Die FDP Bayern ist der Landesverband der Freien Demokratischen Partei in Bayern.
Geschichte
1946 bis 1969 Am 30. Mai 1946 wurde die bayerische FDP in Nürnberg offiziell gegründet. Bereits am 15. Mai wurde Thomas Dehler Vorsitzender der bayerischen FDP. Die FDP erzielte bei der Landtagswahl in Bayern 1946 5,7 % der Stimmen und zog mit 9 Landtagsabgeordneten in den ersten bayerischen Landtag ein. Sie wurde Oppositionspartei. Bei den Landtagswahlen von 1946 bis einschließlich 1970 galt in Bayern eine 10-Prozent-Hürde auf Bezirksebene. Die FDP verdankte in dieser Zeit ihren Einzug in den Landtag ihrem Stimmenanteil im Regierungsbezirk Mittelfranken, wo sie regelmäßig etwa doppelt so stark abschnitt wie im Rest des Landes.Die Landtagswahl von A bis Z. 14. Landtagswahl in Bayern am 13. September 1998. Bayerisches Statistisches Landesamt und Bayerische Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit, 1998, S. 23. Bei der Landtagswahl in Bayern 1950 erzielte die FDP 7,1 % der Stimmen und stellte 12 Landtagsabgeordnete.
Bei der Landtagswahl in Bayern 1954 erreichte die Partei 7,2 % und erhielt 13 Mandate im Landtag. Anschließend bildete die FDP gemeinsam mit SPD, BP und GB/BHE eine Viererkoalition unter dem Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner. Im Kabinett Hoegner II stellte die FDP mit dem Wirtschafts- und Verkehrsminister Otto Bezold ein Regierungsmitglied. Ab dem 8. Juli 1956 löste Albrecht Haas den langjährigen Vorsitzenden Thomas Dehler ab. Am 8. Oktober 1957 platzte die Vierer-Koalition. Die FDP bildete mit GB/BHE und der CSU eine neue Regierung unter dem Ministerpräsidenten Hanns Seidel. Im Kabinett Seidel I stellte die FDP mit Otto Bezold den Innenminister.
Die Landtagswahl in Bayern 1958 brachte der FDP einen Verlust von 1,6 Prozentpunkten. Insgesamt erreichte die FDP mit einem Ergebnis von 5,6 % und 8 Abgeordneten den erneuten Einzug in den bayerischen Landtag – wiederum dank ihrer Stärke in Mittelfranken. Die Koalition mit der CSU und GB/BHE wurde fortgesetzt. Im Kabinett Seidel II stellte die FDP mit dem Justizminister Albrecht Haas einen Minister. Ab dem 26. Januar 1960 übernahm Hans Ehard das Amt des Ministerpräsidenten, die Koalition wurde mit gleicher Ministerbesetzung fortgeführt. Die Landtagswahl in Bayern 1962 endete für die FDP mit einem Ergebnis von 5,9 %, gegenüber der letzten Landtagswahl gewann sie 0,3-Prozentpunkte hinzu und stellte 9 Abgeordnete im Landtag. Sie wurde für die nächsten 46 Jahre Oppositionspartei.
Am 29. November 1964 löste Klaus Dehler Albrecht Haas als Vorsitzenden ab. Die Landtagswahl in Bayern 1966 endete für die FDP in einem Fiasko. Landesweit erhielt sie nur noch 5,1 % der Stimmen, entscheidend war aber, dass sie auch in ihrem stärksten Bezirk, Mittelfranken, unter 10 Prozent fiel und damit aufgrund des damaligen Wahlrechts erstmals aus dem bayerischen Landtag ausschied.Heino Kaack: Geschichte und Struktur des deutschen Parteiensystems. Westdeutscher Verlag, Opladen 1971, S. 314.Susanne Koch: Parteien in der Region. Eine Zusammenhangsanalyse von lokaler Mitgliederpräsenz, Wahlergebnis und Sozialstruktur. Leske + Budrich, Opladen 1994, S. 127. Es folgten bis 1970 vier Jahre außerparlamentarische Opposition. Am 5. März 1967 wurde Dietrich Bahner neuer Vorsitzender der bayerischen FDP.
1970 bis 1999 Bei der Landtagswahl in Bayern 1970 kehrte die bayerische FDP wieder in den Landtag zurück: sie verzeichnete einen leichten Stimmenzuwachs und kam auf ein Ergebnis von 5,5 Prozent. Noch wichtiger war, dass sie in ihrer Hochburg Mittelfranken auf 12,4 Prozent kam und damit – zum letzten Mal vor der Änderung des Wahlrechts – die 10-Prozent-Hürde auf Bezirksebene überwand. Sie stellte 10 Abgeordnete im Landtag und wurde parlamentarische Oppositionspartei. Im selben Jahr wurde mit der Thomas-Dehler-Stiftung eine parteinahe Stiftung für Bayern gegründet.
