Wendisch Rietz ist eine amtsangehörige Gemeinde im westlichen Landkreis Oder-Spree in Brandenburg. Die Amtsgeschäfte werden vom Amt Scharmützelsee geführt. Die Gemeinde ist seit 2001 staatlich anerkannter Erholungsort.

Geografie Die Gemeinde Wendisch Rietz liegt ca. 60 km südöstlich von Berlin, ungefähr 7 km südöstlich von Storkow (Mark) und 17 km westnordwestlich von Beeskow in Brandenburg. Der Ort liegt am südlichen Ende des Scharmützelsees, der mit einer Länge von 10 km und einer Fläche von 12,1 km² der zweitgrößte See in Brandenburg ist (nach dem Schwielochsee). Der Ort liegt umgeben von weiteren Seen (Großer Storkower See, Großer Glubigsee, Kleiner Glubigsee, Großer Gresensee, Kleiner Gresensee, Großer Wucksee, Kleiner Wucksee und Springsee) in einem großen Waldgebiet.

Die Gemarkung von Wendisch Rietz grenzt im Norden an die Gemarkungen von Dahmsdorf und, durch den Scharmützelsee getrennt (der insgesamt zu Bad Saarow gehört!), an die Gemarkung von Radlow, im Osten an Glienicke, im Südosten an Behrensdorf, im Süden an Limsdorf (bzw. die frühere Gemarkung von Möllendorf, nun vereinigt mit der Gemarkung Limsdorf), und im Westen an die Gemarkung von Bugk und die Stadtgemarkung von Storkow (Mark). Der Ort ist über die B 246 von Storkow (Mark) gut zu erreichen. Kleinere Straßen führen vom Ort nach Dahmsdorf und Radlow.

Der nördliche Teil der Gemarkung mit der näheren Umgebung des Dorfkerns liegt in einem eiszeitlichen Dünenfeld, bestehend aus Parabeldünen.

Gemeindegliederung Zu Wendisch Rietz gehören die Wohnplätze Neue Mühle, Waldfrieden und Wendisch Rietz Siedlung (ehemals Behrensdorf-Siedlung).

Geschichte Wendisch Rietz wurde 1376 erstmals urkundlich erwähnt. Die Siedlung dürfte aber schon in slawischer Zeit entstanden sein, wie sich aus dem Ortsnamen schließen lässt. Der Name Rietz lässt sich vom altsorbischen *Rěc ableiten, also Land/Ort am Fluss, was auch der Lage am Storkower Gewässer entspricht. Nach der Ortsstruktur handelt es sich um ein Gassendorf mit Gut.

Am 19. August 1376 belehnte Reinhard von Strehle, der damalige Besitzer der Herrschaften Beeskow und Storkow, die Brüder Diprand, Fritz und Friedrich von Queis mit den Dörfern Groß Schauen, Dahmsdorf und Wendisch Rietz. Am 25. Januar 1450 belehnte Wenzel von Biberstein zu Sorau, Beeskow und Storkow die Gebrüder Siegmund und Hans von Queis zu Wendisch Rietz mit den an sie gefallenen Lehngütern. Im selben Jahr übertrug er dem Hentze von Queis eine freie Schaftrift im Dorf. 1451 belehnte er die Ehefrau von Hentze von Queiß mit den Dörfern Wendisch Rietz und Dahmsdorf als Leibgedinge. 1464 ist Hans von Queis Zeuge in einer von Wenzel von Biberstein ausgestellten Urkunde.

1477 verpfändete Hans von Biberstein die Herrschaften Beeskow, Storkow und Sorau an die brüderlich gemeinsam regierenden Herzöge und Kurfürsten Ernst und Albrecht von Sachsen um 62.000 Rheinische Gulden. Er durfte aber bis zu seinem (erbenlosen) Tod 1490 im Besitz der Herrschaften bleiben.

