Trendelburg ist eine Kleinstadt im nordhessischen Landkreis Kassel.

Geografie Lage Trendelburg liegt zwischen den Städten Hofgeismar im Süden und Bad Karlshafen im Norden. Es wird vom Weser-Nebenfluss Diemel durchflossen und befindet sich direkt westlich des Reinhardswalds.

Nachbargemeinden Trendelburg grenzt im Norden an die Städte Beverungen (im nordrhein-westfälischen Kreis Höxter) und Bad Karlshafen, im Osten an das gemeindefreie Gebiet Gutsbezirk Reinhardswald, im Süden an die Stadt Hofgeismar und die Gemeinde Liebenau (alle vier im Landkreis Kassel) sowie im Westen an die Stadt Borgentreich (im Kreis Höxter, Nordrhein-Westfalen).

Ortsteile Trendelburg besteht aus den Ortsteilen: (in Klammern Einwohnerzahlen Stand 30. Juni 2023) Deisel (922) Eberschütz (489) Friedrichsfeld (137) Gottsbüren (704) Langenthal (635) Sielen (491) Stammen (403) Trendelburg (Kernstadt) mit Weiler Wülmersen (1.039)

Insgesamt 4.820 Einwohner am 30. Juni 2023

Das Dorf Gottsbüren ist durch ein schmales Stück des Waldgebietes Gutsbezirk Reinhardswald vom restlichen Gemeindegebiet abgetrennt.

Geschichte mini|Stadt Trendelburg Westansicht mini|Trendelburg – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655 mini|Burg Trendelburg, Südansicht mini|Burg Trendelburg, Nordansicht

Überblick Die Burg Trendelburg entstand im 13. Jahrhundert (Abschrift aus „Liber vitae“, Kloster Corvey, im Staatsarchiv Münster) im Grenzgebiet am Fluss Diemel – hier befand sich eine Furt, an der sich wichtige Handelswege kreuzten – zwischen den Bistümern Paderborn, Mainz und der aufstrebenden Landgrafschaft Hessen. Erbauer war Konrad III. von Schöneberg (1249–1311). Der Gerichtsort wurde an die Linde vor der Burg gelegt. Durch den Halsgraben getrennt, entstand vor der Burg auf dem Bergrücken eine kleine Siedlung, die zwei Tore hatte und von einer Stadtmauer umschlossen war. Ältere im Tal liegende Dörfer (Trende, Sulten, Exen) wurden nach und nach aufgegeben und zugunsten des befestigten Trendelburgs verlassen.

Eine Urkunde (copiam 1303; im Staatsarchiv Würzburg) hält fest, dass Konrad die Unterstützung des Erzbistums Mainz suchte. Kurz darauf wurde seine Burg Schöneberg von Truppen des Hochstifts Paderborn erstürmt. Ab 1306 gehörte Trendelburg jeweils hälftig zum Hochstift Paderborn und zur Landgrafschaft Hessen. Ein gemeinsam gewählter Amtmann mit Sitz auf der Burg Trendelburg vertrat ab sofort beide Parteien bis ins 15. Jahrhundert.

In den Jahren 1443 und 1456 wurden Burg und Stadt durch Brände verwüstet und danach wieder aufgebaut. Der hessische Landgraf Ludwig II. nahm 1464, während der Hessen-Paderbornischen Fehde (1464–1471) die gegnerische Hälfte der Burg in Besitz und gab Trendelburg Stadtrechte. Nach einem Friedensvertrag blieb Trendelburg hessisches Territorium.

Im Dreißigjährigen Krieg lagerten die Truppen Tillys in Trendelburg und dem Umland. Bei Kampfhandlungen zerstörten sie 51 von 112 Häusern. Die Pest wütete und 50 % der Bevölkerung kam um. 1676 vergrößerte Landgraf Karl die Burg und baute sie zum Jagdschloss um. Das Rittergut „Zur Abgunst“ entstand 1703, nachdem der Burgsitz der Familie von Stockhausen im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden war.

1700–1730 wurde der Landgraf-Carl-Kanal mit einer Schleuse in Trendelburg errichtet. Im Siebenjährigen Krieg fanden heftige Gefechte zwischen französischen und braunschweigischen Truppen statt. Die Burg wurde von der gegenüberliegenden Anhöhe (Bünge) in Brand geschossen, und die französischen Verteidiger mussten aufgeben.