Am 6. März 1971 wurde Josef Ertl zum Vorsitzenden der bayerischen FDP. Bei der Landtagswahl in Bayern 1974 erzielte die FDP 0,3 Prozentpunkte Verluste und zog mit 5,2 % und 8 Abgeordneten in den Landtag ein. Sie blieb Oppositionspartei. In der darauffolgenden Landtagswahl konnte die FDP 1,0 Prozentpunkte hinzugewinnen und erzielte 6,2 %. Die FDP zog mit 10 Abgeordneten als Oppositionspartei in den bayerischen Landtag.
Bei der Landtagswahl in Bayern 1982 erzielte die FDP nur noch 3,5 %, was Verlusten in Höhe von 2,7 Prozentpunkten entspricht. Die FDP scheiterte damit an der Fünf-Prozent-Hürde und wurde außerparlamentarische Oppositionspartei. Am 1. Mai 1983 wurde Manfred Brunner neuer Vorsitzender der bayerischen FDP. Die Landtagswahl in Bayern 1986 brachte zwar 0,3 Prozentpunkte Zuwachs, doch mit einem Ergebnis von 3,8 % reichte es nicht für einen Einzug in den Landtag. Am 18. Februar 1989 übernahm Josef Grünbeck das Amt des Vorsitzenden. Erst die Landtagswahl in Bayern 1990 beendete die außerparlamentarische Oppositionszeit. Mit einem Plus von 1,4 Prozentpunkten und einem Ergebnis von 5,2 % zog die FDP in den bayerischen Landtag. Sie stellte 7 Abgeordnete und wurde parlamentarische Oppositionspartei. Neuer Vorsitzender wurde am 8. Juni 1991 Max Stadler.
Die Landtagswahl in Bayern 1994 endete mit 2,4 Prozentpunkten Verlust und einem Ergebnis von 2,8 %. Die FDP wurde außerparlamentarische Oppositionspartei. Mit der Landtagswahl in Bayern 1998 verlor die FDP 1,1 Prozentpunkte. Es wurden nur noch 1,7 % erzielt, und damit das schlechteste Ergebnis seit dem Zweiten Weltkrieg. Es folgten weitere 5 außerparlamentarische Oppositionsjahre. Am 28. November 1998 wurde Max Stadler von Hermann K. Stützer als Vorsitzender abgelöst.
Nach den Bundes- und Landtagswahlen 1998 stand die FDP Bayern vor einer schweren Krise. Sie war finanziell in erhebliche Schwierigkeiten gekommen, die auch dadurch begründet waren, dass ein Mitarbeiter Gelder veruntreut hatte. Schwere Flügelkämpfe, aus denen Hermann K. Stützer als Sieger hervorgegangen waren, erschütterten die Partei jedoch auch inhaltlich und paralysierten die politische Arbeit.
2000 bis heute mini|Die frühere Vorsitzende der bayerischen FDP: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bei einer Podiumsdiskussion im Bundesministerium der Justiz im August 2013.
Am 2. Dezember 2000 wurde Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zur Vorsitzenden der bayerischen FDP gewählt. Die Landtagswahl in Bayern 2003 brachte der FDP zwar Zugewinne von 0,9-Prozentpunkten, doch mit 2,6 % verpasste sie deutlich den Einzug in den bayerischen Landtag. Es folgten bis 2008 5 Jahre außerparlamentarische Oppositionszeit. Bei der Bundestagswahl 2005 gewann die FDP Bayern mit 9,5 % (+5 %) der Zweitstimmen fünf zusätzliche Mandate und stellte eine neun Abgeordnete starke Landesgruppe im 16. Deutschen Bundestag. Mit der Landtagswahl 2008 gelang es der FDP Bayern erstmals seit der Landtagswahl 1990, wieder mit 16 Landtagsabgeordneten und damit in Fraktionsstärke in den Bayerischen Landtag einzuziehen. Es wurden 8,0 % erzielt. Gemeinsam mit der CSU wurde eine Schwarz-Gelbe Koalition unter dem Ministerpräsidenten Seehofer gebildet. Im Kabinett Seehofer I stellte die FDP mit dem Stellvertretenden Ministerpräsidenten und Wirtschafts-, Infrastruktur-, Verkehrs- und Technologieminister Martin Zeil, sowie dem Wissenschafts-, Forschungs- und Kunstminister Wolfgang Heubisch zwei Minister. Bei der Bundestagswahl 2009 gewann die FDP Bayern mit 14,7 % (+5,2 %) der Zweitstimmen fünf zusätzliche Mandate und stellte in der 17. Wahlperiode eine vierzehn Abgeordnete starke Landesgruppe im 17. Deutschen Bundestag.
