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Dieser Artikel gibt die Einwohnerentwicklung von Frankfurt am Main tabellarisch und graphisch wieder.
Einwohnerentwicklung
Einwohnerstruktur im Mittelalter Über die Einwohnerentwicklung Frankfurts während des Hochmittelalters ist wenig bekannt, bis ins 13. Jahrhundert hinein wird Frankfurt fast nur in der Reichsgeschichtsschreibung oder in Königsurkunden genannt. 1219 taucht die Bürgergemeinde (honesti homines, cives de Frankenvort) zum ersten Mal als Vertragspartner in einer mit dem Stadtsiegel besiegelten Urkunde auf.Johann Friedrich Böhmer/Friedrich Lau (Hrsg.): Urkundenbuch der Reichsstadt Frankfurt. Codex diplomaticus Moeno-Francofurtanus. Band 1 (794–1313), Frankfurt am Main 2. Aufl. 1901, Nr. 50. Das Siegel trägt bereits die Umschrift Francenvort specialis domus imperii – Frankfurt, besonderer Sitz des Reiches.
Das 1267 angelegte Zinsbuch des Bartholomäusstift verzeichnet mehr als 60 Berufe, darunter Bader, Aderlasser, Barbiere, Fuhrleute, Schiffer, Sackträger, Gold-, Eisen-, Messer- und Pfannenschmiede, Baumeister, Steinmetzen, Schreiner, Schilderer (Maler), Woll- und Leineweber, Färber, Lohgerber, Kürschner, Schneider, Neu- und Flickschuster, Bäcker, Metzger, Fischer, Müller, Weingärter, Weinschröter, Faßbender und Bierbrauer sowie jeweils einen Physicus (Arzt) und Organisten.Konrad Bund: Untersuchungen zu Chronologie, Quellenproblematik und Quellenwert der ältesten Memorialüberlieferungen des Frankfurter St. Bartholomäusstifts. In: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte. 32 (1982), S. 19 ff.
In seinen Untersuchungen zur Bevölkerung Frankfurts im 14. und 15. Jahrhundert hat Karl Bücher einen Höchststand von ca. 10.000 Einwohnern im Jahr 1387 errechnet.Karl Bücher: Die Bevölkerung von Frankfurt am Main im XIV. und XV. Jahrhundert, social-statistische Studien, Tübingen 1886 (). Davon waren 3.405 Bedepflichtige. Bis 1440 sank die Einwohnerzahl auf unter 9.000, 1499 erreichte sie mit etwa 7.600, darunter 2.583 Steuerpflichtige, ihren Tiefstand. Während des 15. Jahrhunderts wanderten über 5.000 Neubürger, meist aus dem heutigen Rhein-Main-Gebiet, in die Stadt ein. Dies weist darauf hin, dass die Stadtbevölkerung eine äußerst ungünstige demographische Struktur hatte: Das Durchschnittsalter war vergleichsweise hoch, es gab wesentlich mehr Frauen als Männer, und die in unhygienischen Verhältnissen lebenden Menschen wurden immer wieder von Epidemien heimgesucht. Die Wirtschafts- und Sozialstruktur der Bürgerschaft war von Handwerk und Agrarwirtschaft bestimmt, wobei die meisten Bürger im Nebenberuf einen Acker oder Garten bestellten und Vieh hielten, zum Teil mitten in der Stadt. Etwa 18 % der Einwohner waren nicht fest in der Stadt ansässig, sondern gehörten zum Gesinde oder waren Wandergesellen. Etwa ein Zehntel der Einwohner waren Beamte der Stadt oder des Geistlichen Standes, etwa 5 bis 6 % trieben Handel oder Gastwirtschaft, nur wenige Bürger waren Freiberufler oder Rentiers. Die handwerklichen Berufe differenzierten sich während des Spätmittelalters immer weiter, so dass es nach Bücher schließlich 338 Berufe in der Stadt gab, darunter allein 45 Schmiedeberufe. Etwa 240 bis 300 Einwohner gehörten dem geistlichen Stand an, der wegen seiner Steuerprivilegien nicht zum städtischen Vermögen beitrug. Etwa die Hälfte der Steuerpflichtigen besaß kein Vermögen über den damaligen Steuerfreibetrag hinaus – Ein Drittel der Wohnung, ein Pferd, eine Kuh, Hausrat, Kleider, zwei Silberbecher pro Familie sowie einen Jahresvorrat an Brotgetreide, Wein, Brennholz, Viehfutter und Stroh. Nur 13 % besaßen ein Vermögen von mehr als 400 Gulden, darunter 1,7 % mehr als 10.000 Gulden.
Frankfurt zählte im Spätmittelalter zu den mittelgroßen deutschen Städten, etwa vergleichbar mit Basel, Goslar, Mainz, Soest oder Ulm, aber deutlich kleiner als Großstädte wie Augsburg, Braunschweig, Köln, Metz, Nürnberg, Straßburg oder die großen Hansestädte Bremen, Hamburg, Lübeck, Lüneburg oder Rostock.
