mini|hochkant|Klaus Martin Kopitz (1995) Klaus Martin Kopitz (* 29. Januar 1955 in Stendal) ist ein deutscher Komponist und Musikwissenschaftler. International bekannt wurde er mit seinem Album Mia Brentano’s Hidden Sea. 20 Songs for 2 Pianos (2018), das in den USA auf die Jahresbestenliste („Want List“) des Klassikmagazins Fanfare gelangte.Fanfare, Jg. 42, Heft 2 (November/Dezember 2018), S. 190f. (online) und S. 205f. (online) Die folgende CD River of Memories. A Mystery Trip (2019) kam ebenfalls auf die Jahresbestenliste von FanfareFanfare, Jg. 43, Heft 2 (November/Dezember 2019), S. 150f. (online) und S. 166f. (online) und erhielt außerdem einen Preis der deutschen Schallplattenkritik. Das dritte Album, Summerhouse. New Music for 2 Pianos (2022) wurde für den Opus Klassik nominiert und von Fanfare erneut zu einem der besten Alben des Jahres gewählt,Fanfare, Jg. 46, Heft 2 (November/Dezember 2022), S. 127–129 (online) ebenso das vierte Album Mia Brentano’s American Diary (2024).Website Fanfare

Komponist Kopitz wuchs in Tangerhütte (Altmark) auf, wo er 1973 sein Abitur ablegte. Von 1975 bis 1980 absolvierte er an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin ein Kompositions-Studium bei Gerhard Tittel. 1985 bis 1987 war er Meisterschüler von Paul-Heinz Dittrich an der Akademie der Künste der DDR und besuchte Kurse in dem von Georg Katzer gegründeten Studio für Elektroakustische Musik der Akademie. Anschließend leitete er die Schauspielmusik am Theater Neustrelitz. In dieser Zeit realisierte er mehrere Filmmusiken, darunter für den letzten DEFA-Film Der Besucher des israelischen Filmregisseurs Dror Zahavi, außerdem Musiken für Theater und Hörspiel.

Im Gegensatz zu vielen anderen Komponisten seiner Generation, die ausschließlich Atonale Musik für „modern“ halten, vertrat Kopitz schon in den 1980er Jahren die Ansicht, es sei ebenso möglich, „daß jemand mit völlig traditionellen Mitteln absolutes Neuland betritt“.Neue Musik im geteilten Deutschland, Band 4, Dokumente aus den achtziger Jahren, hrsg. von Ulrich Dibelius und Frank Schneider, Berlin 1999, S. 330 (Digitalisat) Beeinflusst wurde er dabei namentlich von John Cage und Steve Reich. Seine neueren Werke lassen sich keinem bestimmten Genre mehr zuordnen und demonstrieren eine große stilistische Freiheit.

Unter dem Pseudonym Mia BrentanoEintrag in der Deutschen Nationalbibliothek veröffentlichte er 2018 den Zyklus Mia Brentano’s Hidden Sea. 20 Songs for 2 Pianos. Oliver Buslau bescheinigte den Stücken „ein immer wieder überraschendes Panorama von klassisch bis freitonal, von jazzig bis minimalistisch.“Oliver Buslau, Kopitz’ andere Seite, in: Rondo, Nr. 3/2018, S. 62 (online) Der US-amerikanische Musikkritiker Huntley Dent nannte das Album „unique among current and past releases“ (einzigartig unter den gegenwärtigen und vergangenen Veröffentlichungen).Fanfare, Jg. 42, Heft 1 (September/Oktober 2018), S. 89 (online)

Große Anerkennung fand auch das avancierte, 2019 veröffentlichte Nachfolgeprojekt Mia Brentano’s River of Memories. Es spannt stilistisch einen Bogen von Jazz-inspirierter Kammermusik über Elektronische Musik bis hin zu Soundcollagen, die Elemente der Radiokunst und des Hörspiels einbeziehen. Dave Saemann bekannte in einer umfangreichen Besprechung: „This is the most moving new album I’ve heard in some time.“ (Dies ist das bewegendste neue Album, das ich seit einiger Zeit gehört habe.) Am Schluss resümierte er: „Mia Brentano, if other composers would only listen and learn, probably is the future.“ (Mia Brentano, wenn andere Komponisten nur zuhören und lernen würden, ist wahrscheinlich die Zukunft.)Fanfare, Jg. 43, Heft 1 (September/Oktober 2019), S. 102f.

