Zensur in der Sowjetunion war die Kontrolle sowjetischer Behörden sowie der Kommunistischen Partei über den Inhalt und die Verbreitung von Druckwerken, Musikstücken, dramaturgischen Werken, Werken darstellender Kunst, Fotografien, Radio- und Fernsehübertragungen. Sie erfolgte mit dem Ziel der Einschränkung oder dem Verbot von Gedanken und Nachrichten, die für die Macht der sowjetischen Organe gefährlich und deshalb unerwünscht waren.

Das sowjetische Zensursystem stellte spätestens ab dem Beginn der 1930er Jahre das bis dahin umfassendste Informationskontrollsystem in der Geschichte Russlands dar.Bljum: Vom Neolithikum zum Glawit, S. 128 Es überwachte alle offiziellen Kanäle zur Verbreitung von Informationen: Bücher, Zeitschriften, Radio, Fernsehen, Kino, Theater usw.Горяева: История советской политической цензуры. Документы и комментарии Die Zensur wurde durch die Abgabe der Werke an spezielle staatliche Institutionen ausgeübt, deren oberste Behörde die Hauptverwaltung der Angelegenheiten der Literatur und des Verlagswesens (Glawlit) war.Блюм: Рукописи не горят?..К 80-летию основания Главлита СССР и 10-летию его кончины, S. ?? Gleichfalls häufig kamen die Verbreitung von Falschinformationen und die Selbstzensur vor.

Die Zensur in der UdSSR hatte primär einen ideologischen Charakter. Historiker zeigten, dass die sowjetische Zensur Gewaltszenen nicht filterte, sofern diese mit den ideologischen Vorgaben konform waren. Dies betraf beispielsweise die Zurschaustellung der Vernichtung der Feinde der Sowjetmacht.Фёдоров: Права ребенка и проблема насилия на российском экране, S. ??Лапин: В погоне за рейтингами; S. ??

Schwerpunkte der sowjetischen Zensurtätigkeit waren: sogenannte „antisowjetische Propaganda“, inklusive aller Werke, die nicht mit der Richtung der ideologischen Vorgaben übereinstimmten, auch wenn das politische System in der UdSSR nicht direkt angegriffen wurde militärische und wirtschaftliche Geheimnisse einschließlich der Informationen über die Orte von Gefängnissen und Zwangsarbeitslagern negative Informationen über den Stand der Dinge in der Sowjetunion (beispielsweise Katastrophen, wirtschaftliche Probleme, Konflikte zwischen Nationalitäten, negative soziale Erscheinungen und dergleichen).

Informationen, wie unangenehme Allusionen (Anspielungen) auf die Realität, sollten gefiltert werden.

Die Mehrheit der Historiker hebt den totalitären Charakter der sowjetischen Zensur hervor und unterstellt den zensierenden Organen eine Kontrolle im Interesse der in der Sowjetunion alleinherrschenden kommunistischen Partei.Латынина: «Пережиток Средневековья» или элемент культуры?, S.??Жирков: История цензуры в России XIX—XX вв. Учебное пособиеБлюм: Советская цензура в эпоху тотального террора. 1929—1953 Russische Bürgerrechtler behaupten, dass die Praktik der Zensur die internationalen Beziehungen der UdSSR nachhaltig störte. Выпуск 45

Es existieren verschiedene Ansichten hinsichtlich der Zensur wissenschaftlich-technischer Informationen. Der ehemalige hochrangige Glawlit-Mitarbeiter Wladimir Solodin behauptet, dass die Zensur niemals technische und wissenschaftliche Literatur kontrollierte, doch eine Reihe von Wissenschaftlern führt aus, dass Verbote und Zensur im Bereich der Wissenschaften wie Kernphysik, Psychologie, Soziologie, Kybernetik, Biologie und Genetik üblich waren.Лютова: Спецхран библиотеки Академии НаукКолчинский Э. И.: Несостоявшийся «союз» философии и биологии (20-30-е гг.); Репрессированная наука: Сборник. — Наука, 1991. — С. 34-70.Бабков В. В.: Медицинская генетика в СССР; Вестник РАН. — Наука, 2001. — № 10. — С. 928-937. Abgesehen davon waren die Werke einzelner Autoren unabhängig von ihrer Form und ihrem Inhalt verboten.Мазурицкий А. М. Влияние Главлита на состояние библиотечных фондов в 30-е годы XX века. «Библиотеки и ассоциации в меняющемся мире: новые технологии и новые формы сотрудничества». Научно-техническая библиотека Киевского политехнического института имени Денисенко (июнь 2000). — Материалы 7 Международной конференции Крым-2000. Проверено 26 марта 2009.

