Das Count Basie Orchestra ist eine US-amerikanische Big Band, die von Count Basie geleitet wurde. Die Basie Band war neben dem Duke Ellington Orchestra und den Bands von Woody Herman, Lionel Hampton und Benny Goodman eine der berühmten Jazz-Formationen der Swingära.

Hervorgegangen aus dem Orchester von Bennie Moten, gehörte die Basie Band zusammen mit den Orchestern von Harlan Leonard, Jay McShann und Andy Kirks Twelve Clouds of Joy zu den bedeutenden Vertretern des Kansas-City-Jazz. Sie erzielte ihren Durchbruch im Jahr 1937 in New York City. Das Orchester überlebte das große Bigband-Sterben Ende der 1940er Jahre und arbeitete in den 1960er Jahren mit Frank Sinatra, Tony Bennett und Ella Fitzgerald. Als Ghost Band wurde es nach Count Basies Tod 1984 weitergeführt, aktuell geleitet von Scotty Barnhart. Das Count Basie Orchestra ist mit 17 gewonnenen Grammy Awards einer der erfolgreichsten Big Bands der Geschichte.

Die Geschichte der Basie-Band Frühe Jahre Urbesetzung 1935 Klavier: Count Basie Trompeten: Joe Keyes, Hot Lips Page Altsaxophon: Buster Smith, Jack Washington Tenorsaxophon: Lester Young Bass: Walter Page Schlagzeug Jo Jones

Der Pianist Count Basie kam 1927 mit einer Vaudeville-Truppe in Kansas City an, wo er bald mit den Blue Devils seines späteren Bassisten Walter Page spielte, 1930 wurde er Mitglied der rivalisierenden Band von Bennie Moten. Nach Motens Tod im Jahr 1935 setzten Count Basie und die anderen ehemaligen Moten-Musiker – unter Leitung von Motens Bruder Buster, mit dem sie sich bald verkrachten – zunächst die Engagements fort und spielten in regionalen Clubs. Als die Band bald endgültig auseinanderfiel, gründete Basie anlässlich eines Engagements im Reno Club sein eigenes Orchester mit befreundeten Musikern. Rex Harris und Brian Rust bezeichnen die Formation als Embryo Basie-Band, aus der sich erst später jenes Basie-Orchester entwickelte, mit dem 1937 die ersten Aufnahmen entstanden. Basies neunköpfige Band bestand aus den Trompetern Joe Keyes und Oran 'Hot Lips’ Page, den Altsaxophonisten Buster Smith und Jack Washington, dem Tenorsaxophonisten Lester Young und dem Posaunisten Eddie Durham; die Rhythm section bestand aus Jo Jones am Schlagzeug, Walter Page am Bass und Basie selbst am Piano. Mit dieser Formation, die sich The Barons of Rhythm nannte, brachte Basie den Stil der Kansas City Jamsessions in die Clubs, indem er ausgedehnte Improvisationen mit auf Riffs basierenden Bandbegleitungen verband.

mini|Das Count Basie Orchestra bei einem Auftritt in Washington 1941. Von links nach rechts: Count Basie, Ray Bauduc, Bob Haggart, Harry Edison, Herschel Evans, Eddie Miller, Lester Young, Matty Matlock, June Richmond und Bob Crosby Fotografie von William P. Gottlieb.

Als der Musikkritiker und Plattenproduzent John Hammond die Band im Dezember 1935 bei einer Radioübertragung aus dem Reno Club hörte, flog er im Mai nach Kansas City, um die Basie Band vor Ort zu erleben. Hammond schrieb später: „Ich hatte Angst, mich nach Kansas zu wagen, weil ich eine Enttäuschung befürchtete. Und doch bleibt ein erster Abend im Reno im Mai 1936 das aufregendste musikalische Erlebnis, dessen ich mich erinnern kann. Basies Orchester schien alle Vorzüge einer kleinen Combo mit geistreichen Solisten und völliger Relaxtheit und darüber hinaus noch das Mitreißende und die Dynamik einer Big Band zu besitzen … Basie wurde zu einer Art Religion für mich; ich begann, über das Orchester im Down Beat und im Melody Maker zu schreiben.“Hammond, Zit. nach Polillo, S. 418. Hammond überredete daraufhin seinen Freund Benny Goodman und dann dessen Manager Willard Alexander von MCA Records, sich ebenfalls nach Kansas City zu begeben. Unter der Bedingung, die Gruppe auf den damaligen Standard von 13 Mitgliedern auf Bigband-Größe zu erweitern, schlossen Hammond und Alexander mit Basie einen Plattenvertrag ab; er ging um 24 Plattenseiten für insgesamt 730 Dollar, was aber nach Hammonds Protest auf den gewerkschaftlichen Mindestlohn erhöht wurde.Polillo, S. 419. Hammond vermittelte die Band nach New York City, wo sie im Roseland Ballroom spielen sollten. Basie war einverstanden und hoffte, damit die künstlerische Freiheit und den Geist des Kansas-City-Stils seines neunköpfigen Ensembles weiterführen zu können.

