mini|Das Hauptstadion beim CHIO Aachen – Veranstaltungsort von Nationenpreisen seit den 1920er Jahren und bis 2013 Teil des Nations Cups mini|Das Hauptstadion der Dublin Horse Show – ältestes noch stattfindendes Springreitturnier der Welt (seit 1864) und ebenfalls Veranstaltungsort von Nationenpreisen seit den 1920er Jahren Der Nations Cup (früher auch Preis der Nationen) ist eine Turnierserie im Springreiten, deren Ursprünge im Jahr 1909 liegen. Die Turnierserie besteht aus mehreren Nationenpreisen, die im Rahmen von CSIO-Turnieren ausgetragen werden.
Die Geschichte Die ersten Nationenpreise: 1909 bis 1928 Im Jahr 1909 wurden unabhängig voneinander die ersten beiden Nationenpreise im Springreiten, noch über ein Jahrzehnt vor Gründung der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) durchgeführt. Diese fanden folglich nach den Regeln der jeweiligen nationalen Verbände bzw. nach den Regeln des Veranstalters statt.
Der erste Nationenpreis in der Geschichte der Springreiterei fand im Juni 1909 im Rahmen der noch heute stattfindenden London International Horse Show in der Londoner Olympiahalle statt. An ihm nahmen sechs Reitermannschaften mit jeweils drei Teilnehmern teil, hierbei gewann die französische Mannschaft vor Italien und Großbritannien.
Der zweite Nationenpreis fand im spanischen San Sebastian am 17. September 1909 statt. Hierbei nahmen sieben Mannschaften mit jeweils fünf Reitern teil. Lediglich vier Reiter, die bereits am ersten Nationenpreis in London angetreten waren, nahmen auch in San Sebastian teil. Hier gewann das italienische Team vor Spanien und Argentinien. San Sebastian war danach nie wieder Austragungsort eines Nationenpreises im Springreiten.
Im Jahr 1910 wurden Nationenpreise in der Londoner Olympiahalle und in Brüssel ausgetragen. Ab dem Jahr 1911 gab es erstmals ein einheitliches Regelwerk für die Nationenpreise. In diesem Jahr fanden diese in Rom, Turin, Brüssel, London und im New Yorker Madison Square Garden statt. Der Erfolg der verschiedenen Nationenmannschaften führte zu Wahrnehmung und Anerkennung der zu diesem Zeitpunkt noch relativ jungen Sportart in diversen Ländern, was zur Folge hatte, dass Springreiten erstmals 1912 olympische Disziplin wurde. In den folgenden Jahren wurden mehr und mehr Nationenpreise in Springreiten organisiert.
Die frühen Jahre der FEI: 1929 bis 1939 Die FEI, die im Jahr 1921 gegründet wurde, lenkte ab dem Jahr 1929 neben den Olympischen Spielen (Reitsportdisziplinen) auch die großen internationalen Turniere, wozu auch die Nationenpreise im Springreiten gehörten. Im Jahr 1930 stellte die FEI erstmals einen internationalen Turnierkalender auf. Im Rahmen dieses Kalenders wurde auch der erste Kalender der Nationenpreisturniere aufgestellt, der aus vierzehn Nationenpreisturnieren bestand: Berlin, Aachen, Nizza, Rom, Brüssel, Lissabon, Warschau, London, Luzern, Genf, Dublin, Boston, New York und Toronto. Würde man das heutige Reglement des Nations Cups für die Punktvergabe anlegen, hätte in diesem Jahr Italien (mit 34 Punkten) vor Deutschland (27 Punkte) und der Schweiz (24 Punkte) gewonnen.