Nach Auffassung des Spezialisten für Informationssicherheit N. W. Stoljarow gab es in der UdSSR unnötig viele Staatsgeheimnisse, und die verbotene Verbreitung von Institutsgeheimnissen in der Öffentlichkeit kam deshalb ebenso häufig vor. Die daraus resultierende ausufernde Geheimhaltung führte dann dazu, dass die wissenschaftlichen Institute nicht mehr in der Lage waren, seriöse, kritische Analysen zu liefern.Организация защиты государственной тайны в России (online)

Historische Vorläufer mini|Ein Beispiel für die Zensur im russischen Zarenreich ist diese Ausgabe des Buches Erinnerungen aus meinem Leben von N. I. Gretsch (1886). Die Zensoren ersetzten unliebsame Textpassagen durch Punkte.

Ein Verbot von Lektüre kam gleichzeitig mit den ersten Büchern zur Zeit der Christianisierung der Kiewer Rus auf. Die erste erhalten gebliebene „Liste schädlicher Bücher“ datiert in das Jahr 1073 zurück.Н. А. Кобяк: Списки отреченных книг (статья в Словаре книжников и книжности Древней Руси)

Die eigentliche Zensur entstand in Russland in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit dem Erscheinen des Buchdrucks. Zuerst auf religiöse Themen beschränkt, dehnte sich die Zensurtätigkeit später auch auf weltliche Themen aus.

Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts bestand im russischen Zarenreich faktisch ein Staatsmonopol für den Druck von Büchern.Autorenkollektiv: История книги. Работы отдела редких книг. Verlag «Книга», Moskau 1978; orel.rsl.ru (PDF) „Epoche des Zensurterrors“ oder „Finstere Sieben Jahre“ heißen die letzten Jahre der Regierungszeit von Zar Nikolaus I. (1848–1855). Der Autor Arlen Bljum schrieb, dass viele Gemeinsamkeiten zwischen den Methoden der Zensur in dieser Periode und denen der kommunistischen Zensur bestanden.

Ein besonders scharfer Kritiker der russischen Zensoren im 19. Jahrhundert war der Schriftsteller Michail Jewgrafowitsch Saltykow-Schtschedrin. Ungeachtet dieser Hindernisse erschienen in den Jahren von 1901 bis 1916 in Russland 14.000 Zeitschriften, davon allein 6000 in Sankt Petersburg und Moskau. Wie Professor Pawel Reifman schrieb, war die Zensur im vorrevolutionären Russland streng, in der Sowjetunion erreichte sie jedoch einen bis dahin unbekannten Einfluss und wurde allumfassend und allmächtig.Рейфман: Из истории русской, советской и постсоветской цензуры. Курс лекций по истории литературы

Einführung der Zensur Eine harte Zensur wurde von den Bolschewiki bald nach ihrer Machtergreifung am in Russland eingeführt. Druckereien wurden unter die Kontrolle der neuen Machthaber gestellt und der Druck von sogenannten „bürgerlichen Zeitungen“ wurde unterbunden. Lenin erläuterte dazu: „Wir haben bereits früher erklärtGemeint sind hier mehrere Artikel in der Zeitung Rabotschi Prut (Prawda nach ihrem Verbot 1913 unter anderem Namen), beispielsweise vom . Siehe Roth: Sow-Inform, S. 33., dass die bourgeoisen Zeitungen geschlossen werden, sobald wir die Macht in den Händen halten. Die Existenz solcher Zeitungen zu dulden, hieße damit aufzuhören, Sozialisten zu sein.“Ленин, Владимир Ильич: Сочинения. изд-е 4-е. Т. 26 стр. 253.

