Die Wandse (im Unterlauf auch als Eilbek bezeichnet) ist ein Nebenfluss der Alster in Norddeutschland. Sie entspringt nordöstlich von Hamburg in Schleswig-Holstein und mündet am Ende ihres mittlerweile stark kanalisierten Unterlaufes beim Schwanenwik in die Außenalster. Historisch war sie vor allem als Antrieb zahlreicher Wassermühlen bedeutsam, im 19. Jahrhundert wurde ihr Unterlauf als Schifffahrtsweg ausgebaut. Heute dient die Wandse teilweise als Freizeitgewässer, begleitet von einem Grünzug.

Namensherkunft Der heutige Name „Wandse“ ist eine Neuschöpfung des 19. Jahrhunderts und von dem Ortsnamen Wandsbek abgeleitet, dessen älteste überlieferte Form „Wantesbeke“ lautet. Die Silbe -bek deutet ihrerseits auf die Lage des Ortes an einem Fließgewässer hin, der Ursprung des Bestimmungsworts ist jedoch unsicher: Eine verbreitete Annahme führt ihn auf das altsächsische Wort wanda für „Grenze“ zurück, zumal das Gewässer lange Zeit als Grenzbach etwa zwischen Wandsbek und Hinschenfelde diente. Eine andere Theorie geht davon aus, dass das Bestimmungswort auf einem Personennamen Wand oder Wanto beruht.Horst Beckershaus: Die Namen der Hamburger Stadtteile. Woher sie kommen und was sie bedeuten, Ernst Kabel Verlag Hamburg 1998, ISBN 3-8225-0471-8, S. 129.Wolfgang Laur: Die Orts- und Gewässernamen der Freien und Hansestadt Hamburg. Wachholtz Verlag, Neumünster 2012, ISBN 978-3-529-02816-8, S. 242 f.

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Fluss nur „Bek“ oder auch „Mühlenbek“ genannt, da er zeitweise bis zu acht Wassermühlen antrieb, davon sechs auf Wandsbeker Gebiet.Wandsbeker Historische Tafel Nr. 10 „Wandse“ am Standort Litzowstraßenbrücke. Erst seit ungefähr 1820 führt der Fluss den heutigen Namen. An seinem althamburgischen Unterlauf wurde er jedoch seit altersher Eilbek genannt, nach den hier früher zahlreich gefangenen „Ihlen“ (Blutegel).

Verlauf Die Wandse entspringt westlich der Ortschaft Siek im Kreis Stormarn in Schleswig-HolsteinJürgen Wittern: Die Wandse – ihre Quelle und das Einzugsgebiet ihres Oberlaufs. In: Arbeitskreis Geschichte des Rahlstedter Kulturvereins e. V. und Rahlstedter Wochenblatt (Hrsg.): Rahlstedter Jahrbuch für Geschichte und Kultur 2000. (PDF; 18,7 MB). S. 30–36. Abgerufen am 17. Oktober 2022. und mündet nach rund 25 km im Zentrum Hamburgs in die Alster. Dabei nimmt sie im Höltigbaum die Braaker Au, im Stellmoorer Tunneltal den Stellmoorer Quellfluss, in Rahlstedt die Stellau, in Farmsen die Berner Au und in Tonndorf die Rahlau auf. Ab dem Mühlenteich in Wandsbek wird sie Eilbek genannt und fließt über den Eilbekkanal, den Kuhmühlenteich und den Mundsburger Kanal in Hohenfelde in die Außenalster.

Die Wandse durchfließt oder berührt die Gebiete der Gemeinden Siek, Braak, Stapelfeld und Hamburg. Flussabschnitte Wandse Im Bereich von Hinschenfelde, zwischen der Ölmühle und der ehemaligen Holzmühle durchfließt die Wandse den Botanischen Sondergarten Wandsbek sowie den Eichtalpark.

Mühlenteich mini|links|Mühlenteich in Wandsbek von Osten aus gesehen

An der Westgrenze des Stadtteils Wandsbek mündet die Wandse in den historischen Mühlenteich, der im 16. Jahrhundert vom damaligen Wandsbeker Schlossherrn Heinrich Rantzau aufgestaut wurde. Die zugehörige Mühle brannte im Jahr 1906 ab. Das Gelände um den Teich wurde seit 2011 als Mühlenteichpark neu gestaltet.

