mini|hochkant=1.5|Die erste Bosporus-Brücke in Istanbul
Der Verkehr in Istanbul ist Dreh- und Angelpunkt des Straßen-, Schienen- und Luftverkehrs im westlichen Teil der Türkei.
Transitverkehr Durch Istanbul verläuft der Bosporus, eine wichtige natürliche Schifffahrtsstraße, die das Mittelmeer mit dem Schwarzen Meer verbindet. Seit dem Jahr 1936 regelt der Vertrag von Montreux die Schifffahrt durch diese Meerenge. Im Jahr 2011 durchfuhren 47.715 Schiffe den Bosporus.bosphorus-strait-news (monatliche Statistik, englisch) Für den Landverkehr von Europa nach Asien stellt der Bosporus hingegen ein Verkehrshindernis dar. Die Geschichte von Istanbul ist eng mit diesen Gegebenheiten verbunden.
Heute sind das europäische und asiatische Straßennetz durch drei Autobahnbrücken (u. a. Fatih-Sultan-Mehmet-Brücke, Yavuz-Sultan-Selim-Brücke) und den Eurasien-Tunnel verbunden.
Im Eisenbahnverkehr stellen Fähren die Verbindung her, Güterwagen werden auf Eisenbahnfähren transportiert. Seit 2015 ermöglicht der Marmaray-Tunnel den durchgehenden Zugverkehr. Die İstanbul Kuzey Demiryolu Geçişi Projesi (North Railway Crossing) ist eine projektierte Bahnstrecke zwischen dem europäischen und asiatischen Teil nördlich der Stadt.
Quell- und Zielverkehr Istanbul ist mit zwei Flughäfen, zwei Fernbusbahnhöfen, zwei Fernbahnhöfen, dem Hafen und ihrem Autobahnnetz ein bedeutender Knotenpunkt im nationalen und internationalen Personen- und Güterfernverkehr.
Straßenverkehr mini|hochkant=1.5|Der Busbahnhof Esenler Von Istanbul aus führen Fernbuslinien in alle wichtigen Städte und Regionen des Landes sowie zu einigen Zielen in Europa und dem Nahen Osten. Der Busbahnhof Esenler mit täglich 15.000 Busbewegungen im europäischen Teil der Stadt ist einer der größten Busbahnhöfe Europas und einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte des Landes und Südosteuropas. Das 242.000 Quadratmeter große Areal, das der Busbahnhof in Anspruch nimmt, liegt im europäischen Teil im Stadtteil Bayrampaşa nahe dem namensgebenden Stadtteil Esenler.
Das Autobahnnetz um Istanbul ist sehr gut ausgebaut und wird stetig erweitert, ist dem Verkehrsaufkommen jedoch nicht gewachsen. Neben den zwei Ringautobahnen O-1, mit einer Gesamtlänge von 87 Kilometern, und O-2, mit einer Gesamtlänge 38 Kilometern, führen Autobahnen nach Edirne (O-3) und Ankara (O-4).
Schienenverkehr Der Eisenbahn-Fernverkehr ist für eine Stadt dieser Größe äußerst bescheiden. Es gab ursprünglich zwei Fernbahnhöfe, von denen jeweils nur wenige Züge pro Tag verkehrten. Ein Grund hierfür ist die dominierende Rolle des Busverkehrs in der Türkei. Der Personenschienenfernverkehr der staatlichen türkischen Eisenbahngesellschaft Türkiye Cumhuriyeti Devlet Demiryolları (TCDD) von den bisherigen Istanbuler Fernbahnhöfen war sowohl nach Europa als auch nach Asien seit 2012 vorübergehend eingestellt und wurde von Vorortbahnhöfen weit außerhalb des Zentrums abgewickelt. Inzwischen fahren die Fernzüge von mehreren Bahnhöfen entlang der Marmaray-Strecke ab.
Der Bahnhof Sirkeci, der historische Endpunkt des Orient-Express, war bis 2012 Endstation für alle Eisenbahnlinien auf der europäischen Seite. Seitdem nutzen die Züge den Vorortbahnhof Halkalı, etwa 25 km westlich der Innenstadt. Vom Bahnhof Sirkeci bietet die TCDD Fernreisenden kostenlose Zubringerbusse an. Im Fernverkehr verkehrt täglich ein Zug in Richtung Bulgarien mit Kurswagen nach Bukarest in Rumänien, Sofia in Bulgarien und Belgrad in Serbien, ein weiteres Zugpaar bis zum Grenzbahnhof Kapıkule an der bulgarischen Grenze. Ein weiterer Zug verkehrt nach Uzunköprü, dem Grenzbahnhof an der griechischen Grenze. Seit 2011 verkehren keine Züge mehr nach Griechenland, ab März 2012 wurde auch der Fernverkehr nach Bulgarien bauarbeitsbedingt nicht mehr per Zug, sondern im Schienenersatzverkehr mit Autobussen abgewickelt.
