VR-Yhtymä Oy oder VR-Group Ab (abgekürzt VR) ist ein aus der finnischen Staatseisenbahn hervorgegangener Logistikkonzern. Neben dem Bahnverkehr betreiben die zu ihm gehörenden Tochtergesellschaften u. a. auch Bus- und LKW-Verkehr.

In ihrer heutigen Form ist die VR eine Aktiengesellschaft, deren Aktien vollständig in staatlichem Besitz sind. Die Aktiengesellschaft wurde 1995 gegründet, als die 1862 gegründete Staatsbahn Suomen Valtion Rautatiet (SVR) („Finnische Staatseisenbahnen“) und 1922 in Valtionrautatiet umbenannte Gesellschaft in zwei Teile aufgespalten wurde. VR übernahm die Fahrzeuge, während die Bahnanlagen an die neugegründete Bahnverwaltungszentrale (Ratahallintokeskus, Banförvaltningscentralen) fielen. Die Bahnverwaltungszentrale wurde 2010 in die Verkehrsbehörde (Liikennevirasto, Trafikverket) eingegliedert.

Abgesehen von einigen kleineren Museumsbahnen und dem Verkehrsbetrieb der Stadt Helsinki, der in der Hauptstadt eine U-Bahn und das dortige Straßenbahnnetz betreibt, war VR lange die einzige Bahngesellschaft in Finnland. Allerdings wurde der Schienengüterverkehr bereits 2007 für den Wettbewerb freigegeben, und auch für den Schienenpersonenverkehr ist dasselbe geplant. Als erster privater Konkurrent von VR im Schienengüterverkehr hat Fenniarail 2016 den Betrieb aufgenommen. Der Schienennahverkehr in der Region Helsinki wird von VR betrieben, Aufgabenträger ist der regionale Verkehrsverbund HSL. Die neueren Züge gehören nicht VR, sondern der 2004 gegründeten Firma Pääkaupunkiseudun Junakalusto.

Geschichte mini|Sk1 124 im Finnischen Eisenbahnmuseum

Der Name VR geht auf das finnische Akronym Valtionrautatiet für die finnischen Staatsbahnen zurück. Seit der Gründung der Aktiengesellschaft 1995 existiert diese Bedeutung nur noch informell, und die ursprüngliche Abkürzung wurde zu einem Eigennamen.

Der Eisenbahnbau begann in Finnland im europäischen Vergleich spät. Die erste Strecke wurde am 31. Januar 1862 zwischen Helsinki und Hämeenlinna eröffnet und von Anfang an von der SVR betrieben. 1870 wurde eine Verbindung nach St. Petersburg fertiggestellt und damit die als vorrangig eingestufte Verbindung zur Hauptstadt des russischen Kaiserreiches. Finnland war Teil des Zarenreiches und deshalb wurden von Anfang an die Gleise in russischer Breitspur (1524 Millimeter) verlegt. In der Sowjetunion wurde die Nennspurweite auf 1520 Millimeter verringert. Bereits 1959 erwog auch Valtionrautatiet (VR) die Verringerung der Spurweite, was aber nie ausgeführt wurde.Die Aussage auf Seite 18 der deutschsprachigen Ausgabe von Mikko Alameri: Eisenbahnen in Finnland. (Wien, 1979), dass sich Finnland 1959 auf eine neue Nennspurweite 1520 Millimetern festgelegt hätte, wurde nie umgesetzt. Die Spurweite in Finnland beträgt nach wie vor 1524 Millimeter. (gemäß Rataverkon kuvaus, finnisch: Beschreibung der Schieneninfrastruktur, Seite 69; im PDF auf Seite 71)Siehe auch: Datenblätter der von Stadler Rail nach Finnland (JKOY-Baureihe Sm5: Datenblatt) und Russland (KISS Eurasia: Datenblatt) gelieferten Triebzüge.

Am 22. Juni 1876 wurde die Strecke Helsinki–Hämeenlinna über Toijala nach Tampere verlängert. Gleichzeitig wurde ein Abzweig von Toijala nach Turku eröffnet. Damit waren die drei wichtigsten Städte des Landes miteinander verbunden. 1878 folgte eine Verbindung von Tampere über Haapamäki und Seinäjoki nach Vaasa, und sechs Jahre später war Oulu von Seinäjoki aus angeschlossen. 1909 wurde schließlich die lappländische Hauptstadt Rovaniemi erreicht.

