mini|hochkant|Stammwappen der Lochner von Hüttenbach Die Familie der Lochner, hauptsächlich bekannt als Lochner von Hüttenbach, ist ein fränkisches Adelsgeschlecht. Als Ministerialen dienten sie ihren verschiedenen Lehensherrn der Oberschicht (heutige blühende Hauptlinie: LVH – Lochner von Hüttenbach – Eintragung als Adelsgeschlecht in die bayerische Freiherrnklasse am 6. September 1814). Sie waren im fränkischen Ritterkanton Gebürg immatrikuliert.

Wahrscheinlich um 1300 bildeten die Lochner die beiden Hauptstränge innerhalb des Gesamtgeschlechts aus, wobei die Spiegelung der Wappenfarben beschlossen worden ist: blau/rot gespalten mit weißem Querbalken = „blaue Linien“, rot/blau gespalten mit weißem Querbalken = „rote Linien“ (vom Betrachter aus gesehen – nicht heraldisch). Zwischen 1300 und 1500 bildeten sich insgesamt neun Linien aus.

Die Franken eroberten das Reich der Thüringer 531; bis zum 9. JahrhundertMartin Riedelbauch: Schloss und Rittergut Drossenfeld (= Neudrossenfeld, Kreis Kulmbach), u. a. aus Archiv für Geschichte von Oberfranken, 53. Band, Historischer Verein für Oberfranken, Bayreuth 1973, S. 5. expandierten sie bis auf die Höhe des Fichtelgebirges ins Obermaingebiet, bzw. bis in die heutige Fränkische Schweiz (im Mittelalter „auf dem Gebirg“) unter der Federführung des edelfreien Geschlechts der Walpoten.Gustav Voit: Die Walpoten. Palm & Enke, Erlangen und Jena 1996. Die fränkische Kaiserpfalz Forchheim, wo 911 der erste König des Ostfrankenreichs, Konrad I. (881–918) gewählt wurde, war ein reger Handelsplatz und Zollstation zwischen Franken und SlawenHans Losert: Die slawische Besiedlung Nordostbayerns aus archäologischer Sicht. Karl Schmotz (Hrsg.): Vorträge des 11. Niederbay. Archäologentages, Deggendorf 1993. – von Karl dem Großen bereits eingerichtet; er hatte das Gebiet Francōniae orientālis (Ostfranken), d. h. die Flussgebiete von Main, Regnitz und Pegnitz bis zum Böhmerwald, in das Fränkische Reich eingegliedert.

Die Lochner hatten sich am oberen Lauf des Flusses Wiesent niedergelassen (Loch bei Hollfeld liegt direkt an der B22 zwischen Bamberg und Bayreuth). Auf dem Plateau des Hohen Knock über der Ortschaft ergibt sich ein weiter Blick über das Tal, wo sie eine Burg errichteten, was um die Zeit der Fränkischen Landnahme dem Typus der Turmhügelburg – auch Motte – entsprach.alleburgen.de - Rainer Hofmann: Fränkische Schweiz. Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland, Stuttgart 1990 – Stammbaum der Lochner „auf dem Gebirg“ zwischen 1300 und 1500. Zwischen Neidenstein und Weiher bei Hollfeld zieht sich der sogenannte Lochnergrund. Die Erstnennung eines Lochners in Franken datiert von 1274 A.D.: Hermann I. Lochner war der letzte Zeuge in einer Reihe von Milites (Ritter) bei einer Schenkung der Grafen von Truhendingen.StA BA Bamberger Urk. MA 1993 Nr. 875 (StA BA = Staatsarchiv Bamberg). Um 1290 lebten Boppo und seine Frau Jutta in DrossenfeldR. Stillfried, T. von Märker: Monumenta Zollerana, Urkundenbuch des Hauses Hohenzollern. Berlin 1852ff. - StA BA Bamberger Urkunden MA 1993 Nr. 1379. bei Kulmbach in unmittelbarer Nähe zur Plassenburg, dem späteren Machtzentrum der Zollern in Franken – sein Bruder könnte Arnold Lochner um 1306 gewesen sein, der Besitz an das Kloster Langheim verkauft hatteStA BA Bamberger Urk. MA 1993 Nr. 1379 – seine Söhne waren offensichtlich Ludwig und Ulrich Lochner: StA BA Bamberger Urk. MA 1993 Nr. 1606. (Grablege mehrerer Dynastengeschlechter).

