alternativtext=Porträtfoto, darunter Unterschrift. weiße glatte Haut (rasiert), Kopf gedreht und schräg, blauer Anzug, weißes Hemd, blaue Krawatte mit kleinen weißen Punkten, nach hinten gekämmtes schwarz-graues Haar, lächelt kaum, insgesamt ordentlicher Eindruck.|mini|Sebastian Kurz (2024) rahmenlos|130px|zentriert|klasse=skin-invert-image notpageimage|alt=Die Anfangsbuchstaben sind je ein großer Bogen von unten nach oben im Uhrzeigersinn. Der Radius verkleinert sich stark nach Erreichen des Zenits. „urz“ im Nachnamen ist nicht zu erkennen, stattdessen welliger Strich. Vorname hingegen ausgeschrieben.|Unterschrift von Sebastian Kurz Sebastian Kurz (* 27. August 1986 in Wien) ist ein ehemaliger österreichischer Politiker (ÖVP). Er war zweimal (von Dezember 2017 bis Mai 2019 und von Jänner 2020 bis Oktober 2021) Bundeskanzler der Republik Österreich – 17 Monate in einer Koalition mit der FPÖ und 21 in einer mit den Grünen. Zuvor war er von Dezember 2013 bis Dezember 2017 österreichischer Außen- und Integrationsminister. Von Mai 2017 bis Dezember 2021 fungierte er als Parteiobmann der ÖVP.

Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wegen Korruptionsverdachts führten 2021 zu seinem Rückzug von allen politischen Ämtern. Im Mai 2025 wurde er rechtskräftig vom Vorwurf der Falschaussage vor dem Ibiza-Untersuchungsausschuss freigesprochen. Ermittlungen wegen anderer Vorwürfe gegen ihn (Verdacht des Erkaufens positiver Berichterstattung vom Boulevard mit Steuergeldern) sind aber noch offen.

Nach seiner politischen Laufbahn war Kurz ab 2022 als Berater für Thiel Capital und Unternehmen im Nahen Osten tätig. Er gründete mehrere Unternehmen. Sein gemeinsam mit Shalev Hulio, einem der Gründer der NSO Group mitgegründetes Unternehmen Dream Security, wurde Anfang 2025 bei einer Finanzierungsrunde mit 1,1 Mrd. US-Dollar bewertet. Es gilt damit als Unicorn.

Familie und Ausbildung Kurz ist der Sohn des Ingenieurs Josef Kurz und der Lehrerin Elisabeth Kurz, geb. Döller. Die Großmutter mütterlicherseits, Magdalena Müller, eine Donauschwäbin aus Temerin (Batschka, heute Vojvodina, Serbien), siedelte sich nach Vertreibung und Flucht mit ihrer Familie Ende 1944 im niederösterreichischen Zogelsdorf, einer Katastralgemeinde der Gemeinde Burgschleinitz-Kühnring, an und heiratete dort den Landwirt Alois Döller.Der neue Kanzler Österreichs mit donauschwäbischen Wurzeln In: sonntagsblatt.hu, 17. Dezember 2017.Stevan Miler: Sebastian Kurz’ Großmutter stammt aus einem Städtchen in der Vojvodina. In: Kosmo.at, 23. Jänner 2018 [Hinweis: Korrekte Schreibung des Familiennamens der Großeltern ist Döller]. Während seiner Kindheit verbrachte Kurz den Großteil der jeweiligen Ferien bei den Großeltern in Zogelsdorf. 2017 wurde ihm die Ehrenbürgerschaft von Burgschleinitz-Kühnring verliehen.Ehrenbürgerschaft für Kurz In: noen.at, 10. Jänner 2018. In den 1990er-Jahren nahm seine Familie eine Flüchtlingsfamilie aus Jugoslawien auf.Wie Flüchtlinge Sebastian Kurz’ Kindheit prägten. In: Welt Online, 5. Februar 2018.Judith Grohmann: Sebastian Kurz – Die offizielle Biografie, FinanzBuch Verlag der Münchner Verlagsgruppe, 2019, ISBN 978-3-95972-267-4, S. 22 Leseprobe, PDF, S. 18. Von 1992 bis 1996 besuchte Kurz die Volksschule (Grundschule) in der Anton-Baumgartner-Straße in Wien-Liesing,Sebastian Kurz, auf meineabgeordneten.at. Abgerufen am 15. Mai 2017. danach das Bundesgymnasium und Realgymnasium Erlgasse in Wien, wo er 2004 die Matura mit Auszeichnung ablegte. Im Anschluss leistete er bis 2005 seinen Präsenzdienst beim österreichischen Bundesheer in der Maria-Theresien-Kaserne. Ab 2005 studierte Kurz an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien Rechtswissenschaften, verließ sie allerdings ohne Abschluss und ging in die Politik.Handelsblatt, Wie Sebastian Kurz ohne Studium zum mächtigsten Mann Österreichs wurde, 3. Februar 2020, abgerufen am 19. September 2021.