Die Basie Band debütierte in der Grand Terrace in Chicago, was aber keineswegs ermutigend begann; Die Band verfügte nur über ein paar Arrangements und musste sich überdies gefallen lassen, als Zugnummer die Musik von Dichter und Bauer von Suppè spielen zu müssen. mini|Jimmy Rushing, Auftritt im New Yorker Jazzclub Aquarium, ca. August 1946. Fotografie von William P. Gottlieb.

Jones-Smith Inc. Hammond nahm heimlich, bevor der Vertrag mit Decca begann, mit einem Quintett aus der Bigband unter Hinzuziehung von Jimmy Rushing vier Plattenseiten auf, die unter der Bezeichnung Smith-Jones Inc. danach auf Vocalion erschienen.Vgl. Polillo; er betrachtet es als kleinen Streich Hammonds und Basies gegen die Decca, die den Halsabschneider-Vertrag mit Basies Orchester nicht verziehen hatten. Bei der Session, die in einen engen Raum mit nur einem Mikrophon stattfand, spielten Basie, Walter Page, Lester Young sowie der Trompeter Carl „Tattite“ Smith und Jo Jones als Namensgeber. Gunther Schuller schrieb später zu den Aufnahmen: Ökonomisch, weniger ist mehr, ist das Ideal, das hier angestrebt wird. Zit. nach Donald Clarke. S. 156. „Jones“ und „Smith“ waren die unverfänglichen Namen (Jo Jones) des Schlagzeugers und des Trompeters (Carl Smith); dieser war lediglich Ersatzspieler für Buck Clayton, der zu dieser Zeit wegen einer verletzten Lippe aussetzen musste. Das Quintett nahm am 8. Oktober 1936 fünf Stücke auf; zwei Takes von Shoe Shine Boy, Evenin’, Boogie-Woogie (bei dem Sänger Jimmy Rushing hinzukam) und den Standard Oh Lady Be Good. Jo Jones erinnerte sich später: „Wir machten diese Aufnahmen in einer Stunde.“Michael Brooks: Liner Notes zu The Lester Young Story – Vol. 1: Jones-Smith & Wilson-Holiday Inc. (Columbia)

Der Kritiker George T. Simon schrieb damals im Metronome über die Basie Band in den frühen Jahren: „Sicher, die Band swingt, aber diese Saxophongruppe liegt andauernd daneben. Doch wer denkt, das wäre unmelodisch, der hat die Blechbläser noch nicht gehört! Und wenn man dann glaubt, das Blech klingt falsch, dann befasse man sich mit der Intonation der Band insgesamt! Swing ist Swing, aber Musik ist Musik! Es ist zu hoffen, dass die Band in persona besser klingt.“George Simon, S. 96 f. Simon selbst gab später in seinem Buch Die Big Bands die Erklärung dafür: „Wie mir viele Mitglieder dieser Bands seit damals berichtet haben, waren viele Schwarze Musiker nicht in der Lage, sich Spitzeninstrumente zu leisten; sie waren gezwungen, solide gebaute, aber ansonsten minderwertige Blasinstrumente zu spielen. Viele davon – egal wie gut der Spieler auch sein und wie fleißig er auch üben mochte – konnten nicht dauerhaft in der Melodie gehalten werden, weil die einzelnen Noten selbst nicht miteinander in Einklang standen.“George T. Simon, S. 97.