Geschichte der einzelnen Lochner-Linien Lochner von Königstein/Oberpfalz – LVK 1183 - ~1400

Spätestens zu Beginn des 12. Jahrhunderts spaltete sich eine Lochner-Linie ab. In der Oberpfalz (vorher: bairischer Nordgau) begründeten sie einen weiteren Ort namens Loch bei Markt Königstein. Als Grund ist die Integrierung der eroberten Gebiete in das Frankenreich durch loyale Familien denkbar. Die Erstnennung dieser Linie: 1183 A.D.

Ihre Lehensherrn waren die Grafen von Sulzbach, die Reichsministerialen von Königstein-Breitenstein (bis 1243) und deren Erben, die Schenken von Reicheneck (bis 1411). In das o.g. Lochner-Wappen nahmen sie zwei Rosen in verwechselten Farben – blau und rot – in den weißen Querbalken auf (= „blaue Linien“ – die heraldische Rose stammte aus dem Wappen der Reichsministerialen von Königstein – eine damals übliche Praxis laut dem Heraldiker Eugen Schöler).Johann Siebmachers Wappenbücher: als „Lochner von Hittenbach“ (!) – aus Horst Appuhn (Hrsg.): Johann Siebmachers Wappenbuch. Die bibliophilen Taschenbücher 538. „Fränkisches Blatt 107“, 2. verbesserte Auflage, Dortmund 1989 – „familia“ = vom Lehensherrn abhängige Rittergeschlechter Sie gehen, wie mit ihnen verwandte Geschlechter aus der „familia“ der Schenken von Reicheneck, im Bürgertum der Stadt Nürnberg auf um 1370.

Lochner von Eger und Egerland – LVEL ~1243 - ~1628 Abstammung: wahrscheinlich Lochner von Königstein, Oberpfalz – als Folge der Neuorientierung nach dem Aussterben deren Lehensherrn, der Reichsministerialen von Königstein um 1250, Abwanderung dieser Linie in die Reichsstadt Eger (heute Cheb in Tschechien). Ahnherr: Peter Lochner um 1400, Fleischermeister – Zunftwappen von 1440: 2 gekreuzte Beile.

Wappen: Variante des fränkischen Lochner-Stammwappens – als Zusätze: Haken mit jeweils einem Ring in den roten Feldern. Da der Bügelhelm mit einer Turnier-Medaille ausgezeichnet ist, kann die Zugehörigkeit zum Rittergeschlecht der Franken, bzw. deren oberpfälzische Linie, angenommen werden.

Laut dem ehemaligen Archivar der Stadt Eger waren die Lochner in Eger und Egerland ein „altes landgesessenes und rathsherrliches Geschlecht“Vinzenz Prökl: Eger und das Egerland. II. Auflage 1877, Prag und Eger 1845. (nicht zu verwechseln mit Lochner von Palitz, einer Seitenlinie der Lochner von Hüttenbach, die erstmals Anfang des 16. Jahrhunderts in Böhmen in Erscheinung treten und eine andere Wappen-Variante der Lochner führen). Diese Linie wurde als „altes Fleischergeschlecht der Stadt Eger“ bezeichnet.Heinrich Gradl: Geschichte des Egerlandes bis 1437. Dominicus, Prag 1893. Im 15. Jahrhundert sind mehrere Mitglieder der Lochner sogenannte „Gemeinherren“, d. h. Mitglieder des Äußeren Rates. Über die Lochner finden sich 23 Faszikeln im Egerer Stadtarchiv.Heribert Sturm: Eger – Geschichte einer Reichsstadt. Adam Kraft Verlag, Augsburg 1951. mini|Burgruine Liebenfels um 1844, Stammsitz der Lochner von Liebenfels, in Kärnten/Österreich mini|Burg Hochosterwitz/Österreich der Lochner von Liebenfels