Eilbek mini|Wehr des Mühlenteichs unter der Mühlenstraße Westlich des Wehrs des Mühlenteichs in Wandsbek trug der Fluss historisch den Namen Eilbek. Hier verlief die ehemalige Grenze zwischen Hamburg und Wandsbek. Der Name Eilbek leitet sich ab aus Ylenbeke, dem Bach der Ihlen, der Blutegel. Seit dem 13. Jahrhundert wurde Orts- und Gewässername dann mit -ei geschrieben.Wolfgang Laur: Die Orts- und Gewässernamen der Freien und Hansestadt Hamburg. Wachholtz Verlag, Neumünster 2012, ISBN 978-3-529-02816-8. Für medizinische Zwecke wurden hier bis Ende des 19. Jahrhunderts Blutegel gefangen.Günther Severin: Jahre einer Gemeinde. Eilbek 1872–1943. Friedenskirche Eilbek, Hamburg 1985 – zitiert im Faltblatt des Einkaufs-Meile-Eilbek e. V., etwa 2008.Horst Beckershaus: Die Namen der Hamburger Stadtteile. Woher sie kommen und was sie bedeuten. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2002, ISBN 3-434-52545-9, S. 35. Der Fluss durchquert den Friedrichsberger Park, der sich zwischen dem S-Bahnhof Friedrichsberg und der Friedrichsberger Brücke erstreckt.Spaziergang Eilbekkanal. Am Wasser entlang zur Langen Reihe. In: hamburg.de. Abgerufen am 3. Februar 2018.

Eilbekkanal mini|links|Ehemaliges Wendebecken/Löschplatz Lortzingstraße mini|Hausboote auf dem Eilbekkanal östlich der Richardstraßenbrücke mini|Hamburg, Uferstraße, Höhe Hochschule für Bildende Künste: Veloroute 6

Ab der Maxstraße wurde die Wandse zwischen 1854 und 1900 kanalisiert und heißt deshalb Eilbekkanal.Informationstafel „Der Eilbek“ des Heimatmuseums und der Geschichtswerkstatt Barmbek von 2001 am Standort Eilbekkanal/Richardstraße. Ab dem Wendebecken (Löschplatz Lortzingstraße) östlich der Von-Essen-Straße im Stadtteil Barmbek gab es knapp 50 Jahre lang, von 1890 bis 1939, einen Linienverkehr mit Alsterdampfern. Eine weitere Anlegestelle der Schiffe bestand an der Richardstraße.Jürgen Blunck: Geschichte der Alsterschiffahrt. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 1985, ISBN 3-88042-256-7; Christian Müller: Alsterschiffahrt. Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 2002, ISBN 3-7822-0845-5.

Rapfen, Zander, Hechte und Flussbarsche bilden die häufigsten Raubfischarten im Eilbekkanal, während sich unter den Friedfischen Karpfen, Schleien, Rotaugen und die in sehr großer Zahl vorkommenden Brassen und Alande finden.Udo Schroeter: Der Angelführer. Hamburg – Freie Gewässer. Die besten 150 Angelplätze der Stadt. Die Rapsbande, Fehmarn 2005, ISBN 978-3-937868-11-0, S. 35.

Am Nordufer des Eilbekkanals wurden ab 2009 im Rahmen des Pilotprojekts „Wohnen auf dem Wasser“ zehn Liegeplätze für Hausboote eingerichtet. Fünf Liegeplätze befinden sich im Abschnitt zwischen Wagner- und Richardstraße (Barmbek-Süd) und fünf weitere im Abschnitt zwischen Finkenau und Lerchenfeld (Uhlenhorst). Die Hausboote sind an Dalben fest gemacht und haben am Ufer Anschluss an die Kanalisation, Stromversorgung und Müllabfuhr.Schwimmende Häuser auf dem Eilbekkanal. In: Hohenfelder und Uhlenhorster Rundschau. Nr. 3/2009, S. 8–9. (PDF; 1,95 MB). Abgerufen am 20. Oktober 2022. Die Hausboote sind in der Grundfläche genormt und haben 6 Meter Breite, um den Schiffsverkehr nicht zu behindern, mal 10 Meter Länge. Damit sie noch unter den Brücken hindurch passen, haben sie eine maximale Höhe von 3,25 Meter über dem Wasserspiegel. Das obere Geschoss darf an Fläche nur die Hälfte des Untergeschosses einnehmen, um den Fußgängern den Blick auf den Eilbekkanal zu ermöglichen.Schiff ahoi. In: Hohenfelder und Uhlenhorster Rundschau. Nr. 4/2011, S. 10–11. (PDF; 1,66 MB). Abgerufen am 20. Oktober 2022. Die Wohnfläche beträgt 130 bis 160 Quadratmeter. Für den Liegeplatz wird Pacht gezahlt. Die Boote werden als Büros oder als Wohnungen genutzt.Hamburg Deine Kanäle. In: Meilensteine. 24. September 2010, S. 30–31.

Parallel zum Eilbekkanal verläuft seit 2012 die Fahrradstraße in Uferstraße und Lortzingstraße als Teil der Veloroute 6 (Hamburg), die aus der City über Dulsberg nach Farmsen führt.

Am Nordufer in Höhe Lerchenfeld erhebt sich die von Fritz Schumacher konzipierte Hochschule für bildende Künste Hamburg mit einem bemerkenswerten Jugendstilfenster im Foyer.

