mini|hochkant=1|Der Bau im oberen Bild des Hillinius-Codicis (um 1025) wird als Abbildung des Hildebold-Baus interpretiert mini|hochkant=1|Anno II. mit Modellen von ihm gestifteter Klöster und Stifte Die Residenzen Kölner Bischöfe sind in der Nachfolge eines frühen karolingischen Königshofs in Köln, auch „Pfalz“ genannt, zu sehen.Keussen, Topographie der Stadt Köln im Mittelalter, Bd. I. S. 91 Die Bischofsresidenzen verlagerten sich im Verlauf kommunaler Entwicklung innerhalb der Bischofsstadt an unterschiedliche Örtlichkeiten. Die Doppelfunktion der bischöflichen Residenten, die als kurfürstliche Landes- und Stadtherren sowie auch als Bischof in der Stadt amtierten, führten zu politischen Verwerfungen, in deren Folge Residenzen in anderen Orten des Bistums errichtet und als Hauptsitz genutzt wurden. Nach der mit der französischen Besetzung der Rheinlande verbundenen Aufhebung des Erzbistums Köln kehrten die Bischöfe in preußischer Zeit an ihren ursprünglichen Sitz in der Stadt Köln zurück.

Geschichte Wahrscheinlich bestand eine Bischofsresidenz schon zur Zeit der Erhebung des Bistums Köln zum Erzbistum. Diese erfolgte unter Hildebold, der zwischen 784 und 787 den Kölner Bischofsstuhl bestieg. Ein genaues Datum zur Errichtung der Kölner Kirchenprovinz als Metropolitansitz mit 6 Suffraganbistümern fehlt. Im Testament Karls des Großen von 811, wurde Köln als Erzbistum bezeichnet.Toni Diederich: Von den Anfängen in der Römerzeit bis zum Ende des Hohen Mittelalters. 1. Heft der Reihe „Das Erzbistum Köln“ 5 Hefte. Echo Buchverlag 1994. S. 9 ff.

Kölner Bischofsresidenzen Die Lokalisierung einer frühen Kölner Pfalz des 11. Jahrhunderts ist bislang nicht gelungen. Dieser Bischofssitz soll im Zusammenhang mit einem Aufstand Kölner Bürger gegen ihren unbeliebten Landesherrn, Erzbischof Anno, 1074 erstürmt worden sein. Ein wohl besser abgesicherter Neubau entstand erst etwa 100 Jahre später.

Alter Palast Das Erzbistum, geleitet von einer mit umfassenden Privilegien der Könige und Kaiser ausgestatteten Persönlichkeit, wurde in der Folgezeit als Sitz des Erzstiftes und des Kurfürstentums Köln ein bestimmender Faktor in der Stadt und über diese hinaus.

Das ältere erzbischöfliche Palais lag an der Südseite des Domes auf dem Areal der alten, fränkischen Königspfalz. (Vita Annonis (Mon. Germ. SS.XI, p.503, 1075): aedes episcopales in curia regia, und später, vetus domus archiepiscopi ante capellam Johannis et lapidea cathedra ibidem sita)Keussen: Topographie der Stadt Köln im Mittelalter. Bd. II., Sp. 296 a

Hofkapelle mini|hochkant|St-Johann Evangelist Köln. Nach einem Stahlstich von J. J. Rospatt um 1820. Nach dieser Vorlage gezeichnet von Ernst Friedrich Zwirner um 1857 mini|hochkant|Cathedra, mittelalterlicher steinerner Thron Kölner Erzbischöfe Durch unmittelbaren Anbau war der Palast mit der als Nachfolgerin einer für das 10. Jahrhundert angeführten Walburgiskapelle verbunden. Diese wurde möglicherweise ersetzt, oder erfuhr eine Namensänderung. Die dann seit 1074 als Oratorium „s.Johannis“Lantbert von Deutz: Vita Heriberti bezeugte und später in den Pfarrstand erhobene Kirche St. Johann Evangelist wurde als die Hofkapelle des Bischofs bezeichnet. Sie fand noch mehrfach Erwähnung im 12. Jahrhundert und wurde im Jahr 1172 nochmals explizit als „capella S. Johannis in domo episcopali“ bezeichnet. Noch 1237/38 hatte sie den Status „capella“, bis sie dann wenig später (ab 1244) in einem bischöflichen Schreiben mit der Bezeichnung plebanus s. Johannis in Curia erwähnt wurde.Hans Vogts, Fritz Witte: Kunstdenkmäler der Stadt Köln, von Paul Clemen: Die profanen Denkmäler, Band II, IV, S. 49, Verweis auf Stadtarchiv, Urk. 25 a Bei dieser Hofkapelle soll es sich um eine Doppelkapelle gehandelt haben, zu deren Obergeschoss eine Verbindung vom anliegenden Palast bestand. Eine Bodenöffnung ermöglichte den Blick zum unteren Johannesaltar, während das Obergeschoss selbst über einen Kapellenraum verfügte, der mit einem dem heiligen Dionysius geweihtem Altar ausgestattet war. Vor diesem stand der Bischofsstuhl, die steinerne Cathedra.

