Das Amt Calvörde Die Lage der Exklave Calvörde im Herzogtum Braunschweig (1914)

Das Amt Calvörde gehörte von 1571 bis 1945 als Exklave zum Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel beziehungsweise Herzogtum Braunschweig und zuletzt zum Freistaat Braunschweig. Es war damit ein Amt des Landkreises Helmstedt und hatte eine Größe von 102 km²Horst-Rüdiger Jarck, Gerhard Schildt (Hrsg.): Braunschweigische Landesgeschichte. Jahrtausendrückblick einer Region, S. 21 und war von den Kreisen Gardelegen und Neuhaldensleben umschlossen,A. Bühling: Geographisch-statistisch-topographisches Handbuch des Regierungsbezirks Magdeburg, 1. Theil, Magdeburg 1864, S. 2 die zur preußischen Provinz Sachsen gehörten. Innerhalb der braunschweigischen Exklave befand sich wiederum die preußische Enklave „Pax“.Horst-Rüdiger Jarck, Gerhard Schildt (Hrsg.): Braunschweigische Landesgeschichte. Jahrtausendrückblick einer Region, S. 23

Geschichte mini|Grenzstein mini|Calvörde um 1654/1658, Stich von Matthäus Merian 1571 wurden die Pfandbesitzungen um Calvörde mit der Burg Calvörde (Calvörde mit Hünerdorf, Velsdorf, Berenbrock, Elsebeck und Lössewitz) – diese hatten ab 1565 Viktor von Bülow gehört – durch Julius von Braunschweig wieder eingelöst. Er vereinigte das Gebiet mit dem Halbgericht (Uthmöden, Zobbenitz, Dorst und Born) zum Amt Calvörde. Seit diesem Zeitpunkt war das Amtsgebiet rein braunschweigisch und wurde von einem sogenannten herzoglichen Amtmann verwaltet.Rudi Fischer: 800 Jahre Calvörde – Eine Chronik bis 1991.

Das Amt Calvörde gehörte zum Braunschweigischen Herzogtum und blieb dessen Bestandteil bis zur Auflösung dessen Nachfolgers, des Freistaates bzw. zuletzt Landes Braunschweig, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Lediglich von 1807 bis 1813 gehörte es als Kanton Calvörde zum Königreich Westphalen.

Im Zuge der Reorganisation des Herzogtums Braunschweig wurden die Ortschaften des Amts Calvörde mit dem Amt Vorsfelde zu einem Kreisgericht, dann Kreisamt Vorsfelde zusammengelegt. 1827 wurde in Calvörde ein eigenes Kreisamt eingerichtet und ab 1833 galt auch wieder die alte Bezeichnung „Amt Calvörde“. Im Jahre 1847 hatte das Amt Calvörde 3676 Einwohner und umfasste den Flecken Calvörde, der der Sitz der Amtsverwaltung war und zu dem der Ortsteil Hünerdorf gehörte, sowie die zehn Dörfer Berenbrock, Elsebeck, Jeseritz, Lössewitz, Parleib, Velsdorf, Zobbenitz, Dorst und Uthmöden mit Born. Heute gehören Jeseritz und Parleib zum Altmarkkreis Salzwedel, die übrigen Dörfer zum Landkreis Börde.Karl Venturini: Das Herzogthum Braunschweig in seiner gegenwärtigen Beschaffenheit, S. 266

Mit dem Gerichtsverfassungsgesetz vom 21. August 1849 und dessen Umsetzung zum 1. Juli 1850 wurden Verwaltung und Justiz im Herzogtum Braunschweig konsequent getrennt.Stefan Brüdermann (Hrsg.): Geschichte Niedersachsens, Band 4, Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkriegs, Wallstein, Göttingen 2016, S. 256, ISBN 978-3-8353-1585-3 Amt Calvörde und die weiteren Ämter des Herzogtums verloren daraufhin an Bedeutung. Im Jahr 1855 umfasste das Amt neun Ortschaften mit 3782 Einwohnern.Georg von Viebahn: Statistik des zollvereinten und nördlichen Deutschlands. Reimer, Berlin 1858, S. 405

Zur Entwicklung des Postwesens im Amt Calvörde siehe: Postroute Braunschweig–Calvörde.

Wappen Das calvördische Amtssiegel enthielt damals oben einen Braunschweiger Löwen, in der Mitte einen Wasserstrom und unten zwei einander abgekehrte Klauen, zur Bezeichnung der hiesigen Braunschweiger Amtsherrschaft dies- und jenseits der Ohre. Die Umschrift lautet Ambt Kalvörde.

mini|Das Amtssiegel

Amtmänner Amtszeit Name Bemerkung 1. 1571 Erich Dux erster Amtmann 1.a (1586) Johann Schoppe siehe Uthmöden 2. 1571–1592 Georg von Halle starb am 18. August 1592 im Amt 3. …… –1593 Johann von Doyen 4. …… –1599 Moritz von Lüden (oder Moritz von der Lühe) 5. …… –1616 Simon Reihers 6. …… –1621 Burghard Wacker 7. …… –1623 Johann Kühne 8. …… –1625 Johann Falkenberg 9. …… –1642 Peter Franz Fricke 10. 1642– …… Hubold Rörig 11. 1677– …… Johann Zimmermann 12. …… –1713 Johann Georg Fromme 13. …… –1747 Johann Nicolaus Lambrecht 14. …… –1779 Johann August Kamlah 15. …… –1809 Johann Levin Kagel

Einwohnerverteilung aus dem Jahr 1832 Durch Angaben der Calvörder Predigers, Friedrich Röver, wissen wir etwas über die Einwohnerverteilung im Amt Calvörde. Orte Häuseranzahl Einwohneranzahl Flecken Calvörde () / Hünerdorf () 156 1874 Velsdorf () 18 175 Berenbrock () 12 129 Elsebeck () 12 134 Jeseritz () 23 285 Parleib 12 104 Lössewitz () 13 129 Zobbenitz () 23 333 Dorst () 3 31 Uthmöden () / Horstmühle / Born () 49 / 2 / 1 580

Literatur Jürgen Schrader: Der Flecken Calvörde. Eine 1200-jährige Geschichte. Die Werkstatt, Göttingen 2011, ISBN 978-3-89533-808-3. Hermann Kleinau: Geschichtliches Ortsverzeichnis des Landes Braunschweig A–K. In: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen (Bremen und die ehemaligen Länder Hannover, Oldenburg, Braunschweig und Schaumburg-Lippe) XXX, Geschichtliches Ortsverzeichnis von Niedersachsen, 2, Land Braunschweig. August Lax Verlagsbuchhandlung, Hildesheim 1967. Wilhelm Görges, Ludwig Spehr, Franz Fuhse: Vaterländische Geschichten und Denkwürdigkeiten der Lande Braunschweig und Hannover, Band 1: Braunschweig; 3. Auflage, Braunschweig 1929.

Karl Venturini: Das Herzogthum Braunschweig in seiner gegenwärtigen Beschaffenheit, 3. Auflage, Helmstedt 1847.

Einzelnachweise

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