Seit dem 19. Jahrhundert, nach Auflösung der Ämter und des Gefängnisses, war ein preußisches Forstamt in der Burganlage untergebracht. 1848 wurde die Carlsbahn mit dem Bahnhof in Trendelburg sowie dem noch heute existierenden Deiseler Tunnel eröffnet. Bis 1986 bestand Bahnverkehr bis Trendelburg. 1901 erwarb mit Adalbert von Stockhausen die Familie von Stockhausen die Burg und baute sie zum Wohnsitz aus. 1949 richtete Hans-Ludwig von Stockhausen einen Hotel- und Restaurantbetrieb ein.

Hessische Gebietsreform Am 31. Dezember 1970 fusionierten im Zuge der Gebietsreform in Hessen die Stadt Trendelburg und sieben bis dahin selbstständigen Gemeinden (Deisel, Friedrichsfeld, Eberschütz, Gottsbüren, Langenthal, Sielen und Stammen) auf freiwilliger Basis zur erweiterten Stadt Trendelburg. Sie bilden die heutigen Stadtteile. Die Stadtverwaltung befindet sich in der Kernstadt Trendelburg.

Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Trendelburg erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Trendelburg 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021

Stadtverordnetenversammlung – Kommunalwahlen 2026

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 46,0 11 46,9 11 36,2 11 29,6 9 24,6 8 22,3 7 30,8 7 34,4 8 40,1 13 47,3 15 52,7 16 46,0 14 23,1 5 18,7 4 23,7 7 23,1 7 22,7 7 28,3 9 – – – – – – – – – – 3,4 1 Gesamt 100,0 23 100,0 23 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 63,2 59,4 57,4 56,3 54,9 63,7

Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Trendelburg neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und sieben weitere Stadträte angehören.Gremien: Magistrat der Stadt Bürgermeister ist seit dem 1. April 2024 der parteiunabhängige Manuel Zeich, der bis dahin Hauptamtsleiter der Stadtverwaltung war. Er wurde als Nachfolger von Martin Lange, der nach einer Amtszeit nicht wieder kandidiert hatte, am 3. Dezember 2023 im ersten Wahlgang bei 59,04 Prozent Wahlbeteiligung mit 62,50 Prozent der Stimmen gewählt.Votemanager: Bürgermeisterwahl Stadt Trendelburg 2023

Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu ladenStadtteil Trendelburg: mit Namen und Amtszeiten der Bürgermeister seit der Gemeindegebietsreform 1971 2024–2030 Manuel ZeichHNA, 4. Dezember 2023: Manuel Zeich wird neuer Bürgermeister von Trendelburg: Amtszeit beginnt am 1. April 2024 2018–2024 Martin LangeHNA, 15. Mai 2023: Trendelburger Bürgermeister Martin Lange zieht seine Kandidatur zurück 2012–2018 Kai BachmannHNA, 22. März 2018: Trendelburg: Amtszeit von Bürgermeister Bachmann endet 1988–2012 Bernhard KlugHNA, 29. Juli 2011: Bernhard Klug tritt nicht mehr an - Hessenschau, 3. Juni 2022: Bürgermeister-Abwahlverfahren. Nicht abgewählt, da keine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger: „Bernhard Klug (parteilos), Trendelburg (Kassel), 2001“ 1971–1987 Franz Witzel

Wappen

Gemeindepartnerschaften Die Stadt Trendelburg unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu Allstedt in Sachsen-Anhalt seit 1991 Louvigné-du-Désert in der Bretagne seit 1991

Sehenswürdigkeiten mini|Die Diemel bei Trendelburg mini|Trendelburg im 19. Jahrhundert mini|Trendelburger Mikwe

