Tenebrae ist ein italienischer Giallo von Dario Argento aus dem Jahr 1982. Er ist auch unter den Titeln Tenebre, Tenebre – Der kalte Hauch des Todes oder Unsane bekannt.

Wegen seiner expliziten Inszenierung der Gewaltdarstellungen, die in einer ästhetischen Werbefilmoptik präsentiert werden, wurde der Film lange indiziert, gilt aber mittlerweile als Klassiker unter den Giallos und trug zu Argentos Ruf als Kultregisseur des Horrorgenres bei. Dabei wird Tenebrae entweder dem Thrillergenre zugeordnet oder als Horrorfilm klassifiziert.Andrea Sborchia: Die Ästhetik der Gewalt in filmischen Werken Dario Argentos. Academia.edu, abgerufen am 6. Januar 2023.

Handlung Der amerikanische Schriftsteller Peter Neal reist nach Rom, um dort seinen neuesten Bestsellerroman „Tenebrae“ vorzustellen. Vor Ort erwarten ihn schon sein Literaturagent Bullmer, seine Assistenten Anne und Gianni sowie seine Ex-Frau Jane (von deren Anwesenheit er allerdings nichts weiß). Kurz nach seiner Ankunft erfährt er von den beiden Kriminalpolizisten Germani und Altieri, dass kurz zuvor in Rom ein Mord stattfand: Der Ermordeten, einer polizeibekannten Ladendiebin, wurde mit einem Rasiermesser die Kehle durchtrennt, genauso wie den Opfern in Neals Kriminalroman. Zudem benutzte der Täter Buchseiten aus Tenebrae als Knebel.

Neal wird misstrauisch, als er bemerkt, dass sein Gepäck durchwühlt wurde. Die Polizei geht davon aus, es mit einem Wahnsinnigen zu tun zu haben und ist bereits in Peter Neals Wohnung, als er den ersten mysteriösen Brief des Täters erhält und telefonisch mit dem Tod bedroht wird. Kurze Zeit später werden dann Tilde, eine lesbische Journalistin und Bekannte Neals, sowie ihre Freundin tot in ihrem Haus aufgefunden, beide mit durchtrennter Kehle. Nach jedem der Morde, die wie kleine, blutige Choreographien anmuten, macht der Täter ein Erinnerungsfoto des Opfers. Auf der Flucht vor einem Hund gelangt Maria, die Tochter von Neals Vermieter, in das Versteck des Täters und findet die Fotos der Ermordeten. Beim Versuch zu fliehen, gelingt es dem Täter sie auf dem Grundstück einzuholen, wo er auch sie mit der Axt erschlägt. Daraufhin beschließt Neal, eigene Nachforschungen anzustellen.

Dabei fällt Neal auf, dass der Fernsehmoderator Christiano Berti, dem er erst kurz zuvor ein Interview gegeben hat, sich sehr intensiv für Neals Buch Tenebrae interessierte und zudem eine auffällige Übereinstimmung zwischen Bertis Aussagen und den Botschaften des Täters besteht. Daraufhin fährt Neal, zusammen mit seinem jungen Assistenten Gianni, zu Bertis Haus und beobachtet vom Garten aus, was dort vor sich geht. Durch das Fenster beobachtet Gianni, wie Berti von einem Angreifer mit einer Axt getötet wird, kann jedoch den Täter nicht erkennen. Vollkommen verängstigt flieht Gianni und muss draußen feststellen, dass Neal, wahrscheinlich vom Täter, mit einem Stein bewusstlos geschlagen wurde. Den beiden Männern gelingt dennoch die Flucht und sie vereinbaren Stillschweigen über den Vorfall.

Am nächsten Tag teilt Neal seinem Literaturagenten Bullmer mit, dass er Rom, aufgrund der Todesdrohungen, für eine Weile verlassen möchte. Bullmer wäre es lieber, wenn Neal seine Abreise nur vortäuscht, da er in wenigen Tagen einen wichtigen Vertrag unterzeichnen soll. Kaum hat Neal das Büro verlassen, tritt seine Ex-Frau Jane dort auf, die offensichtlich eine Affäre mit Bullmer hat. Neal und Gianni fahren anschließend zu Bertis Haus, wo Germani mit der Spurensicherung beschäftigt ist. Er zeigt ihnen detaillierte Aufzeichnungen Bertis über Neals Leben und Karriere, die belegen, dass Berti von Neal besessen gewesen sein muss. Germani schließt anhand der Vorgehensweise, dass es sich um denselben Mörder handelt, wie bei den vorherigen Fällen. Neal verabschiedet sich von Germani, um seine Abreise vorzubereiten. Zeitgleich wird Bullmer mitten auf einem belebten, öffentlichen Platz von einer nicht sichtbaren Person mit einem Messer erstochen.

