mini|Arneburg aus nordwestlicher Richtung Arneburg () ist eine Stadt im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt, Mitglied der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck und staatlich anerkannter Erholungsort.

Geographie Lage Die Stadt Arneburg liegt auf einer Hochfläche am Westufer der Elbe etwa zehn Kilometer nordöstlich von der Kreisstadt Stendal entfernt in der Altmark. Östlich schließen sich auf dem rechten Elbufer die Elbniederung, das etwas höher liegende Land Schollene und die Havelniederungen an.

Umgeben wird Arneburg von den Nachbargemeinden Hohenberg-Krusemark im Norden, Kamern im Nordosten, Klietz im Osten, Tangermünde im Süden, Hassel im Südwesten sowie Eichstedt im Westen.

Stadtgliederung Zu Arneburg gehören der östlich der Stadt gelegene Wohnplatz Bürs und die Ortsteile Beelitz und Dalchau. Letzterer liegt etwa drei Kilometer nördlich der Stadt. Bei Dalchau steht der Überrest des Kernkraftwerks Stendal und der Industrie- und Gewerbepark Altmark.

Geschichte Mittelalter bis Neuzeit mini|Elbblick mit Kirche St. Georg mini|Blick vom Burgberg Im Jahr 978 wird erstmals ein Graf Brun von Arneburg in der Chronik Thietmars von Merseburg erwähnt. Zu diesem Zeitpunkt muss bereits eine bedeutende Festung bestanden haben, die wahrscheinlich auf Kaiser Otto I. (936 bis 973) und/oder seinen Sohn Otto II. (973 bis 983) zurückgeht. Sie wollten die rechtselbischen, slawischen Gebiete ihrem Territorium eingliedern. Zwischen 980 und 983, wahrscheinlich um den 26. April 983, (die Urkunde ist nicht datiert) wird Arneburg erstmals urkundlich erwähnt. Denn Graf Brun von Arneburg und seine Frau stifteten in dieser Zeit ein Benediktinerkloster. Erhalten ist das Bestätigungsschreiben des 983 verstorbenen Papstes Benedikt VII.Zur Datierung der Urkunde und dem Burgenbau Wolfgang Podehl Burg und Herrschaft in der Mark Brandenburg Köln, Wien 1975 und Eckhard Oberdörfer 1000-jähriges Arneburg, in Altmärkischer Heimatkalender 1985/86, Seiten 84 bis 87. Nach dem Slawenaufstand 983, der zum Verlust der ostelbischen Gebiete führte, stieg Arneburg zu einer bedeutenden Burg des Reiches auf. Sie war mehrmaliger Aufenthaltsort der Kaiser Otto III. und Heinrich II. (993, 997 und 1012). Heinrich II. baute sie nach einem Brand 997 wieder auf. Er schenkte Arneburg mit dem zugehörigen Ländereien dem Erzbistum Magdeburg, was Kaiser Konrad II. (1024 bis 1039) 1025 bestätigte. Damals wird erstmals ein Hof erwähnt, von dem aus zugehörige Ländereien bewirtschaftet wurden. So etwas wie eine Stadt gab es noch nicht. Die Arneburg war vor allem ein militärisches und Verwaltungszentrum, zeitweilig bestand im 11. Jahrhundert eine Münzstätte. Wahrscheinlich König Konrad III. (1138 bis 1152) setzte einen Grafen von Arneburg ein, aber schon Ende des 12. Jahrhunderts wurden sie von den Markgrafen von Brandenburg verdrängt, die sich nun selbst Grafen von Arneburg nannten. Parallel entwickelte sich allmählich die Siedlung an der Burg. Eine Urkunde zur Stadtrechtsverleihung gibt es nicht.

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts erneuerte allerdings Markgraf Ludwig der Römer zu Brandenburg die Stadtrechte der Bürger von Arneburg.Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 53–55; – siehe auch S. 966. Das älteste Gebäude der Stadt ist die im Kern wohl in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaute romanische Stadtkirche St. Georg. Sie wurde im 13. Jahrhundert erweitert und soll eine der ältesten Kirchen in der Altmark sein.

