Die Hauptorgel der Kathedrale Notre-Dame de Paris hat gegenwärtig 115 Register auf fünf Manualen und Pedal und basiert auf einer Orgel von Aristide Cavaillé-Coll aus dem Jahr 1868. Die Chororgel wurde 1969 erbaut und umfasste 30 Register auf zwei Manualen und Pedal.

Hauptorgel Erste gotische Orgel 1357 wurde eine Schwalbennestorgel erwähnt, die hoch im Triforium in der Nähe des Querschiffs hing. Sie soll bereits baufällig gewesen sein und stammte vermutlich aus dem 13. Jahrhundert.Cathédrale Notre-Dame. Orgues à nos Logis. Abgerufen am 25. Dezember 2020. Dieses Instrument wurde 1425 abgebaut – einige Jahre nach Fertigstellung der zweiten Orgel.

Gotische Orgel von 1403 Ende des 14. Jahrhunderts wurde beschlossen, ein zweites Instrument auf einer hohen, schmalen Empore über dem großen Westportal zu platzieren, während die alte Orgel weiterverwendet wurde. Dieses neue Instrument war als 8- bis 18-faches Blockwerk konzipiert und wurde am 25. Oktober 1403 von Friedrich Schambantz fertiggestellt.Musique et Musiciens: Cathédrale Notre-Dame. Abgerufen am 25. Dezember 2020. Eine Zeichnung des Gehäuses ist erhalten geblieben: Es besaß drei 12 bis 15 Fuß hohe Türme, die mit gotischen Spitztürmen bekrönt waren. Zwischen ihnen befanden sich vier Flachfelder.

Bei einer größeren Reparatur ersetzte Jean Robelin 1473 eine Anzahl von Pfeifen. Pasquier Bauldry lieferte 1529 neue Windladen für den Bassbereich. Dabei dürfte die mittelalterliche pythagoreische Stimmung durch eine mitteltönige Stimmung ersetzt worden sein. 1564 baute Nicolas Dabenet ein neues Wellenbrett für das Pedal ein und erweiterte den Tonumfang nach unten bis zum C.

1609 wurde das Instrument zunächst durch Valéran de Héman um ein Rückpositiv mit Springladen und 13 Registern, dann 1620 ebenfalls durch de Héman um ein Oberwerk mit sechs Registern erweitert. 1620 wurde es von Pierre Thierry umgebaut und 1672 erhielt es durch Jacques Carouge ein Echowerk als viertes Manual sowie ein selbständiges Pedalwerk. Dennoch blieb das mehr als 300 Jahre alte gotische Blockwerk erhalten und wurde erst 1730 ersetzt. Neben dem Blockwerk besaß das Instrument 37 Register auf vier Manualen und Pedal.Günter Lade: Die Orgel der Kathedrale Notre-Dame in Paris. Abgerufen am 25. Dezember 2020. Heute sind noch zwölf Pfeifen der mittelalterlichen Orgel erhalten.

Neubau von François Thierry (1733) Nach den ursprünglichen Plänen sollte beim Neubau der Orgel durch François Thierry das Gehäuse der Vorgängerorgel wiederverwendet werden. Da das Hauptgehäuse baufällig war, schuf Thierry den bis heute erhaltenen Orgelprospekt, behielt aber das Rückpositivgehäuse von 1609 bei. Unter Wiederverwendung des alten Pfeifenwerks (Prinzipale und Mixturen des Blockwerks, Flöten und Zungen des 16. und 17. Jahrhunderts) entstand 1733 eine klassisch-französische Orgel mit 47 Registern auf fünf Manualen und Pedal. Zu den typischen Werken der Zeit (Hauptwerk, Rückpositiv, Récit und Echo) trat ein Bombardmanual hinzu. Die Stimmung der Orgel wurde dem Ton der großen Glocke „Emmanuel“ von 1681 (Schlagton fis0 −6/16, bezogen auf das Nominal a1=429 Hz) angepasst.

