mini|Wappen von Peter des Roches
Peter des Roches (auch Peter de Rupibus) († 9. Juni 1238 in Farnham Castle) war ein englischer Politiker und Bischof der englischen Diözese Winchester. Ursprünglich aus Frankreich stammend, war er drei Jahrzehnte lang einer der wichtigsten Politiker während der Herrschaft von König Johann Ohneland und König Heinrich III.
Herkunft Peter des Roches stammte aus der Grafschaft Tours im nordwestlichen Frankreich, die bis 1204 im Besitz der französischen Könige war. Die Familie des Roches gehörte dem Ritterstand an, das Zentrum der Besitzungen der Familie lag bei Château-du-Loir. Ein weiterer bekannter Angehöriger der Familie war Guillaume des Roches, der unter den englischen Königen als Seneschall von Anjou gedient hatte und schließlich auf die Seite von König Philipp II. von Frankreich wechselte.
Im Dienst der Angevinischen Könige Dienst in Frankreich Peter des Roches wird erstmals im April 1197 genannt, als er in Tours eine Urkunde von König Richard Löwenherz bezeugte. In den nächsten Jahren wurde er zum Prior von Loches, zum Dekan der Kirche Saint-Martin in Angers und zum Kämmerer des Kollegiatstiftes Saint-Hilaire-de-Poitiers ernannt. Die Aufgaben dieser Pfründen nahm des Roches nicht selbst war, sondern ließ sich vertreten. Nach dem Chronisten Roger von Wendover lag des Roches Stärke jedoch weniger im Predigen, sondern in der Belagerung von Burgen. Auch seine Zeitgenossen bewunderten eher des Roches militärisches Geschick als seine Tätigkeit als Geistlicher. Nach der Eroberung der Normandie durch Frankreich im Französisch-Englischen Krieg 1203 flüchtete des Roches nach England.
Aufstieg zum Bischof von Winchester Unter König Johann Ohneland stieg des Roches zu einem führenden Beamten der Kämmerei, der königlichen Finanzverwaltung auf. Zum Ausgleich seiner verlorenen französischen Pfründen belohnte ihn der König mit einer Vielzahl von Pfründen und geistlichen Ämtern in England. Unter anderem wurde er Präzentor der Kathedrale von Lincoln und Vikar von Bamburgh. Im April 1204 wurde ihm das Recht verliehen, in der vakanten Diözese Chichester Pfründen und Pensionen zu verteilen. Nach dem Tod von Bischof Godfrey de Lucy im September 1204 schlug der König des Roches als neuen Bischof der reichen Diözese Winchester vor. Obwohl die Archidiakone von Winchester und Surrey den Dekan von Salisbury, Richard Poore als eigenen Kandidaten aufstellten, erhielt des Roches die Mehrheit der Stimmen der Kanoniker des Kathedralpriorats. Die Entscheidung über den neuen Bischof wurde darauf im Frühjahr 1205 dem Papst übertragen. Dieser Rechtsstreit wurde in die Länge gezogen, wobei König Johann für des Roches die Kosten dieses Rechtsstreits übernahm. Schließlich konnte Papst Innozenz III. überzeugt werden, die Wahl von des Roches zu bestätigen. Am 25. September 1205 wurde des Roches vom Papst in Rom zum neuen Bischof von Winchester geweiht. Am 24. März 1206 wurden des Roches die Temporalien übergeben und am 26. März, an Palmsonntag 1206 wurde er als neuer Bischof in der Kathedrale von Winchester eingesetzt.