Der Bahnbau setzte sich noch weit bis in das 20. Jahrhundert fort. Wichtige Abschnitte, wie die 1970 eröffnete Strecke Parkano–Seinäjoki, die die Verbindung von Südfinnland in den Norden erheblich verkürzte, konnten erst in den 1960er und 1970er Jahren eröffnet werden.

1968 begann ein umfangreiches Elektrifizierungsprogramm mit einer Spannung von 25 kV 50 Hz. Ein Jahr später wurde der erste elektrische Abschnitt zwischen Helsinki und Kirkkonummi in Betrieb genommen.

Die im September 2006 eröffnete Neubaustrecke Kerava–Lahti diente dem Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Helsinki und St. Petersburg. Dieser wurde von der finnischen und der russischen Staatseisenbahn gemeinsam unter dem Markennamen Allegro und mit einer neuen Generation von Triebfahrzeugen des Typs Pendolino durchgeführt. Die im grenzüberschreitenden Verkehr eingesetzten Züge der Baureihe Sm6 waren die Zweisystemvariante der Baureihe Sm 3. Dieser Verkehr wurde nach dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine eingestellt.

2012 feierte die finnische Eisenbahn ihr 150-jähriges Jubiläum.

Am 6. April 2022 haben die VR beschlossen, im Hinblick auf den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine geordnet, aber schnellstmöglich, den Schienengüterverkehr mit Russland einzustellen. Eine weitere Konsequenz war der Beitritt von Finnland zur NATO und daraus erneut aufkommende Überlegungen, das finnische Eisenbahnnetz – zumindest zum Teil – aus militärstrategischen Gründen auf die europäische Normalspur umzuspuren.jst: Finnland plant Umspurung. In: Eisenbahn-Revue International 7/2024, S. 319.

2022 übernahm VR-Yhtymä die Tochter der Deutschen Bahn Arriva Sverige, die in Schweden Bus- und Bahnverkehr betreibt und bezeichnet diese nun als VR Sverige.

Eisenbahnmuseum Die Geschichte der Eisenbahn in Finnland präsentiert das Finnische Eisenbahnmuseum in Hyvinkää.

Struktur VR-Yhtymä war in drei Geschäftsfelder unterteilt: VR Passenger Service, VR FleetCare und VR Transpoint.

Zum Geschäftsfeld VR Passenger Service gehören folgende Tochterunternehmen. Oy Pohjolan Liikenne Ab betreibt Buslinienverkehr in der Region Helsinki und bis 2019 Reisebusverkehr landesweit. Avecra Oy betreibt Kioske und Gastronomie auf Bahnhöfen und in Zügen. VR Sverige AB und seine Beteiligungen betreiben Personenverkehr in Schweden. Die 2021 gegründete VR Norge AB wird sich an Ausschreibungen über Verkehrsleistungen beteiligen und hatte 2022 noch keine Geschäftsaktivitäten.

Das Geschäftsfeld VR FleetCare besteht aus der VR Kunnossapito Oy und hält Schienenfahrzeuge instand. Dazu stehen Abstellbahnhöfe und Werkstätten in Helsinki, Tampere, Kouvola, Joensuu, Kokkola, Oulu und Pieksämäki zur Verfügung.

Das Geschäftsfeld VR Transpoint ist für Güterkraftverkehr und Schienengüterverkehr zuständig. Neben zwei 50-%-Beteiligungen gehört auch die SeaRail Oy, die Logistikdienste für eine Papiermühle in Tampere leistet.

VR-Yhtymä verfügt über weitere Tochterunternehmen und Beteiligungen.VR-Jahresabschluss 2022 (Abschnitt Group Structue)

Mit Wirkung vom 1. Januar 2023 wurde diese bisherige Struktur geändert: Der bisherige Bereich VR Passenger Service wurde in VR Kaukoliikenne (Fernverkehr) und VR Kaupunkiliikenne (Nahverkehr) aufgeteilt. VR Kaukoliikenne betreibt den Personenfernverkehr in Finnland und mit Avecra Oy den Restaurantservice in Bahnhöfen und Zügen. VR Kaupunkiliikenne umfasst VR Sverige in Schweden, den Personennahverkehr von VR in Finnland, Oy Pohjolan Liikenne Ab (Busnahverkehr von VR) und Tampereen Ratikka (Straßenbahn Tampere). VR FleetCare ist weiter für die Wartung der Fahrzeuge in Finnland zuständig. Hauptausbesserungen werden in den Ausbesserungswerken Helsinki–Ilmala (Reisezugwagen und Elektrolokomotiven) und Pieksämäki (Güterwagen, Diesellokomotiven und Bahndienstfahrzeuge) durchgeführt. Ferner werden Komponentenwartung, Flottenmodernisierung und Wagenbau sowie digitale Produkte für europäische Kunden angeboten. VR Transpoint behält den bisherigen Geschäftsbereich und bietet geeignete Güterwagen für den Schienen- und Fahrzeuge für den Straßentransport sowie Wechselaufbauten und Geräte zur Beladung wie Kräne oder Gabelstapler an.