Mit der Landtagswahl am 15. September 2013 sackte die FDP jedoch auf 3,3 Prozent der Stimmen ab, so dass sie nach fünf Jahren Parlamentspräsenz erneut nicht im Landtag vertreten ist. Es begann eine erneute außerparlamentarische Oppositionszeit. Bei der anschließend folgenden Bundestagswahl am 22. September 2013 erzielte die FDP in Bayern zwar 5,1 Prozent der Stimmen, verfehlte jedoch mit bundesweit 4,8 Prozent der Stimmen erstmals in ihrer Geschichte den Wiedereinzug in den Bundestag. Entsprechend verloren auch die 14 bayerischen Bundestagsabgeordneten ihre Mandate. Am 23. November 2013 löste Albert Duin die langjährige Vorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger als Vorsitzender ab.
Am 11. November 2017 wurde Daniel Föst zum neuen Landesvorsitzenden gewählt. Bei der Bundestagswahl 2017 kehrten die Freien Demokraten wieder ins Parlament zurück, die FDP Bayern ist dort seitdem mit 11 Abgeordneten vertreten. Im Vorfeld der Landtagswahl 2018 setzte sich Martin Hagen in der ersten Urwahl der Parteigeschichte als Spitzenkandidat der bayerischen FDP durch. Bei der Landtagswahl am 14. Oktober 2018 gelang den Liberalen mit 5,1 Prozent der Einzug ins Maximilianeum.
Nachdem Föst 2021 zur Wiederwahl nicht mehr antrat, wurde der Alleinkandidat Martin Hagen zum neuen Landesvorsitzenden gewählt. Auf einem Parteitag im November 2022 wurde Hagen von den Delegierten zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2023 gewählt.
Bei der Landtagswahl 2023 konnte die Partei mit einem Ergebnis von 3,0 Prozent nicht mehr in den Landtag einziehen. Im November 2023 wurden auf einem Parteitag die beiden Vorsitzenden Martin Hagen und Katja Hessel gewählt. Damit war die FDP Bayern der erste FDP-Landesverband mit einer Doppelspitze.
Im Juni 2025 traten Hagen und Hessel nicht erneut für den Landesvorsitz an. Daraufhin wurde der Münchner Rechtsanwalt und Unternehmer Michael Ruoff zum Landesvorsitzenden gewählt. Dieser musste den Vorsitz jedoch nach etwa einem Jahr aus persönlichen Gründen aufgeben, woraufhin am 18. April 2026 der bisherige Stellvertretende Landesvorsitzende Matthias Fischbach zum Landesvorsitzenden gewählt wurde.
Regierungsbeteiligungen mini|rechts|Der frühere stellvertretende Ministerpräsident Bayerns und Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, Martin Zeil (2011). Die FDP war an folgenden Landesregierungen in Bayern beteiligt: Amtszeit Kabinett Liberale Minister1954–1957 Kabinett Hoegner II SPD, FDP, BP, GB/BHE Otto BezoldWirtschaft und Verkehr1957–1958 Kabinett Seidel I CSU, FDP, GB/BHE Otto BezoldInneres1958–1960 Kabinett Seidel II CSU, FDP, GB/BHE Albrecht HaasJustiz1960–1962 Kabinett Ehard IV CSU, FDP, GB/BHE Albrecht HaasJustiz2008–2013 Kabinett Seehofer I CSU, FDP Martin ZeilStellvertretender Ministerpräsident, Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und TechnologieWolfgang HeubischWissenschaft, Forschung und Kunst
Struktur Präsidium und Vorstand Im Zweijahresrhythmus wählt der Landesparteitag der FDP Bayern ein Präsidium sowie einen Vorstand, die für das operative Geschäft des Landesverbandes in der jeweiligen Legislaturperiode verantwortlich sind (zuletzt am 28. und 29. Juni 2025 in Amberg). 2023 wurde erstmals eine Doppelspitze als Landesvorsitzende gewählt.
Präsidium Name Funktion Foto Matthias Fischbach Vorsitzender 80x80px Daniel Kuhagen Generalsekretär 80px Susanne Seehofer Stellvertretende Vorsitzende 80px Karl Schenk Graf von Stauffenberg Stellvertretender Vorsitzender 80px Nils Gründer Stellvertretender Vorsitzender 80x80px Kristine Lütke Schatzmeisterin 80x80px Sabrina Steinbauer Schriftführerin 80px Tobias Weiskopf Beisitzer im Präsidium 80px Stefan Edenharder Beisitzer im Präsidium 80px Tobias Dutta Beisitzerin im Präsidium 80px