mini|Klosterkirche Memleben
Die Pfalz Memleben war im 10. Jahrhundert eine bedeutende Pfalz unter den ostfränkischen Königen Heinrich I. und seinem Sohn Otto I., die beide auch hier starben. Sie lag in oder in der Nähe von Memleben im westlichen Burgenlandkreis unweit von Nebra im thüringisch geprägten Teil Sachsen-Anhalts. Ihre genaue Lokalisierung ist Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Debatten. Heute wird die Pfalz überwiegend auf der Burg Wendelstein vermutet, aber auch die Altenburg in Wangen in Erwägung gezogen. Otto II. stiftete spätestens 979 unweit der Pfalz ein Benediktinerkloster, dessen eindrucksvolle Reste noch heute das Ortsbild prägen.
Geschichte Der Ort Mimileba vor der Pfalzgründung Die Pfalz lag in der Nachbarschaft einer Siedlung, die bereits im Breviarium Sancti Lulli als in Mimilebo genannt wird und im Besitz des Klosters Hersfeld war. Im Hersfelder Zehntverzeichnis wird der Ort Mimileba zusammen mit einer Reihe von weiteren Orten am Nordufer der Unstrut, so etwa Uuangun (Wangen), genannt. Daher wird Mimileba überwiegend nicht mit dem heutigen Dorf südlich der Unstrut, sondern mit der Wüstung Klein- oder Wenigen-Memleben auf der anderen Flussseite identifiziert.
Von der Gründung der Pfalz in Memleben und dem Standort ist nichts bekannt. Die Pfalz war aber in der Lage, Herrscher und ihr Gefolge zu beherbergen und zu versorgen. Zwischen 936 und 994 hielten sich nachweislich mehrere ottonische Herrscher in Memleben auf. Durch eine Beurkundung Konrads II. im Jahr 1033 in Memleben wird dort noch von einem königlichen Hof und in der Umgebung noch von königlichem Besitz ausgegangen.
Sterbeort König Heinrichs I. Zu einem Ort von herausragender historischer Bedeutung wurde Memleben durch den Tod Heinrichs I. Während eines Jagdaufenthaltes in dem Hof Bodfeld bei Elbingerode im Harz erkrankte der König schwer. Vermutlich hatte er einen Schlaganfall erlitten. Über Erfurt, wo er auf einer Reichsversammlung seine Nachfolge regelte, reiste er nach Memleben und verstarb hier am 2. Juli 936 wohl an einem weiteren Schlaganfall. Liutprand von Cremona berichtet: Zu dieser Zeit wurde König Heinrich in einer Burg an der Grenze der Thüringer und Sachsen namens Memleben (dicitur Himenleve) von einer schweren Krankheit befallen und ging ein zum Herrn.Eo in tempore rex Heinricus in castello, quod est in Turingiorum et Saxonum confinio et dicitur Himénleve, gravissima valetudine correptus migravit ad Dominum. Liudprand IV 15, MGH Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi 41, Hannover 1915, S. 112. Digitalisat.: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000743/images/index.html?id=00000743&nativeno=112. Heinrichs Leichnam wurde nach Quedlinburg überführt und im Vorgängerbau der Stiftskirche St. Servatius beigesetzt.„Post innumera virtutum insignia idem, decurso vitae suimet stadio, sextodecimo regni, aetatis autem suae sexagesimo anno, sexta Non. Iulii Miminlevo moritur, et in Quidilingaburch, quam ipse a fundamento construxit, sepultus, an cunctis optimatibus merito defletur.“ Thietmar I 10. Digitalisat: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000870/images/index.html?id=00000870&nativeno=740. „Als er nach zahllosen Beweisen für seine edle Art sein Leben durchmessen hatte, verstarb er im 16 Jahre seines Königtums, im 60. seines Lebens, am 2. Juli zu Memleben; von allen Fürsten mit Recht tief betrauert, wurde er in Quedlinburg, das er selbst von Grund auf geschaffen hatte, beigesetzt“. Dt. Übersetzung: Thietmar von Merseburg. Chronik. Neu übertragen und erläutert von Werner Trillmich. Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein–Gedächtnisausgabe 96. Darmstadt 1985, S. 22.
