Karl Hölkeskamp (* 17. Oktober 1882 in Lütgendortmund; † 11. Mai 1954 in Bad Tölz) war ein deutscher Politiker (SPD) und Kommunalbeamter der Stadt Herne.
Leben Aus einfachen Verhältnissen stammend wurde Hölkeskamp nach dem Besuch der Schule zunächst Bergmann. Schon früh gewerkschaftlich interessiert (Mitglied im Bergarbeiterverband) trat er im Jahre 1900 mit 18 Jahren in die SPD ein. 1913 kam Hölkeskamp nach Herne, um die Leitung der dortigen Volksblatt-Redaktion und die Parteiorganisation zu übernehmen. Bis zum 31. Mai 1919 blieb er Parteisekretär des SPD Unterbezirkes Herne, später Vorsitzender der SPD im Unterbezirk Bochum. Während des Ersten Weltkriegs Mitglied des Stadtrats von Herne MSPD nahm er an der Novemberrevolution 1918 aktiv teil. Am 9. November war er einer der beiden Hauptredner der Volksversammlung und übernahm am 10. November den Vorsitz des Herner Arbeiter- und Soldatenrats der bis Oktober 1919 bestand.
In den nächsten Jahren als besoldeter Beigeordneter (Wohlfahrtsdezernent) des Magistrates der Stadt Herne tätig, widmete er sich hauptsächlich der Not leidenden Arbeiterschaft der Stadt. Unter seiner Regie entstanden mehrere Kinderheime, ein Freibad – genannt Sommerbad – und ein städtisches Altenheim.
Im Sommer 1931 endete nach zwölf Jahren die Amtszeit von Karl Hölkeskamp als Wohlfahrtsdezernent. Der lokale Einfluss der SPD war nicht unwesentlich mit seiner Person und der Führung des städtischen Fürsorgeamtes verbunden. In Zusammenarbeit mit dem Zentrum versuchte die SPD eine Ratsmehrheit zu organisieren, um die Stelle zu verlängern. Aber die destruktiven Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise mit der Massenarbeitslosigkeit und der grassierenden sozialen Verelendung hatten den politischen Diskurs entscheidend verändert. Eine Allianz aus Kommunisten, der stärksten Fraktion im Stadtparlament, und reaktionären und deutschnationalen Kräften, inklusive der zwei Stadtverordneten der NSDAP, strich die Stelle ersatzlos. Es war ein lokalpolitischer Paukenschlag und die schwerste parlamentarische Niederlage des demokratischen Blocks im Herner Stadtparlament.Ralf Piorr: Berta Schulz. Von der Wäscherin zur Reichstagsabgeordneten der SPD, Herne 2023, S. 120ff.
Bei den Kommunalwahlen am 12. März 1933 wurde Karl Hölkeskamp als Spitzenkandidat der SPD wieder in den Stadtrat gewählt, aber an einer Sitzung sollte er nicht mehr teilnehmen. Am 6. April 1933 wurde er im Herner Polizeiamt „in Schutzhaft“ genommen. Am 24. April 1933 wurde er von SA-Männern mit einer Leiter auf dem Rücken und einem Eimer in der Hand über die Bahnhofstraße getrieben, um die Wahlplakate der NSDAP, die mit antifaschistischen Parolen übermalt worden waren, abzuwaschen und die Plakate der SPD zu entfernen. Hölkeskamp wurde wegen angeblicher Begünstigungen für drei Monate in Untersuchungshaft gesteckt. Eine mediale und juristische Hetzkampagne sollte seinen öffentlichen Ruf zerstören. Beim Strafverfahren vor dem Landgericht Bochum erwiesen sich die Beschuldigungen allerdings als haltlos. Hölkeskamp wurde wegen Begünstigung „aus anständigen Motiven“ zu einer Geldstrafe von 500,- RM verurteilt. Der Haftbefehl wurde mit dem Urteil aufgehoben. Damit kam er nach dreimonatiger Untersuchungshaft aus dem Gefängnis frei. Die Hetze ging jedoch weiter. „Aus dem Sumpf der Novemberverbrecher: Hölkeskamp der Häuptling und Oberschieber und Arbeiterverräter“, titelte die nationalsozialistische Tageszeitung „Roten Erde“ am 29. Juni 1933.
Karl Hölkeskamp war ein Mann der Organisation, der Vertrauen in eine demokratische Verwaltung zugunsten des Allgemeinwohls hatte. Der brutalen Machtausübung der Nationalsozialisten stand er eher hilflos gegenüber. Unter dem Druck der Verhältnisse zog er sich zurück. Um sich der Überwachung durch die Gestapo zu entziehen, verließ er Herne häufig für mehrere Monate und kam bei Verwandten unter. So überstand er die NS-Zeit relativ unbeschadet.
Sofort nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges am 1. Juni 1945 zum Zweiten Bürgermeister bzw. Stadtdirektor ernannt, widmete er sich wiederum dem Fürsorge- und Ernährungswesen. Im November 1946 erläuterte er vor dem Stadtparlament seine Sicht zur Ernährungslage der Herner Bevölkerung, welche seiner Meinung nach „theoretisch tot“ sein müsse.Braßel, Frank / Clarke, Michael / Objartel-Balliet, Cornelia (Hrsg.): „Nichts ist so schön wie…“. Geschichte und Geschichten aus Herne und Wanne-Eickel, Essen 1991, S. 278. Am 30. Juni 1948 schied er altersbedingt aus dem aktiven Dienst aus. Vom 12. Februar 1951 bis zu seinem Tod war er als gewählter Stadtverordneter der SPD im Rat der Stadt Herne weiterhin präsent.
Schon kurz nach dem Krieg gründete Hölkeskamp mit anderen ehemaligen Samaritern den ASB-Ortsverband Herne e.V. in Liquidation, dessen einziger Zweck die Rückerstattung des durch die NS-Machthaber entzogenen Besitzes war. Nach jahrelangen Verhandlungen, die mit einem Vergleich endeten, löste sich der Verein 1950 auf und stellte den zugesprochenen Betrag der Arbeiterwohlfahrt für Maßnahmen in der Alten- und Kinderbetreuung zur Verfügung.
Der Nachlass von Karl Hölkeskamp wird im Herner Stadtarchiv aufbewahrt.
Ehrungen 17. Oktober 1952: Verleihung der Großen Stadtplakette der Stadt Herne 11. Mai 1964: Benennung der neuen zusammenhängenden Umgehungsstraße im Herner Süd-Osten als „Hölkeskampring“ Benennung des Hauses und des Betreibers der AWO in Herne als „Karl-Hölkeskamp-Haus“
Einzelnachweise
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