Bauwerke Die Burg Trendelburg wurde im 13. Jahrhundert als Höhenburg am höchsten Punkt des Ortes erbaut. Sie gilt als das Wahrzeichen der Stadt. Altstadt: Die mittelalterliche Bebauung der Altstadt fiel 1868 zum großen Teil einem Stadtbrand zum Opfer. Einige Gewölbekeller, insbesondere der 2001 wiederentdeckte mit dem jüdischen Ritualbad, sind Relikte der Zeit vor dem Brand. Reste der Stadtmauer sowie die Anlage der Straßen und Zwischenwege (Zweeten) entsprechen der ursprünglichen Planung. In den 1950er und 1960er Jahren wurden im Bereich der Stadtmauer und des Rathauses Reste der alten Bebauung sowie der Brunnen am alten Marktplatz und die große Diemelbrücke (1747 vom schwedischen König und hessischen Landgrafen Friedrich erbaut) abgerissen. Diemelsächsische Bauernhäuser mit großem Tor und Tenne entstanden in der Straße Altes Tor seit dem 17. Jahrhundert in einer Zeile vor der Stadtmauer des landwirtschaftlich geprägten Ortes. Die mit Inschriften geschmückten Fassaden sind erhalten. Das älteste erhaltene Bauernhaus, Rathausstraße 3, entstand ca. 1460. Historisches Rathaus: Der dreigeschossige Fachwerkbau mit gotischem Eingangstor sowie einer Halle im Eingangsbereich ist Teil der heutigen Stadtverwaltung. Früher war hier Sitz des Bürgermeisters. Es hatte einen Gefängnisraum und beherbergte Teile der Feuerwehr. An der Front sind das Stadtwappen und die Sonnenuhr von 1582 zu erwähnen. Ein erster grundlegender Umbau, bei dem der Eingangsbereich mit einer zentralen Treppe erneuert wurde, erfolgte in den 1970er Jahren, nachdem die gesamte Verwaltung der Gemeinde hier untergebracht worden war. Seit 2010 erfolgt eine umfassende Renovierung, bedingt durch erhebliche Bauschäden. Die Evangelische Pfarrkirche (ehemals St. Maria) mit Bauelementen (linkes Seitenschiff) aus der Gründungszeit wurde im 14. Jahrhundert vollendet, nach Stadtbränden 1443 und 1456 als Hallenkirche dreischiffig neu aufgebaut, die mit einem Kreuzrippengewölbe versehen wurde. Das Bruchsteinmauerwerk der Außenwände ist aus heimischen Sandstein. Das Langhaus besteht aus einem Mittelbau mit drei Jochen und zwei gleich hohen Seitenschiffen in gotischem Architekturstil. Die viereckigen Pfeiler der Arkaden, die die Seitenschiffe vom Mittelschiff abtrennen, bestehen ebenfalls aus Bruchsteinen, sind jedoch verputzt. Der Chor schließt sich nach Nordosten an. Der seitlich angebaute Kirchturm hat eine 2007 renovierte Laternenhaube, die 1789 entstand. 1889 wurde der Haupteingang nach Westen verlegt. In der Sakristei befand sich das Erbbegräbnis der Familie von Stockhausen. Bei der Renovierung im 20. Jahrhundert wurde die Gruft aufgelöst, das zentrale Bleiglasfenster durch ein modernes ersetzt, der Fußboden mit den Grabsteinen erneuert, die unter einer weißen Tünche verborgenen Fresken freigelegt und die Empore mit dem Adelssitz sowie der Zugang entfernt. 2007 wurde die bestens erhaltene reliefartig gestaltete Grabplatte des Ernst Hans von Stockhausen, 1578, von außen an der inneren hinteren Kirchenwand angebracht. Die gut erhaltenen Epitaphe der Familie von Stockhausen sowie die freigelegten und renovierten Wandmalereien (Christophorus, Hl. Drei Könige) sind von besonderem Interesse. Aufwändig bemalte Särge der Familie finden sich heute in der Dauerausstellung des Museums für Sepulkralkultur in Kassel. Die Mikwe der ehemaligen jüdischen Gemeinde wurde 2001 bei Umbauarbeiten des Hauses Am Brunnen 6 durch Zufall wiederentdeckt. Zwei Gewölbekeller, die durch einen kurzen Gang verbunden sind, lassen das mittelalterliche Trendelburg nachempfinden. Zu den Öffnungszeiten des Tourismusbüros sind Gewölbekeller und Bad kostenlos zu besichtigen. Der größere Raum war ein Vorratskeller, der kleinere der Baderaum der seit dem 17. Jahrhundert bestehenden jüdischen Gemeinde. Ein quadratisches Becken mit drei Stufen wurde durch eine Wasserleitung mit „Lebendem Wasser“, das heißt fließendem Regen- oder Quellwasser, gespeist. Reste der Wasserleitung und ein Protokoll von 1783 belegen dies. Das Fachwerkhaus wurde bei einem Stadtbrand vor ca. 140 Jahren zerstört und der Eingang wurde zugeschüttet. Der Eingang zum Baderaum war zugemauert. Daher ist davon auszugehen, dass das Bad schon im 19. Jahrhundert aufgegeben und durch ein neues ersetzt wurde. So überstand es unbeschädigt die folgende Zeit. In den 1930er Jahren musste die in Trendelburg lebende jüdische Familie Giesberg das Wohnhaus, in dem sich die Synagoge befand, verkaufen und den Ort verlassen.