mini|Außenansicht von Osten (Zustand 2009). mini|Innenansicht vom westlichen Rand der Palaestra nach Südosten (Zustand 2009). mini|Innenansicht vor den Rekonstruktionsmaßnahmen 1983/84 (Zustand 1970) Die Kaiserthermen sind die monumentalen Überreste einer großflächig geplanten spätantiken römischen Badeanlage und späteren Reiterkaserne, die sich im Zentrum der rheinland-pfälzischen Stadt Trier erhalten haben. Der Bau mit seinen teilweise noch 19 Meter hoch erhaltenen Mauern gehört zu den größten römischen Thermen nördlich der Alpen und ist seit 1986 Teil des UNESCO-Welterbes in Trier. Als Kulturdenkmal steht der Bau seit 1989 unter DenkmalschutzKlaus-Peter Goethert: Kaiserthermen. In: Rettet das archäologische Erbe in Trier. Zweite Denkschrift der Archäologischen Trier-Kommission. (Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 31) Trier 2005. ISBN 978-3-923319-62-6. S. 81. und gilt als Kulturgut nach der Haager Konvention. Trotz ihrer vorgesehenen Größe wären die niemals fertiggestellten Kaiserthermen nicht die größten Badebauten Triers gewesen, da sie darin von den wesentlich älteren Barbarathermen übertroffen wurden. Heute ist das Gelände der Thermen als Archäologischer Park ausgewiesen. Weitere Thermen in Trier waren die Thermen am Viehmarkt.

Forschungsgeschichte mini|Stadtplan Triers in der spätrömischen Kaiserzeit. mini|In einer archäologisch sensiblen Zone am unmittelbaren Nordrand des Militärbades wurde 2006 ein Aussichtsturm für den neuen Eingangsbereich errichtet (Zustand 2006). Die Ruinen der bereits während der Antike zur Reiterkaserne umgebauten Thermen sind seit dem Ende der römischen Herrschaft weithin sichtbar geblieben. Lange Zeit blieb das Gelände um die Baureste zumeist unbebaut, was diesen Effekt verstärkte. Der innere Bereich der Therme scheint jedoch schon früh eine Ausnahme gebildet zu haben und wurde möglicherweise bereits im 6. Jahrhundert als Burg genutzt. Mit der Errichtung der mittelalterlichen Stadtmauer unter Erzbischof Bruno von Lauffen (1102–1124) wurde die Ruine zur südöstlichen Eckbastion und ein Stadttor installiert. Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts wird der Name dieser Burg unter anderem als vetus castellum und Alteburg überliefert. Durch diese Umfunktionierung blieb der Kernbereich der Thermen bis heute erhalten. Alle anderen Bereiche fielen dem mittelalterlichen Steinraub zum Opfer. Mitten auf der Palaestra, im Bereich einer damaligen Siedlung, entstand um 1100 die Pfarrkirche St. Gervasius und 1295 öffnete die Klosterkirche St. Agneten auf der Nordecke der antiken Palaestra-Umbauung ihre Pforten. Mit dem Kloster entstanden auch Handwerker- und Wohnbauten auf dem Areal. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Alteburg als Bastion nicht mehr benötigt. Ihr Ende begann 1806 mit dem Abbruch eines Wachturms im Caldarium (Heißbad). Auf Staatskosten wurde ab 1816 damit begonnen, dieses Caldarium freizulegen.Klaus-Peter Goethert: Kaiserthermen. In: Rettet das archäologische Erbe in Trier. Zweite Denkschrift der Archäologischen Trier-Kommission. (Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 31) Trier 2005. ISBN 978-3-923319-62-6. S. 83.