In den dreißiger Jahren gewannen Länder, die bisher bei den Nationenpreisen im Springreiten kaum eine Rolle gespielt hatten, zunehmend mehr Bedeutung. Während die Nationenmannschaften von Frankreich, Italien und der Schweiz die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts eine dominierende Rolle spielten, übernahmen Deutschland und Irland in den dreißiger Jahren zunehmend eine führende Rolle. Von 1931 bis 1938/1939 gewann die deutsche Mannschaft 29 Nationenpreise, Irland gewann 22 Nationenpreise im selben Zeitraum.„Wie man ein ‚Weltfest des Pferdesports’ erfindet – Das Aachener Spring-, Reit- und Fahrturnier von 1924 bis 1939“, Dissertation Seite 55, Fußnote 255
Nach dem Zweiten Weltkrieg: 1945 bis 1964 Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden langsam wieder die ersten internationalen Reitturniere statt. Im Jahr 1946 konnten erstmals wieder Nationenpreise ausgetragen werden – in Dublin, New York und Toronto. Im Jahr 1947 konnten wieder 10 Nationenpreise ausgetragen werden. In den Folgejahren nahm die Anzahl an Nationenpreisen weiter zu. Ab 1952 konnte auch (West-)Deutschland, welches wieder in die FEI aufgenommen wurde, an Bedeutung bei den Nationenpreisen gewinnen. Während zuvor auch mehrere Nationenpreise in einem Land erlaubt waren, wurde die Anzahl 1955 auf einen Nationenpreis pro Staat begrenzt (Ausnahme: Vereinigte Staaten und Kanada). auf csio2015.de
Der President’s Cup 1965 bis 1984 miniatur|Die siegreiche bundesdeutsche Mannschaft des Nationenpreises von Rotterdam 1971 Der auf einer FEI-Generalversammlung als Präsident der FEI gewählte Philip Mountbatten, Duke of Edinburgh regte die Schaffung einer Meisterschaft anhand der Ergebnisse der Nationenpreise an. Als Preis für das Siegerteam bot er einen Pokal – die „Queen’s trophy“ – der seine Gattin, Queen Elisabeth II. reitend darstellt, aus. Dieser erste Nations-Cup in der Geschichte des Springreitens wurde im Jahr 1965 von der britischen Mannschaft gewonnen. Von den 16 in diesem Jahr ausgetragenen Nationenpreisen gewann Großbritannien sechs (Madrid, Olsztyn, Dublin, Kopenhagen, Oostende und Rotterdam) und erreichte damit 34 Wertungspunkte (vor Italien mit 30 Punkten und der BR Deutschland mit 28 Punkten).
Während sich in den ersten vier Jahren Großbritannien und die Vereinigten Staaten als Sieger abwechselten, dominierten in den folgenden Jahren Großbritannien (sieben Siege zwischen 1969 und 1979) und die Bundesrepublik Deutschland den President’s Cup.
Sieger des President’s Cup Jahr siegreiche MannschaftOlympic Encyclopedia, Supplement to the Olympic Review N° 224, Equestrian Sports, Seite 46 (rechts): The Gucci Trophy, formerly the Presidents Cup (The Prince Philip Trophy) 1965
1966
1967
1968
1969
1970
1971
1972
1973
1974
1975
1976
1977
1978
1979
1980
1981
1982
1983
1984
Die Prince Phillip Trophy und die Gucci Trophy: 1985 bis 1989 Im Jahr 1985 wurde der President’s Cup und die Queen’s trophy durch eine neue, jährlich stattfindende Meisterschaft ersetzt. Diese sich an einem Punktsystem orientierende Wertung wurde in den Jahren 1985 und 1986 als „Prince Phillip Trophy“ bezeichnet. Von 1987 an hatte die Nations-Cup-Serie für die Dauer von drei Jahren ihren ersten Titelsponsor: Gucci. Im Jahr 1987 wurden 17 Nationenpreise im Rahmen der „Gucci Trophy“ ausgetragen, Frankreich gewann in diesem und dem folgenden Jahr den Titel.
Sieger der Prince Phillip Trophy / Gucci Trophy bis 1988 Jahr siegreiche Mannschaft 1985
1986
1987
1988
Der HCS Nations Cup und die Nations Trophy: 1990 bis 1996 Im Jahr 1990 übernahm das niederländische Technologieunternehmen HCS die Rolle als Titelsponsor des Nations Cups. Die Sponsorschaft endete jedoch nach etwas mehr als einem Jahr infolge der damaligen Wirtschaftskrise. Außerdem kam es in dieser Zeit zum ersten Nations-Cup-Finale. Dieses fand im September 1991 auf dem Gestüt Zangersheide bei Lanaken statt und wurde von der Mannschaft der Vereinigten Staaten von Amerika gewonnen.
Nach dem Ausstieg von HCS als Titelsponsor wurde auch das Nations-Cup-Finale wieder abgeschafft. Von 1992 bis 1996 entschied wieder ein Punktesystem über den Seriensieg, in dieser Zeit wurde die Serie als „Nations Trophy“ bezeichnet.