Mia Brentano’s Summerhouse, das dritte Album, das Michael Breugst im Funkhaus Wallrafplatz für den WDR Köln produzierte, erweitert und intensiviert die Möglichkeiten, die das Komponieren für zwei Klaviere bietet. Das vierte Album – Mia Brentano’s American Diary – entstand schließlich in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg. Die US-amerikanische Musikkritikerin Jacqueline Kharouf hielt es für das bislang beste von Kopitz und nannte es „a wonderful collage of sound and meaning“ (eine wundervolle Collage aus Klang und Bedeutung).Website Fanfare

Musikwissenschaftler Prägend für seine Karriere als Wissenschaftler war der Schweizer Beethoven-Forscher Harry Goldschmidt, dessen Privatassistent Kopitz von 1982 bis 1984 war. 2000 wurde er bei Helmut Loos in Musikwissenschaft promoviert und gründete 2002 mit Rainer Cadenbach die Beethoven-Forschungsstelle an der Universität der Künste Berlin, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wurde. Von 2006 bis 2008 wurden seine Beethoven-Forschungen von der Ernst von Siemens Musikstiftung finanziert.

Daneben gab er erstmals das Gesamtwerk des Komponisten Norbert Burgmüller heraus, unterstützt von der Arbeitsgemeinschaft für rheinische Musikgeschichte, der Kunststiftung NRW und dem Landschaftsverband Rheinland. Die sieben Bände umfassende Ausgabe erschien im Verlag Dohr in der Reihe Denkmäler rheinischer Musik.

Internationales Interesse erregte Kopitz mit seinen Forschungen über die zuvor kaum bekannte Beethoven-Freundin Elisabeth Röckel und die Entstehung des Klavierstücks Für Elise. Eine erste kurze Zusammenfassung veröffentlichte 2009 Der Spiegel.Die enttarnte Elise, in: Der Spiegel, Nr. 26 vom 22. Juni 2009, S. 138 Weitere musikgeschichtlich bedeutende Frauengestalten, mit denen sich seine Forschungen befassten, waren Therese von Zandt, Beethovens „Unsterbliche Geliebte“ und Robert Schumanns Geliebte „Charitas“.

Vom 15. März 2012 bis zum 31. Dezember 2024 arbeitete er an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig als Arbeitsstellenleiter der Schumann-Briefedition, Serie II, Briefwechsel mit Freunden und Künstlerkollegen. Es handelt sich um die erste Gesamtausgabe der Korrespondenz von Robert und Clara Schumann.

Privates Kopitz lebt seit 1975 in Berlin und ist mit einer Tochter des Schauspielers Heinz Lyschik verheiratet. Das Paar wohnt im Villenviertel am Orankesee.Angaben laut Website

Auszeichnungen 1978: Preis des Kammermusik-Wettbewerbs der DDR-Musiktage, für Momente. 13 Änderungen für Streichquartett 1991: Hanns-Eisler-Preis des Deutschlandsenders Kultur, für Die Stille des verlassenen Raumes für 3 Sprecher (Isländisch, Amharisch und Yoruba), Vokaltöne, Gitarre, Geräusche und Electronics (1990) 1991/92: Stipendiat der Stiftung Kulturfonds 1992: Preis beim Forum für junge Komponisten des WDR Köln, für Die Stille des verlassenen Raumes 2003: Deutscher Musikeditionspreis in der Kategorie „Wissenschaftliche Notenausgaben“, für Norbert Burgmüller: Sämtliche Streichquartette (Verlag Dohr, Köln, 2002) 2009: Deutscher Musikeditionspreis in der Kategorie „Wissenschaftliche Notenausgaben“, für Norbert Burgmüller: Sämtliche Klavierwerke (Verlag Dohr, Köln, 2008) 2019: Preis der deutschen Schallplattenkritik in der Kategorie „Grenzgänge“, für Mia Brentano’s River of MemoriesBestenliste 4/2019 2022: Nominierung für den Opus Klassik in der Kategorie „Klassik ohne Grenzen“, für Mia Brentano’s Summerhouse

