Die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation () enthält Wirkstoffe und deren Zubereitungen, die als unentbehrliche Arzneimittel eingestuft werden. Mit diesen lassen sich nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die dringlichsten Bedürfnisse einer Bevölkerung zur medizinischen Versorgung befriedigen. Die Modellliste ist als Empfehlung für Regierungen einzelner Staaten gedacht, um eigene Versorgungsstandards zu entwickeln, die an nationale Richtlinien und regionale Gegebenheiten angepasst sind. Bis Ende 2003 hatten 156 Staaten offizielle Listen von unentbehrlichen Arzneimitteln entwickelt.
Erläuterungen
Die Auswahl der Stoffe nimmt das vor. Alle zwei Jahre wird die Liste revidiert, aktuell ist die 23. Version vom Juli 2023. Erstveröffentlichung war im Jahre 1977.
Die in der Hauptliste () enthaltenen Wirkstoffe werden gemäß der WHO für den Betrieb eines Basis-Gesundheitssystems benötigt. Sie sollen die effizientesten, sichersten und kosteneffektivsten Mittel für wichtige Erkrankungen darstellen.
Komplementäre Wirkstoffe () betreffen Krankheiten, die spezielle Diagnostik und spezielle therapeutische Möglichkeiten erfordern. Auch weniger kosteneffektive Mittel werden als komplementär geführt.
Die WHO markiert Wirkstoffe mit einem quadratischen Symbol (□), bei denen der Einsatz eines alternativen Wirkstoffes mit vergleichbaren therapeutischen Eigenschaften und gleicher Sicherheit in der Anwendung möglich ist. Dieser soll bei der Übernahme und Anpassung der Liste an nationale Gegebenheiten aufgrund dieser Überlegungen und anhand des Preises und der Verfügbarkeit festgelegt werden.Zu den Erläuterungen vgl. WHO Model List of Essential Medicines. 16th list, March 2009. Explanatory Notes.
Seit 2007 wird eine eigene Liste für Kinder () herausgegeben, 2017 in der sechsten Auflage. In der 16. Version der allgemeinen Liste sind dennoch Hinweise zum Gebrauch im Kindesalter ergänzt worden.
Tabelle der Arzneimittel 1 Anästhetika Name empfohlene ApplikationsformIndikationen gemäß Weltgesundheitsorganisation Jahr der Aufnahme 1.1 – Allgemeinanästhetika und Sauerstoff 1.1.1 Inhalationsanästhetika Halothan Inhalation Inhalationsanästhetikum zur Einleitung und Aufrechterhaltung einer Allgemeinanästhesie (Narkose) 1997 Isofluran Inhalation Inhalationsanästhetikum zur Einleitung und Aufrechterhaltung einer Allgemeinanästhesie (Narkose) 2011 Lachgas Inhalation Aufrechterhaltung einer Allgemeinanästhesie in Kombination mit anderen Anästhetika; Analgesie in der Geburtshilfe, bei Verletzungen und Schmerzen in der Palliativmedizin 1977 Sauerstoff Inhalation Aufrechterhaltung der Sauerstoffversorgung während einer Narkose, Anwendung bei Neugeborenen und Kindern, zur Reanimation und zur Behandlung von Störungen der Atmung 1979 1.1.2 Injektionsanästhetika Ketamin Injektion Einleitung und Aufrechterhaltung einer Allgemeinanästhesie, Schmerzmittel 1985 Propofol Injektion Einleitung einer Allgemeinanästhesie (ersetzt 2011 das seit 1977 gelistete Thiopental, dieses wird weiter als Alternative genannt) 2011 1.2 – Lokalanästhetika BupivacainMarkierung mit dem square-box-Symbol (□): Möglich ist auch der Einsatz eines alternativen Wirkstoffes mit vergleichbaren therapeutischen Eigenschaften und gleicher Sicherheit in der Anwendung. Dieser soll bei der Übernahme und Anpassung der Liste an nationale Gegebenheiten aufgrund dieser Überlegungen und anhand des Preises und der Verfügbarkeit festgelegt werden. Injektion Langwirksames Lokalanästhetikum für die Infiltrationsanästhesie, periphere und sympathische Nervenblockaden, Spinal- und Epiduralanästhesie 1977 Lidocain Injektion, topische Formulierung Lokalanästhesie, Zahnärztliche Eingriffe, Spinalanästhesie 1977 Lidocain + Adrenalin Injektion Lokalanästhesie, vor allem bei Zahneingriffen, nicht bei Eingriffen am Finger 1979 Ephedrin (komplementär) Injektion Therapie von Blutdruckabfällen bei der Spinalanästhesie zum Kaiserschnitt 1998 1.3 – Prämedikation und Sedierung Atropin Injektion Prämedikation zur Vorbeugung gegen Bradykardie 1988 Midazolam Injektion, Saft, Tablette Prämedikation vor chirurgischen Eingriffen, Sedierung mit Amnesie bei endoskopischen Untersuchungen und Eingriffen in Lokalanästhesie (ersetzt 2011 das seit 1985 gelistete Diazepam) 2011 Morphin Injektion Schmerzmittel 1988 1.4 – Medizinische Gase Sauerstoff Inhalation Management des Sauerstoffbedarfs, Vermeidung der Hypoxämie (Nicht mehr als 30 % Sauerstoff sollte für die Initiierung der Reanimation von Neugeborenen verwendet werden, die in oder vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren sind) 2017 (neue Indikation)