Blaue Linien Lochner von Ebermannstadt im Amt Neideck – LVE 1274 / ~1332 - ~1600 Nachweis von vier „Untervögten“ (bzw. bis 1348 „Unterrichter“), die den Amtmännern des Zehntamts Neideck in der Fränkischen Schweiz zuarbeiteten (des Öfteren aus dem Haus der Edelfreien/Freiherrn von Aufseß zu Wüstenstein). Sie urteilten vor allem in Fällen von sogenannten Freveln, d. h. sie waren eine Art Verwaltungsbeamter und Richter in einer Person. Leitname: Heinrich. Lehensherrn bis 1348: Edelfreie von Schlüsselberg,Gustav Voit: Die Schlüsselberger – Geschichte eines fränkischen Adelsgeschlechts. Altnürnberger Landschaft e.V., Nürnberg 1988. danach Bischof von Bamberg, Herren von StreitbergDieter Zöberlein: Die von Streitberg - Geschichte einer fränkischen Adelsfamilie. drei Teilbände, Burggrub 2018. und Förtsch von Thurnau.Lehen zu Loch bei Hollfeld (eine Hube und ein Lehen, StA BA Hochstift BA Lehenhof Nr. 162): laut einer Urkunde an Pankraz Lochner vom 5. September 1525 im Staatsarchiv Bamberg, Hochstift BA Lehenhof Nr. 180.

Ihr Wappen – ohne Zusätze – war von blau und rot gespalten mit weißem Querbalken.“Hollfelder Blätter” vom 1.6.1983, 8. Jahrgang, Heft 2, Seite 21 – 24 mit dem Vermerk zum Lochner-Wappen auf Seite 24, dort Abb. 52: „im ältesten Wappen fehlten die Rosen“ (!). Es muss davon ausgegangen werden, dass das Wappen der Lochner von Ebermannstadt in Vergessenheit geriet, als diese Linie Anfang des 16. Jahrhunderts im Bürgertum aufging.

Amtssitz war Ebermannstadt (heute Landkreis Forchheim): „… (so) bildeten die nur zeitweise hier wohnenden Amtmänner, Vögte und Untervögte, darunter das Adelsgeschlecht der Lochner, die gesellschaftliche Spitze der Stadt“.Georg Brütting, Toni Eckert, Manfred Franze (Hrsg.:) Ebermannstadt 1323–2023 – Festschrift zum 700jährigen Stadtjubiläum. Eigenverlag der Stadt Ebermannstadt, 2023, S. 69.

Zehnt-Amt Neideck: Streitberg mit Dorf und Mühle, Oberfellendorf, Niederfellendorf, Störnhof, Albertshof, Engelhardsberg, Muggendorf, Bösen-Neudorf (heute: Neudorf im Wiesenttal), Draisendorf, Hetzelsdorf, Gasseldorf.Hochgerichtsgrenzen des Zehntamts Neideck, aus: Hellmut Kunstmann: Die Burgen der südwestlichen Fränkischen Schweiz. Verlag Degener & Co., Neustadt/Aisch 1990.

Lochner als Untervögte des Amtes Neideck 1. Unterrichter: Ulrich I. Lochner, 1332Christoph Beck: Heimatbuch Ebermannstadt. 1926, S. 98. 2. Untervogt: Heinrich III. Lochner, 1384–1417Archiv des Erzbistums Bamberg Urkunde Nr. 439. 3. Untervogt: Ulrich II. Lochner, ~1433–1435Archiv des Erzbistums Bamberg: Rep. I, PfA 140 – Drügendorf, Eggolsheim - StA BA A165, L.523, Nr. 571 – LGN, Nr. 203, S. 146, 198b, 237. 4. Untervogt: Heinrich IV. Lochner, ~1471–1487Staatsarchiv Bamberg StA BA BA Stb. 8 f. 49 - StA BA, Hochstift Bamberg, Lehenhof Nr. 162 und 174.