I Positif C–d31. Montre 8′2. Bourdon 8′3. Prestant 4′4. Flûte 4′5. Nazard ′6. Doublette 2′7. Quarte 2′8. Tierce ′9. Plein-Jeu VII10. Cornet V11. Trompette 8′12. Clairon 4′13. Cromorne 8′ II Grand-Orgue C–d314. Montre (ab A) 32′ 15. Montre 16′16. Bourdon 16′17. Montre 8′18. Bourdon 8′19. Flûte 8′20. Double Nazard ′21. Prestant 4′22. Double Tierce ′23. Nazard ′24. Doublette 2′25. Quarte 2′26. Tierce ′27. Grosse Fourniture V28. Grosse Cymbale IV29. Fourniture IV30. Cymbale III31. Grand Cornet V32. Grosse Trompette 8′33. 2e Trompette 8′34. Clairon 4′35. Voix humaine 8′ III Bombarde C–d336. Bombarde 16′ IV Récit c1–d337. Cornet V38. Trompette 8′ V Echo f0–d339. Cornet V40. Cromorne 8′ Pédale GG, AA–f141. Grosse Flûte 8′42. Flûte 8′43. Grosse Flûte 4′44. Flûte 4′45. Bombarde (Ab AA) 16′ 46. Trompette 8′47. Clairon 4′ Koppeln: Manualschiebekoppel Pos/GO und Dauerkoppel Bom/GO

1783 wurde das Instrument durch François-Henri Clicquot einem gründlichen Umbau unterzogen. Um im Rückpositiv mehr Platz zu haben, schuf er ein neus Gehäuse mit fast 16‘ Höhe. Ebenso erneuerte er fast das gesamte Pfeifenwerk des Rückpositiv und tauschte auch im Hauptwerk und im Pedal etliche Register aus.

Die Wirren der Französischen Revolution überstand die Orgel fast schadlos: nur die Gehäuseskulpturen, die an das Ancien Régime erinnerten, fielen der Axt zum Opfer.

Louis-Paul Dallery unterzog das Instrument 1833 einem weiteren gründlichen Umbau: Er erneuerte die Windladen und die Mechanik und erweiterte den Manualumfang bis c4, tauschte einige Register im Zeitgeschmack aus und veränderte das Gehäuse.

Kurz darauf begannen die Umbauarbeiten an der Kathedrale unter Eugène Viollet-le-Duc und die Orgel wurde mehr und mehr mit Staub und Schmutz überzogen.

Neubau von Aristide Cavaillé-Coll (1868) mini|Hauptorgel (2009) Auftragsvergabe Louis-Paul Dallery reichte während der Umgestaltung der Kathedrale durch Eugène Viollet-le-Duc mehrfach Entwürfe für eine Überarbeitung der Orgel ein. Diese war bereits seit 1849 nicht mehr gewartet worden und befand sich in schlechtem Zustand. Die Bestandteile des Rückpositiv mussten auf dem Dachboden eingelagert werden, nachdem es 1850 von der Empore gestürzt war. Seinen Eingaben lag streng das Ideal der klassischen französischen Orgel zugrunde und er positionierte sich gegen den Orgelbau der neueren französischen Schule, insbesondere des symphonischen Ideals. Der Erfolg der zuvor durch Aristide Cavaillé-Coll errichteten Orgeln war jedoch Ausweis der Qualität und der gewandelten Stimmung, insbesondere nachdem Cavaillé-Coll in Saint-Sulpice seine größte Orgel mit 100 Registern vollendet hatte. Dallerys Entwürfe konnten sich deshalb nicht durchsetzen.