Neuzeit Um 1520 hatte Frankfurt am Main wieder rund 10.000 Einwohner.Alexander Dietz: Frankfurter Bürgerbuch: Geschichtliche Mittheilungen über 600 bekannte Frankfurter Familien aus der Zeit vor 1806. A. Osterrieth, Frankfurt am Main 1897, S. 186 ff. Insbesondere durch den Handel im Umfeld der Messen kommt es zu einem Zuzug aus Mitteleuropa und dem europäischen Ausland. Bis 1605 verdoppelte sich die Zahl auf 20.000 und bis 1810 noch einmal auf 40.000.
Mit dem Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert beschleunigte sich das Bevölkerungswachstum. Lebten in der Stadt 1837 etwa 54.000 Menschen, so überschritt bereits 1875 die Einwohnerzahl der Stadt Frankfurt am Main die Grenze von 100.000. 1895 hatte die Stadt 230.000 Einwohner, bis 1925 verdoppelte sich diese Zahl auf 467.000. Die Eingemeindung der Stadt Höchst am Main (31.439 Einwohner 1925) und weiterer Gemeinden am 1. April 1928 brachte einen Einwohnerzuwachs von 75.866. Die Bevölkerung der Stadt stieg von 475.000 auf 551.200.
Von den über 30.000 Juden in Frankfurt vor 1933 (der zweitgrößten jüdischen Gemeinde Deutschlands) wurden bis 1945 etwa 12.000 ermordet, so gut wie alle anderen waren deportiert worden, vertrieben oder geflohen. Das jüdische Leben in der Stadt war völlig zerstört. Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus durch die Alliierten gab es noch ca. 100 in Frankfurt verbliebene Juden. Deutlich sichtbar sind die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges. Durch zahlreiche Luftangriffe wurden große Teile der Innenstadt zerstört. Am 22. März 1944 vernichtete ein britischer Angriff die gesamte gotische Altstadt Frankfurts, 1.001 Menschen verloren ihr Leben. Insgesamt starben während des Krieges durch Kampfhandlungen mehr als 4.800 Zivilisten und 12.700 Frankfurter Soldaten, die Hälfte der Wohngebäude (90.000) wurden zerstört. Durch Evakuierung, Flucht, Deportationen und Luftangriffe verlor die Stadt 35 % ihrer Bewohner (195.727 Personen). Die Bevölkerungszahl sank von 554.000 im Jahre 1939 auf 358.000 im Dezember 1945. Im Jahre 1951 wurde der Vorkriegsstand wieder erreicht.
1963 erreichte die Bevölkerungszahl mit 691.257 einen Höchststand und sank dann bis 1986 auf 592.411 Personen, vor allem durch Wanderungsbewegungen ins Umland. Danach stieg sie wieder an und lag nach der Deutschen Wiedervereinigung bis etwa 2005 zwischen 640.000 und 650.000 Einwohnern. Der starke Anstieg seitdem auf aktuell zum Stichtag ist eine Folge der wirtschaftlichen Dynamik der Stadt, der Ausweisung neuer Siedlungs- und Wohngebiete – unter anderem auf ehemaligem Militärgelände der amerikanischen Streitkräfte – sowie der Veränderung der Altersstruktur durch den Zuzug junger Familien.
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen von Frankfurt am Main nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1810 handelt es sich meist um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der Stadtverwaltung (bis 1970) und des Statistischen Landesamtes (ab 1971). Die Angaben beziehen sich ab 1837 auf die „Zollabrechnungsbevölkerung“, ab 1871 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1837 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.
Von 1387 bis 1900 (jeweiliger Gebietsstand) Jahr/Datum Einwohner 1387 9.600 1520 10.000 1605 20.000 1700 23.000 1750 32.000 1810 40.485 3. Dezember 1837 ¹ 54.037 3. Dezember 1840 ¹ 56.217 Datum Einwohner 3. Dezember 1843 ¹ 56.348 3. Dezember 1846 ¹ 58.519 3. Dezember 1849 ¹ 59.366 3. Dezember 1852 ¹ 62.561 3. Dezember 1855 ¹ 64.316 3. Dezember 1858 ¹ 68.049 3. Dezember 1861 ¹ 71.564 3. Dezember 1864 ¹ 78.221 Datum Einwohner 3. Dezember 1867 ¹ 78.277 1. Dezember 1871 ¹ 91.040 1. Dezember 1875 ¹ 103.136 1. Dezember 1880 ¹ 136.831 1. Dezember 1885 ¹ 154.441 1. Dezember 1890 ¹ 180.020 2. Dezember 1895 ¹ 229.279 1. Dezember 1900 ¹ 288.989 ¹ Volkszählungsergebnis
Von 1905 bis 1944
(jeweiliger Gebietsstand)
