mini|270px|Blick von der Klosterstraße auf das Schulgebäude. Das Goethegymnasium Weißenfels ist ein allgemeinbildendes Gymnasium in Weißenfels, Sachsen-Anhalt. Seine Geschichte reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück, als Herzog August von Sachsen-Weißenfels das Gymnasium illustre Augusteum gründete. Das heutige Goethegymnasium, welches seit dem Niedergang dieser Institution 1794 unter verschiedenen Schulformen existierte, besteht in seiner jetzigen Form seit 1991.
Geschichte 1664–1794: Gymnasium illustre Augusteum mini|links|hochkant|August (1614–1680), erster Herzog von Sachsen-Weißenfels und Stifter des Gymnasiums illustre Augusteum.mini|hochkant|Christian Weise (1642–1708), bis 1670 zunächst Hofmeister des Barons Gustav Adolf von der Schulenburg.mini|hochkant|Johannes Riemer (1648–1714) machte sich als Kritiker der Weißenfelser kleinstädtischen Mitbürger und insbesondere des zeitkritischen Romanautors Johann Beer nicht gerade beliebt. 1687 verließ er dann das Augusteum und wurde zum Pastor der Harzer Gemeinde Osterwieck berufen.mini|links|hochkant|Christoph Cellarius (1638–1707), späterer Professor für Rhetorik und Geschichte an der Universität Halle. Am 1. November 1664 gründete Herzog August von Weißenfels das Gymnasium illustre Augusteum im früheren St. Claren-Kloster neben dem Kerngebäude des heutigen Gymnasiums. Es handelte sich um eine Höhere Privatschule für adlige Knaben, die zu Beamten ausgebildet werden sollten. Wer in die Dienste des Herzogtums treten wollte, musste das Augusteum mindestens zwei Jahre lang besucht haben.J. M. Folger: Weißenfels als Literaturzentrum an der Wende des XVII. und XVIII. Jahrhunderts. Buchdruckerei E. Weidenfeld, Stanislau 1908. Darüber hinaus wurde dort auch eine Druckerei betrieben, die herzogliche Mandate, Festschriften sowie Abschlussarbeiten der Schüler fertigte.
Die etwa sechzig bis siebzig Schüler wurden unterrichtet in Theologie, Rechtswissenschaften und Medizin sowie den klassischen Fremdsprachen Griechisch, Latein und Hebräisch. Ferner wurden die Schüler in Logik und Metaphysik, Ethik, Politik, Arithmetik, Sphärik, Musik, Geografie und Geschichte sowie in die aristotelische Physik eingeführt.
Erste Phase 1664–1746 Herzog August verpflichtete im Laufe der Zeit namhafte Lehrkräfte aus mehreren Teilen des heutigen Deutschlands. Unter ihnen befand sich der Historiker, Geograf und Sprachwissenschaftler Christoph Cellarius, der von 1667 bis 1673 als „Professor der Ethik und des Hebräischen“ engagiert wurde. Schriftsteller Christian Weise wirkte von 1670 bis 1678 als „Professor der Politik, Eloquenz und Poesie“ am Augusteum. Weise, der im Alter von 28 Jahren vom sachsen-weißenfelsischen Herzog berufen wurde, verfasste auch eine Reihe von Dramen (zumeist für Schüleraufführungen) und zeitgenössischen Romanen. Auch der Schriftsteller und Theologe Johannes Riemer, bekannt als Autor wissenschaftlicher Arbeiten und Romane, unterrichtete von 1673 bis 1687 am Augusteum.Gerhard Dünnhaupt: Johannes Riemer (1648–1714). In: Personalbibliographien zu den Drucken des Barock., Band 5, Hiersemann, Stuttgart 1991, ISBN 3-7772-9133-1, S. 3319–3349.
Das Augusteum stand zu dieser Zeit nicht nur unter der Leitung von Weißenfelser Rektoren: 1673 bis 1707 wurde der Neuruppiner Johann Leitenius für diese Tätigkeit verpflichtet, ehe erneut ein Weißenfelser namens Christian Weidling seine Nachfolge bis 1718 antrat. Dieser wurde 1717 wegen ungerechtfertigter Promotionen verurteilt.
Im Jahr 1721 übernahm der als hervorragender Orientalist bekannte Christian Reineccius (1668–1752) das Rektorat, welches er für mehr als 30 Jahre innehalten sollte.
Im Jahr 1726 kam der in Weimar geborene Johann Basilius Fleuter (1684–1730) nach Weißenfels, um eine Stellung als Oberhofprediger und Beichtvater am Hofe des Herzogs Christian von Sachsen-Weißenfels anzutreten. Fleuter, der das bunte Wechselspiel von Lebensgenuss, Frohsinn und Intrigen an den kleinen Fürstenhöfen schätzte, wurde darüber hinaus auch als Theologieprofessor für das Augusteum engagiert.
„Rectorlose“ Zeit 1746–1794
Im Jahre 1746 verlor das Augusteum seine einzigen Förderer, als die Herzoglinie Sachsen-Weißenfels ausstarb. Die Schülerzahl sank schlagartig, bis im Jahr 1763 nur noch zehn Schüler eingeschrieben waren; 1784 folgten dann die letzten Eintragungen ins Schülerverzeichnis. Die Professoren erhielten keine Besoldung mehr und gingen weg, lediglich der Superintendent Brehme hielt noch einige theologische Vorlesungen.
Auf Anordnung des Kurfürsten Friedrich August wurde am 5. Mai 1794 anstelle des Augusteum ein Lehrerseminar eröffnet, das zunächst die drei letzten Gymnasiasten und zwei weitere Bewerber aufnahm. Der Lehrsaal befand sich in der (heutigen) Superintendentur, ab Januar 1795 dann im Städtischen Armenhaus von Weißenfels (Leipziger Straße 13). Weißenfels verlor dadurch nach 130 Jahren eine höhere Lehranstalt als wichtigen Standortfaktor. Erst 67 Jahre später konnte in Weißenfels wieder eine höhere Schule eingerichtet werden.
1861–1938: Städtische Oberrealschule mit Reformrealgymnasium
Städtische Höhere Bürgerschule 1861–1869 Das heutige Goethegymnasium beruft seine offizielle Gründung auf dem 11. Juli 1861, den Tag der Eröffnung einer Städtischen Oberrealschule mit Reformrealgymnasium. Diese hatte die Funktion einer höheren Privatschule zur Vorbereitung von Schülern auf weitergehende Bildungseinrichtungen inne. 1869 wurde die Schule durch die Stadt übernommen.Vgl. 130 Jahre gymnasiale Bildungseinrichtung in Weißenfels, 1861–1991. S. 6.
Bereits im Sommer 1860 wurde von Bäckermeister Gustav Henzold und Kaufmann G. C. Graun der Entschluss gefasst, nach eigenen Kräften die Einrichtung einer Schola collecta zu erwirken.Vgl. Rückblick auf die Geschichte der Oberrealschule zu Weißenfels mit Reformrealgymnasium i.E. 1861 – 11. Juli – 1911 von Professor Otto Klose, Oberlehrer a. D., Buchdruckerei Leopold Kell. Daraufhin wurde ein Komitee unter Leitung des Landrats von Wurmb einberufen, welche die Durchführung dieses Vorschlags sichern sollte.
Zunächst versuchte dieses Komitee die Zahl der Schüler, mit welcher etwa die Eröffnung der „projecierten Anstalt“ rechnen musste, annähernd zu ermitteln. Nachdem auf ein Zirkular vom 26. September 1860 90 Familienväter mit 124 schulfähigen Kindern ihre Teilnahme zugesagt hatten, verfasste Landrat von Wurmb am 10. Dezember 1860 eine Eingabe an den Magistrat, mit einem Hinweis darauf, dass es „schwerlich im preußischen Staate eine zweite Stadt von 10.000 bis 11.000 Einwohnern geben möchte, in welcher wie hier ein Elementarunterricht erteilt würde, während dagegen viele Städte von 5000 bis 6000 Einwohnern bereits Progymnasien oder höhere Bürgerschulen besäßen […].“Vgl. Rückblick auf die Geschichte der Oberrealschule zu Weißenfels mit Reformrealgymnasium i.E. 1861 – 11. Juli – 1911 von Professor Otto Klose, Oberlehrer a. D., Buchdruckerei Leopold Kell. Eingestellt werden müssten ein Leiter der Schule („Dirigent“) für jährlich 600 Taler, fünf literarisch gebildete Lehrer sowie ein Elementarlehrer.
mini|links|Das Haus des Magistrat-Assessors Immisch in der Saalstraße war bis zum Jahre 1871 als Schulgebäude wirksam. Im Januar und Februar 1861 gab es zu diesem Thema umfangreiche Beratungen im Magistratskollegium, in der städtischen Schuldeputation und schließlich auch in der Stadtverordnetenversammlung, deren Vorsteher Leopold Kell war. Am 7. März 1861 gaben die Stadtverordneten die Zustimmung zu einer zunächst zweiklassigen Schule (die Klassen entsprachen etwa der Sexta und Quinta einer Realschule) und der Anstellung von zwei Lehrern. Letztere fand man in den zwei städtischen Lehrern Heinrich Friedrich Hause und Elementarlehrer Johann Gotthelf Löscher. Hause wurde von der königlichen Regierung zu Merseburg zum ersten Lehrer und zum Vorsteher der neuen Anstalt berufen.
