (darunter Margaretha Rothe, Friedrich Geussenhainer, Hiltgunt Zassenhaus) und einigen Betriebsangehörigen des UKE ist bekannt, dass sie in aktiver Opposition zu dem Regime standen und deswegen z. T. Haft, Folter und Tod erlitten. Während des Zweiten Weltkrieges wurden auf dem Gelände des UKE 22 unterirdische und 4 Hochbunker errichtet. Daher war die Zahl der Bombenopfer unter Patienten und Belegschaft gering, obwohl ein Drittel des UKE zum Kriegsende zerstört war. Außerdem wurde dem Krankenhaus das im angrenzenden Lyzeum Curschmannstraße eingerichtete Kriegslazarett zugeordnet.
1945 bis 2000