Seit 1420 ist der Betrieb einer Fähre bei Arneburg nachgewiesen. Im 15. Jahrhundert wurde Arneburg Sitz der Hohenzollern in der Mark Brandenburg. 1499 starb der brandenburgische Kurfürst Johann Cicero auf der Burg von Arneburg. Nach dem im Geheimen Staatsarchiv in Berlin befindlichen Landreiterbericht gab es 1652 in Arneburg nur 50 Feuerstellen, also etwa 250 Einwohner. Am 5. Juli 1767 wurde die Stadt einschließlich Kirche durch ein Feuer weitgehend verwüstet. Friedrich II. spendete für den Wiederaufbau 26.000 Taler. Das Baumaterial für den Wiederaufbau wurde aus der inzwischen zur Ruine gewordenen Burg gewonnen. Daher sind heute nur noch Grundmauern der Burg vorhanden. Auf dem Burgplateau des Burgbergs mit Resten der Wallanlagen befindet sich eine biedermeierliche Parkanlage und eine Gaststätte.

Seit 2013 ist Arneburg staatlich anerkannter Erholungsort.

Kernkraftwerk (1975 – 1991)

Fünf Kilometer nördlich der Stadt war auf dem Gelände des extra für dieses Projekt 1975 geschleiften Ortes Niedergörne das Kernkraftwerk Stendal errichtet worden. Block 1 wurde am 1. Dezember 1982 begonnen; Block 2 am 1. Dezember 1984. Die gravierenden Sicherheitsmängel der verwendeten sowjetischen Reaktoren waren schon vor dem Mauerfall bekannt (und seit der Katastrophe von Tschernobyl 1986 gefürchtet), gleichwohl wurde der Bau erst Anfang 1991 eingestellt.

Auf dem Werksgelände des ehemaligen Kraftwerks entstand der Industrie- und Gewerbepark Altmark.

Geplantes Kohlekraftwerk (2009 – 2013) Auf dem Gelände des Kernkraftwerkes plante das Unternehmen RWE ab 2008 den Bau eines Steinkohlekraftwerkes. Der 1600-MW-Doppelblock sollte mit Importkohle aus Australien, Kolumbien und Südafrika befeuert werden und hätte geschätzt rund 9 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr emittiert; die Baukosten wurden auf etwa 2,2 Milliarden Euro geschätzt, wovon rund 14 % als Investitionszuschüsse aus Steuermitteln stammen sollten. Im Kraftwerk sollten rund 100 Arbeitsplätze entstehen. Die Bürgerinitiative Gegen das Kohlekraftwerk Arneburg e. V. rief 2009 zum Widerstand gegen das Projekt auf. Bei einem Baubeginn im Jahr 2011 war die Inbetriebnahme für 2015 geplant. 2009/10 war die tiefe Rezession Anlass dafür, mit solchen Investitionen zu zögern; ab März 2011 war es die nach dem Beginn der Nuklearkatastrophe von Fukushima von der Bundesregierung ausgerufene Energiewende.

Wegen niedriger Strompreise zu vielen Tageszeiten (der Ausbau von Windenergie und Photovoltaik schreitet voran; die so erzeugten Strommengen drücken den Preis an der Strombörse) haben mehrere große Energiekonzerne Investitionen in Steinkohlekraftwerke aufgegeben oder zurückgestellt. Das endgültige Aus für Arneburg gab RWE im April 2013 bekannt.

Eingemeindungen Am 1. Dezember 1935 wurde die Gemeinde Bürs in die Stadt Arneburg eingegliedert. Bürs wird heute als kleine Ansiedlung (Wohnplatz) von Arneburg geführt.

Die am 1. Juli 1973 nach Arneburg eingegliederte Gemeinde Beelitz wurde am 1. Januar 1991 wieder ausgemeindet, bevor Beelitz am 1. Juli 2009 erneut nach Arneburg eingemeindet wurde.

Am 17. April 1974 wurde der Ortsteil Dalchau der Stadt Arneburg zugeordnet. Dalchau war am 1. Januar 1969 nach Altenzaun eingemeindet worden. Bereits am 30. September 1928 war der Gutsbezirk Dalchau mit der Landgemeinde Dalchau vereinigt worden. Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Niedergörne mit der Landgemeinde Dalchau vereinigt. Somit gehörte der Ortsteil Niedergörne seitdem zu Dalchau und ab dem 1. Januar 1969 (Eingemeindung Dalchau in Altenzaun) zu Altenzaun. Ende 1975 wurde das Dorf Niedergörne abgesiedelt, die Gebäude und die Kirche abgerissen und ein Teil der Verstorbenen umgebettet.