Vom Bahnhof Haydarpaşa am asiatischen Ufer des Bosporus, dem Startpunkt der historischen Bagdadbahn, fuhren mehrmals täglich Züge der TCDD nach Ankara, seltener zu anderen Zielen in Anatolien, und einmal wöchentlich nach Teheran und nach Aleppo. Die beiden Bahnhöfe waren per Personenfähre Eminönü–Haydarpaşa verbunden.
Von 2012 bis 2014 gab es wegen umfangreicher Bauarbeiten zwischen Istanbul und Ankara für ca. 2 Jahre keinen Zugverkehr. Danach begannen die Fernzüge in Richtung Ankara und Konya im Bahnhof von Pendik, etwa 25 km östlich des Stadtzentrums von Istanbul.
Im Rahmen des Marmaray-Projekts wurde unter dem Bosporus ein Tunnel gebaut, der 2013 fertiggestellt wurde. Da der Umbau der Bahnstrecken auf europäischer und asiatischer Seite nicht rechtzeitig abgeschlossen wurde, fuhren die S-Bahnen nur eine kurze Strecke mit dem Tunnel als Kernstück. Seit 2019 sind die Zubringerstrecken fertig und die Marmaray-Züge fahren die komplette Strecke von Halkalı nach Gebze.
Inzwischen fahren die Hochgeschwindigkeitszüge nach Ankara und Konya größtenteils vom Bahnhof Söğütlüçeşme ab, der somit faktisch zum wichtigsten Fernbahnhof in der Istanbuler Innenstadt geworden ist. Wenige Züge fahren auch durch den Marmaray-Tunnel und beginnen bereits in Halkalı. Zusätzlich zu den bereits genannten Bahnhöfen halten die Fernzüge auch in Bostancı und Pendik auf der asiatischen sowie in Bakırköy auf der europäischen Seite. Es gab Pläne, ab Ende 2018 wieder Fernzüge nach Anatolien ab Haydarpaşa verkehren zu lassen. Diese Pläne wurden aber bislang (Stand 2023) nicht umgesetzt und die Zukunft des Bahnhofs ist unklar.
Für den Güterverkehr verkehren bis zur vollständigen Fertigstellung Eisenbahnfähren.
Seeverkehr mini|Ein Schiff passiert die Meerenge Der Ambarlı Limanı ist der Hafen Istanbuls im Stadtteil Avcılar. Er ist der größte Hafen des Landes, nach der umgeschlagenen Tonnage von Schüttgut nahm er 2006 den ersten Platz ein. Im Hafen werden etwa 38 Prozent des türkischen Im- und Exports sowie 63 Prozent der Marmararegion abgewickelt. Er wird von der ALTAŞ Ambarlı Liman Tesisleri Tic. A.Ş. betrieben, die am 9. September 1992 gegründet wurde. Der Haydarpaşa Limanı in Kadıköy ist ebenso ein wichtiger Hafen, der mit einer Fläche von 55.000 Quadratmetern der Haupthafen im asiatischen Teil Istanbuls ist. Vom Hafen gibt es eine Zugverbindung zum nächstgelegenen Kopfbahnhof Haydarpaşa.
Der alte Hafen am Goldenen Horn dient vornehmlich der Personenschifffahrt. Linienverkehr besteht nach Haifa in Israel und Odessa in der Ukraine. Von Bostancı aus gibt es Fähren nach Bursa und Yalova.
Luftverkehr mini|Abflugbereich im Flughafen istanbul Istanbul verfügt über zwei internationale Flughäfen: der größere der beiden ist der Flughafen Istanbul. Er löste im April 2019 den Flughafen Istanbul-Atatürk am Rande des europäischen Teils der Stadt im Stadtteil Bakırköy, 24 Kilometer westlich der Stadtmitte, als größten Flughafen der Türkei ab. Der kleinere ist der Sabiha-Gökçen-Flughafen, 45 Kilometer östlich des Stadtzentrums im Stadtbezirk Pendik gelegen.
Innerstädtischer Verkehr mini|400px|Schienengebundenes ÖPNV-Netz mit der Metrobüs-Strecke (Gelb) mini|Metrobüs im Linksverkehr auf dem Mittelstreifen der Autobahn Der innerstädtische Verkehr wird durch den osmanischen Aufbau der Stadt und ihrer in sich geschlossenen Quartiere erschwert. Die Gebäude eines osmanischen Stadtteils (Mahalle) gruppierten sich fast konzentrisch meist um eine Freitagsmoschee. Wenige öffentliche Zufahrten (Tarîk-i âmm) und enge „Privat“-Straßen (Tarîk-i hâss), oft Sackgassen, bestimmten das labyrinthische Bild. Diese Quartiere waren nur lose miteinander verbunden.