Tätigkeit während des Interdikts über England Auch als Bischof setzte Peter des Roches seinen Dienst für den König fort. Zwischen 1206 und 1214 war der de facto Leiter der königlichen Finanzverwaltung. Er war sowohl für die Aufwendungen für Burgen wie für Feldzüge verantwortlich, aber er übernahm auch Aufgaben am Hof und unterhielt und bewirtete ausländische Gesandtschaften. Die Umstände seiner Bischofswahl führten dazu, dass der Papst festlegte, dass des Roches als Bischof nur vom Papst selbst entlassen oder exkommuniziert werden dürfe. Dafür erhoffte sich der Papst die Mithilfe von des Roches bei der Erhebung des Peterspfennigs durch die englische Kirche. Die Erhebung scheiterte zwar, doch durch seine vom Papst schriftlich bestätigte Sonderstellung behielt des Roches eine einzigartige, vom Erzbischof von Canterbury unabhängige Stellung als Bischof. Es gibt keinen Beleg, dass des Roches jemals dem Erzbischof von Canterbury als Oberhaupt der englischen Kirche Gehorsam versprochen hat. Als Papst Innozenz III. nach einem Streit mit dem König über die Einsetzung von Stephen Langton als neuen Erzbischof von Canterbury 1208 über England das Interdikt verhängte, blieb des Roches neben John de Gray der einzige englische Bischof, der auf der Seite des exkommunizierten Königs blieb.Ralph V. Turner: Men raised from the dust. Administrative service and upward mobility in Angevin England. Philadelphia, University of Pennsylvania Press 1998, ISBN 0-8122-8129-2, S. 30. Dabei diente er im Sommer 1209 zusammen mit William Brewer als Unterhändler bei Gesprächen mit den Vertretern des Papstes.Ralph V. Turner: Men raised from the dust. Administrative service and upward mobility in Angevin England. Philadelphia, University of Pennsylvania Press 1998, ISBN 0-8122-8129-2, S. 77. Als geschickter Jäger und bemerkenswerter Kunstförderer gehörte des Roches zum engen Kreis der Freunde und Vertrauten des Königs. Er war mit an der finanziellen Ausbeutung der jüdischen Bevölkerung, der Erhebung von königlichen Steuern und der Erhebung von Gebühren für Justizvorgänge befasst. Spätestens ab 1212 wurde des Roches mit der Erziehung des ältesten Sohns des Königs, des Thronfolgers Heinrich beauftragt, der im Haushalt von des Roches aufwuchs.
Tätigkeit als Militär und Justiciar 1206 nahm des Roches am Feldzug von Johann ins Poitou teil, und 1211 kommandierte er einen Teil der Armee, die gegen Fürst Llywelyn ab Iorwerth nach Wales vorstieß. Als gebürtiger Franzose und als reicher Bischof unterstützte des Roches mehrere andere Franzosen, die nach England übergesiedelt waren. Zu ihnen gehörten Peter de Maulay, Engelard de Cigogné und mehrere Verwandte des Söldnerführers Girard d’Athée. Weitere gebürtige Franzosen aus den ehemals den englischen König gehörenden Gebieten des angevinischen Reiches lebten in seinem Haushalt, denen der einheimische englische Adel vielfach misstraute. 1213 hatte des Roches de facto das Amt des königlichen Kanzlers übernommen, und im Februar 1214 ernannte Johann ihn zum Chief Justiciar. Als solcher übernahm er 1214 während des gescheiterten Feldzugs des Königs ins Poitou die Regentschaft in England.Ralph V. Turner: Men raised from the dust. Administrative service and upward mobility in Angevin England. Philadelphia, University of Pennsylvania Press 1998, ISBN 0-8122-8129-2, S. 31.
Seine Bedeutung innerhalb der Regierung zeigte sich, als für ihn in den nächsten Monaten eigene Urkundenverzeichnisse angelegt wurden. Des Roches machte sich jedoch auch zahlreiche Gegner, die ihn der Begünstigung seiner ausländischen Freunde beschuldigten und sein hartes Durchgreifen bei der Erhebung des Schildgeldes für die umstrittenen Feldzüge von 1214 kritisierten. Nach der Aufhebung des Interdikts 1213 hatte er wesentlichen Einfluss bei der Besetzung von vakanten Bistümern und Abteien. Auch wird er für die Verschlechterung der Beziehungen zwischen der Krone und der City of London mit verantwortlich gemacht. Als Justiciar versuchte er 1214 erfolglos, zum Erzbischof von York gewählt zu werden. Der König bot ihm die Wahl zum Bischof von Durham an, was des Roches jedoch ablehnte. Die Kritik an der Amtsführung von des Roches stärkte die Adelsopposition gegen den König und führte mit zur Anerkennung der Magna Carta zum folgenden offenen Krieg der Barone.
