Die Rechte und Freiheiten der Bürger der Russischen Föderation werden formal in Kapitel 2 der russischen Verfassung von 1993 festgelegt. Embassy of the Russian Federation; abgerufen am 9. Juli 2009. Russland hat die allgemeine Erklärung der Menschenrechte unterzeichnet und außerdem eine Reihe weiterer Menschenrechtskonventionen ratifiziert wie den internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte, den Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte und die europäische Menschenrechtskonvention.Die Rechtsordnung Russlands und die Anforderungen der Europäischen Menschenrechtskonvention (PDF) Europainstitut der Universität des Saarlandes, 1996 Diese internationalen Abkommen haben gemäß Kapitel 1, Artikel 15 der russischen Verfassung Vorrang vor der nationalen Gesetzgebung.

Dennoch wird der russischen Regierung vorgeworfen, die Menschenrechte in der Praxis systematisch zu missachten.Rough Justice: The law and human rights in the Russian Federation (PDF) Amnesty International 2003, ISBN 0-86210-338-X; abgerufen am 9. Juli 2009. Dies umfasst u. a. willkürliche Inhaftierungen, systematische Folter von Inhaftierten durch die Polizei,Torture and ill-treatment Amnesty International; abgerufen am 9. Juli 2009.UN Committee against Torture Must Get Commitments From Russia to Stop Torture Human Rights Watch, 12. November 2006; abgerufen am 10. Juli 2009. außergerichtliche Hinrichtungen, Gefährdung der Pressefreiheit (von Anfang 1992 bis Juli 2009 wurden mindestens 50 Journalisten getötet), Committee to Protect Journalists; abgerufen am 9. Juli 2009. Unterdrückung der Meinungsfreiheit Schikanierung und Misshandlung von Rekruten (Dedowschtschina) im russischen Militär,Nina Baumann: Die Armee des Grauens Focus, 1. November 2007; abgerufen am 14. Juli 2009. Vernachlässigungen und Grausamkeiten in Waisenheimen,Abandoned to the State – Cruelty and Neglect in Russian Orphanages (PDF; 1,1 MB) Human Rights Watch, 1998, ISBN 1-56432-191-6; abgerufen am 10. Juli 2009. Verletzungen von Kinderrechten,Children’s rights. Amnesty International; abgerufen am 9. Juli 2009. Diskriminierung, Rassismus, und Morde an Angehörigen von ethnischen Minderheiten.Ethnic minorities under attack Amnesty International; abgerufen am 10. Juli 2009.‘Dokumenty!’: Discrimination on grounds of race in the Russian Federation. (PDF) Amnesty International 2003, ISBN 0-86210-322-3; abgerufen am 10. Juli 2009. Frauenrechte: Häusliche Gewalt in Russland bzw. Gewalt gegen Frauen

Die Organisation Freedom House schätzt Russland seit 2005 als nicht frei ein. Freedom House, abgerufen am 29. Oktober 2016 (englisch) The Annual Survey of Political Rights and Civil Liberties; abgerufen am 11. Juli 2009. The Economist publizierte 2006 ein Demokratie-Rating, in dem Russland den 102. Platz von insgesamt 167 Ländern belegte. Darin wurde Russland als sogenanntes „Hybrid-Regime mit einem Trend zur Beschneidung von Medien- und anderen bürgerlichen Freiheiten“ charakterisiert.Laza Kekic: The Economist Intelligence Unit index of democracy (PDF; 101 kB) The World in 2007; abgerufen am 11. Juli 2009. Im Jahr 2021 belegte Russland Platz 124 („Authoritarian“). Im „Index of Economic Freedom“ der Heritage Foundation rangierte Russland 2009 auf Platz 146 von 179 (meist unfrei), im Jahr 2021 Platz 113 (meist unfrei). Am 1. Mai 2023 nahm der Sonderberichterstatter der UNO für Russland laut Resolution 51/25 seine Arbeit auf.https://www.ohchr.org/en/specialprocedures/sr-russian-federation

