Die Ruinen von Loropéni sind die Überreste einer ehemaligen Befestigungsanlage in der Gemeinde Loropéni im Süden des westafrikanischen Staates Burkina Faso, im Grenzgebiet zu Ghana und der Elfenbeinküste, im heutigen Siedlungsgebiet des Volkes der Lobi. Seit 2009 stehen die Ruinen als erstes Objekt des Landes auf der UNESCO-Welterbe-Liste.
Lage und Zugänglichkeit Die Ruinen von Loropéni befinden sich etwa 45 Kilometer westlich der Stadt Gaoua, dem Hauptort der Provinz Poni, im Südwesten Burkina Fasos. Das Gelände ist von dichter Vegetation überwuchert, was die Ruinen von weitem kaum sichtbar macht. Die Anlage ist über unbefestigte Pisten erreichbar, der nächste größere Ort mit Unterkünften ist Gaoua.
Geschichte Die Bauten wurden wahrscheinlich vom Volk der Kulango oder Loron errichtet, die die Gewinnung und Verarbeitung von Gold während der Blütezeit des Goldhandels zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert kontrollierten. Endgültig verlassen wurde die Siedlung vermutlich im frühen 19. Jahrhundert.
Im Jahr 1902 wurden die Ruinen von europäischen Forschern wiederentdeckt.
Beschreibung mini|links|Archäologische Ausgrabungen innerhalb der Festungsmauern (Mai 2016) Die Ruinen sind der besterhaltene Teil eines Systems von insgesamt zehn Befestigungsanlagen im Gebiet der Lobi, die zum Schutz des ehemaligen Transsaharahandels errichtet wurden. Sie gehören zu einer größeren Gruppe von rund 100 steinernen Umfriedungen in der Region, die vom Umfang des Goldhandels zeugen.
Die bis zu sechs Meter hohen Trockenmauern der Festung bestehen aus lokalem Stein ohne Mörtel und erreichen stellenweise eine Breite von fast 1,20 Metern. Die Mauern umschließen ein Kernareal von etwa 1,11 Hektar und weisen keinen sichtbaren Eingang auf. Im Inneren der Anlage förderten archäologische Grabungen Keramikscherben, Eisenschlacke und Mahlsteine zutage, die auf eine lokale Eisenverarbeitung, Landwirtschaft und die Weiterverarbeitung von Gold hindeuten. Daneben existieren innerhalb des Areals die Reste von mehreren steinernen Plattformen, die möglicherweise als Fundamente für Wohn- oder Wirtschaftsgebäude dienten.
UNESCO-Welterbe Im Juni 2009 wurden die Ruinen von Loropéni als erstes Objekt des Landes in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Die Aufnahme erfolgte aufgrund des Kriteriums (iii): Die Ruinen stellen ein außergewöhnliches Zeugnis der untergegangenen Zivilisation der Goldhandelszentren im westafrikanischen Savannenraum dar. Das als Welterbe ausgewiesene Gebiet umfasst eine Fläche von rund 1,11 Hektar (inklusive einer zum Schutz dienenden Pufferzone sogar 278,4 Hektar). Erhaltung und Bedrohungen Die Ruinen von Loropéni wurden bereits 2008 auf die Watch List des World Monuments Fund (WMF) gesetzt, was zur Entwicklung eines Erhaltungsplans führte. Etwa 80 Prozent der ursprünglichen Umfassungs- und Trennwände sind noch erhalten.
Die Ruinen sind jedoch verschiedenen Gefährdungen ausgesetzt. Strukturelle Schwächen und der Verlust äußerer Steinschichten, insbesondere an den tropischen Regenfällen und starken Winden ausgesetzten Mauern, haben zu Schäden geführt. Nagetieraktivität hat an einigen Stellen die Fundamente geschwächt, und dicht an den Mauern stehende Vegetation beeinträchtigt deren Stabilität. Der Großteil der Steinbedeckung auf den unteren Mauerabschnitten ist verschwunden, was wahrscheinlich auf häufige Buschbrände während der Trockenzeit und auf aufsteigende Feuchtigkeit während der Regenzeit zurückzuführen ist.
Forschung und offene Fragen Die Ruinen von Loropéni geben der Forschung bis heute zahlreiche Rätsel auf. So ist nicht geklärt, wer die Anlage erbaute, zu welchem Zweck sie diente und wann sie genau entstand. Eine internationale Forschergruppe aus Frankreich, Burkina Faso und der Elfenbeinküste untersucht das Gelände seit 2015 mit archäologischen Grabungen, geologischen Surveys und digitalen 3D-Modellen.
Ein besonderes Merkmal der Anlage ist, dass die bis zu sechs Meter hohen Mauern keinen sichtbaren Eingang aufweisen. Ob es sich bei der Befestigung um eine reine Verteidigungsanlage, ein Machtsymbol oder beides handelte, ist Gegenstand der Diskussion. Auch die Frage, ob der Ort dauerhaft bewohnt war oder nur zeitweise als Rückzugsort diente, ist ungeklärt. Radiokarbondatierungen deuten auf eine Besiedlung im 15. Jahrhundert hin, doch die genaue zeitliche Einordnung der gesamten Nutzungsdauer bleibt Gegenstand weiterer Forschung.
Mündliche Überlieferungen der lokalen Bevölkerung ranken sich um die Ruinen und schreiben ihre Errichtung etwa übernatürlichen Wesen wie Riesen zu. Für die Archäologie sind solche Erzählungen zwar kein Beleg für die tatsächliche Baugeschichte, sie zeigen jedoch, dass der Ort bis heute eine starke kulturelle Bedeutung für die Region besitzt.
Einzelnachweise
Weblinks
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