1907 schlug der Verband der Steine- und Erden-Industrie vor, die Kaiserthermen wiederaufzubauen, um die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten des „neuen Baustoffs Zement“ vorzustellen. Diesem Ansinnen schlug heftiger Protest der Fachwelt entgegen, wobei immer noch diskutiert wurde, ob die Baureste einer Thermen-, Kirchen- oder Palastanlage zuzuschreiben seien. Diese Fragen konnten zwischen 1912 und 1914 mit Bewilligung umfangreicher Geldmittel im Zuge weiterer wichtiger Grabungen geklärt werden, wobei der Westteil aufgrund der dichten Bebauung nicht erschlossen werden konnte. Zu dem damaligen Forschungsprogramm zählten auch Studienreisen von Archäologen und Architekten in die Mittelmeerländer, um eine systematische Aufmessung und Erfassung antiker und frühmittelalterlicher Badeanlagen zu erarbeiten. Die 1929 veröffentlichte grundlegende Arbeit von Emil Krüger (1869–1954) und Daniel Krencker (1874–1941), die neben dieser Dokumentation auch die Grabungsergebnisse an den Kaiserthermen vorstellt, ist bis heute mustergültig.Heinz Cüppers: Konservierung – Restaurierung und Rekonstruktion antiker Baudenkmale im Stadt- und Landgebiet von Trier. In: Konservierte Geschichte? Antike Bauten und ihre Erhaltung. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1985. ISBN 3-8062-0450-0. S. 112. 1920 wurden die unterirdischen Bauteile der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Situation im Westteil der Therme änderte sich erst mit dem Zweiten Weltkrieg, als im Winter 1944/45 alle neuzeitlichen Bauten auf dem Thermengelände zerstört wurden. Daraus ergab sich die Möglichkeit, von 1960 bis 1966 unter der Leitung des Archäologen Wilhelm Reusch (1908–1995) ein 10.800 Quadratmeter großes Areal der westlichen antiken Insula (Wohnquartier) intensiv zu untersuchen. Anschließend wurde der gesamte Palaestra-Bereich aus dem Neubebauungskonzept herausgenommen und die römischen Fundamente leicht aufgemauert konserviert. Bewuchs, Salzimmission und Luftverschmutzung, aber auch der 1971 bis dicht an die Ruine herangeführte Verkehrskreisel, der eine massive Zunahme verkehrsbedingter Erschütterungen mit sich brachte, führten 1983/1984 zu einer mit erheblichen Geldmitteln durchgeführten Restaurierung und Sanierung des Caldariums. In diesem Zuge wurden auch die seit 1945 nicht beseitigten Kriegsschäden durch Artilleriebeschuss und Bomben beseitigt und eine materialgerechte Teilrekonstruktion der Ostapsis durchgeführt, die wesentlich zur Stabilisierung der Statik beigetragen hat.Klaus-Peter Goethert: Kaiserthermen. In: Rettet das archäologische Erbe in Trier. Zweite Denkschrift der Archäologischen Trier-Kommission. (Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 31) Trier 2005. ISBN 978-3-923319-62-6. S. 82. In diesem Fall hat die Rekonstruktion dazu beigetragen, auf störende Hilfskonstruktionen, Stützpfeiler oder Metallträger zu verzichten.Heinz Cüppers: Konservierung – Restaurierung und Rekonstruktion antiker Baudenkmale im Stadt- und Landgebiet von Trier. In: Konservierte Geschichte? Antike Bauten und ihre Erhaltung. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1985. ISBN 3-8062-0450-0. S. 113. Während der Sicherungsmaßnahmen 1983/1984 wurde auch der im Osten gelegene damalige Eingangsbereich verändert und die dort längst nicht mehr existierende mittelalterliche Stadtmauer wiederaufgebaut und bis nahe an die Therme herangeführt. Dadurch wurde jedoch das zur Reiterkaserne gehörende Militärbad, über das diese Mauer nun verläuft, optisch zerschnitten.

Für das antike Erbe Triers war der Bauforscher Arnold Tschira (1910–1969) von großer Bedeutung. Als Mitglied zahlreicher archäologischer und historischer Institutionen wie dem Deutschen Archäologischen Institut (DAI) und von dessen Trier-Kommission, erwarb er sich große Verdienste, den historisch einmaligen Bereich zwischen Dom und Kaiserthermen von allen Neubebauungsplänen nach dem Krieg freizuhalten.Wolfgang Schiering: Archäologenbildnisse. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1988. ISBN 3-8053-0971-6, S. 310. Erst politische Entscheidungsträger des 21. Jahrhunderts sind diesem Ansinnen der damaligen Fachwelt entgegengetreten. Erste reversible Eingriffe an den Thermen verursachten die seit 1998 in immer fester werdender Regelmäßigkeit durchgeführten Veranstaltungen, bei denen das Caldarium mit Zuschauertribünen und technischer Infrastruktur ausgestattet wird. Hauptsächlich aus diesem Grund wurde letztendlich zwischen 2006 und 2007 der bis dahin erhalten gebliebene antike nordöstliche Randbereich der Palaestra aufgegeben, um im Zuge einer 5,2 Millionen Euro teuren Baumaßnahme einen 169 Meter langen Baukörper als Eingangsbereich mit Aussichtsturm zu errichten. Im Zuge der Bauarbeiten am Nordrand des Geländes wurden 2006 die Reste des kleinen Bades digital aufgenommen.

