Tomoko Sawada (jap. , Sawada Tomoko; * 1977 in Kōbe, Präfektur Hyōgo) ist eine japanische Fotografin.

Leben und Werk

Tomoko Sawada wurde 1977 in Kōbe geboren und graduierte 2003 an der Seian Zōkei Daigaku (engl. Seian University of Art and Design). Sawadas Arbeiten widmen sich vorwiegend der Darstellung von Frauenrollen in der (japanischen) Gesellschaft und dem Widerspruch zwischen Tradition und Moderne. Gegenstand ihrer Fotografie ist stets sie selbst, sowohl in Porträts, als auch Szenenbildern. Durch Wandlungen von Umfeldern, Frisuren und Kostümen deckt sie Kodierungen von „Normalheit“ und „Unterschiedlichkeit“ auf und thematisiert die Beziehung von Erscheinungsbild und Realität. Dabei tritt sie selbst als ausführende Fotografin zunehmend in den Hintergrund und zeichnet verantwortlich für Planung und Arrangement der Aufnahmen, die dann von einem Assistenten nach ihren Vorgaben durchgeführt werden.

Durch einen Pflichtkurs im Rahmen ihres Studiums kam Sawada zur Porträtfotografie und stellte fest, dass Masken und Kostüme ihr halfen, den Minderwertigkeitskomplex in Bezug auf ihr Aussehen abzulegen.William A. Ewing &Nathalie Herschdorfer: Face: The New Photographic Portrait. S. 308ff, Thames & Hudson, 2006 (ISBN 0500543216) In Anlehnung an Andy Warhols Automatenaufnahmen entstand so 1999 ihre Fotoserie ID-400: 400 unterschiedliche Selbstporträts aus dem Fotoautomaten einer Tankstelle, in denen sie die Wandlungsfähigkeit weiblicher Ausdrucksformen und Lebensstile darstellt.Midori Matsui: Tomoko Sawada. Interview, Juni 2005 Nach dem Ende der Aufnahmen rasierte sich Sawada ein Glatze und besuchte die Ausstellung ohne jegliches Make-up, zumeist ohne erkannt zu werden. im International Museum of Women In Sawadas Themenausstellung in der Zabriskie Gallery in New York wurden diese Bilder den Aufnahmen der Serie Oimai gegenübergestellt, die sich der Darstellung der Omiai-Tradition widmet und in denen festgefügte, formale Rollenmodelle erscheinen.Edward Leffingwell: Sawada at Zabriskie. Art in America, 1. April 2005

In ihrem dritten Zyklus Costume verwendete Sawada erstmals auch Mittelformatkameras und erweiterte so die Darstellungsmöglichkeiten. Während sie selbst und ihre Wandlungen mit Hilfe stark prägender Uniformen und Kostüme stets im Fokus bleiben, wird der umgebende Kontext unscharf. In School Days lichtete sie sich selbst als fiktive Abschlussklasse einer Mädchenschule ab, in der alle Schülerinnen trotz einzelner Zeichen der Individualität von Gleichförmigkeit geprägt sind. In der Serie Decoration präsentiert sie sich in verschiedenen Erscheinungsformen von „Gothic Lolitas“, wie sie insbesondere im Stadtteil Harajuku von Tokyo bekannt sind, wo sie sich jede Woche kostümiert an der Takeshita Dori präsentieren.

Werke von Sawada sind heute unter anderem Bestandteil der Sammlungen des International Center of Photography, des Brooklyn Museum und des San Francisco Museum of Modern Art.

Ausstellungen (Auswahl) 1999 Clean Sisters Gallery, Osaka 2001 The Third Gallery Aya, Osaka 2002 galerie p, Brüssels 2002: The Self, Photoespana, Madrid, 2002 (Gruppenausstellung) 2003: Two Photographic Series, Zabriskie Gallery, New York, 2003 der Zabriskie Gallery 2004: About Face: Photography and the Death of the Portrait, Hayward Gallery, London (Gruppenausstellung) 2004: Costumes, Zabriskie Gallery, New York 2005: School Days, Imabashi, Ôsaka 2005: Out of the Ordinary / Extraordinary, Museum für Ostasiatische Kunst, Berlin (Gruppenausstellung) 2006: Desire to Mimic, Museum für angewandte Kunst, Wien 2008: Decoration, Espai 13, Fundació Joan Miró, BarcelonaAusführlicher Bericht zu Sawada und ihren Serien von der Fundació Joan Miró 2008: Heavy Light: Recent Photography and Video from Japan, International Center of Photography (Gruppenausstellung). ICPJapanese Culture, in Vivid Color. New York Times, 13. Juni 2008

Auszeichnungen 2000 Sonderpreis der Canon New Century of Photography Competition 2003 Kimura-Ihei-Fotografiepreis 2004 Best Young Photographer bei den Infinity Awards

Bildbände Tomoko Sawada: ID400: Relation Between Inside and Outside. Seigensha Art Publishing, 2004 (ISBN 4861520126) Tomoko Sawada & Gen Kobayashi: Omiai. Seigensha Art Publishing, 2005 (ISBN 4861520312) Tomoko Sawada & Gen Kobayashi: School Days. , 2006 (ISBN 4861520614) Tomoko Sawada: Masquerade. , 2006 (ISBN 4903545024)

Literatur Yumi Yamaguchi & Arthur Tanaka: Warriors of art: a guide to contemporary Japanese artists., S. 224, Kodansha International, 2007 (ISBN 4770030312) Linda Nochlin, Christopher Phillips, Akiko Otake: Heavy Light. ICP Publishing, Gerhard Steidl Druckerei und Verlag, 2008 (ISBN 3865216234)

Weblinks Offizielle Website Tomoko Sawada im International Museum of Woman Ausstellungsliste bei photography-now

Einzelnachweise

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