Kurz ist seit der gemeinsamen Schulzeit mit der Wirtschaftspädagogin Susanne Thier liiert. Am 27. November 2021 wurde ein gemeinsamer Sohn geboren (8. Oktober 2022), im Mai 2025 folgte ein weiterer Sohn.

Politische Laufbahn Sebastian Kurz war Berufspolitiker ab 2010, als er mit 24 Jahren in den Wiener Gemeinderat und Landtag einzog. Zuvor hatte er in keinem anderen Beruf gearbeitet.

Parteifunktionen Kurz war ab 2003 Mitglied der Jungen Volkspartei (JVP). Er wurde von Markus Figl protegiert.Unser Wahl-Special: Die Spitzenkandidaten im Video-Porträt. In: kleinezeitung.at. 2017, abgerufen am 29. Mai 2019.Studentenverbindung: Bühne für die künftige Elite. Von 2008 bis 2012 war er Obmann der JVP Wien. 2009 wurde er mit 99 Prozent der Delegiertenstimmen zum Bundesobmann der JVP gewählt, 2012 erhielt er bei seiner Wiederwahl 100 Prozent. Im Jahr 2017 übergab er das Amt des Bundesobmannes der Jugendorganisation mit einer Mitgliederanzahl von 105.000 Personen an den Juristen Stefan Schnöll.Junge ÖVP: Kurz übergab Vorsitz an Schnöl. Artikel vom 25. November 2017, abgerufen am 1. Dezember 2017. Von 2009 bis 2016 war er Landesparteiobmannstellvertreter der ÖVP Wien.orf.at: Drei Stellvertreterinnen für ÖVP-Chef Blümel – Sebastian Kurz ist kein Vize mehr. Artikel vom 18. März 2016, abgerufen am 18. März 2016. Als Obmann der JVP Wien startete er im Jugendwahlkampf zur Landtags- und Gemeinderatswahl in Wien 2010 die Kampagne Schwarz macht geil und ließ einen als „Geilomobil“ bezeichneten Hummer durch Wien fahren.derStandard.at: Jugendwahlkampf in Wien: Sex und harte Sprüche. Artikel vom 8. September 2010, abgerufen am 18. Mai 2017.derStandard.at: Kurz und das Geilomobil: „Guardian“ fällt auf „Tagespresse“ herein. Artikel vom 18. Mai 2017, abgerufen am 18. Mai 2017.The Guardian: Doing a Macron: can Austrian minister copy French election success?. Artikel vom 17. Mai 2017, abgerufen am 18. Mai 2017.

Integrationsstaatssekretär (2011 bis 2013) Von 2010 bis 2011 war Kurz Abgeordneter zum Wiener Gemeinderat und Landtag, bevor er im Juni 2011 im Rahmen einer Kabinettsumbildung als Integrationsstaatssekretär des Bundesministeriums für Inneres vorgestellt wurde. Kurz sah die Einbeziehung und den Dialog mit den Religionsgemeinschaften als bedeutsam für die Integration an.Astrid Mattes: Towards a universal religion? Symbolic boundaries in Austrian immigrant integration policies. In: Kurt Appel, Isabella Guanzini (Hrsg.): Europa mit oder ohne Religion. Vienna University Press bei V&R unipress, S. 233. Als Staatssekretär unterbreitete Kurz mehrere Vorschläge, zum Beispiel ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr für Kinder mit Sprachdefiziten. 2011 entstand als gemeinsame Kampagne des Integrationsstaatssekretariats mit dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) und dem Unterrichtsministerium die Kampagne ZUSAMMEN:ÖSTERREICH. Damit sollten die Identifikation von Zuwanderern mit der österreichischen Landschaft und Kultur gefördert und Werte wie Religionsfreiheit und Demokratie vermittelt werden. So genannte „Integrationsbotschafter“ wurden in Schulen geschickt, um mit Migranten über deren Identifikation mit dem Land Österreich zu diskutieren. Unter diesen „Integrationsbotschaftern“ waren unter anderen Arabella Kiesbauer, der Thaiboxer Fadi Merza und die Rechtsanwältin Kazim Yilmaz. Auch Kurz war bei manchen Schulbesuchen dabei. Insgesamt waren mehr als 300 „Integrationsbotschafter“ in ganz Österreich unterwegs.