Am Abend begibt sich Gianni für weitere Nachforschungen erneut zu Bertis Haus, wird jedoch auf dem Rückweg in seinem Auto vom Täter von hinten mit einer Garrote erdrosselt. In der Zwischenzeit ruft Jane bei Neals Assistentin Anne an und bittet sie um Hilfe, da sie nach dem Mord an Bullmer um ihr eigenes Leben fürchtet. Anne macht sich sofort auf den Weg zu Janes Apartment. Bevor sie eintrifft, wird Jane jedoch vom Täter aufgesucht, der sie brutal mit einer Axt tötet, nachdem er ihr zuvor damit die Hand abgeschlagen hat. Eine Frau, die gleich anschließend das Appartement betritt, wird ebenfalls niedergemetzelt. Erst jetzt wird die Identität des Mörders aufgedeckt: Es handelt sich um Peter Neal selbst, der für einen Schreckmoment glaubt, er hätte versehentlich seine Assistentin Anne erschlagen.

Detective Germani und Anne betreten das Apartment während Neal feststellt, dass es sich bei der Toten um Detective Altieri handelt. Entsetzt über den Mord an seiner Kollegin fordert Germani Neal auf, sich zu stellen. Dieser gibt alles zu. Die ersten Morde wurden von Berti begangen, der von Neals Buch "Tenebrae" und Botschaften, die er darin hineininterpretierte, besessen war. Als er dahinterkam, dass Berti der Mörder war, tötete er ihn, täuschte zwecks Alibi vor, bewusstlos geschlagen worden zu sein, und schlüpfte selbst fortan in die Rolle des Killers, um Rache an Bullmer und Jane für deren Affäre zu üben, während die Polizei immer noch glauben sollte, dass es sich um denselben Täter wie bei den ersten Morden handle, für die Neal ein Alibi hatte. Er tötete auch Gianni, da dieser die letzten Worte Bertis, er wäre "es gewesen", mitanhörte und so auf die Lösung des Falls hätte kommen können.

Bevor er verhaftet werden kann fährt sich Neal jedoch mit einer Rasierklinge über die Kehle und sinkt blutüberströmt zu Boden. Da die Telefonleitung gekappt wurde, verlässt Germani zusammen mit Anne das Haus, um von seinem Wagen aus seine Kollegen über die Morde und den Suizid zu informieren. Bei seiner Rückkehr zum Tatort stellt Germani entsetzt fest, dass Neal nicht mehr auf dem Boden liegt. Nachdem er die mit Kunstblut präparierte Rasierklinge betrachtet, die Neal verwendet hat, und er den Tatort weiter zu untersuchen beginnt, taucht dieser direkt hinter Germani auf und versetzt ihm einen mächtigen Axthieb, der ihn tötet oder zumindest handlungsunfähig macht. Aufgeschreckt von dem Lärm betritt nun Anne das Haus, wo Neal sie schon mit der Axt erwartet. Er steht hinter der Tür, durch die Wucht mit der Anne diese öffnet wird jedoch eine große Skulptur mit riesigen Eisendornen gegen Neal gedrückt, von denen einer Neals Oberkörper durchbohrt und ihn umgehend verbluten lässt.

Synchronisation Der Film wurde zweimal synchronisiert. Die erste Synchronfassung wurde 1984 für die Kinoveröffentlichung erstellt und enthält mehrere Kürzungen, die erst 2005 nachträglich synchronisiert wurden. Die zweite Synchronisation wurde bereits 2022 erstellt, aber erst drei Jahre später veröffentlicht. Für die zweite Fassung war die Mixwerk Synchron in Berlin verantwortlich, die Dialogregie oblag Gerd Naumann.

+RolleDarstellerSynchronsprecher (1984)Synchronsprecher (2022)Peter NealAnthony FranciosaHans-Michael RehbergBernd VollbrechtGianniChristian BorromeoPhilipp MoogChristian ZeigerTildeMirella D’AngeloN. N.Dina KürtenJane McKerrowVeronica LarioViktoria BramsAndrea AustElsa ManniAnia PieroniNina Danzeisen (Nachsynchro)Cornelia WaibelDetective AltieriCarola StagnaroN. N.Magdalena HelmigChristiano BertiJohn SteinerHorst RaspeStefan StaudingerMaria AlborettoLara WendelN. N.Johanna SchmollBullmerJohn SaxonWerner KreindlWolfgang CondrusAnneDaria NicolodiKathrin AckermannGundi EberhardDetective GermaniGiuliano GemmaChristoph LindertPeter LontzekBullmers SekretärinIsabella AmadeoN. N.Samina KönigMarionMirella BantiMarianne HoffmannChristin MarquitanKaufhausmanagerEnio GirolamiN. N.Axel LutterMonteurN. N.N. N.Alboretto, der PortierFulvio MingozziHarald DietlUwe JellinekGerichtsmedizinerGianpaolo SaccarolaGünther Schramm oder Heiner LauterbachSebastian KluckertPennerSean BarretN. N.Uwe JellinekErzählerDario ArgentoFabian von KlitzingGerd NaumannReporterN. N.Christian IntorpCarlaN. N.N. N.Diana EbertMassimoN. N.N. N.Rajko Geith