Verletzung von Persönlichkeitsrechten (grundlegenden Rechten) Folter und Misshandlung Die russische Verfassung verbietet willkürliche Verhaftung, Folter und Misshandlungen. Kapitel 2, Artikel 21 der Verfassung besagt: „Niemand darf der Folter, Gewalt oder einer anderen grausamen oder die Menschenwürde erniedrigenden Behandlung oder Strafe unterworfen werden.“Russian Federation Preliminary briefing to the UN Committee against Torture Amnesty International, 31. März 2006; abgerufen am 20. März 2009.The Constitution of the Russian Federation Chapter 7. Judiciary, Article 128 Democracy.Ru; abgerufen am 20. März 2009. Dennoch werden laut Amnesty International jedes Jahr Hunderte von Menschen Opfer von Folter und Misshandlungen sowohl unmittelbar nach der Festnahme als auch in Untersuchungs- oder Strafhaft.Folter in Russland Amnesty International, 25. Juni 2009; abgerufen am 16. Juli 2009. So werden russische Polizisten regelmäßig bei der Durchführung von Folter beobachtet: Schläge, elektrische Schläge, Vergewaltigung, Ersticken beim Befragen inhaftierter Verhafteter.Torture in Russia Amnesty International, 2. April 1997; abgerufen am 20. März 2009.

Im Jahr 2019 beschrieb Oleg Kaschin anlässlich einer unbestreitbaren FolteraufzeichnungGefängniswärter bei Folter eines Häftlings gefilmt, SRF, 25. Juli 2019 das System der Folter als „hochentwickelte Industrie des Labern und Verwässerns“, weil sämtliche Untersuchungen im Falle von Folter immer im Sande verliefen, während solche Vorkommnisse in anderen Ländern zu einer Regierungskrise führen müssten. Selektive Rechtsanwendung sei für das russische System zwar nicht die Grundlage, „aber zumindest das wichtigste und wesentlichste Prinzip“,Gerechtigkeit mit Lotterieelementen. Wird das Foltervideo das System verändern?, Republic.ru, 23. Juli 2018 eine Meinung, die auch Julija Latynina 2020 vertrat: Russland sei ein Land, in welchem die Behörden in ihren Bürgern nur „Feinde“ sähen.Недоросли в кожаных передниках, Nowaja gaseta, 12. Februar 2020, abgerufen am 6. Juni 2022 (russisch).

Der Menschenrechts-Ombudsmann Oleg Mironow schätzte im Jahr 2000, dass 50 % der Gefangenen, mit denen er gesprochen habe, äußerten, sie seien gefoltert worden. Amnesty International berichtete 2006, dass russisches Militär in Tschetschenien Frauen vergewaltigt und mit Elektroschocks gefoltert hätten. In extremen Fällen seien hunderte unschuldiger Menschen zufällig von Spezialeinheiten der Polizei auf der Straße verhaftet, geschlagen, gefoltert und vergewaltigt worden. Solche Zwischenfälle habe es nicht nur in Tschetschenien, sondern auch in den russischen Städten Blagoveshensk, Bezetsk, Nefteyugansk und andern gegeben.Marat Hayrullin: Nowaja gaseta, 10. Januar 2005; abgerufen am 20. März 2009.Marat Hayrullin: Nowaja gaseta, 17. März 2005; abgerufen am 20. März 2009.Marat Hayrullin: Nowaja gaseta, 25. April 2005; abgerufen am 20. März 2009.

2007 berichtete Radio Svoboda (Radio Free Europe) über die Gründung der inoffiziellen Bewegung „Geschlagenes Russland“ durch Menschenrechtler und Journalisten in Moskau, die unter brutaler Gewalt in verschiedenen russischen Städten gelitten hatten. Radio Svoboda 30. Juli 2005; abgerufen am 20. März 2009. Folter und Erniedrigung ist auch in der russischen Armee weit verbreitet (siehe auch Dedowschtschina).The Consequences of Dedovshchina, Human Rights Watch Bericht, 2004; abgerufen am 20. März 2009. Viele junge Männer werden jedes Jahr getötet oder begehen deswegen Suizid.Vjacheslav Ismailov Nowaja gaseta, 10. Juli 2006; abgerufen am 20. März 2009. Es wurde berichtet, dass einige junge männliche Rekruten gezwungen werden, als Prostituierte für zivile Kunden zu arbeiten.Conscript’s Prostitution Claims Shed Light On Hazing Radio Free Europe 21. March 2007; abgerufen am 20. März 2009. Die Union der Komitees der Soldatenmütter Russlands ist eine Menschenrechtsorganisation, die sich um diese Missstände kümmert und sich bemüht, die Rechte junger Soldaten zu schützen.