1488 waren die von Retzow in den Besitz von Wendisch Rietz gekommen. Am 17. März 1488 belehnte Hans von Biberstein zu Sorau, Beeskow und Storkow den Hans von Retzow mit den Dörfern Wendisch Rietz und Dahmsdorf sowie mehreren Seen.

Hans von Retzow erhielt am 30. August 1500 die erneute Belehnung mit den Dörfern Wendisch Rietz und Dahmsdorf sowie mehreren Seen durch Georg von Schlieben, Hauptmann der Herrschaften Beeskow und Storkow, im Namen der sächsischen Herzöge Friedrich III. und Albrecht. Er soll auch 1508 noch im Besitz von Wendisch Rietz gewesen sein. 1512 hatten die von Bibersteiner die Herrschaften Beeskow und Storkow wieder zurückbekommen. 1518 musste der (namentlich nicht genannte) Besitzer von Wendisch Rietz im Kriegsfalle ein Ritterpferd stellen.

1518 verpfändeten die Bibersteiner die Herrschaften Beeskow und Storkow an Dietrich den Bischof von Lebus, der somit der neue Oberlehensherr von Wendisch Rietz und Dahmsdorf wurde. Spätestens 1519 hatte auch der Besitzer von Wendisch Rietz gewechselt. Am 11. April 1519 erhielt Balthasar von Seifertitz genannt Fuchs von Bischof Dietrich von Lebus die Belehnung mit den Dörfern Wendisch Rietz und Dahmsdorf sowie mehreren Seen. Er war der Sohn des Bernd von Seiffertitz und hatte einen Bruder Jakob, der wohl mitbelehnt war. Am 24. März 1529 bestätigte Bischof Georg von Lebus die Entscheidung von Schiedsleuten in einer Auseinandersetzung zwischen Balthasar von Seifertitz genannt Fuchs zu Wendisch Rietz und einem Kanoniker des Domkapitels Lebus über Rechte und Besitzungen des Müllers zu Wendisch Rietz. Am 31. Mai 1529 belehnte Bischof Georg von Lebus Balthasar Seiferitz genannt Fuchs zu Wendisch Rietz erneut mit Wendisch Rietz und Dahmsdorf und einigen Seen. 1537 bestätigte Bischof Georg von Lebus dem Balthasar Seiferitz genannt Fuchs zu Wendisch Rietz die 1527 erteilten Fischereirechte.

Bis 1553 war Peter Seelstrang in den Besitz von Wendisch Rietz und Dahmsdorf gekommen. Er erhielt von Bischof Georg von Lebus die Bestätigung seiner Lehen. Noch im selben Jahr musste er ein Darlehen in Höhe von 150 Gulden beim Domkapitel in Lebus aufnehmen, für das er einen Jahreszins von 9 Gulden bezahlen musste. Ebenfalls 1553 ist ein Weinberg zu Wendisch Rietz erwähnt.

Am Donnerstag nach Circumcis. Dom. (Beschneidung des Herrn) (= 4. Januar) 1554 wurde Hans Selstranck zu „Trebutsch“ (Trebatsch) von Bischof Johann von Lebus mit einem freien Hof auf dem Kietz in Beeskow mit sechs freien Hufen und einem Burglehn vor dem Damme auf der Leimgrube belehnt. In die gesamte Hand aufgenommen waren sein Bruder Peter von Selstranck zu Wendisch Rietz und seine Vettern die Brüder Albrecht und Hans von Selstranck.

1573 kam Wendisch Rietz an das Amt Storkow und blieb unter der Verwaltung dieses Amtes bis 1872/74. 1573 wurde der Weinberg zu Wendisch Rietz vom Winzer des Amtes Storkow bewirtschaftet. 1576 lebten 10 Kossäten in Wendisch Rietz. Um 1590 waren von 11 Kossätenstellen zwei wüst; der Schulze ist erwähnt. Eine Kossätenstelle war zu einem Hopfengarten gemacht worden. Hinzu kam ein Vorwerk, eine Schäferei und ein Weinberg. 1600 waren es wiederum 10 Kossäten, die in Wendisch Rietz wohnten.