Kuhmühlenteich 300px|mini|links|St. Gertrud, Blick über den Kuhmühlenteich zur Kirche mini|Maiboomsche Liebesbuche in der Nähe des südlichen Ufers des Kuhmühlenteichs mini|Die Kuhmühlenbrücke ist eine Straßenbrücke, eingetragen in der Denkmalliste für Uhlenhorst

Bevor der Kanal in die Alster mündet, durchfließt er den Kuhmühlenteich. An seinem Nordufer in Hamburg-Uhlenhorst liegt markant und malerisch die Kirche St. Gertrud. Zwischen ihrem Kirchturm und dem Kuhmühlenteich befindet sich der geographische Mittelpunkt von Hamburg.Anne Klesse: Uhlenhorst – Dorf der Kreativen. In: Hamburger Abendblatt. 20. Mai 2006. Abgerufen am 20. Oktober 2022. An seinem südlichen Ufer in Hamburg-Hohenfelde befindet sich auf dem Grundstück Eilenau/Lessingstraße die Maiboomsche Liebesbuche aus dem 19. Jahrhundert. Liebeswünsche und -hoffnungen werden dort auf Zetteln an einem Brett geäußert.

Der zwischen 150 und 200 cm tiefe Kuhmühlenteich, der hauptsächlich aus schlammigem Grund besteht, bietet vor allem für Karpfen, Rotaugen und Brassen gute Lebensbedingungen.Udo Schroeter: Der Angelführer. Hamburg – Freie Gewässer. Die besten 150 Angelplätze der Stadt. Die Rapsbande, Fehmarn 2005, ISBN 978-3-937868-11-0, S. 36. Im Bereich der St. Gertrudskirche soll es längere Zeit einmal einen großen Standhecht gegeben haben.PLZ22 Kuhmühlenteich bei Hamburg. Abgerufen am 20. Oktober 2022.

In den Kuhmühlenteich mündete bis 1854 die Schürbek. Sie versiegte bei Aufschüttung der Uhlenhorst. Ein Straßenname erinnert noch daran.

Über sein westliches Ende führt die Kuhmühlenteichbrücke der Ringlinie der Hamburger Hochbahn und versetzt dazu die Kuhmühlenbrücke der Straße Kuhmühle.

Mundsburger Kanal mini|Alsterdampfer im Mundsburger Kanal mini|Blick von der Außenalster auf die Mündung des Mundsburger Kanals in die Außenalster

Nach dem Kuhmühlenteich ändert das Gewässer seinen Namen in Mundsburger Kanal. Am Ausfluss des Kuhmühlenteichs befand sich die Kuhmühle, die nach den umliegenden Kuhweiden benannt wurde. Nach der ersten Müllerin um 1480 Armgart wurde die parallel zum Kanal verlaufende Armgartstraße benannt. Die Mühle überstand die Abrissorder der Hamburger Franzosenzeit, als 1813 sämtliche Gebäude vor der Stadt abgerissen wurden, um freies Schussfeld zu erhalten. Die Mühle wurde 1874 abgebrochen.Günter Drewes: Die Kuhmühle. In: Kirchengemeinderat St. Gertrud Hamburg (Hrsg.): Gemeindebrief für das Gertrudenviertel. März, April, Mai 2016. S. 21. Der Mundsburger Kanal trennt die Stadtteile Uhlenhorst und Hohenfelde. Bei der Mundsburger Brücke befindet sich direkt am Kanalufer ein Freiluftcafé.

Mündung in die Außenalster mini|Skulptur nahe der Mündung des Mundsburger Kanals in die Außenalster. Von Edwin Scharff: Drei Ruderer. Der Mundsburger Kanal wird noch kurz vor seiner Mündung in die Außenalster durch die Schwanenwikbrücke überquert. Die Uferstreifen bei der Einmündung sind parkähnlich angelegt und für Fußgänger zugänglich. Die Skulptur von Edwin Scharff von 1953: Drei Männer im Boot (drei Ruderer) befindet sich in der Nähe der Einmündung, gehört aber bereits zum Ufer der Außenalster.

Gestaltung Wassernutzung Im Bereich der Wandse gab es mehrere Wassermühlen: Rahlstedter MühleDietmar Möller: Wassermühlen in Rahlstedt. In: Arbeitskreis Geschichte des Rahlstedter Kulturvereins e. V. und Rahlstedter Wochenblatt (Hrsg.): Rahlstedter Jahrbuch für Geschichte und Kultur 2000. (PDF; 18,7 MB). S. 40–46. Abgerufen am 17. Oktober 2022. (am heutigen Liliencron-Teich an der Rahlstedter Bahnhofstraße), Loher Mühle (am Wandseredder), Pulverhofmühle (am Pulverhofteich), Ölmühle (am heutigen Ölmühlenweg 33), Eichtalmühle (am Eichtalteich im Eichtalpark), Holzmühle (am Holzmühlenteich), Rantzau-Mühle (am Mühlenteich) und Kuhmühle am Kuhmühlenteich.

Renaturierung Die Wandse ist Gegenstand des Projektes „Forelle 2010“. In dem Projekt, das mit Fördergeldern der HEW-Umweltstiftung gestartet wurde, wird unter anderem vom BUND Hamburg und dem Bezirksamt Wandsbek angestrebt, die Gewässerqualität der Wandse so weit zu verbessern, dass bis 2010 wieder Bachforellen hier leben..