Das alte Haus am Domhof (super curiam), anstoßend (continguam) an die Johanniskapelle und alter Palast (antiquum palatium) genannt, schenkte Erzbischof Heinrich im Februar 1238 dem Domkapitel.Vgl. Erzbischof Heinrich v. Cöln schenkt dem Domcapitel zu einer Canonical-Wohnung das Haus auf dem Domhof, der alte Pallast genannt, bei der Johannis-Capelle …, Februar 1237. In: Theodor Joseph Lacomblet (Bearb.): Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, Bd. II. Wolf, Düsseldorf 1846, Nr. 226, S. 117f. Es sollte zur Abhilfe eines Mangels an Klaustralhäusern beitragen und hieß später Reifferscheider oder Linneper Hof.

Heinrich reservierte sich aber das Recht auf die Nutzung der Kapelle und des erzbischöflichen Sitzes vor dem Dionysiusaltar, damit ihm und seinen Nachfolgern bei feierlichen Gelegenheiten wie bisher der Zutritt zu ihr freistehe.Lac. Archiv II, ausführlicher in Richard Knipping: Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter. Bd. III Nr. 889

Anlässlich des Kirchenabbruchs wurde der erzbischöfliche Sitz, die Cathedra, verschenkt. Sie wurde um 1840 beim Bau einer Gartenmauer an der Mariengartenstraße als zerkleinertes Baumaterial zur Aufschüttung verwendet.

Rainald von Dassels Neubau mini|hochkant|Erzbischöflicher Palast Im Jahr 1163 ließ Erzbischof Rainald von Dassel unter großem Kostenaufwand ein neues Palais erbauen. Es befand sich nun ebenfalls auf dem südlichen Domhof, gegenüber dem alten Gebäude. Der Palast Reinalds war ein dreistöckiger, langgestreckter romanischer Saalbau mit einer Länge von etwa 80 Metern und endete mit einem gaubenbestückten Satteldach. Das Gebäude lag zwischen den beiden Immunitätstoren des Dombezirkes, der 1807 abgebrochenen „Drachenpforte“ im Osten und der 1404 durch einen Brand zerstörten, aber 1820 erneuerten und 1893 endgültig abgebrochenen „Hachtpforte“ im Westen. Die Hauptpforte im Sockelgeschoss des Palastes wies nach Norden, wurde aber auf späteren Abbildungen (Mercator, Woensam, Finkenbaum etc.) durch die seit 1315 auf dem Domhof errichteten „Gaddenen“ (Buden der Händler) zumeist verdeckt. Dort hatte das Bauwerk rundbogige Blendengliederungen, in die die Fenster eingearbeitet waren. Die über der östlichen Römermauer errichtete Giebelfront der Ostwand war mit einem äußeren, als Risalit vorspringenden Kamin versehen, zu dessen Seiten in beiden Obergeschossen zwei gepaarte Rundbogenfenster in Nischen lagen. Die Flanken des Baus waren dreiteilig gegliedert und mit einer Arkadenreihe im Mittelteil versehen worden, deren Bogenöffnungen von fächerartigen Öffnungen eingefasst waren. Der mit zinnengekrönten Kreuzfenstern versehene Teil der Gliederung des Bauwerks wurde einem anderen, späteren Bauabschnitt entstammend zugeordnet. Über den Fenstern schloss das Mauerwerk mit einem umlaufenden Bogenfries ab. Die Ostseite des Daches trug ein kleines Rundtürmchen, dessen oberer Teil als Warte gestaltet worden war und mit einem spitzen Zeltdach endete. An dieser Seite soll sich auch eine 1467 erwähnte „Turmkammer“ befunden haben.Hans Vogts, Fritz Witte: Kunstdenkmäler der Stadt Köln, von Paul Clemen: Die profanen Denkmäler, Band II, IV, S. 236 ff.

Bezeichnungen und Nutzung Den wesentlichsten Teil des Gebäudeinneren nahm ein Saal ein. Er soll sich in seiner Anlage über zwei Geschosshöhen erstreckt haben. Wegen dieser beeindruckenden Räumlichkeit wurde der Palast des „Hohen Herren“ im Volksmund zumeist nur „Saal“ genannt. Er diente Huldigungen, Festen und Empfängen, sowie Gerichtssitzungen.

Mit der verlorenen Schlacht von Worringen hatte sich das politische Machtgefüge erheblich verändert. Zwar blieb Köln formal Sitz des Erzbistums; der Landesfürst und zugleich geistliche Oberhirte des Bistums residierte jedoch nun vornehmlich an anderen Orten. Dennoch fanden nach wie vor am Kölner Sitz wichtige landesherrliche und kirchliche Ereignisse statt.

