Gesellschaft: JR East

Die Tōhoku-Hauptlinie (jap. , Tōhoku-honsen) ist eine Eisenbahnstrecke im Nordosten der japanischen Hauptinsel Honshū und eine der wichtigsten Schienen­verkehrswege des Landes. Benannt ist sie nach der Region Tōhoku, die sie in Süd-Nord-Richtung durchquert. Sie hat ihren Ausgangspunkt in Tokio und führt über Saitama, Utsunomiya, Fukushima und Sendai nach Morioka. Dabei erschließt sie die Präfekturen Tokio, Saitama, Tochigi, Fukushima, Miyagi und Iwate. Während der Personenverkehr in die Zuständigkeit von JR East fällt, ist JR Freight für den Güterverkehr zuständig. Ebenfalls zur Tōhoku-Hauptlinie gezählt werden mehrere kurze Parallel- und Zweigstrecken.

Erbaut wurde die über 500 km lange Tōhoku-Hauptlinie in den 1880er Jahren durch die Nippon Tetsudō, Japans erste private Bahngesellschaft. Fast ein Jahrhundert lang war sie die Hauptverkehrsader im Fernverkehr in den Norden, bis zur Eröffnung der größtenteils parallel verlaufenden Schnellfahrstrecke Tōhoku-Shinkansen im Jahr 1982. Einst reichte die Strecke nominell über Morioka hinaus bis nach Aomori an der Nordspitze Honshūs, doch wurde dieser Abschnitt nach der Verlängerung der parallel verlaufenden Schnellfahrstrecke Tōhoku-Shinkansen an zwei eigenständige Bahngesellschaften ausgegliedert.

Dieser Artikel befasst sich mit der Tōhoku-Hauptlinie im Allgemeinen. Der suburbane Abschnitt im Ballungsraum Tokio zwischen dem Bahnhof Tokio und dem Bahnhof Kuroiso trägt die Bezeichnung Utsunomiya-Linie und wird im entsprechenden Artikel beschrieben.

Allgemeine Merkmale mini|links|Rot = Tōhoku-Hauptlinieblau = frühere Ausdehnung Die in Kapspur (1067 mm) verlegte Tōhoku-Hauptlinie erstreckt sich über eine Entfernung von 535,3 km zwischen den Städten Tokio und Morioka. Hinzu kommen mehrere Neben- und Zweiglinien, die ebenfalls hinzugezählt werden. Es handelt sich dabei um die Verbindung Ueno–Oku–Akabane (7,6 km), die Miyagino-Güterlinie von Nagamachi über den Güterbahnhof Sendai nach Higashi-Sendai (6,6 km), die Rifu-Linie von Iwakiri nach Rifu (4,2 km) sowie um eine Verbindungsstrecke zur Senseki-Linie bei Sendai (0,3 km). Insgesamt werden 142 Bahnhöfe und fünf Güterbahnhöfe bedient. Mit Ausnahme der Rifu-Zweigstrecke und der Senseki-Verbindung sind alle Abschnitte zweigleisig ausgebaut.

Die Strecke besitzt zwei unterschiedliche Bahnstromsysteme, wobei sich die Grenze im Bahnhof Kuroiso in der Gemeinde Nasushiobara befindet. Südlich davon ist die Strecke in Richtung Tokio mit 1500 V Gleichspannung elektrifiziert, nördlich davon mit 20 kV Wechselstrom bei einer Frequenz von 50 Hz. In Kuroiso besteht üblicherweise eine strikte Trennung zwischen beiden Systemen ohne durchgehende Züge. Nur Güterzüge und vereinzelte Sonderfahrten überwinden die Grenze und verkehren mit Zweisystemfahrzeugen.