1639 gaben noch sieben Einwohner Getreidezinsen an das Amt Storkow. 1641 war das gesamte Dorf infolge der Wirren des Dreißigjährigen Krieges wüst und von seinen Bewohner verlassen. Die Neue Mühle ist 1641 erwähnt. 1692 waren von den zehn Kossätenhöfe immer noch vier Höfe wüst. Zwei Höfe waren mit Kossäten besetzt, auf einem Hof saß allerdings der Heideläufer (Unterförster). Die anderen Kossätenhöfe waren wohl zum Vorwerk gezogen worden, denn für zwei Höfe sollte das Vorwerk die Steuern entrichten. Auf den Kossätenhöfen erfolgte eine jährliche Aussaat von zwei Scheffeln bis sechs Scheffeln vier Metzen Wintersaat und ein Scheffel Sommersaat. Es gab nur zwei Felder und die Ernten war sehr dürftig; die Kossäten ernteten nur das zweite Korn, hatten also als Ertrag nur die doppelte Menge der Aussaat. Jeder Kossät hatte noch Wiesen, auf denen drei Fuder Heu gemacht werden konnte. Entsprechend war auch die Hutung (Weide) gut. Außerdem konnte im Winter Rohr geschnitten werden, und auf dem Scharmützelsee durfte gefischt werden. Die Kossäten durften aber keine Schafe halten.

1719 wurde der Teerofen am Glubigsee angelegt. 1727 sind die Kossäten nun als Hüfner bezeichnet. Die jährliche Aussaat betrug 21 Scheffel 6 Metzen Wintersaat. 1735 hatte das Amtsvorwerk mit Wirtschaftsflächen in Wendisch Rietz und Dahmsdorf eine Größe von 833 Morgen, der Morgen wurde zu 180 Quadratruten gerechnet. Davon waren 707 Morgen Ackerland, 10 Morgen Gartenland und 116 Morgen Wiesen. Die Sozialstruktur im Dorf war wie folgt: sieben Kossäten, ein Büdner, ein Hirte und ein Wassermüller. 1745 sind nun zwei Mühlen genannt, eine Wassermühle mit einem Gang und eine Walkmühle, die Neue Mühle. Das Vorwerk in Wendisch Rietz wurde zusammen mit dem Vorwerk in Dahmsdorf bewirtschaftet.

Im Schmettauschen Kartenwerk von 1767/87 ist am Großen Glubigsee ein Teerofen verzeichnet, der spätere Wohnplatz Glubigsee. Die spätere Chaussee von Storkow nach Beeskow ist im Bereich östlich der neuen Mühle als Post Weg nach Beeskow bezeichnet. Die (alte) Wassermühle ist in dieser Karte allerdings in den Dorfkern verlegt.

1775 war die Bevölkerung auf sieben Kossäten(familien) und neun Büdner(familien) gewachsen. 13 Wohnhäuser standen damals in Wendisch Rietz, davon ein Mehrfamilienhaus. Insgesamt hatte Wendisch Rietz damals 102 Einwohner.

1801 beschrieb Friedrich Wilhelm Bratring Wendisch Rietz wie folgt: Dorf und Amts-Vorwerk mit sieben Ganzkossäten, einem Büdner, sechs Einliegern, eine Krug, einer Wassermühle und einem Nebenzollamt. Im Dorf standen 15 Feuerstellen (Wohnhäuser) mit 118 Bewohnern. Die bäuerliche Wirtschaftsfläche gibt er mit 10 Hufen an. Die Einwohner waren nach Dahmsdorf eingepfarrt. Separat wird die Neue Mühle beschrieben, als Wassermühle und Forsthaus unweit von Wendisch Rietz. Der dort wohnende Königliche Unterförster war für das Kolpinsche Revier zuständig. Der Wohnplatz bestand aus zwei Wohnhäusern, in denen sieben Menschen wohnten. In beiden Beschreibungen ist unter der Rubrik Besitzer das Domänenamt Storkow eingetragen.