Diskografie (Auswahl) 1994 – Herbst-Musik für 2 Gitarren (1985/86); Klaus & Rainer Feldmann (Gitarre), auf: Herbst-Musik. Zeitgenössische Gitarren-Musik Berliner Komponisten – New Classical Adventure 1995 – Momente. 13 Änderungen für Streichquartett (1976/77); Streichquartett der Deutschen Staatsoper Berlin (Egon Morbitzer, 1. Violine, Bernd Müller, 2. Violine, Alfred Lipka, Viola, Karl-Heinz Schröter, Violoncello), auf: Musik in der DDR, Vol. 3, Instrumentale Kammermusik – Berlin Classics 2017 – Mia Brentano’s Hidden Sea. 20 Songs for 2 Pianos; Benyamin Nuss & Max Nyberg (Klavier) sowie Asja Valčić (Violoncello) – Mons Records When it Rained • Christina’s World • Early Birds • Miss Ada • Misty Morning • Along the River • Slapstick • A Silent Place • Children • My Huckleberry Friend • A Storm is Coming • Canajoharie • Wherever You Are • On the Train to Maine • Footprints • Mama Mia’s Moonshine Bar • Remembering Stella • Summernight Tales • Wake up • 4 o’clock a.m. 2019 – Mia Brentano’s River of Memories. A Mystery Trip; Benyamin Nuss (Klavier), Andy Miles (Klarinette), Johannes Ernst (Saxophon), Heiner Reinhardt (Bassklarinette), Hans Dekker (Drums), Klaus Martin Kopitz (Synthesizer) u. a. – Mons Records Blue Moon • Under the Surface • Les Champs magnétiques • Floating • Der Besucher • Wide Open Landscape • Silver Rain • Die Stille des verlassenen Raumes • Over the City of Glass • Angry Mia • Septemberland • Lily of the Valley • Ghosts (for Paul Auster) • Dancing in Twilight • Brahms Is Sleeping 2022 – Mia Brentano’s Summerhouse: New Music for 2 Pianos; Benyamin Nuss & Billy Test (Klavier); Produktion des WDR Köln, Produzent Michael Breugst – Mons Records The Letter • Roads into Dusk • Cat in the Window • Before Sunrise • I Was Seventeen • Unsung Song • Desert Island • Birds Leaving the Earth • Strange Little Boy • Dreaming Mathilda • Sleepy Landscape • Funky Fox • Angel in the Rain • Nightlounge • She Needs the Wind • Alone at the Lakeside • It’s Dripping on My Roof • Red Shoes • Drifting • Walking in Starlight • Days of Wine and Roses (Henry Mancini, arr. by Benyamin Nuss) • Moon River (Henry Mancini, arr. by Billy Test) 2024 – Mia Brentano’s American Diary; Benyamin Nuss (Klavier), Deutsches Filmorchester Babelsberg, Leitung Christian Köhler – Mons Records A Cabin in the Rockies • Good Morning, Good Fairy • Both of Us • Mad Dog in the Fog • Our God Is the Moon Over Alaska • Wie ein Vogel zu fliegen (Wolfgang Richter, arr. by Mia Brentano) • The Secret Garden • Midnight in Paradise • Wild Neighbors • Laurel Canyon • I Thought About You (Jimmy Van Heusen, arr. by Mia Brentano) • Not All Who Wander Are Lost • Talking with Trees • Me and the Wizard • A Bridge Across the Ocean • Flying Lights, Flying Colors • Eisler in Hollywood • Last Evening in Carmel • For Whom the Bell Tolls • No Time to Stop • Sandpiper’s Grave • Let It Rain • Burning Bodega (A Nightmare) • Sandman’s Lullaby (Wolfgang Richter, arr. by Benyamin Nuss)

Schriften (Auswahl) Bücher Siehe auch Schumann-Briefedition Der Düsseldorfer Komponist Norbert Burgmüller. Ein Leben zwischen Beethoven – Spohr – Mendelssohn, Köln: Dohr, 1998, ISBN 978-3-936655-34-6 Beethoven aus der Sicht seiner Zeitgenossen in Tagebüchern, Briefen, Gedichten und Erinnerungen, hrsg. von Klaus Martin Kopitz und Rainer Cadenbach unter Mitarbeit von Oliver Korte und Nancy Tanneberger, 2 Bände, München: Henle, 2009, ISBN 978-3-87328-120-2 Nota Bene Norbert Burgmüller. Studien zu einem Zeitgenossen von Mendelssohn und Schumann, hrsg. von Tobias Koch und Klaus Martin Kopitz, Köln: Dohr, 2009, ISBN 978-3-936655-61-2 „Ich glaubte nur an Musik“. Wolfgang Müller von Königswinter, Erinnerungen an Norbert Burgmüller, hrsg. von Klaus Martin Kopitz, Begleitbuch zur Ausstellung zum 200. Geburtstag von Norbert Burgmüller im Heinrich-Heine-Institut, Köln: Dohr, 2010, ISBN 978-3-936655-76-6 Beethoven, Elisabeth Röckel und das Albumblatt „Für Elise“, Köln: Dohr, 2010, ISBN 978-3-936655-87-2 Justus Hermann Wetzel, Briefe und Schriften, hrsg. von Klaus Martin Kopitz und Nancy Tanneberger, Würzburg: Königshausen & Neumann, 2019, ISBN 978-3-8260-7013-6

Aufsätze Beethovens Aufenthalt in Berlin 1796, in: Neue Berlinische Musikzeitung, Jg. 11, Heft 1/1996, Beiheft Berliner Beiträge zur Musikwissenschaft, S. 48–50 (PDF) Das Beethoven-Erlebnis Ludwig Tiecks und Beethovens Zerwürfnis mit Fürst Lichnowsky, in: Österreichische Musikzeitschrift, Jg. 53 (1998), S. 16–23 (PDF) Antonie Brentano in Wien (1809–1812). Neue Quellen zur Problematik „Unsterbliche Geliebte“, in: Bonner Beethoven-Studien, Band 2 (2001), S. 115–146, klaus-martin-kopitz.de (PDF; 396 kB)