Aristide Cavaillé-Coll erhielt daher am 17. März 1860 den Auftrag für einen Kostenanschlag zum Bau einer neuen Orgel. Aus Kostengründen sollte er wie bereits in Saint-Sulpice Teile der alten Orgel einschließlich des Gehäuses übernehmen. In seinem Kostenvoranschlag vom 30. März 1860 lobte Cavaillé-Coll ausdrücklich erhaltenswerte Teile der Orgel wie die Windladen, das Pfeifenwerk des Rückpositivs sowie die Zungenstimmen und sah vor, 21 alte Register wiederzuverwenden. Die Kosten dieser Orgel mit 65 Registern auf 4 Manualen und Pedal sollten 115.542,50 Francs betragen. Viollet-le-Duc lehnte diesen ersten Entwurf aus Kostengründen ab und beschloss, das Rückpositivgehäuse im Stil Louis XV. nicht wieder verwenden zu lassen. Cavaillé-Coll wusste die hierdurch entstehenden Verzögerungen schließlich zu seinem Vorteil zu nutzen. Er konnte sich letztlich einerseits gegen Dallery, der sich in dieser Sache 1852 direkt an Kaiser Napoleon III. gewandt hatte, als auch gegen die belgische Firma Merklin-Schütze durchsetzen. Cavaillé-Coll zeigte sich dabei als geschickter Stratege. Nachdem Merklin-Schütze am 28. Oktober 1862 einen Vorschlag für ein Instrument mit 4 Manualen, Pedal und 64 Registern für lediglich 106.000 Francs eingereicht hatte, wandte Cavaille-Coll sich an Viollet-le-Duc, den Kultusminister und den Erzbischof von Paris. Er verwies dabei einerseits auf die hohe Qualität der von ihm gebauten Orgeln, andererseits auch auf den Protektionismus der belgischen Regierung gegenüber französischen Orgelbauern: Hieraus folgte, dass nun auch in Frankreich französische Orgelbauer bevorzugt beauftragt werden sollten. Außerdem spannte er Ende Oktober 1862 zahlreiche Künstler zur Bewerbung seines Projekts ein, unter ihnen Gioachino Rossini, Georges Thomas, Louis Clapisson, Napoléon-Henri Reber, Daniel-François-Esprit Auber, Michele Carafa und Hector Berlioz, die Professoren des Conservatoire impérial de musique, François Bazin, Lambert Massart, François Dauverné, Eugène Sauzay, Pauline Viardot, Charles-Marie Widor sowie Louis Lefébure-Wély. Dies mit Erfolg: Am 23. Dezember 1862 erhielt er vom Ministerium den Zuschlag zum Bau der neuen Orgel.