Datum Einwohner 1. Dezember 1905 ¹ 334.978 1. Dezember 1910 ¹ 414.576 1. Dezember 1916 ¹ 395.663 5. Dezember 1917 ¹ 389.692 8. Oktober 1919 ¹ 433.002 31. Dezember 1919 458.400 31. Dezember 1920 466.900 31. Dezember 1921 475.700 31. Dezember 1922 477.700 31. Dezember 1923 471.600 Datum Einwohner 31. Dezember 1924 472.300 16. Juni 1925 ¹ 467.520 31. Dezember 1925 473.500 31. Dezember 1926 472.900 31. Dezember 1927 475.000 31. Dezember 1928 551.200 31. Dezember 1929 547.000 31. Dezember 1930 540.900 31. Dezember 1931 535.900 31. Dezember 1932 534.000 Datum Einwohner 16. Juni 1933 ¹ 555.857 31. Dezember 1933 554.900 31. Dezember 1934 555.367 31. Dezember 1935 555.279 31. Dezember 1936 551.051 31. Dezember 1937 551.420 31. Dezember 1938 557.100 17. Mai 1939 ¹ 553.464 31. Dezember 1940 557.900 ¹ Volkszählungsergebnis
Eine realitätsnähere Einschätzung der Bevölkerungsentwicklung im Zweiten Weltkrieg ergeben die Ergebnisse der Verbrauchergruppenstatistiken, die aus den Daten der Lebensmittelzuteilungen gewonnen wurden und 1953 vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht wurden. Nach der Kleinen Verbrauchergruppenstatistik umfasste die versorgte Zivilbevölkerung in FrankfurtStatistisches Bundesamt (Hrsg.): Statistische Berichte, Arb.-Nr. VIII/19/1, Die Zivilbevölkerung des Deutschen Reiches 1940–1945. Ergebnisse der Verbrauchergruppen-Statistik. Wiesbaden 1953, S. 30. Anfang Februar 1943 487.698 Personen (darunter 13.978 Gemeinschaftsverpflegte), Anfang Februar 1944 449.055 (darunter 30.772 Gemeinschaftsverpflegte), Mitte August 1944 nur noch 294.504 (davon 26.215 Gemeinschaftsverpflegte) und im Oktober/November 1944 297.289 Personen (darunter 32.734 Gemeinschaftsverpflegte).
Von 1945 bis 1970
(jeweiliger Gebietsstand)
Datum Einwohner 31. Dezember 1945 357.737 29. Oktober 1946 ¹ 424.065 13. September 1950 ¹ 532.037 31. Dezember 1951 562.743 31. Dezember 1952 580.463 31. Dezember 1953 600.579 25. September 1956 ¹ 623.172 Datum Einwohner 31. Dezember 1960 670.048 6. Juni 1961 ¹ 683.081 31. Dezember 1961 685.682 31. Dezember 1962 688.896 31. Dezember 1963 691.257 31. Dezember 1964 689.724 31. Dezember 1965 689.288 Datum Einwohner 31. Dezember 1966 683.707 31. Dezember 1967 667.457 31. Dezember 1968 665.405 31. Dezember 1969 665.791 27. Mai 1970 ¹ 669.635 31. Dezember 1970 669.751 ¹ Volkszählungsergebnis
Quelle: Stadtverwaltung Frankfurt am Main
Ab 1971
(jeweiliger Gebietsstand) Datum Einwohner 31. Dezember 1971 657.776 31. Dezember 1972 666.990 31. Dezember 1973 663.422 31. Dezember 1974 652.037 31. Dezember 1975 636.157 31. Dezember 1976 626.251 31. Dezember 1977 632.565 31. Dezember 1978 631.007 31. Dezember 1979 628.203 31. Dezember 1980 629.375 31. Dezember 1981 625.352 31. Dezember 1982 620.186 31. Dezember 1983 610.244 31. Dezember 1984 599.634 31. Dezember 1985 595.348 31. Dezember 1986 592.411 25. Mai 1987 ¹ 618.266 31. Dezember 1987 621.379 31. Dezember 1988 625.258 31. Dezember 1989 635.151 31. Dezember 1990 644.865 Datum Einwohner 31. Dezember 1991 654.079 31. Dezember 1992 663.952 31. Dezember 1993 659.803 31. Dezember 1994 652.412 31. Dezember 1995 650.055 31. Dezember 1996 647.304 31. Dezember 1997 643.469 31. Dezember 1998 643.857 31. Dezember 1999 643.821 31. Dezember 2000 646.550 31. Dezember 2001 641.076 31. Dezember 2002 643.726 31. Dezember 2003 643.432 31. Dezember 2004 646.889 31. Dezember 2005 651.899 31. Dezember 2006 652.610 31. Dezember 2007 659.021 31. Dezember 2008 664.838 31. Dezember 2009 671.927 31. Dezember 2010 679.664 9. Mai 2011¹ 667.925 Datum Einwohner 31. Dezember 2011 676.533 31. Dezember 2012 687.775 31. Dezember 2013 701.350 31. Dezember 2014 717.624 31. Dezember 2015 732.688 31. Dezember 2016 736.414 31. Dezember 2017 746.878 31. Dezember 2018 753.056 31. Dezember 2019 761.561 31. Dezember 2020 764.104 31. Dezember 2021 759.224 15. Mai 2022¹ 743.318 31. Dezember 2022 747.389 31. Dezember 2023 749.596 31. Dezember 2024 756.021 31. Dezember 2025 760.656 ¹ Volkszählungsergebnis. Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt