Bellnhausen ist ein Dorf im Hessischen Hinterland und als solches ein Ortsteil der Stadtgemeinde Gladenbach im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Geographie Der Ort liegt im Gladenbacher Bergland und damit im Naturpark Lahn-Dill-Bergland an der Allna. Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3288, im Süden führt die Bundesstraße 453 an Bellnhausen vorbei.

Ein gleichnamiger Ortsteil der Gemeinde Fronhausen liegt nicht weit entfernt.

Geschichte mini|hochkant|Kirche

Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Bellnhausen erfolgte unter dem Namen Bedelinhusen im Jahr 1296. Weitere Erwähnungen erfolgen unter den Ortsnamen (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Bedelinhusen (1296), Badelogehusen (1308), Bedelnhussen (1344), Bedilhusen (1369), Beidillinhusen, Bedelingehusen (1423) und Bedelnhussen (1502).

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Bellnhausen: Grube Ludwigshoffnung II

Das Dorf Bellnhausen führt einen Hammer im Wappen und bezeugt damit die Existenz eines ehemals bedeutsamen und historisch verbrieften Bergbaus. Schon 1697 wurde ein „Vitriol-Bergwerk“ erwähnt: blaues Kupfersulfat - CuSO4 · 5 H2O, (das Mineral Chalkanthit). Die Fachwelt vermutet, dass dieses Bergwerk identisch ist mit dem späteren Kupferbergwerk.Ämterbuch der Landgrafenschaft Hessen-Darmstadt 1750, Amt Blankenstein, Hinterländer Geschichtsblatt Biedenkopf, 99. Jahrgang alternativtext=Mineralogie|mini|Millerit_09_BB 3mm aus dem Haldenkörper des ehem. Abbaufeldes der Grube Ludwigshoffnung II von Tom Weisel (Giessen) Am 7. und 8. April 1843 erfolgten nachweislich der Auszüge der Grubenakte die ersten Schürfarbeiten im Auftrag der „Thalitterschen Bergwerksverwaltung“, um im Bereich „Auf dem Leimküppel“ eine „Muthung“ vorzunehmen, die zur Verleihung eines Grubenfeldes für Professor von Klipstein zu Gießen nötig war. Der Gießener Mineraloge August von Klipstein hatte nickelerzführende Diabase am Bundenberg bei Buchenau, an der Ruine Blankenstein bei Gladenbach, bei Sinkershausen und vor allem am Beinköppel bei Bellnhausen untersucht. Ihm wurde zur Belehnung einer Muthung am 9. Juni 1845 die erste Urkunde für die Grube Ludwigshoffnung durch König Ludwig den Zweiten von Gottes Gnaden, Großherzog von Kurhessen und bei Rhein die Schürfrechte verliehen auf Schwefel, Schwefelkies, Kupfer und Nickel. Gemeinsam mit den Gewerken F. Moldenhauer (Kassel), P. Breidenstein und Hüttenbesitzer Kilian (Wilhelmshütte) begann er mit Schürfarbeiten und wurde in unerwarteter Weise fündig; „am Rande von Bellnhausen fand er einen reich vererzten Diabas, der in Abbau genommen werden konnte“. Gemeinsam mit den Gruben Helzenbach und Germershecke wurde ab 1840 Nickelerz abgebaut. Die Grube Ludwigshoffnung wurde als die „schwunghafteste im gesamten Hinterland“ bezeichnet. Dieses wurde von 1849 mit Unterbrechungen bis etwa 1887 in der Aurorahütte in Erdhausen verarbeitet. Um 1875 wurden im Nickelwerk der Aurorhütte täglich 2 Tonnen Erz benötigt. Das nach Erdhausen zur Aurorhütte gebrachte Erz enthielt durchschnittlich 3,5 % Nickel. Unter der Gewerkschaft „Aurora“ arbeiteten von 1850 bis 1853 anfangs 200, dann rund 50 Bergleute auf der Grube Ludwigshoffnung in Bellnhausen. Weitere 50 Arbeiter waren mit der Erzabfuhr und als Hüttenleute auf der neu gegründeten Aurorahütte in Erdhausen tätig. Diese Hütte war eine ehemalige Mühle, deren Besitzer die hochverschuldete „Urbansmühle“ verlassen hatte und in die USA ausgewandert war. Angesichts der reichen Erzfunde war diese Mühle 1849 durch ein Konsortium unter Vorsitz des Kasseler Oberbergrats Schwarzenberg zu einer Nickelhütte umgebaut worden. Der potente Betrieb der Grube Ludwigshoffnung begründete die Errichtung der Nickelhütte. In einem Befahrungsbericht aus der Blütezeit des Bellnhäuser Bergbaus heißt es: „Auch konnte ich mich nur einverstanden erklären mit der beabsichtigten Art des ferneren Abbaus wie Betriebs“.

1873 hatte B. Bennekemper (Dortmund) die Grube in Bellnhausen erworben und ließ Steiger Mankel die alten Baue wieder instand setzen. Kurz vor Weihnachten 1876 entdeckte man bei Sucharbeiten einen weiteren erzführenden Diabas. Doch auch diese Entdeckung konnte den Abbau nicht wiederbeleben. Nur 1300 t Erz wurden von 1874 bis 1880 gefördert. Nach 1885 wurde es still um die Grube. Kaufinteressenten wurden durch die Höhe der Schulden und Steuerrückstände abgeschreckt. Bei den meisten Geldgebern reichte es nur zur Wiederaufwältigung einzelner Baue oder Aufbereitung von Haldenerzen.

Auch suchte man in der Umgebung von Bellnhausen ähnliche Erze und legte Mutungen auf nickelerzführende Diabase im ganzen Hinterland ein, so in Günterrod, Hartenrod, Bottenhorn, Diedenshausen, Runzhausen und Gladenbach. Doch nur am Blankenstein, westlich von Gladenbach, kam es zu einem kurzen Versuchsbetrieb. Mehrfach wird über Betrügereien bei dieser Nickelsuche berichtet; es wird berichtet: „als sich die erschürften Diabase als nickelfrei erwiesen, bettete man vor der Fundbesichtigung Nickelerzbrocken auf der Sohle des Schurfes ein. Anschließend versuchten Betrüger, die gemuteten Grubenfelder, z. B. die „Ludwigslust“ bei Diedenshausen, zu verkaufen“. mini|Denkmal-Areal im ehem. Grubengelände Als im Ersten Weltkrieg der Nickelbedarf stieg, erwarben die Dillinger Hüttenwerke (Saarland) die verlassene Grube in Bellnhausen. Ebenso begann sie mit der erneuten Untersuchung der übrigen Nickelerzmuthungen, deren völlige Wertlosigkeit sich schnell herausstellte. Da das Haldenmaterial und das „Ganggebirge“ in der Umgebung der Grube „Ludwigshoffnung“ interessante Erzgehalte von 0,35–1,33 % Nickel (Ni), 0,24–2,39 % Kupfer (Cu), 6–12 % Schwefel (S) und 16,5 % Eisen (Fe) aufwies, entschloss man sich zu erneuten bergmännischen Arbeiten. Man glaubte, dass die Erze an einen Quarzit gebunden seien. Da sich dieser überall als erzfrei erwies, stellte man den Betrieb wieder ein. Im Jahre 1917 versuchte die Firma Friedrich Krupp, den Bergbau wieder aufzunehmen. Dieses Mal suchte man die Nickelerze in „Quergängen und Klüftungen mit Kupfererzspuren“. Diese Klüfte waren in großer Zahl vorhanden; über 140 m Strecke wurden neu getrieben, ein 40 Meter tiefer Schacht abgeteuft. Nachdem man bei all diesen kostspieligen Untersuchungen viel Geld ausgegeben, aber auch keine Spur von Nickelerz gefunden hatte, wurde die Grube am 9. August 1918 stillgelegt. Zuletzt hatte der Betrieb unter persönlichen Differenzen innerhalb der Grubenleitung gelitten.

Im Verlaufe des Dorferneuerungsprogramms gründete sich im Jahre 2004 ein Grubenverein, der es sich satzungsgemäß zur Aufgabe gemacht hat, die Erinnerung an die Bergbauaktivitäten aufrechtzuerhalten. Grundlage ist die Grubenakte aus dem ehemaligen Bergamt in Kassel. Im ehemaligen Grubengelände der Grube Ludwigshoffnung wurde ein Stollenmundloch errichtet sowie eine Gleisanlage mit einer Kipplore und einem Materialwagen. An der „Grubenhütte“ sind Schaukästen angebracht, in denen sowohl Auszüge aus der Grubenakte mit „Übersetzungen in heute lesbarer Schrift“ als auch bergbauspezifische Werkzeuge und Mineralien gezeigt werden.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 1. Juli 1974 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch Landesgesetz der Zusammenschluss der Stadt Gladenbach mit den Gemeinden Bellnhausen, Diedenshausen, Erdhausen, Friebertshausen, Frohnhausen b. Gladenbach, Kehlnbach, Mornshausen a. S., Rachelshausen, Römershausen, Rüchenbach, Sinkershausen, Weidenhausen und Weitershausen zu heutigen Stadt Gladenbach. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden und die Kernstadt Gladenbach wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Bellnhausen angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Blankenstein, Untergericht Gladenbach ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Blankenstein, Untergericht GladenbachDie Zugehörigkeit des Amtes Blankenstein anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: strittig zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Blankenstein ab 1627: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Blankenstein, Untergericht Gladenbach ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt Blankenstein, Land- und Rügengericht ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Blankenstein ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GladenbachTrennung von Justiz (Landgericht Gladenbach) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf ab 1852: Deutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1867: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied., Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf (übergangsweise Hinterlandkreis) ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg ab 1933: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Biedenkopf ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Biedenkopf ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde GladenbachAm 1. Juli 1974 als Ortsbezirk zur Gemeinde Gladenbach. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde Gladenbach

Gerichte seit 1821 Die Rechtsprechung ging im Jahr 1821 im Rahmen der Trennung von Justiz und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte über. „Landgericht Gladenbach“ war von 1821 bis zur Abtretung an Preußen im Jahr 1866 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Gladenbach. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.