Bau

Von 1863 bis 1868 baute Aristide Cavaillé-Coll unter Verwendung früheren Pfeifenmaterials und des Hauptgehäuses eine neue Orgel. Um mehr Platz zu gewinnen, vorschob er das Gehäuse nach vorne und setzte die Windladen in mehreren Stockwerken übereinander. Dabei musste auch die Empore vergrößert werden. Aus akustischen Gründen setzte er auf eine große Zahl von Aliquotregistern: So disponierte er die Obertöne jeweils mit Quinte, Terz und Septime im Pedal in der 32′-Lage, im Bombardwerk in der 16′-Lage und im Grand Chœur in der 8′-Lage. Dieses Werk erhielt zusätzlich eine große Zungenbatterie. Gabriel Reinburg war für die Intonation verantwortlich. An Weihnachten 1867 wurde die neue Orgel mit ihren fünf Manualen, Pedal und 86 Registern erstmals gespielt. Die Einweihung erfolgte am 6. März 1868. Die Orgel besaß folgende Disposition:Rollin Smith: Toward an Authentic Interpretation of the Organ Works of César Franck. Hillsdale (NY) 2002, S. 141–143. I Grand Chœur C–g31. Principal 8′2. Bourdon 8′3. Prestant 4′4. Quinte ′5. Doublette 2′6. Tierce ′7. Larigot ′8. Septième ′9. Piccolo 1′10. + Tuba magna 16′11. + Trompette 8′12. + Clairon 4′ II Grand-Orgue C–g313. Violon Basse 16′14. Bourdon 16′15. Montre 8′16. Viole de Gambe 8′17. Flûte harmonique 8′18. Bourdon 8′19. Prestant 4′20. + Octave 4′21. + Doublette 2′22. + Fourniture harmonique II–V23. + Cymbale harmonique II–V24. + Basson 16′25. + Basson 8′26. + Clairon 4′ III Bombarde C–g327. Principal Basse 16′28. Sousbasse 16′29. Principal 8′30. Flûte harmonique 8′31. Grosse Quinte ′32. Octave 4′33. + Grosse Tierce ′34. + Quinte ′35. + Septième ′36. + Doublette 2′37. + Grand Cornet II–V38. + Bombarde 16′39. + Trompette 8′40. + Clairon 4′ IV Positif C–g341. Montre 16′42. Bourdon 16′43. Salicional 8′44. Flûte harmonique 8′45. Bourdon 8′46. Unda maris 8′47. Prestant 4′48. + Flûte douce 4′49. + Doublette 2′50. + Piccolo 1′51. + Plein-Jeu III-VI52. + Clarinette-basse 16′53. + Cromorne 8′54. + Clarinette aiguë 4′ V Récit expressif C–g355. Quintaton 16′56. + Flûte harmonique 8′57. Quintaton 8′58. Viole de Gambe 8′59. Voix céleste 8′60. Dulciana 4′61. + Flûte octaviante 4′62. + Quinte ′63. + Octavin 2′64. + Cornet III-V65. + Bombarde 16′66. + Trompette 8′67. Basson-Hautbois 8′68. Clarinette 8′69. Voix humaine 8′70. + Clairon 4′ Pédale C–g1Windladen Pédale C–f1.71. Principal basse 32′72. Contre-basse 16′73. Sous-basse 16′74. + Grosse Quinte ′75. Flûte 8′76. Violoncelle 8′77. Grosse Tierce ′78. + Quinte ′79. + Septième ′80. Octave 4′81. + Contre-Bombarde 32′82. + Bombarde 16′83. + Basson 16′84. + Trompette 8′85. + Basson 8′86. + Clairon 4′ Die mit + gekennzeichneten Register mussten per Einführungstritte („Appels“) freigeschaltet werden.

Koppeln: I/P, II/P, Grand Chœur/I, II/I, III/I, IV/I, V/I Octaves graves (Subkoppeln): I, II, III, IV, V Spielhilfen: Orage (Donner), Trémolo (Récit) Appels: Anches Pédale, Anches Grand Chœur, Anches Grand-Orgue, Anches Bombarde, Anches Positif, Anches Récit, Anches Tutti collectif Anmerkungen:

Die Orgel verfügte über mechanische Schleifladen mit Barkerhebel für das erste Manual und die Registerzüge und über ein „symphonisches Windsystem“ mit unterschiedlichen Winddrücken, vor allem mit höherem Winddruck im Diskant als im Bass. Mehr als die Hälfte des Pfeifenwerks stammte aus der Vorgängerorgel. Eine erste Dispositionsänderung führte Charles Mutin 1904 durch, als er im Récit Clarinette und Dulciana durch Diapason 8′, Octave 4′ und Fourniture IV ersetzte und im Bass die Becher von Bombarde und Trompette erneuerte. 1924 erhielt die Orgel ein elektrisches Gebläse.

Umbau durch Joseph Beuchet (1932) 1932 erfolgte ein erster einschneidender Eingriff durch Joseph Beuchet: Änderung der Manualanordnung im Spieltisch: I Grand-Orgue II Positif III Récit IV Solo (früher „Bombarde“ genannt) V Grand Chœur Einbau von Violoncelle 16′ und Bourdon 8′ im Pedal, von Flûte 8′ im Grand-Chœur Austausch von Clairon im Grand-Orgue durch Soprano 4′