Bereits am beschloss der Rat der Volkskommissare (Sownarkom) das Dekret über die Presse, das die Schließung der Zeitungen vorsah, die zum Ungehorsam gegenüber der neuen Regierung aufforderten, „Unruhe durch die Veröffentlichung von Falschinformationen stifteten“ und die zu „Handlungen verbrecherischen Charakters aufriefen“.Декреты Советской власти; Политиздат Moskau, 1957

Zu Lenin in Opposition stehende Bolschewiken verglichen das Dekret bei seiner Bekanntmachung mit der zaristischen Zensurvorschrift von 1890 und wiesen auf die inhaltliche Ähnlichkeit beider Regelungen hin.Молчанов: Газетная пресса России в годы революции и Гражданской войны (окт. 1917–1920 гг.) Auf der Grundlage des Dekretes über die Presse wurden von Oktober 1917 bis zum Ende des Jahres 150Die sowjetische Pressegeschichte in Dokumenten; Karl-Marx-Universität Leipzig. Institut für Pressegeschichte., Fakultät für Journalistik. Abteilung Fernstudium, 1963 und bis zum Juni 1918 weitere 320 oppositionelle Zeitungen verboten und eingestellt.

Am nahm das Allrussische Zentrale Exekutivkomitee mit seiner Mehrheit die Resolution der bolschewistischen Fraktion zur Unterstützung der Pressepolitik des Sownarkom an. Am rief die Gewerkschaft der Drucktechniker, die von oppositionellen Menschewiki geleitet wurde, zu einem allgemeinen Proteststreik gegen die Schließung von Zeitungen auf. Dieser fand jedoch nicht stand, da die Mehrheit der russischen Drucktechniker den Aufruf nicht unterstützte.

Am 8. November 1917 beschloss der Sownarkom ein Dekret Über das Monopol zum Druck von Bekanntmachungen, das den Druck neuer Bekanntmachungen der kommunistischen Regierung ausschließlich durch staatseigene Zeitungen vorsah.Декрет Совета Народных Комиссаров. О государственной монополии на печатание объявлений. Распубликовано в № 6 Газеты Временного Рабочего и Крестьянского Правительства от 8 ноября 1917 года. Durch dieses Dekret verloren die privat betriebenen Zeitungen viele Leser und gerieten in finanzielle Probleme.

Am 28. Januar 1918 verabschiedete der Sownarkom das Dekret Über die revolutionären Pressetribunale, nach dem für „konterrevolutionäre Tätigkeiten“ Strafen vom Verbot der Zeitung bis hin zum Verlust der politischen Rechte und Freiheitsentzug verhängt wurden. Die Tribunale hatten die Möglichkeit, das Erscheinen von Zeitungsausgaben zu verhindern, wenn diese „Falschinformationen verbreiteten“. Die Pressetribunale existierten bis zum Mai 1918.

Am 4. März 1918 nahm der Sownarkom den Beschluss „Über die Kontrolle der Kinounternehmen“ an, der die bis dahin privaten Kinos den lokalen Sowjets unterstellte. Ab August 1919 wurden alle Foto- und Filmstudios verstaatlicht.Суров: Краткий обзор цензурной политики советского государства

In den Jahren 1918 bis 1919 konfiszierte man alle privaten Druckmaschinen und verstaatlichte die Papierindustrie, sodass ohne die Erlaubnis der Regierung und der Kommunistischen Partei keine Zeitung mehr erscheinen konnte. Die juristische Grundlage dieses Zustands wurde in der Verfassung der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR) von 1918 gelegt, in der gemäß dem Konzept des Klassenkampfes die Meinungsfreiheit nur den sozialen Klassen der Arbeiter und Bauern garantiert wurde, jedoch nicht den übrigen Klassen der russischen Gesellschaft.

Die in der RSFSR und später der Sowjetunion regierende Kommunistische Partei verkündete „die sozialpolitische und ideelle Einheit der Gesellschaft“.Lemma: Социально-политическое и идейное единство общества in Научный коммунизм. Словарь, Под редакцией академика А. М. Румянцева. — 4. — М.: Политиздат, 1983 Ideologischer Pluralismus wurde prinzipiell abgelehnt:

In der 3. Auflage der Großen Sowjetischen Enzyklopädie (1969–1978) war unter dem Lemma „Zensur“ zu lesen:

Nach Ansicht des Historikers Alexander Nekritsch bestand das Ziel der sowjetischen Zensur darin, „ein neues kollektives Gedächtnis des Volkes zu entwickeln; die Erinnerung an die wirklichen Ereignisse zu reinigen und all das aus dieser reinen Vergangenheit auszuschließen, was nicht mit ihr übereinstimmte oder direkt den historischen Ansprüchen der Kommunistischen Partei entgegentrat.“Некрич, Александр Моисеевич: Отрешись от страха. Нева: журнал. — М.: 1995. — № 6.

Militärische Zensur und Politkontrolle der OGPU