Bevölkerung Gemeinde JahrEinwohner 1722 584 1730 678 1733 676 1740 703 1750 911 1770 1015 1774 1967 1780 1105 (mit Militär) 1790 1134 (mit Militär)JahrEinwohner 1801 1166 1818 1172 1840 1473 1848 1580 1864 2125 1871 2042 1885 2255 1895 2083 1905 1848JahrEinwohner 1925 1913 1939 2465 1946 3073 1964 2261 1971 2224 1981 2158 1990 1845 2005 1712 2010 1643JahrEinwohner 2015 1528 2020 1472 2021 1461 2022 1415 2023 1410 2024 1402 2025 1379 Quelle bis 2006:, ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Stadt Arneburg JahrEinwohner2015140620201333202113472022133220231325

Religion Die Volkszählung in Deutschland 2022 zeigte, dass von den 1.437 Einwohnern der Stadt Arneburg rund 20 % der evangelischen und rund 2 % der katholischen Kirche angehörten.

Die evangelische Kirchengemeinde gehört zum Pfarrbereich Arneburg des Kirchenkreises Stendal im Bischofssprengel Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Zum Pfarrbereich Arneburg gehören darüber hinaus auch die Kirche in Dalchau sowie die Kirchengemeinden Baben, Baumgarten, Beelitz, Groß Schwechten, Hassel, Jarchau, Lindtorf, Rindtorf und Sanne.

Die katholischen Christen gehören zur Pfarrei St. Anna in Stendal im Dekanat Stendal des Bistums Magdeburg. Nachdem infolge der Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950 auch im seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägten Arneburg wieder Katholiken in größerer Zahl zugezogen waren, fanden seitens der Pfarrei Stendal in Arneburg in der evangelischen Kirche oder in Wohnhäusern katholische Gottesdienste statt. 1958 wurde eine katholische Kapelle eingerichtet, die 1959 eingeweiht wurde.Rudolf Joppen: Das Erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg. Band 32, Teil 12, Geschichte und Rechtsstellung von der Gründung der DDR bis zur Ernennung des Apostolischen Administrators. St. Benno Verlag, Leipzig 1989, S. 8. Zuletzt fanden die Gottesdienste und Veranstaltungen im Haus Breite Straße 42 statt. Die Kapelle wurde wieder aufgegeben, zur Errichtung einer katholischen Kirchengemeinde kam es in Arneburg nicht.

Die neuapostolische Kirche wurde geschlossen und abgerissen.

Politik Stadtrat Der Stadtrat von Arneburg besteht aus 12 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 68,2 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Bürger für Arneburg – – 64,8 % 8 CDU 51,6 % 7 35,2 % 4 Bürgerinitiative Arneburg 48,4 % 5 – – Insgesamt 100 % 12 100 % 12

Bürgermeister seit 2008: Lothar Riedinger (CDU)

Riedinger wurde bei der Bürgermeisterwahl am 19. April 2015 mit 60,7 % der gültigen Stimmen wiedergewählt. Am 6. März 2022 wurde er ohne Gegenkandidat mit 100 % der gültigen Stimmen erneut in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 6. März 2022 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61

Wappen Blasonierung: „In Silber über blauem Wasser eine rote schwarzgefugte Burgmauer mit gezinntem Torturm mit halbgeöffnetem goldenem Fallgatter und zwei Mauertürmen mit je einem Rundbogenfenster, grünbedacht und goldbeknauft, der rechte Turm mit Satteldach und der linke mit Spitzdach; über dem Torturm schwebend ein goldbewehrter roter Adler.“

Über Ursprung und Entstehungszeit des Wappens konnte nichts ermittelt werden. Burg und Adler sind vermutlich redende Symbole (Arneburg = Adlerburg) oder der Adler steht für die Mark Brandenburg, während das Wasser die geografische Lage Arneburgs an der Elbe versinnbildlicht. Die unterschiedlichen Türme im Wappen Arneburgs verweisen höchstwahrscheinlich auf ein ehemaliges Kloster und die Burg in Arneburg.

Flagge Die Flagge wurde am 19. Oktober 2009 durch den Landkreis genehmigt.

Die Flagge ist Rot – Weiß (1:1) gestreift (Querformat: Streifen waagerecht verlaufend, Längsformat: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Stadtwappen belegt.

Die Flaggenentwürfe stammen vom Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch aus Magdeburg.

Sehenswürdigkeiten mini|Fischerbrunnen mini|Aussichtsplattform am Burgberg mini|Bank Fischer und sin Fru von Horst Kaht

Stadtkirche St. Georg Fischerbrunnen, erinnert an die einst sehr bedeutende Elbfischerei Weitere Plastiken zeitgenössischer Künstler im Stadtgebiet Gedenkstein an der Werner-Seelenbinder-Sekundarschule, erinnert seit 1972 an den kommunistischen Sportler und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Werner Seelenbinder, der 1944 in Brandenburg-Görden ermordet wurde