2 Analgetika Name empfohlene ApplikationsformIndikationen gemäß Weltgesundheitsorganisation Jahr der Aufnahme 2.1 Nichtopioid-Analgetika und nichtsteroidale Entzündungshemmer Acetylsalicylsäure Tablette, Zäpfchen Leichte Schmerzen, Fieber 1977 Ibuprofen Saft, Tablette Leichte Schmerzen, Fieber 1977 Paracetamol Saft, Tablette, Zäpfchen Leichte Schmerzen, Fieber 1977 2.2 Opioid-Analgetika Codein Tablette Niedrigpotentes Analgetikum für leichte bis mittlere Schmerzen 1985 Fentanyl Transdermales Pflaster Schmerzen bei Krebserkrankungen 2017 Morphin Granulat, Injektion, Saft, Tablette, Retardtablette Hochpotentes Analgetikum zum postoperativen Einsatz und bei schweren Schmerzen Therapeutische Alternativen: Hydromorphon und Oxycodon 1977 Methadon (komplementär) Tablette, Lösung zum Einnehmen Schmerzen bei Krebserkrankungen 2017 (neue Indikation) 2.3 In der Palliativmedizin eingesetzte Medikamente Amitriptylin Tablette 2011 Cyclizin Injektion, Tablette 2011 Dexamethason Injektion, Saft, Tablette 2011 Diazepam Injektion, Saft, Tablette, Rektalgel 2011 Docusat-Natrium Kapsel, Saft 2011 Fluoxetin Feste orale Form 2011 Haloperidol Injektion, feste oder flüssige orale Form 2013 Butylscopolaminbromid Injektion 2013 Scopolaminhydrobromid Transdermales Pflaster, Injektion 2011 Laktulose Saft 2011 Loperamid Feste orale Form 2013 Metoclopramid Injektion, feste oder flüssige orale Form 2013 Midazolam Injektion, feste oder flüssige orale Form 2011 Ondansetron Injektion, feste oder flüssige orale Form Therapeutische Alternativen: Dolasetron, Granisetron, Palonosetron oder Tropisetron 2011 Senna Saft 2011
3 Therapie von Allergie und Anaphylaxie Name empfohlene ApplikationsformIndikationen gemäß Weltgesundheitsorganisation Jahr der Aufnahme Dexamethason Injektion Kortikosteroid zur Behandlung der Allergie und Anaphylaxie 1985 Adrenalin Injektion schwere Anaphylaxie, schweres Angioödem 1988 Hydrocortison Pulver zur Injektion Kombination mit Adrenalin im anaphylaktischen Schock 1988 Loratadin Saft, Tablette Unterdrückung von Histaminwirkungen für spezielle Indikationen Therapeutische Alternativen: Cetirizin oder Fexofenadin 2013 Prednisolon Saft, Tablette Entzündungshemmung bei allergischen Erkrankungen Therapeutische Alternative: Prednison 1985
4 Antidota Name empfohlene ApplikationsformIndikationen gemäß Weltgesundheitsorganisation Jahr der Aufnahme 4.1 Unspezifische Gegengifte Aktivkohle Pulver Antidot für perorale akute Vergiftungen 1977 4.2 Spezifische Gegengifte Acetylcystein Injektion, Saft Antidot bei Paracetamol-Vergiftung 2000 Atropin Injektion Antidot bei Organophosphat-Vergiftungen 1997 Calciumgluconat Injektion Behandlung der Magnesium-Toxizität 1998 Methylenblau Injektion akute Methämoglobinämie 1985 Naloxon Injektion Opioid-Antidot 1983 Penicillamin Kapsel oder Tablette Bleivergiftung 1985 Eisen(III)-hexacyanoferrat Pulver für die orale Gabe Thallium-Vergiftung 1990 Natriumnitrit Injektion Antidot bei Cyanid-Vergiftung 1979 Natriumthiosulfat Injektion Antidot bei Cyanid-Vergiftung 1977 Deferoxamin (komplementär) Pulver zu Injektion Behandlung der akuten Eisenvergiftung sowie chronischer Eisen- und Aluminium-Überladung 1979 Dimercaprol (komplementär) Injektion Behandlung von Schwermetallvergiftungen, außer Eisen, Cadmium oder Selen 1977 Fomepizol (komplementär) Injektion Behandlung von Vergiftungen mit Ethylenglycol oder Methanol 2013 EDTA (komplementär) Injektion Schwermetallvergiftungen, Bleivergiftung 1979 Succimer (komplementär) Tablette oder Kapsel Schwermetallvergiftungen 2011
5 Antiepileptika Name empfohlene ApplikationsformIndikationen gemäß Weltgesundheitsorganisation Jahr der Aufnahme Carbamazepin Saft, Kautablette oder teilbare Tablette Generalisierte tonisch-klonische sowie fokale Krampfanfälle, Trigeminusneuralgie 1988 Diazepam rektales Gel oder Zäpfchen Status epilepticus 1977LamotriginTablette, Kau- oder DisperstabletteAls Ergänzungstherapie bei therapieresistenten partiellen oder generalisierten Anfällen.2017 Lorazepam Injektionslösung Therapeutische Alternativen: Diazepam (Injektionslösung) – Midazolam (Injektionslösung) 2009 Magnesiumsulfat Injektion Eklampsie, schwere Präeklampsie, nicht bei anderen epileptischen Erkrankungen 2003 Midazolam Injektion 2015 Phenobarbital Injektion, Saft, Tablette Alle Formen der Epilepsie, außer Absencen 1977 Phenytoin Injektion, feste oder flüssige orale Form, Kautablette Alle Formen der Epilepsie, außer Absencen 1977 Valproat Saft, Tablette Kontrolle der Epilepsie 1979 Ethosuximid (komplementär) Kapsel, Saft Absencen 1977 Valproinsäure (komplementär) Injektion 2015
6 Wirkstoffe gegen Infektionskrankheiten