Aufenthalte und Sterbeort König Ottos I. Sein Sohn und Nachfolger Otto I. hielt sich mindestens viermal in der Pfalz Memleben auf und stellte hier in den Jahren 942MGH DD OI 48. Digitalisat: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000442/images/index.html?id=00000442&seite=155, 948/49MGH DD OI 113. Digitalisat: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000442/images/index.html?id=00000442&nativeno=196, 950MGH DD OI 130. Digitalisat: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000442/images/index.html?id=00000442&seite=233 und 956MGH DD OI 178. Digitalisat: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000442/images/index.html?id=00000442&nativeno=269 mehrere Urkunden aus. Auffällig ist allerdings, dass Otto hier keine hohen kirchlichen Feiertage verbrachte und auch keine Hof- oder Reichstage abhieltHardt 2001. Außerdem wurden Teile des Besitzkomplexes um Memleben an geistliche Institutionen vergeben, so etwa an das Bistum Zeitz. Erst 976/77 wurde die sehr wahrscheinlich auf Otto I. zurückgehende Übertragung von zwei Kirchen in Imilebe beurkundet.MGH DD OII 139. Digitalisat: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000443/images/index.html?id=00000443&seite=159
973 plante Kaiser Otto der Große offenbar das Pfingstfest in Memleben zu verbringen und traf am Dienstag vor Pfingsten hier ein. Möglicherweise hatte er seinen baldigen Tod geahnt und sich bewusst an den Sterbeort seines Vaters begeben.So etwa Johannes Laudage: Otto der Große (912–973). Eine Biographie. 2. Aufl. Pustet, Regensburg 2006, ISBN 3-7917-1750-2, S. 294. Nach Stephan Freund (Sachsen und das Reich am Todestag Ottos des Großen, in: Memleben: Königspfalz – Reichskloster – Propstei, hrsg. v. Helge Wittmann. Petersberg 2001, S. 10) kam der Tod jedoch überraschend und der gleiche Todesort war lediglich durch den Zufall bedingt. Über die Umstände seines Todes am 7. Mai 973 berichten sowohl Widukind von CorveyWidukind III, 76. Digitalisat.: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000870/images/index.html?id=00000870&nativeno=466 als auch Thietmar von Merseburg.Exin 3. feria ante pentecosten ad Miminlevo veniens, postera die ad mensam laetus sedebat. … Quem qui astabant proxime suscipientes deposuerunt; refocilatusque divino celeriter viatico, orantibus pro eius exitu cunctis, debitum persolvit natuerae 38. ordinationis suae anno Nonis Mai., 4. feria. Sequenti vero nocte viscera eius soluta in ecclesia sancte Mariae sunt tumulata; corpus autem eiusdem aromatibus conditum ad Parthenopolim translatum est, ibique honorabiliter atque lacrimabiliter succeptum, marmoreoque inpositum sarcophago, sepultum est … Thietmar II, 27. Digitalisat.: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000870/images/index.html?id=00000870&nativeno=757. Dts. Übersetzung ebd. "In der folgenden Nacht wurden seine Eingeweide gesondert in der St. Marienkirche beigesetzt. Seine mit Spezereien bereitete Leiche aber überführte man nach Magdeburg, wo sie unter großen Ehren in tiefer Trauer empfangen und in einen marmornen Sarkophag gelegt wurde ..." Sein Leichnam wurde demnach nach Magdeburg überführt und dort in der Kirche unter dem heutigen Magdeburger Dom neben dem Grab seiner früh verstorbenen Gattin Edgitha beigesetzt. Seine Eingeweide verblieben, dem mittelalterlichen Brauch bei einer Überführung entsprechend, in Memleben und wurden in der Nacht nach seinem Tod in einer nicht lokalisierbaren Marienkirche beigesetzt.
Gedächtnisort und Klostergründung unter Otto II. Nachdem Ottos Sohn Otto II. sich bereits beim Tod seines Vaters in Memleben aufgehalten hatte, stellte er auch in den Jahren 974MGH DD OII 87. Digitalisat: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000443/images/index.html?id=00000443&nativeno=102, 975MGH DD OII 110. Digitalisat: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000443/images/index.html?id=00000443&seite=126 ; MGH DD OII 120. Digitalisat: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000443/images/index.html?id=00000443&seite=136 und 980MGH DD OII 213. Digitalisat: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000443/images/index.html?id=00000443&nativeno=241 hier Urkunden aus.