Der Samsung Nations Cup: 1997 bis 2003 Der koreanische Konzern Samsung begann im Herbst 1995, sich für eine Sponsorschaft im internationalen Reitsport zu interessieren. Nach langwierigen Verhandlungen konnte Samsung überzeugt werden, Titelsponsor des Nations Cups zu werden. Hierfür wurde ein Budget von 3 Mio. Schweizer Franken vereinbart. Der erste Samsung Nations Cup startete am 11. Mai 1997 im französischen La Baule. Der erste Samsung Nations Cup bestand aus 17 Nationenpreisen, am Ende der Saison stand wieder ein Nations-Cup-Finale, diesmal beim kanadischen Nationenpreisturnier in Spruce Meadows (Calgary). Dieses Finale war Teil der regulären Nations-Cup-Serie einschließlich Punktevergabe, lediglich die Höhe der Punktevergabe unterschied sich (doppelte Punkte). Nach dem Finale stand fest: die Vereinigten Staaten von Amerika hatten den Samsung Nations Cup 1997 mit 39,5 Wertungspunkten gewonnen, zweite wurden die Niederlande mit 34 Punkten. In diesem Jahr wurde auch zum ersten Mal der Preis für den erfolgreichsten Reiter der Nations-Cup-Saison ausgegeben. Hierbei werden alle fehlerfreien Umläufe eines Reiters bei den Nationenpreisen addiert (bei einem Nationenpreis einmal fehlerfrei: 1 Punkt; bei einem Nationenpreis zweimal fehlerfrei: 3 Punkte). Siegerin in dieser Wertung wurde die US-Amerikanerin Alison Firestone.
Die zweite Saison des Samsung Nations Cups bestand bereits aus 30 Nationenpreisen, das Finale (nach demselben Reglement wie im Vorjahr) fand am 20. September 1998 in Donaueschingen statt. Der Sieg im Nations Cups ging in diesem Jahr an Frankreich.
Trotz spannender Finals in den Jahren 1997 und 1998 wurde für die nachfolgende Saison das Reglement geändert. Es gab wieder (wie im Jahr 1991) ein separates Nations-Cup-Finale, das im Jahr 1999 in Gijón stattfand. Die niederländische Mannschaft gewann zwar die reguläre Saison, der Finalsieg und damit der Titel des Nations-Cup-Siegers 1999 ging an Frankreich. Dieses System wurde in den folgenden drei Jahren (2000 bis 2002) beibehalten, Irland gewann einmal und Deutschland zweimal die reguläre Serie. Der Finalsieg ging 2000 an Deutschland, 2001 an die Niederlande, 2002 an Italien und 2003 an Italien. (PDF; 87 kB)
Die Samsung Super League with FEI: 2003 bis 2008 Im Jahr 2003 wurde die Struktur der Nationenpreisserie vollständig umstrukturiert. Für die acht besten Nationenmannschaften der Welt wurde die „Samsung Super League“ geschaffen. Diese traten in acht Nationenpreisen in Europa – La Baule, Rom, St. Gallen bzw. Luzern, Rotterdam, Aachen, Hickstead, Dublin und Barcelona – an. Der CSIO Barcelona wurde hierbei stets als Super-League-Finale ausgetragen, das (wie bereits die Finals 1997 und 1998) Teil der regulären Turnierserie einschließlich Punktevergabe war, der einzige Unterschied war die Vergabe doppelter Punkte beim Finale.
Aus den restlichen Nationenpreisen (in Europa, Nord- und Südamerika) wurde eine Art zweite Liga der Nationenpreise geschaffen, die von 2003 bis 2008 als Nations Cup bezeichnet wurde. Innerhalb dieser Serie konnten bei den einzelnen Nationenpreisen Wertungspunkte gesammelt werden, die Nation mit den meisten Punkten war am Ende der Saison Nations-Cup-Sieger und damit berechtigt, ab dem folgenden Jahr an der Samsung Super League teilzunehmen. Im Gegenzug dazu stieg jeweils die Mannschaft mit den wenigsten Punkten in einer Super-League-Saison in den Nations Cup ab.
Sieger in der Samsung Super League Jahr siegende Nationenmannschaft weiteres 2003
Deutschland: 2. Platz Schweden abgestiegen 2004
Deutschland: 2. Platz Italien abgestiegen 2005
Deutschland: 2. Platz Schweiz: 4. Platz Belgien abgestiegen 2006
Schweiz: 5. Platz Irland abgestiegen 2007
Schweiz: 3. Platz Frankreich abgestiegen 2008
Schweiz: 7. Platz Schweden abgestiegen
Nations-Cup-Sieger (Aufsteiger in die Samsung Super League) 2003: Vereinigte Staaten von Amerika 2004: Schweiz 2005: Schweden 2006: Belgien 2007: IrlandEndergebnis Nations Cup 2007 2008: FrankreichEndergebnis Nations Cup 2008
Meydan FEI Nations Cup / FEI Nations Cup: 2009 bis 2012