Außenminister (2013 bis 2017) mini|alternativtext=Zwei Anzugträger gegenüber, links mit ausgestreckten Armen, roter Krawatte, Brille und weißem Haar. rechts mit anliegenden Armen, Innenraum|Kurz mit Ivo Josipović bei seinem ersten Auslandsbesuch als Außenminister in Kroatien (2013)

Nach der Nationalratswahl in Österreich 2013 wurde Kurz im Dezember des Jahres mit 27 Jahren als jüngster Außenminister in der österreichischen Geschichte (ab 1. März 2014) von Bundespräsident Heinz Fischer als Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres angelobt. Sein Vorgänger war Michael Spindelegger, der ins Finanzministerium wechselte. Im März 2014 wurde dem Portefeuille auch der Bereich „Integration“ übertragen. Als einen seiner persönlichen Arbeitsschwerpunkte bezeichnete er die Beziehungen zum Westbalkan, weshalb er seinen ersten Auslandsbesuch als Außenminister in Kroatien absolvierte. Ein gutes Verhältnis zu Israel sei ihm und wegen einer positiven Zusammenarbeit der Israelitischen Kultusgemeinde im Integrationsbereich sehr wichtig.

Bei einem Besuch in Belgrad am 26. Februar 2014 bekräftigte er die weitere Unterstützung Österreichs für den Beitritt Serbiens zur Europäischen Union, auch wegen eines wirtschaftlichen und politischen Interesses Österreichs. Mit Serbiens Ministerpräsident Aleksandar Vučić sprach er auch über die weitere Zukunft von Bosnien und über die Beziehungen zwischen Österreich und Serbien im historischen Kontext.

Im November 2014 wurde eine mit dem Hashtag #stolzdrauf betitelte Kampagne vorgestellt. In sozialen Netzwerken sollten Nutzer mit Fotos zeigen, worauf man in Österreich stolz sei. Die Kampagne, die eigentlich zu mehr Gemeinschaftsgefühl in Österreich beitragen sollte, entwickelte sich jedoch zu einer polarisierten Debatte. Vor allem auf Twitter wurden kritische oder sarkastische Kommentare abgegeben. Unterstützer der Kampagne waren Persönlichkeiten wie die Muslimin und ehemalige Miss Austria Amina Dagi oder der Musiker Andreas Gabalier. An der Kampagne beteiligten sich auch Bundespräsident Heinz Fischer, Austrian Airlines, die Israelitische Kultusgemeinde und die Islamische Glaubensgemeinschaft. Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) störte sich die politische Linke vor allem am volkstümelnden Andreas Gabalier, während die politische Rechte eine Kopftuchträgerin oder einen „Tschuschn“ nicht als „wirkliche Österreicher“ anerkennen wollte. Die rechtsradikale Identitäre Bewegung störte deshalb auch die Pressekonferenz zur Vorstellung der Aktion. Kritisch angemerkt wurden auch die Kosten des Außenministeriums von 326.029 Euro und 120.000 Euro des ÖIF in den fünf bis sechs Wochen zur Bewerbung der Kampagne, wovon 55 Prozent in Zeitungsinserate bei Boulevard- oder Gratiszeitungen flossen.

Im Juni 2015 schlug Kurz vor, die Familienbeihilfe für in Österreich arbeitende EU-Bürger, deren Kinder im Herkunftsland leben, auf das Preisniveau des Herkunftslandes anzugleichen. Zuwanderer aus anderen EU-Staaten sollten zudem erst einige Jahre in das österreichische Sozialsystem eingezahlt haben, bevor sie anspruchsberechtigt würden. Die SPÖ sprach sich gegen die Pläne aus, erklärte aber, dass es bei der Familienbeihilfe Missbrauch gebe, der besser kontrolliert werden müsse. Die FPÖ begrüßte die Vorschläge. Die Grünen warfen Kurz und der ÖVP vor, „die Hasspolitik der FPÖ“ zu übernehmen.

Kurz präsentierte Ende Juni 2015 seinen Plan, Österreichs Botschaften in Malta, Lettland, Litauen und Estland bis Herbst 2018 zu schließen. Gleichzeitig sollten neue Botschaften in Belarus, Moldau, Georgien, Katar und Singapur eröffnet werden. Ferner sah sein Plan ein weiteres Generalkonsulat in China vor. Finanzielle Einsparungen wollte er durch den Verkauf von nicht mehr benötigten Immobilien und durch die Zusammenlegung von Vertretungen erreichen.

Nach der Absage der Stadt Wien für die 2014 abgesprochene Absicht, an Ednan Aslan ein Forschungsprojekt über islamische Kindergärten in Wien zu vergeben, übernahm das Integrationsministerium die Beauftragung allein.Aslan: Studie war mit Wien geplant. In: wien.orf.at. 5. Juli 2017, abgerufen am 29. Mai 2019. Die Ende 2015 veröffentlichte Vorstudie kam zu dem Ergebnis, dass in den untersuchten Einrichtungen salafistische Tendenzen zu Tage träten und die Verbreitung islamistischer Ideologien beobachtbar sei. Dadurch alarmiert wurde zwischen der Stadt Wien und dem Integrationsministerium vereinbart, eine flächendeckende, umfassende wissenschaftliche Studie durchführen zu lassen. Außerdem kontrollierte die Stadt Wien diese Kindergärten vermehrt.