Besetzung 1937 Klavier: Count Basie Trompeten: Joe Keyes, Carl Smith, Buck Clayton Posaunen: George Hunt, Dan Minor Altsaxophone: Jack Washington, Caughey Roberts Tenorsaxophone: Herschel Evans, Lester Young Gitarre: Claude Williams Bass: Walter Page Schlagzeug Jo Jones Gesang Jimmy Rushing

Die Band, zu der nun auch der Trompeter Buck ClaytonDer Manager Joe Glaser hatte noch in Kansas City Hot Lips Page als einzigen Musiker der Basie Band zum Unterschreiben eines Exklusivvertrags gebracht und abgeworben; vgl. Polillo, S. 418. und der legendäre Blues- Shouter Jimmy Rushing gehörten, konnten ihren Stil bei ihrem New Yorker Debüt im Roseland und ihren ersten Aufnahmen für Decca im Januar 1937 demonstrieren, in Titeln wie Roseland Shuffle kann man die Solisten im Vordergrund hören, wie sie vom Ensemble begleitet werden, das aber in einer funktional Riffs spielenden Hintergrundrolle verbleibt.Martin Williams: Jazz: What Happened in Kansas City? In: American Music, Summer 1985, Vol. 3 No. 2. University of Illinois Press, Illinois 1985, S. 176 Das Gastspiel im Roseland erwies sich jedoch als Reinfall, da die Formation nicht immer aufeinander abgestimmt und zudem verpflichtet worden war, auch kommerzielles Material ins Repertoire aufzunehmen, um die Tänzer zufrieden zu stellen. Nach einem Engagement im William-Penn Hotel in Pittsburgh, der wenig befriedigend verlief, wurde im März 1937 die junge Sängerin Billie Holiday in die Band geholt. Sie debütierte am 13. März in Scranton (Pennsylvania); mit ihr erzielte die Basie Band im Apollo Theater in Harlem einen Erfolg, und dort stieg Billie wirklich zum Star auf, meinte Basie später.Zit. nach Clarke, S. 159. Am 11. April gastierten sie im Savoy Ballroom; Billie sang They Can’t Take That Away from Me und Swing, Brother, Swing, was als Radiomitschnitt erhalten ist.Clarke, S. 163. Mit Lady Day (Holiday) und Jimmy Rushing fuhren sie anschließend drei Monate durch die USA.

Gunther Schuller schrieb: „Das war ein frischer Big-Band-Klang für New York, der mit den komplexen Jazz-Kompositionen eines Duke Ellington oder Sy Oliver kontrastierte und die Unterschiede hervorhob, die zwischen den Stilen bestand, die sich an der Ost- und der Westküste der USA herausgebildet hatten.“Gunther Schuller: The Swing Era. Oxford: Oxford University Press, 1989, S. 225 Nach Ansicht von Richard Cook und Brian Morton bereitete die Ankunft der Basie Band in New York eine neue Macht in der Swing-Ära vor, die bislang von Ellington, Jimmy Lunceford und Fletcher Henderson dominiert worden war. Basies Band aus Kansas City hatte ein ungehobeltes Auftreten, verglichen mit dem makellosen Drive von Lunceford und der urbanen Überlegenheit von Ellington.Cook/Morton, 6. Auflage, S. 101.

In New York City rechts|150px|Schellackplatte von Count Basie Der Band gelang es keineswegs, New York Ende 1936 im Sturm zu erobern; nach der ersten Aufnahmesession (Swingin’ at the Daisy Chain) und den Roseland-Auftritten wurde die Aufstellung der Band umstrukturiert; auf Verlangen von Hammond als Teil einer „Kräftigung“ der Band.Schuller, S. 237 Die Trompeter Ed Lewis und Bobby Moore ersetzten Joe Keyes und Carl Smith; und der Altsaxophonist Coughey Roberts wurde durch Earl Warren ausgetauscht. Die bedeutendste Veränderung war aber der Eintritt des Gitarristen Freddie Green im März 1937, der für Claude WilliamsDonald Clarke führt an, dass Williams auch Geige spielen wollte, aber Hammond sein Spiel auf diesem Instrument nicht ausstehen konnte; vgl. Clarke, S. 158. kam und damit die Rhythm section bald zu einer der angesehensten in der Bigband-Geschichte machte.Schuller, S. 226 Green, der nie ein Solo spielte, verpasste der Rhythmusgruppe das Siegel der Perfektion; Basie nannte ihn Mr Hold-Together.Beide Zitate zit. nach Kunzler, S. 82.

mini|links|Joe Williams