Baubeschreibung und -geschichte Wohnbebauung mini|Vorthermenzeitlicher runder Baderaum mit Apsiden, der zu dem überbauten Peristylhaus gehörte (Zustand 2006). Die vier Insulae, die der spätere Badepalast einnehmen sollte, waren bereits in früherer Zeit dicht bebaut worden. Die Straßenachsen, welche diese rechteckigen Insulae umschlossen, orientierten sich an dem ursprünglichen Gründungsplan der wahrscheinlich 16 v. Chr. gegründeten StadtKlaus-Peter Goethert, Hartwig Löhr: Die Archäologie der Römerzeit in Trier – Schwerpunkte neuerer Forschung. Das Straßensystem. In: Rettet das archäologische Erbe in Trier. Zweite Denkschrift der Archäologischen Trier-Kommission. (Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 31) Trier 2005. ISBN 978-3-923319-62-6. S. 33–35. und waren südöstlich und nordöstlich orientiert. Der Dekumanus maximus, die südöstlich verlaufende Hauptstraße, die vom Standort der ersten Moselbrücke über die Mittelachse des Forums zu den vier Insulae führte, durchschnitt diese im ursprünglichen Planungsraster mittig, wobei die beiden östlichen nicht zum ursprünglichen Gründungsschema gehörten. Dies zeigen Untersuchungen am Unterbau der ältesten Straßen, die eine Diabasstickung aufwiesen.Klaus-Peter Goethert, Hartwig Löhr: Die Archäologie der Römerzeit in Trier – Schwerpunkte neuerer Forschung. Das Straßensystem. In: Rettet das archäologische Erbe in Trier. Zweite Denkschrift der Archäologischen Trier-Kommission. (Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 31) Trier 2005. ISBN 978-3-923319-62-6. S. 33, Abb. 1a, 1b. Die Bauten an der Hauptstraße – in deren Flucht am südwestlichen Ende das während der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. errichtete Amphitheater lag – waren repräsentativ und gehörten der städtischen Oberschicht.

Nur die nordwestliche der vier Insulae im Bereich der späteren Palaestra konnte bisher intensiv untersucht werden. Die ihr gegenüberliegende Insula, die später ebenfalls von der Palaestra überlagert wurde, wurde nur angeschnitten. Deutlich zeigte sich, dass auf den beiden Arealen, die – wie oben beschrieben – zum ursprünglichen Gründungsschema gehörten, allein während der Früh- und Mittelkaiserzeit mit vier Bauphasen gerechnet werden muss. Die ältesten Bauspuren wurden der Regierungszeit des Kaisers Claudius (41–54) zugeordnet. Die letzte Baustufe repräsentiert ein großes Peristylhaus, das die gesamte nordwestliche Insula einnahm. Neben dem Bad, das als Besonderheit eine kleine Rotunde mit vier zusätzlich eingerundeten Apsiden besitzt, waren auch viele andere Räume hypokaustiert. Der Bau besaß offene Innenhöfe, wobei der größte mindestens auf zwei Seiten von einer säulenbestandenen Wandelhalle umbaut war. Zwei der aus dem Bauwerk geborgenen Bodenmosaiken zeigten Darstellungen von Rennfahrern. Auf einem wird der Fahrer Polydus mit seinem Leitpferd Compressor gezeigt. Ein Vorteil des Bauplatzes lag auch in der guten Wasserversorgung durch Altbach und Herrenbrünnchen sowie durch die im 2. Jahrhundert n. Chr. errichtete Ruwerwasserleitung.Wilhelm Reusch: Trier. Kaiserthermen. Landesamt für Denkmalpflege. Mainz 1995 (mehrere nicht näher bezeichnete Auflagen). S. 13. Einige Bauteile der mittelkaiserzeitlichen Wohnbebauung wurden 1970 unterirdisch zugänglich gemacht.

Thermenanlage mini|Ideale Rekonstruktion der nie vollendeten Kaiserthermen im 4. Jahrhundert n. Chr. (Stadtmodell im Landesmuseum Trier) mini|Blick von Norden auf den 1993/1994 neu gestalteten Eingangsbereich: Zentralapsis (links) mit Treppenturm (Mitte), Seitenapsis und damals neu errichteter Stadtmauer (Zustand 2009) mini|Einer der nie betriebenen unterirdischen Bedienungsgänge mit Lichtschacht (Zustand 2006) mini|Einst verschalte Betondecke im unterirdischen Gangsystem mit dem Abdruck eines während des Gussvorgangs vergessenen Zirkels (Zustand 1983)