Rolle im Krieg der Barone Des Roches blieb ein fester Unterstützer des Königs. Er bezeugte mit die Anerkennung der Magna Carta durch den König im Juni 1215. Danach wurde er jedoch als Justiciar durch den gebürtigen Engländer Hubert de Burgh abgelöst. Des Roches unterstützte nun den König bei dem Versuch, die Magna Carta durch den Papst für ungültig erklären zu lassen. Dabei ließ er zahlreiche Rebellen durch den Papst exkommunizieren und verkündete im September 1215 in Dover die Suspendierung von Stephen Langton als Erzbischof von Canterbury durch den Papst. Während des Kriegs der Barone befand sich Winchester in der Hand der Rebellen, so dass sich des Roches nach Taunton zurückzog. Von dort unterstützte er den König finanziell und militärisch. Nach dem Tod von König Johann im Oktober 1216 wurde des Roches einer seiner Testamentsvollstrecker. Zusammen mit mindestens vier anderen Bischöfen, darunter Silvester von Worcester und Simon von Exeter und in Anwesenheit des päpstlichen Legaten Guala Bicchieri nahm des Roches am 28. Oktober in der Kathedrale von Gloucester die provisorische Krönung des jungen Heinrichs III. vor.Nicholas Vincent: Peter des Roches. An Alien in English Politics 1205-1238. Cambridge University Press, Cambridge 2002, ISBN 0-521-52215-3, S. 134 Auch nach der Krönung gab der Regentschaftsrat den neunjährigen König in die Obhut von des Roches. In der Schlacht von Lincoln am 20. Mai 1217 kommandierte des Roches die Armbrustschützen des königlichen Heeres. Dabei entdeckten seine Kundschafter ein unverschlossenes Tor, durch das die königlichen Truppen in die Stadt eindringen konnten und so das Heer der Rebellen und der Franzosen besiegen konnten. Seine Truppen machten zahlreiche Gefangene, die er erst nach hohen Lösegeldzahlungen freiließ. Als gegen Ende des Bürgerkriegs die Rebellen die City of London übergaben, gehörte des Roches zu den ersten, die die Stadt betraten. Ihm wurde der Tower of London übergeben.
Rolle während der Minderjährigkeit von Heinrich III. Machtkampf im Regentschaftsrat Als der Frieden von Lambeth 1217 den Krieg der Barone beendete, nahm des Roches wieder sein Amt in der königlichen Finanzverwaltung und im Haushalt des Königs war. Dazu diente er als Sheriff von Hampshire und als Verwalter mehrerer königlicher Burgen und Wälder. Vielleicht aus Zorn über die milde Behandlung, die die geschlagenen Rebellen durch den Regentschaftsrat erhielten, verweigerte er seinen Beitrag zu einer Steuer, mit der die Entschädigung finanziert wurde, die die französischen Truppen für ihren Abzug aus England erhielten. Dadurch zog er sich den Unmut des Regentschaftsrates zu. Da er in den nächsten Jahren seine Ämter finanziell ausnutzte, gleichzeitig aber weiter Ausländer protegierte und dazu in einen dauernden Konflikt mit Hubert de Burgh stand, wurde er politisch zunehmend isoliert. Als der bisherige Regent William Marshal 1219 im Sterben lag, griff des Roches während einer Sitzung des Regentschaftsrates den jungen König an den Kopf, womit er die Vormundschaft und die Führung des Regentschaftsrats beanspruchte. Diese Geste wurde jedoch von dem päpstlichen Legaten Pandulf und William Marshal dem Jüngeren scharf zurückgewiesen.David Carpenter: The minority of Henry III. University of California Press, Berkeley 1990. ISBN 0-520-07239-1, S. 107 Daraufhin ließ der Einfluss von des Roches auf die Regierung weiter nach. 1220 nahm er noch an der erneuten feierlichen Krönung von Heinrich III. teil, doch danach zog er sich aus dem Regentschaftsrat zurück. Vom Papst als Erzbischof von Damiette nominiert, wollte er sich dem Kreuzzug von Damiette anschließen.
Rebell und verhinderter Kreuzfahrer