Hintergründe Laut Argentos Aussage wurde Tenebre durch einen Zwischenfall inspiriert, den er während eines Urlaubs in Los Angeles erlebte. Dort sei er mehrfach auf seinem Hotelzimmer von einem verrückten Fan angerufen worden, der ihm zuletzt sogar mit dem Tod drohte. Dieses furchteinflößende Erlebnis und weitere Erfahrungen sinnloser Gewalt hätten ihn schließlich zum Dreh von Tenebre bewegt.angwa.de: Die Farbe der Angst – Die Welt von Dario Argento Teil 2. Aufgerufen am 8. Juli 2009.

Mit den Filmen Suspiria (1977) und Inferno (1980) begann Argento eine Film-Trilogie über die „drei Mütter“ Mater Suspiriorum (Mutter der Seufzer), Mater Tenebrarum (Mutter der Dunkelheit) und Mater Lacrimarum (Mutter der Tränen), die von Thomas De Quinceys Buch Suspiria de Profundis inspiriert war und im Gegensatz zu Argentos Giallo-Filmen eher übernatürliche Themen behandelte. Doch der 1982 erschienene Film Tenebre war nicht etwa, wie teilweise fälschlich angenommen wurde, der letzte Teil dieser Trilogie (dieser erschien erst 2007 unter dem Namen The Mother of Tears), sondern stellte vielmehr eine Rückkehr zu seinen Giallo-Filmen dar.

Besonderheiten Filmmusik Der Soundtrack zum Film stammt von der italienischen Progressive-Rock-Band Goblin, mit der Argento auch schon in zwei seiner vorhergehenden Filmen (Profondo rosso und Suspiria) zusammengearbeitet hatte. In den Credits werden aber nur die drei Bandmitglieder Massimo Morante, Fabio Pignatelli und Claudio Simonetti aufgeführt, da sich die Band 1980 eigentlich aufgelöst hatte, jedoch auf Betreiben Argentos für seinen Film nochmal zusammenkam.

Kranszene Eine der bekanntesten Szenen des Films ist eine fast 3-minütige, weitläufige Kamerafahrt mit einem Kamerakran, die, an den Wänden und über das Dach, quer über ein Haus führt, bis schließlich die Hände des Mörders ins Bild kommen. Die mit Musik untermalte Szene erwies sich mit der damals noch neuartigen Technik als die am schwersten zu realisierende und aufwändigste Szene des Films.

Indizierung und Verbote Aufgrund der für die damaligen Verhältnisse außerordentlich grafischen Gewaltdarstellungen erschienen von Tenebrae in vielen Ländern nur stark gekürzte Versionen. Der US-amerikanische Videofassung, die 1984 unter dem Titel Unsane erschien, fehlten ganze zehn Minuten. Die britische Fassung wurde vor ihrer Veröffentlichung zwar nur um einige Sekunden gekürzt, wurde aber kurz danach in die später insgesamt 39 Filme umfassende Liste der Video Nasties aufgenommen und galt damit als verboten. In 1999 wurde eine gekürzte Fassung freigegeben. Erst 2003 wurde der ungekürzte Film freigegeben.hysteria-lives.co.uk: The Video Nasties Furore. Aufgerufen am 8. Juli 2009.

In Deutschland wurde der Film am 11. Oktober 1984 stark gekürzt in den Kinoverleih (Titel: Tenebrae – Ein Film wie ein Axthieb) gebracht. Auf Video erschien der Film in einer 92-minütigen, identisch um o. g. Kamerafahrten und Handlungsequenzen gekürzten Kopie, die 1987 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert und bundesweit beschlagnahmt wurde., aufgerufen am 8. Juli 2009.

Am 26. Juni 2022 wurde Tenebrae nach 37 Jahren aus der Liste der jugendgefährdenden Medien gestrichen. Der Streamingdienst netflix begann die ungekürzte Version, ab März 2023, in der italienischen Originalfassung, mit diversen Untertiteloptionen anzubieten.filmstarts.deTenebrae nach Listenstreichung ab sofort uncut bei Netflix. Schnittberichte.com, abgerufen am 6. Januar 2023.

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