Spätestens zu Beginn des Jahres 979 stiftete er zusammen mit seiner Frau Theophanu zum Gedenken an seinen Vater ein Benediktinerkloster und stattete es mit zahlreichen Schenkungen von Ortschaften und Gerechtsamen im heutigen Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg und Hessen aus. So ließ er am 20. Mai 979 in Allstedt eine Urkunde ausstellen, in dem er dem Kloster Memleben die zuvor dem Kloster Hersfeld gehörenden und durch im Tausch erworbenen Kapellen in den Orten Allstedt, Osterhausen und Riestedt überschrieb. Außerdem erhielt Memleben den Zehnt im Friesenfeld und Hassegau.MGH DD Otto II. 191. Digitalisat: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000443/images/index.html?id=00000443&seite=220. Wohl im selben Zusammenhang schenkte er dem Kloster die im Land der Heveller in der Havel liegenden Burgen Nieenburg, Dubie et Briechouua mit den Burgwarden und allem Zubehör, wenngleich die betreffende Urkunde erst 981 ausgestellt wurde.MGH DD Otto II. 194. Digitalisat: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000443/images/index.html?id=00000443&no=1&seite=224. Dies gilt ebenfalls für die Burgen und Burgwarde Döbeln, Hwoznie (vermutlich Ziegra-Knobelsdorf), Pretzsch (Elbe), Klöden und Wozgrinie (unbekannt)MGH DD Otto II. 195. Digitalisat: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000443/images/index.html?id=00000443&no=1&seite=225. sowie Elsnig, Dommitzsch und ZwethauMGH DD Otto II. 196. Digitalisat: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000443/images/index.html?id=00000443&no=1&seite=226.. Deutlich wird eine Besitzkonzentration in dem unter Heinrich I. eroberten Gebiet der mittleren Elbe, das zu dieser Zeit enger in das ostfränkische Reich integriert wurde. Sicherlich sollte das Kloster Memleben auch die Mission in den slawischen Siedlungsgebieten vorantreiben. Allerdings gingen eine Reihe von Besitzungen nördlich und östlich der Elbe mit dem Aufstand der slawischen Liutizen und Abodriten im Jahr 983 bereits wieder verloren.
Der weitere Ausbau unter Otto III. Wie schon seine Vorfahren suchte auch Otto III. mehrfach den Königshof in Memleben auf, so etwa 987MGH DD OIII 39. Digitalisat: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000443/images/index.html?id=00000443&nativeno=438 und 994MGH DD OIII 151. Digitalisat: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000443/images/index.html?id=00000443&seite=587. Am 4. Oktober 991 bestätigte er ein zwischen der Kaiserin Adelheid und dem Abt Vunninger von Memleben abgeschlossenes TauschgeschäftMGH DD OIII 75. Digitalisat: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000443/images/index.html?id=00000443&seite=508, am 30. November 998 schenkte er dem Kloster die civitas Uuihi, die Burg und Herrschaft Wiehe, im Wiehegau und mehrere umliegende DörferMGH DD OIII 305. Digitalisat: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000443/images/index.html?id=00000443&seite=758. und am 2. Januar 994 verlieh er in einer in Allstedt ausgestellten Urkunde dem Abt Reginolt und den Mönchen sogar das Markt-, Münz- und Zollrecht sowie den Bann.MGH DD OIII 142. Digitalisat: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000443/images/index.html?id=00000443&seite=578
Der Niedergang unter Heinrich II. Sein Nachfolger Heinrich II. hatte am 16. November 1002, dem Jahr seines Regierungsantrittes, in seiner Residenz Regensburg dem Abt Reinhold noch die durch seine Vorgänger zugesicherten Güter und Privilegien wie die Immunität bestätigt, das Kloster mit den drei bedeutendsten Klöstern im Ostfrankenreich, den Reichsklöstern Fulda, Corvey und Reichenau, rechtlich gleichgestellt und ihm die freie Wahl des Abtes und des Vogtes verliehen.MGH DD HII 25. Digitalisat: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000444/images/index.html?id=00000444&seite=58. Im Jahr 1015 entzog er jedoch dem Kloster alle Rechte und unterstellte es als Propstei dem Kloster Hersfeld.MGH DD HII 321. Digitalisat: https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000444/images/index.html?id=00000444&seite=448. Im Gegenzug erhielt Heinrich II. Güter für das neu gestiftete Bistum Bamberg.