Ab 1811 wurden die Vorwerke Wendisch Rietz und Dahmsdorf in Erbpacht gegeben. 1817 hatte Wendisch Rietz 108 Einwohner (einschließlich der Wohnplätze Glub und Neue Mühle). Der Wohnplatz Neue Mühle ist als Wassermühle und Forsthaus ausgewiesen, Glubig als Teerofen.

1837 standen 20 Wohnhäuser in Wendisch Rietz, zu dem auch die Etablissements Glubig, Wassermühle und Neue Mühle gehörten. 1837 und 1843 war es im Besitz des Leopold Bütow. Noch vor 1850 war Leopold Bütow gestorben, denn 1850 führt Berghaus seine Witwe Charlotte Bütow als Besitzerin des Vorwerkes Wendisch Rietz auf. Er gibt eine Gesamtgröße von 332 Morgen 45 Quadratruten an, davon 139 Morgen 40 Quadratruten Acker, 55 Morgen 162 Quadratruten Wiesen und 98 Morgen 149 Quadratruten Wald.

1840 hatte Wendisch Rietz 155 Einwohner in 20 Wohnhäusern. Glubig ist als Etablissement und die Neue Mühle als Wassermühle und Forsthaus bezeichnet.

1853 wurde die 1807 erbaute Floßschleuse bei Wendisch Rietz in eine Kammerschleuse umgebaut.

1858 hatte die Landgemeinde Wendisch Rietz im Kernort 186 Einwohner in 11 Wohnhäusern; hinzu kamen ein öffentliches Gebäude und 22 Wirtschaftsgebäude, darunter eine Wassergetreide-, Schneide- und Ölmühle. Hinzu kamen zwei Wohnhäuser und ein Wirtschaftsgebäude im Wohnplatz Glubig mit 11 Einwohnern, und ein Wohnhaus mit acht Einwohnern im Wohnplatz Neue Mühle. Die Neue Mühle wird als Wassergetreide- und Ölmühle bezeichnet. Zum Gutsbezirk Wendisch Rietz zählten 5 Wohnhäuser mit 46 Bewohnern, also insgesamt 251 Einwohner in 37 Wohnhäusern. Der Gemeindebezirk umfasste 605 Morgen, davon 5 Morgen Gehöfte, 13 Morgen Gartenland, 424 Morgen Acker, 24 Morgen Wiesen, 66 Morgen Weide und 73 Morgen Wald. Der Gutsbezirk hatte 335 Morgen, davon 2 Morgen Gehöfte, 8 Morgen Gartenland, 139 Morgen Acker, 56 Morgen Wiese, 15 Morgen Weide und 115 Morgen Wald. Im Gutsbezirk bzw. auf dem Vorwerk wurden 13 Pferde, 24 Kühe und 300 Schafe gehalten. Die Einwohner des Gemeindebezirks besaßen insgesamt 5 Pferde, 90 Kühe und 19 Schafe (jeweils einschließlich der Wohnplätze Glubig und Neue Mühle).

1860 wurde der Bau der Chaussee von Prierosbrück über Storkow (Mark) nach Beeskow genehmigt. 1861 war die Chaussee dann tatsächlich auch im Bau. Beim Fischerhaus Köllnitz, bei der Neuen Mühle und nahe der Kolonie Vorheide bei Beeskow befand sich jeweils eine Chausseegeldhebestelle (bzw. ein Chausseehaus).

1859 und 1862 gehörte das Vorwerk in Wendisch Rietz einem Gutsbesitzer Coste. 1879 ist dieser Gutsbesitzer Johann Wilhelm Coste genannt. Außer dem Besitzer des Gutes wohnten 1864 sieben Kossäten- und eine Büdnerfamilie in Wendisch Rietz.