1383 wurde dem erzbischöflichen Siegelbewahrer Hermann von Goch der „Saal“ als Pfand überlassen. 1349 wurde das Gebäude wohl nach Erzbischof Wilhelm von Gennep benannt, es trug dem Namen „Genneperhof“. 1363, als Adolf, Bischof zu Münster, Wilhelms Nachfolge in Köln antrat, war es für lange Zeit der Hof des „Herrn von Münster“.

Im September 1404 erlitt der „Saal“ schwere Brandschäden. 1449 dürfte der Zeitpunkt gewesen sein, zu dem der spätere „Kölnische Hof“, dessen Hauptgebäude ebenfalls mit einem repräsentativen Saal ausgestattet worden war, nach und nach die Rolle des Palastes am Domhof übernahm. Diese Liegenschaft des Kölner Erzbischofs lag am westlichen Ende der „Drankgass“, der noch heute existenten Trankgasse. Spätestens seit dem 16. Jahrhundert wurde der „Saal“ Sitz des erzbischöflichen Offizialgerichtes.Hans Vogts, Fritz Witte: Kunstdenkmäler der Stadt Köln, von Paul Clemen: Die profanen Denkmäler, Band II, IV, S. 339 Als „Großsiegler“ wurde Thomas von Quentel im Jahr 1664 durch Erzbischof Maximilian Heinrich zum Offizial für das Erzbistum Köln erhoben.

Bis dahin nahmen bei ihren sporadischen Besuchen bedeutender Reichsstädte einige der Herrscher auch in Köln Quartier und hielten im „Saal“ Hof und Gericht. Es waren: Heinrich (1301) Ruprecht (1401) Sigismund (1414) Friedrich (1442) Maximilian (1494)Hans Vogts, Fritz Witte: Kunstdenkmäler der Stadt Köln, von Paul Clemen: Die profanen Denkmäler, Band II, IV, S. 336

Wegen Anbaus von „Gaddemen“ und Wohnungen (wahrscheinlich Wohnungen der Dienstmannen) an den Palast gab es mehrfach Streitigkeiten zwischen der Stadt und dem Erzbischof. Die Stadt erhielt sie 1414/15 als LehenKeussen, Topografie II Sp. 293a. Die 1172 erstmals erwähnte, offenbar gleichzeitig mit dem Palast gebaute Thomaskapelle „unter dem Saale“ stürzte 1449 ein und wurde nach 1451 in spätgotischen Formen wieder aufgebaut.Keussen, Topografie II Sp. 293b Bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts lag neben dieser Kapelle das erzbischöfliche Hochgericht.

Ende der Residenz am Domhof Der baufällig gewordene „Rainaldsche“ Palast am Domhof wurde im Jahr 1674 nach seinem teilweisen Einsturz bis auf die Kapelle abgebrochen. Reste der Südmauer des Palastes sollen noch im 19. Jahrhundert auf dem Hof des Grundstückes der Straße „Unter Gottes Gnaden“ vorhanden gewesen sein.Hans Vogts, Fritz Witt: Kunstdenkmäler der Stadt Köln, von Paul Clemen: Die profanen Denkmäler, Band II, IV, S. 236 ff.

Der Kölnische Hof Als neues Gebäude für Empfänge, Feste und Gerichtssitzungen diente dann den Kölner Erzbischöfen vorerst der an der Trankgasse 7 gelegene „Kölner Hof“. Diese Hofstatt wurde schon im Jahr 1449, „als den Weingärten des Domkapitels anliegend“ erwähnt. Sie wurde im 19. Jahrhundert nach Neu- und Umbauten zum ersten Kölner Museum, dem „Wallrafianum“.

Der „Hof“ übernahm immer mehr die Rolle der alten Residenz. Er wurde als solche noch von Josef Clemens genutzt, der sich jedoch in Bonn ein neues Domizil erbauen ließ. Der Kölnische Hof war 1473 Absteigequartier Kaiser Friedrichs und des als König in Köln weilenden Maximilian. Letzterer fand an seinem Quartier jedoch keinen Gefallen, es fand im Gegenteil „der Majestät ganzes Missfallen“.Hans Vogts, Fritz Witt: Kunstdenkmäler der Stadt Köln, von Paul Clemen: Die profanen Denkmäler, Band II, IV, S. 342, Verweis auf: Ennen, Geschichte, S. 437

1584 beabsichtigte der Erzbischof Ernst den Kölnischen Hof durch den anstoßenden Wittgensteinschen Hof zu erweitern, dieses Vorhaben wurde jedoch vom Kölner Rat abgelehnt. Nach einer Brandschädigung des Baus im Jahr 1593 berichtete der Kölner Chronist und Ratsherr Weinsberg über bauliche Details des frühen Hofes:

Da der Hof auch von dem päpstlichen Nuntius bewohnt wurde, plante man den sofortigen Wiederaufbau.

Neubau und Ende des Hofes mini|hochkant|Kölnischer Hof, Trankgasse Köln um 1820