Der nördlich von Morioka gelegene Teil der Tōhoku-Hauptlinie wird nicht mehr zu dieser gerechnet und verläuft weitgehend parallel zur Schnellfahrstrecke Tōhoku-Shinkansen. JR East übertrug ihn an zwei eigenständige Bahngesellschaften. Die Iwate Ginga Tetsudō ist für die 82,0 km lange Iwate-Galaxy-Bahnlinie zwischen Morioka und Metoki zuständig, die Aoimori Tetsudō für die daran anschließende, 121,9 km lange Aoimori-Bahnlinie zwischen Metoki und Aomori. Bei beiden Unternehmen handelt es sich um Bahngesellschaften des „dritten Sektors“, die überwiegend im Besitz der erschlossenen Präfekturen und Gemeinden sind; in deren Auftrag führen sie dort den Nahverkehr durch.

Ursprünglich war der Bahnhof Ueno der offizielle südliche Ausgangspunkt, seit 1925 ist es der Bahnhof Tokio. Dennoch verkehrten auch danach die meisten Züge ab Ueno; vor den 1960er Jahren waren einzelne Züge in Tokio direkt mit der Tōkaidō-Hauptlinie verbunden. Die Gleise der Tōhoku-Hauptlinie zwischen Tokio und Ueno wurden 1973 stillgelegt, um Platz für die Tōhoku-Shinkansen zu schaffen. Danach verkehrten dort nur noch die Nahverkehrszüge der parallel verlaufenden Linien. Diese Situation änderte sich 2015 mit der Eröffnung der Ueno-Tokio-Linie, die zu einem Teil die alten Gleise nutzt und andererseits aufgeständert über der Shinkansen-Trasse verläuft.

Streckenbeschreibung (Tokio–Kuroiso siehe Utsunomiya-Linie)

Unmittelbar beim Verlassen des Bahnhofs Kuroiso durchfahren die Züge eine Schutzstrecke, die den Übergang vom Gleichstrom- zum Wechselstrom-Abschnitt bildet. Nach der Überquerung des Naka folgt die Nasu-Hochebene. Der anschließende Hügelkamm zwischen den Bergen Nasu-dake und Yamizo-san bildet die nördliche Begrenzung der Region Kantō. Dieses Gebiet ist mit rund 400 Höhenmetern das höchstgelegene an der Tōhoku-Hauptlinie. In Shin-Shirakawa besteht die erste Umsteigemöglichkeit zur Tōhoku-Shinkansen. Danach wendet sich die Strecke kurz nach Osten, um den Abukuma zu überbrücken, bevor sie wieder eine ungefähr nordöstliche Richtung einschlägt. Im Knotenpunkt Kōriyama besteht Anschluss an die Shinkansen, die Ban’etsu-Ostlinie, die Ban’etsu-Westlinie und die Suigun-Linie. Weiterhin dem Tal des Abukuma folgend wird Fukushima erreicht, die Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur. Dort kann zur Tōhoku-Shinkansen, zur Yamagata-Shinkansen, zur Ōu-Hauptlinie, zur Abukuma-Express-Linie und zur Iizaka-Linie umgestiegen werden.

Vom Fukushima-Becken aus führt die Strecke bergauf zu einem rund 200 Meter hoch gelegenen Pass in der Nähe des Bahnhofs Kaida, nahe der Grenze zur Präfektur Miyagi. Südöstlich am Zaō-Gebirgsmassiv vorbei führt die Strecke dem Shiraishi-Fluss entlang und trifft in Tsukinoki am Unterlauf des Abukuma wieder auf die Abukuma-Express-Linie. Im nachfolgenden Bahnhof Iwanuma am Rande der Sendai-Ebene mündet die Jōban-Linie ein, beim Natori die Sendai-Flughafenlinie. Kurz nach der Brücke über den Hirose-Fluss zweigt die 6,6 km lange Miyagino-Güterlinie ab, auf welcher der Güterverkehr das Stadtzentrum der Millionenstadt Sendai umfahren kann. Auf Stadtgebiet macht die Tōhoku-Hauptlinie einen kleinen Schwenker nach Westen und erreicht den Bahnhof Sendai, wo Umsteigemöglichkeiten zur Tōhoku-Shinkansen, zur Jōban-Linie, zur Sendai-Flughafenlinie, zur Senseki-Linie, zur Senzan-Linie und zu beiden Linien der U-Bahn Sendai bestehen.