Kriminalität In den 1990er Jahren wuchs das organisierte Verbrechen, die russische Mafia. Gleichzeitig wurden die Behörden der Strafverfolgung zerschlagen. Dies führte zu einem starken Anstieg der Gewalt gegen Unternehmer, Staatsbedienstete sowie andere Personen des öffentlichen Lebens.Tanya Frisby, „The Rise of Organised Crime in Russia: Its Roots and Social Significance,“ Europe-Asia Studies, 50, 1, 1998, S. 35. Der spätere Ministerpräsident Wladimir Putin übernahm diese Probleme mit seinem Amtsantritt als Präsident. Während seiner Wahlkampagne im Jahr 2000 gewann er viel Unterstützung für seine Position, Recht und Gesetz wiederherzustellen. Dabei vertrat er auch die Ansicht, dass die Herrschaft des Gesetzes die einzige Möglichkeit ist, das Vertrauen in die Wirtschaft des Landes wiederherzustellen.Scott Peterson: A vote for democracy, Putin-style The Christian Science Monitor, 12. März 2004; abgerufen am 21. März 2009.

Nach Informationen der Demoscope Weekly stieg die Anzahl der Morde pro 100.000 Einwohner von 15 im Jahr 1991 innerhalb von drei Jahren auf 32,5 im Jahr 1994 an. Bis 1998 fiel sie wieder auf 22,5, um dann 2002 wieder ein Maximum von 30,5 zu erreichen und dann auf 20 im Jahr 2006 zu fallen.Ekaterina Shcherbakova: Russian demographic barometer Demoscope Weekly, 19. März 2007; abgerufen am 22. März 2009. Damit liegt Russland in der Statistik des US-amerikanischen NationMaster auf Platz 5 von 62 aufgeführten Nationen.World statistics of murders per capita NationMaster.Com; abgerufen am 22. März 2009.

Bei 611 Gefangenen pro 100.000 Einwohner gab es 2006 weltweit nur noch in den USA relativ zur Bevölkerung mehr Gefangene. Des Weiteren zeigen kriminologische Studien, dass die durchschnittliche Anzahl der Überfälle zwischen 2000 und 2005 um 38,2 % höher lag als zwischen 1992 und 1999. Im gleichen Zeitraum ist der Anteil der Drogenkriminalität um 71,1 % gestiegen.Vladislav Inozemtsev: Big Costs and Little Security Moscow Times, 22. Dezember 2006.

Politisch motivierte Verfolgung Informationen über politische Gefangene in Russland liefert Gefangen in Russland; ein Projekt, das aus einer Kooperation der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial mit der deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde und der Ev. Kirche in Deutschland entstanden ist.

Wissenschaftler und Umweltaktivisten In der Sowjetunion gab es für Wissenschaftler bei der Zusammenarbeit mit ausländischen Kollegen einige administrative Hürden. Nach dem Ende der Sowjetzeit, die auch einen Rückgang an Regierungsausgaben für die Wissenschaft bedeutete, erweiterten viele Wissenschaftler ihre Kontakte mit ausländischen Laboratorien. Trotzdem sind administrative Sicherheitsregeln in Russland immer noch strenger als im Westen.Alexei Napylov: Утраченные секреты горения Rambler, Lenta.Ru, 24. März 2003; abgerufen am 10. Juli 2009.

Es gab einige Fälle, in denen der russische Geheimdienst FSB Wissenschaftler anklagte, Staatsgeheimnisse verraten zu haben, während diese angaben, dass die Information auf bereits publizierten und freigegebenen Quellen beruhte. Auch wenn die Fälle oft öffentliche Reaktionen zur Folge hatten, wurden sie meist in geschlossenen Räumen ohne Presse und Öffentlichkeit verhandelt.

Dabei handelt es sich z. B. um den Atomphysiker Igor Sutjagin (2004 zu 15 Jahren Lagerhaft verurteilt)Human Rights Situation in Chechnya: Case study: Igor Sutiagin Human Rights Watch; abgerufen am 10. Juli 2009. den Physiker Walentin Danilow (2004 zu 14 Jahren verurteilt)Physicist Found Guilty American Association for the Advancement of Science, 12. November 2004; abgerufen am 10. Juli 2009. den Physikochemiker Oleg Korobeinitschew. Der FSB ließ im Mai 2007 die Anklage gegen ihn fallen wegen „Fehlens eines substantiellen Verbrechens“. Im Juli 2007 entschuldigte sich der Staatsanwalt des Gebietes Nowosibirsk öffentlich bei ihm.Irina Samakhova: Classified brains Novaya Gazete, 20. November 2007; abgerufen am 22. März 2009. den Physiker Oskar Kaibyschew (verurteilt zu sechs Jahren auf Bewährung und einer Strafe von 132,000 $).Physicist Ordered to Pay $132,000 The Moscow Times, 9. August 2006.