Auch für den innerstädtischen Verkehr entsteht durch den Bosporus eine besondere Situation. Er wird von 1,2 bis 1,3 Millionen Menschen täglich überquert, 200.000 davon nutzen Fährschiffe, alle anderen eine der Straßenbrücken.Schmelztiegel Bosporus. (Dokumentarfilm, 2009)
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden mit internationaler Beratung im alten Istanbul breite Straßen und weite Plätze geschaffen. Eine Hauptachse bildete dabei eine auch heute noch wichtige Durchgangsstraße von Sultan Ahmet bis jenseits der Landmauer, die sich bewusst am konstantinischen Straßensystem orientierte. Ähnliche Verhältnisse herrschten in den asiatischen Stadtteilen. Offenere Straßenzüge bestimmten dagegen von jeher das genuesisch geprägte Pera oder Galata im heutigen Beyoğlu.
Inzwischen wurden im gesamten Stadtgebiet großzügige Binnen- und Durchgangsstraßen sowie Verbindungsstraßen zu den Stadtteilen an der Peripherie geschaffen, wobei alte Bausubstanz weichen musste.
Straßenbahn und U-Bahn werden nach und nach ausgebaut. Diese Verkehrsmittel werden im Auftrag der Stadtverwaltung von den öffentlichen Nahverkehrsgesellschaften Istanbul Ulasim und İETT betrieben, die ein einheitliches Tarifsystem benutzen, in das auch die Banliyö Trenleri („Vorortzüge“) der türkischen Staatsbahn (TCDD) einbezogen sind. Allerdings hat Istanbul (noch) kein geschlossenes und übersichtliches Nahverkehrsnetz. Die Linien ergänzen bisher einander nur selten. Sie sind meist darauf ausgelegt, Arbeitnehmer von den Vororten ins Zentrum zu bringen. Verbindungen zwischen verschiedenen zentrumsnahen Stadtteilen fehlen noch. Für ein geschlossenes Nahverkehrssystem müsste die U-Bahn-Strecke auf 505 km ausgebaut werden.
Straßenverkehr Busse, Sammeltaxis (Dolmuş), Taxis und private Pkw spielen eine wichtige Rolle. Die gelben Taxis stellen einen großen Anteil am Gesamtverkehr. Da nur wenige Schienenstrecken existieren, tragen die Stadtbusse die Hauptlast des öffentlichen Nahverkehrs. An wichtigen Knotenpunkten, etwa in Taksim, Eminönü oder Beyazıt, bestehen regelrechte Busbahnhöfe. Taksim ist außerdem der wichtigste innerstädtische Endpunkt für Dolmuş-Linien.
Seit dem 17. September 2007 wird auch das Bus-Rapid-Transit-System Metrobüs auf einer Strecke in Istanbul eingesetzt. Zurzeit gibt es vier verschränkte Linien auf der um die gesamte Stadt – meist auf dem Mittelstreifen der Autobahn – verlaufende Strecke: 34 Avcılar–Zincirlikuyu, 34A Edirnekapı–Söğütlüçeşme (transkontinental über die Brücke fahrend), 34T Avcılar–Topkapı und 34B Beylikdüzü-Avcılar. Die 34 ist keine zufällige Linienbezeichnung, sondern eine „besondere“ Zahl für Istanbul, da sie die Kreiszahl der Stadt ist (die man bei Autokennzeichen und auch Postleitzahlen nutzt).
Den Warentransport übernehmen Lastkraftwagen aller Größen. Ab und zu sieht man noch einen Lastenträger (Hamal), besonders auf den Treppen der Einkaufsstraßen zwischen Großem Basar und Galatabrücke.
Schienenverkehr Übersicht über Linien des öffentlichen Schienenpersonennahverkehrs in Istanbul Metro: M1A | M1B | M2 | M3 | M4 | M5 (in Bau) | M6 (in Bau) | M7 (in Planung) Tram: T1 | T3 | T4 (Hafif Metro) | T5 (Nostaljik Tramvay) S-Bahn: Marmaray | B1 | B2 Standseilbahnen: F1 | Tünelbahnmini|300px|Das Schienennetz İstanbuls mit Erweiterungsplanungen.mini|Im Tunnel der Standseilbahn „Tünel“ mini|Füniküler Kabataş–Taksim mini|Normalspurige Niederflur-Straßenbahn Çağdaş Tramvay in der Stadt mini|U-Bahn-Zug der Metrolinie M4 in der Station Bostancı 1997 betrug der Anteil des Schienenverkehrs in Istanbul 3,6 %. Durch das Marmaray-Projekt und weitere Ausbaumaßnahmen sollte dieser Wert auf 28 % angehoben werden. (englisch) mini|S-Bahnzüge in Istanbuls Sirkeci-Bahnhof Die S-Bahn-Linien (Banliyö Trenleri) ziehen sich auf beiden Seiten des Bosporus am Marmarameer entlang und verbinden so die dort gelegenen Küstenorte mit den Istanbuler Innenstadtbahnhöfen Sirkeci auf der europäischen (Streckenlänge 30 km) und Üsküdar auf der asiatischen Seite (Streckenlänge 44 km). Sie sind durch den Marmaray-Tunnel miteinander verbunden.