Die offizielle Eröffnung der Städtischen Höheren Bürgerschule fand am 11. Juli 1861 um 8:00 Uhr morgens feierlich statt. Am selben Tag wurden 69 geprüfte Schüler als sogenannte „Erstschüler“ aufgenommen. Als vorläufiges Schulgebäude hatte der Magistrat-Assessor Immisch die Parterreräume seines Hauses in der Saalstraße zur Verfügung gestellt.
mini|hochkant|Carl Adolph Riebeck (1821–1883), Unterstützer der Städtischen Höheren Bürgerschule. Die von Beginn an wachsende Schülerzahl machte schon nach einem Vierteljahr die Errichtung einer 3. Klasse (Mittelklasse) notwendig. Ein dritter Lehrer wurde eingestellt: Wilhelm Hause, der jüngere Bruder des Vorstehers. Mit diesen Klassen, der VI, V und IV einer Realschule, bestand die Schule dann bis Ostern 1866. Die Schülerzahl erhöhte sich in dieser Zeit von 94 auf 103. Finanziell unterstützt wurden jene Schüler durch mehrere einflussreiche Persönlichkeiten aus Weißenfels und dem heutigen südlichen Sachsen-Anhalt, nicht zuletzt durch den Fabrikbesitzer Carl Adolph Riebeck, späterer Commerzienrath in Halle. Über Riebeck wird berichtet: „Den größten Wohltäter aber fand die Schule an dem damals in Weißenfels lebenden Fabrikbesitzer Herr A. Riebeck […]. Denn derselbe zahlte nicht allein für drei Schüler das Schulgeld, sondern hat auch eine Reihe von Jahren hindurch die Anstalt das sämtliche Heizungsmaterial frei von der Grube geliefert, während hiesige Fuhrwerkbesitzer bereitwilligst das Anfahren der Kohlensteine übernahmen.“Vgl. Rückblick auf die Geschichte der Oberrealschule zu Weißenfels mit Reformrealgymnasium i.E. 1861 – 11. Juli – 1911 von Professor Otto Klose, Oberlehrer a. D., Buchdruckerei Leopold Kell.
Am 12. Januar 1863 wurde ein Antrag vom Schulkuratorium gestellt, die neue Anstalt nach dem Vorbild vieler höherer Schulen in anderen Städten zugleich mit einer oder mehreren Elementarklassen versehen zu können. Die städtischen Behörden lehnten dies zunächst ab. Schließlich wurde dem erneuten Antrag, die Schule mit einer weiteren Klasse aufzustocken, im Jahre 1865 aber stattgegeben. Die neue Oberklasse entsprach im Allgemeinen der Tertia eines Gymnasiums oder einer Realschule. Dies erforderte, als neues Lehrfach „Englisch“ (wenn auch noch fakultativ) aufzunehmen. Es dauerte allerdings einige Jahre, bis diese Klassenstufe voll funktionsfähig war. Als „Lehrer für das Englische und Französische“ wurde Gustav Kiebitz aus Bennungen angestellt.
Schon bei der Gründung der Schule waren eine oder mehrere Elementarklassen vorgesehen worden, die Ausführung scheiterte aber an dem Widerstand der städtischen Behörden, die Nachteile für ihre eigenen Schulen fürchteten und erst nach wiederholten vergeblichen Anträgen des Kuratoriums am 23. Februar 1866 die Einrichtung einer Vorbereitungsklasse genehmigten, in der zudem auch die ersten Anfangsgründe der lateinischen Sprache gelehrt wurden. Es gab nun eine Vorschulklasse und vier Realschulklassen VI bis III; fünf Lehrer unterrichteten die Schüler. Die so bedeutend erweiterte Anstalt erforderte aber auch einen größeren Zuschuss durch die Stadt, der bereits im Laufe des vorherigen Jahres von den Behörden auf 500 Taler erhöht worden war. Jedoch waren die Schulräume unzureichend und dürftig, ohne Hof und Spielplatz; die Vorschule musste wegen Raummangel im Gebäude der Ersten Stadtschule untergebracht werden. Dieser Zustand änderte sich einige Jahre nicht.Vgl. Rückblick auf die Geschichte der Oberrealschule zu Weißenfels mit Reformrealgymnasium i.E. 1861 – 11. Juli – 1911 von Professor Otto Klose, Oberlehrer a. D., Buchdruckerei Leopold Kell.
Im Jahr 1867 gab es wichtige Veränderungen innerhalb des Kuratoriums und Lehrerkollegiums: Landrat von Wurmb verließ das sechs Jahre von ihm geführte Kuratorium und trat eine neue Stellung als Polizeipräsident in Berlin an. Zu seinem Nachfolger wurde der Kandidat des Predigt- und höheren Schulamtes ernannt, Justizrat Wilde. Schulleiter Hause verließ die Schule, um in Wittenberg das Rektorat der höheren Töchterschule zu übernehmen. Die Leitung der Anstalt wurde Albert Reinicke aus Schkeuditz übergeben.