Wieder nach Nordosten verlaufend mündet in Higashi-Sendai die Miyagino-Güterlinie ein und nach Überbrückung des Nanakita erreicht die Tōhoku-Hauptlinie den Bahnhof Iwakiri. Dort zweigt die 4,2 km lange Rifu-Linie nach Rifu ab, die einst dem ursprünglichen Streckenverlauf entsprach, seit 1962 aber nur noch eine Stichstrecke ist. Die neuere Strecke trifft im Stadtgebiet von Shiogama auf die Küste und verläuft entlang des Matsushima-Küstengebirges mehrere Kilometer weit parallel zur Senseki-Linie. Entlang dem östlichen Rand der Omatsuzawa-Hügel wird nun in überwiegend nördlicher Richtung der Bahnhof Kogata erreicht, wo die Ishinomaki-Linie und die Rikuu-Ostlinie abzweigen. Westlich an den Asohidake-Hügeln und östlich an den Chikudate-Hügeln vorbei geht es weiter durch die Kurihara-Ebene und über die Grenze zur Präfektur Iwate nach Ichinoseki, dem Ausgangspunkt der Ōfunato-Linie. Im Kitakami-Tal liegen die Bahnhöfe Kitakami und Hanamaki, wo die Kitakami-Linie und die Kamaishi-Linie abzweigen. Ab Shiwachūō verläuft die Strecke geradlinig neben der Tōhoku-Shinkansen und erreicht schließlich Morioka. An diesem Knotenpunkt bestehen Anschlüsse an die Tōhoku-Shinkansen, die Akita-Shinkansen, die Iwate-Galaxy-Bahnlinie, die Tazawako-Linie und die Yamada-Linie. Einst führte die Tōhoku-Hauptlinie weiter nordwärts in Richtung Aomori, doch dieser Abschnitt wurde an zwei eigenständige Bahngesellschaften übertragen.

Zugangebot

Regionalverkehr Die Züge des Mittelstreckenverkehrs zwischen Tokio und Kuroiso werden vom Betreiber JR East seit 1990 als Utsunomiya-Linie bezeichnet. Zusammen mit den Zügen der Takasaki-Linie (nach bzw. ab Ōmiya) sind sie betrieblich vom urbanen Nahverkehr getrennt, der von teils parallel verlaufenden Linien übernommen wird. Um die eigentliche Hauptstrecke zu entlasten, fahren die Mittelstreckenzüge zwischen Ueno und Akaben nicht über Tabata, sondern auf einer Nebenlinie via Oku. Den urbanen Nahverkehr übernehmen die Yamanote-Linie, die Keihin-Tōhoku-Linie und die Saikyō-Linie. Auf der Yamanote-Linie wurden auch Mittelstreckenzüge von und zu den Bahnhöfen Ikebukuro und Shinjuku betrieben, die sich 2001 zu Direktverbindungen mit der Tōkaidō-Hauptlinie und der Yokosuka-Linie entwickelten; diese erhielten die Bezeichnung Shōnan-Shinjuku-Linie. Auf kurzen Abschnitten in der Metropolregion Tokio verkehren auch Züge der Chūō-Hauptlinie, der Jōban-Linie und der Musashino-Linie. Mithilfe der Ueno-Tokio-Linie können die Mittelstreckenzüge der Utsunomiya-Linie, der Takasaki-Linie und der Jōban-Linie im Bahnhof Tokio mit jenen der Tōkaidō-Hauptlinie verknüpft werden.JR時刻表 2022年3月号 (JR-Fahrplan März 2022). Kōtsū shinbunsha, Tokio 2022.