Nach dem Tod des Untervogtes Heinrich III. Lochner von Ebermannstadt im Amt Neideck, der keine männlichen Nachkommen hatte, erbten sämtliche Mitglieder der verwandten Lochner-Linien um 1438 seinen Besitz in Pretzfeld.Reinhold Glas: Pretzfeld – Häuser- und Familienchronik eines Marktortes in der Fränkischen Schweiz. Schriftenreihe des Fränkische-Schweiz-Museums, Band 9, Verlag Palm & Enke, Erlangen und Jena 1994 -Stadtarchiv Nürnberg Rep. 23 F 44, f. 167‘ und 168. Heinrich IV. Lochner (?–1487), dessen Ehefrau Petrissa (von Streitberg?), die Jahresrechnung 1489StA BA Rep. A 231/VI Nr. 55224. noch an den Bamberger Domherrn, Graf Georg von Löwenstein, bezahlte, (ihm waren Burg und Amt Neideck bis dahin vom Bamberger Bischof verpfändet worden), hatten zwei Söhne, Hans VI. (starb kinderlos), und Konrad VIII. LochnerStA BA, Hochstift Bamberg, Lehenhof Nr. 162 und 174. (heiratete bürgerlich). Bis 1617 hatte diese Lochner-Linie Lehen der Herren von Streitberg inne (Zehnt zu Bösen-Neudorf),StA BA G57 K.42 Verzeichnis der Lehen zu Hollfeld und Weismain 1569–1582 und StA Sigmaringen T5, Nr. 22/16 – BeR, fol. 400, R1, 11/16 - Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München, RHR, K.120 Dörfer XX/I-II, S.61 - StA BA A226, Nr. 9204/3. ließen sich in Oberfellendorf nieder, bzw. erbten Besitz in Loch (als Lehen der Förtsch von Thurnau) und Modschiedel (Gemeindeteil von Weismain, Landkreis Lichtenfels).StA BA, Hochstift Bamberg, Lehenhof Nr. 162, 174 und 180. Als bürgerlicher Zweig 1939 ausgestorben.Die Nachfahren der letzten Lochnerin dieser Linie werden von der Bevölkerung von Ebermannstadt - gemäß der Tradition der „Hausnamen“ in Franken - mit „Lochner“ angesprochen, abweichend vom eigentlichen Familiennamen (Ahnherr: Johann – Hans – Lochner „ex Oberfellendorf“ oo 3.11.1632 mit Anna Dötzer – Diözesanarchiv Bamberg S. 246 F13 Ebermannstadt).

Lochner von Waischenfeld – LVW ~1400 - 1555 Abstammung: Lochner von Ebermannstadt („blaue Linien“). Lochner’sches Burggut in Waischenfeld: „hinter dem Kastenhof auf der Stadtmauer von Waischenfeld“ (zum Schutz der nördlichen StadtmauerStA BA Rep. A205/4 Nr. 7619 L. – nicht auf der Burg Waischenfeld!).

Lehensherr: Bischof von Bamberg. Nach 1450: Übernahme des Wappens der Lochner von Hüttenbach („rote Linien“).

Lochner als Kastner von Waischenfeld 1. Kastner von Waischenfeld: wahrscheinlich Hans III. Lochner von Ebermannstadt, ~1410StA BA Stb. 3 f. 129 – StA BA B134 Nr. 41 fol. 51ff. bzw. fol. 96 ff. 2. Kastner von Waischenfeld: Rupprecht Lochner von Waischenfeld, ~1420 - 1450StA BA Stb. 3 f. 33v – StA BA Stb. 4 f. 27.