Gegenwart mini|Netzkartegrün: Personen- und Güterverkehr,braun: nur Güterverkehr Bedeutung

mini|Höchstgeschwindigkeiten im finnischen Bahnnetz In den letzten 30 Jahren sank in Finnland wie in den meisten anderen europäischen Ländern der Marktanteil des Schienenpersonenverkehrs. 1996 teilten sich die finnischen Verkehrsträger den Personenverkehr wie folgt:

79,4 % Kfz-Verkehr 12,6 % Busverkehr 5,2 % Eisenbahn (VR) 1,2 % Flugzeuge

In absoluten Zahlen ist der Schienenpersonenverkehr hingegen gestiegen. Allein 1996 stiegen die Personenkilometer um 2,2 % (nach leichten Einbrüchen während der Wirtschaftskrise Anfang der 1990er Jahre). Der Güterverkehr hat sich zwischen 1960 und 1998 besonders positiv entwickelt. Trotz der Wirtschaftskrise weisen die Gütertransportzahlen zwischen 1990 und 1995 offensichtlich keinen Einbruch auf. Entwicklung des Verkehrsaufkommens: Jahr PersonenMrd. Personenkilometer GüterMrd. Nettotonnenkilometern 1960 2,3 4,9 1970 2,2 6,3 1980 3,2 8,3 1982 3,3 8,0 1983 3,3 8,1 1990 3,3 8,4 1995 3,2 9,3 1998 3,4 9,9

Streckennetz 1996 war das Streckennetz der RHK (Ratahallintokeskus, „Zentrale Bahnverwaltung“) 5660 km lang. Davon waren 37 %, also 2073 km, elektrifiziert. Elektrische Züge leisteten 65 % des Gesamtverkehrs. Inzwischen wurden weitere Strecken elektrifiziert, unter anderem Oulu–Rovaniemi sowie 2006 die Strecken Iisalmi–Kontiomäki–Oulu und Kontiomäki–Vartius. Seit 1982, als das Netz noch 6041 km umfasste, wurden 381 km stillgelegt.

Das Netz ist überwiegend eingleisig (91,5 %). In der Region Helsinki wurden auf stark befahrenen Strecken eigene Gleise für den Schienennahverkehr gebaut.

Ende 2018 betrug das Streckennetz 5926 Kilometer, davon 3330 Kilometer elektrifizierte Strecken. 5234 Kilometer sind einspurig, 692 km sind doppel- oder mehrspurige Schienenwege. Für den größten Teil des Schienennetzes beträgt die maximal zulässige Achslast 22,5 Tonnen. In bestimmten Teilen des Schienennetzes ist auch eine Achslast von 25 Tonnen zulässig. Die Höchstgeschwindigkeit für Personenzüge beträgt 220 km/h, für Güterzüge 120 km/h.

Die Haupt- und Nebenstrecken des staatlichen Eisenbahnnetzes haben etwa 2600 Bahnübergänge. Diese befinden sich hauptsächlich auf Nebenstrecken. Die gesamte Strecke von Helsinki nach Oulu ist frei von Bahnübergängen.

Fahrzeiten und Geschwindigkeiten Die Höchstgeschwindigkeit für konventionelle Züge beträgt 160 km/h. Da bei der VR jedoch Züge, die schneller als 140 km/h sind, mit einem zusätzlichen Lokführer versehen werden müssen, fahren sie diese Geschwindigkeit nur, um eventuelle Verspätungen aufzuholen. Für 160 km/h waren 2003 die Abschnitte (Helsinki–) Kerava–Tampere–Seinäjoki und (Helsinki–) Espoo–Karjaa–Salo–Turku zugelassen.

Die Pendolinozüge bilden eine Ausnahme: Sie dürfen zwischen Kerava und Tampere sowie zwischen Karjaa und Salo 200 km/h, zwischen Espoo und Karjaa sowie zwischen Salo und Turku 180 km/h fahren.

Am 3. September 2006 wurde die Neubaustrecke Kerava–Lahti eröffnet. Dadurch verkürzten sich die Reisezeiten zwischen Helsinki und den östlicheren Regionen Finnlands sowie nach Russland deutlich.