Nördlich von Kuroiso, das am äußersten Rand der Metropolregion liegt, sind die erschlossenen Gegenden ländlich geprägt und teilweise sehr dünn besiedelt, weshalb das Zugangebot im regionalen Personenverkehr dort deutlich geringer ist. Deshalb ist die Tōhoku-Hauptlinie in mehrere Sektionen unterteilt, die unterschiedlich oft und mit verschieden langen Zügen befahren werden. Zwischen Kuroiso und Shin-Shirakawa fahren die Züge je nach Tageszeit ungefähr alle 60 bis 100 Minuten. In einem angenäherten Stundentakt verkehren die Züge von Shin-Shirakawa nach Kōriyama. Zwischen Kōriyama und Fukushima wird ein Stundentakt angeboten, der während der Hauptverkehrszeit auf 30 Minuten verdichtet wird. Morgens und abends verkehren einzelne Züge durchgehend von Shin-Shirakawa nach Fukushima. Üblicherweise im Stundentakt betrieben werden die Züge zwischen Fukushima und Sendai; zusätzliche Züge ab Shiroishi verdichten diesen zu einem angenäherten Halbstundentakt. Hinzu kommen Züge der Abukuma-Express-Linie ab Tsukinoki, der Jōban-Linie ab Iwanuma und der Sendai-Flughafenlinie ab Natori, sodass in den südlichen Vororten Sendais ein dichtes Angebot besteht.

Tagsüber im Stunden- und während der Hauptverkehrszeit im Halbstundentakt verkehren Züge zwischen Sendai und Kogota. Darüber hinaus wird dieser Takt in den nördlichen Vororten Sendais einerseits durch die Rifu-Linie nach Rifu ergänzt, andererseits durch die Direktverbindungen der Senseki-Tōhoku-Linie nach Onagawa, die beide zum Teil die Tōhoku-Hauptlinie mitbenutzen. Der Abschnitt Kogota–Ichinoseki wird in einem angenäherten Stundentakt befahren. Dasselbe trifft auf den Abschnitt Ichinoseki–Morioka zu, morgens und abends werden jedoch zusätzliche Züge ab Kitami eingesetzt. Dem beschleunigten Pendlerverkehr in Richtung Morioka dienen zusätzlich die Eilzüge Kaisoku Aterui ab Mizusawa und Hamayuri ab Hanamaki.

Fern- und Güterverkehr Einst verkehrten auf der Tōhoku-Hauptlinie zahlreiche Fernverkehrszüge. Mit der Eröffnung des Tōhoku-Shinkansen zwischen Ōmiya und Morioka im Jahr 1982 verlagerte die Japanische Staatsbahn die Fernverbindungen auf den Shinkansen und ersetzte sie durch Mittelstreckenzüge. Es gibt keinen einzigen Personenzug mehr, der die gesamte Strecke befährt, ebenso keine Schnellzüge zwischen Kurihashi und Iwanuma sowie zwischen Sendai und Morioka. Mit der Eröffnung der Hokkaidō-Shinkansen nördlich von Aomori im Jahr 2016 fielen auch die letzten Nachtzüge weg.

Zusätzlich zu den Reisezügen wird die Tōhoku-Hauptlinie auch von zahlreichen Güterzügen der Gesellschaft JR Freight befahren, die den Großraum Tokio mit dem Norden der Hauptinsel Honshū und mit Hokkaidō verbinden. Die Verbindung zwischen dem Güterbahnhöfen Sumidagawa (in Tokio) und Sapporo gilt als „Hauptschlagader des Nordens“. Viele Güterzüge fahren weiter über die Tōkaidō-Hauptlinie in die westlichen Regionen Japans sowie über Aomori hinaus durch den Seikan-Tunnel nach Hokkaidō.

Geschichte

Planung und Streckenbau