miniatur|Sitz in Bern

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB, , ) ist die grösste Arbeitnehmerorganisation der Schweiz. Er ist der Dachverband von 20 Einzelgewerkschaften, die insgesamt rund 316’000 Mitglieder vertreten. Der Gewerkschaftsbund wurde 1880 im Bahnhofbuffet Olten gegründet.

Präsident ist der sozialdemokratische Ständerat Pierre-Yves Maillard, Vizepräsidentin ist Vania Alleva. Ein Posten als Vizepräsident oder Vizepräsidentin ist derzeit vakant.

Der SGB ist Mitglied des Internationalen Gewerkschaftsbundes und des Europäischen Gewerkschaftsbundes.Liste der nationalen Mitgliedsverbände im EGB, abgerufen am 23. Mai 2018

Politische Ziele Vollbeschäftigung Die Wirtschaftspolitik soll Vollbeschäftigung zum Ziel haben. Darin inbegriffen ist nicht nur das Recht auf Arbeit, sondern auch das Recht auf eine Berufsausbildung. Arbeitslose, Ausgesteuerte und Sozialhilfeempfänger sollen möglichst rasch wieder in die Erwerbswelt integriert werden.

Faire Löhne Am 25. Januar 2011 lancierte der Schweizerische Gewerkschaftsbund die Mindestlohn-Initiative. Die Initiative will alle Löhne über Mindestlöhne schützen. Sie wollte einen untersten Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde vor (für das Jahr 2011). Am 18. Mai 2014 wurde die Initiative vom Stimmvolk abgelehnt.Eidgenössische Volksinitiative «Für den Schutz fairer Löhne (Mindestlohn-Initiative)». Schweizerische Bundeskanzlei, 18. Mai 2014. Kantonale Mindestlohn-Initiativen hingegen waren häufiger erfolgreich. So existieren kantonale Mindestlöhne aktuell in fünf Kantonen und drei Städten, wenn auch zum Teil noch juristisch umstritten.

Die kollektiven Lohnverhandlungen u. a. für einen branchen- oder unternehmensbezogenen Gesamtarbeitsvertrag führen die im Schweizerischen Gewerkschaftsbund zusammengeschlossenen Mitgliedsverbände, je nach Situation auch zusammen mit weiteren Arbeitnehmendenvertretungen.

Neben den kollektiven Arbeitsverträgen spielt in der Schweiz der individuelle Arbeitsvertrag eine grosse Rolle. Von den ca. 5,3 Mio. Stellen in der Schweiz unterstehen knapp 2 Mio. einem Gesamtarbeitsvertrag (Stand: 2021).Beschäftigungsstatistik (BESTA). Bundesamt für Statistik, 24.11.2025.Gesamtarbeitsverträge (GAV) mit normativen Bestimmungen: Anzahl unterstellte Arbeitnehmende. Bundesamt für Statistik, 28.01.2025. Beschäftigte mit individuellen Arbeitsverträgen unterstützt der Schweizerische Gewerkschaftsbund mit seinem Lohnrechner. Dieser berechnet auf Basis von Nutzereingaben zum Profil die üblichen Löhne für dieses Profil in der jeweiligen Region. Datengrundlage sind die offiziellen Daten der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik. Der Gewerkschaftsbund sieht darin einen Beitrag gegen Lohndiskriminierung, weil der Lohnrechner es ermöglicht den Vergleich mit den üblichen Löhnen herzustellen und insbesondere Frauen helfe, eine mögliche Unterbezahlung zu erkennen. Auch bei langjährig Beschäftigten soll eine Überprüfung des Lohns helfen, bestehende Lohnrückstände zu beseitigen.

Bessere Arbeitsbedingungen Die gesetzlichen wöchentlichen Höchstarbeitszeiten (50 Stunden/Woche) sollen reduziert, die Überstunden begrenzt und die Arbeitszeit somit planbarer werden. Weiter sollen die Kontrollen gegen Missbrauch bei Temporärarbeit verstärkt und der Gesundheitsschutz der Arbeitnehmenden verbessert werden.

Gute Renten Wer ein Leben lang gearbeitet hat, verdiene eine gute Rente. «Doch die AHV-Renten sind zu tief und die Renten aus den Pensionskassen brechen ein. Gleichzeitig steigen Mieten und Krankenkassenprämien. Da bleibt immer weniger zum Leben übrig. Besonders gross ist der Rentenrückstand bei den Frauen. In der Schweiz hat es genug Geld für anständige Renten – nicht nur für die Top-Verdiener.» Mit dieser Begründung initiierte der Schweizerische Gewerkschaftsbund die «Initiative für eine 13. AHV-Rente». Die SGB-Initiative wurde in der Volksabstimmung vom 3. März 2024 angenommen; im Dezember 2026 soll die 13. AHV-Rente erstmals ausbezahlt werden.ahv/iv.ch,

Chancengleichheit Der Zugang zur Erwerbswelt und die Karrieremöglichkeiten sollen nicht abhängig sein von Herkunft oder Geschlecht einer Person. Durch kostenlose und flächendeckende Tagesschulen und einen Elternurlaub soll Frauen ein gleichberechtigter Zugang zur Arbeitswelt ermöglicht werden.

Soziale Sicherheit für alle Die Sozialversicherungen sollen erhalten und wo nötig ausgebaut werden. Am Kongress vom 5. und 6. November 2010 stellte der SGB das Modell AHVplus vor, das die Rentenlücke bei tiefen Einkommen schliessen sollte., SGB, 11. Mai 2012 (Medienmitteilung), abgerufen am 29. Juni 2018 Während das Leistungsziel bisher eine Ersatzquote von 60 % des letzten Einkommens vorsah, soll dieses Leistungsziel für die Altersvorsorge künftig nach Einkommen differenziert werden. Für Einkommen unter 5000 Franken fordert der SGB eine Ersatzquote von 80 %, erst ab einem Einkommen von mehr als 7000 Franken pro Monat soll die Ersatzquote wie bisher 60 % betragen. So soll sichergestellt werden, dass die Rente auch für tiefere Einkommen ein würdiges Leben im Ruhestand ermöglicht. Weiter soll ein flexibler Altersrücktritt mit 62 für alle möglich sein.

Starker Service public Die staatliche Grundversorgung – wie Bildung, Gesundheit, öffentlicher Verkehr, Post usw. – soll nicht weiter privatisiert und liberalisiert werden. Der Staat soll dafür sorgen, dass alle Menschen in der Schweiz einen direkten und kostengünstigen Zugang zu seinen Dienstleistungen haben. Weiter soll er für vorbildliche Arbeitsbedingungen besorgt sein.

Gleichstellung von Mann und Frau Der SGB setzt sich für den Schutz vor Diskriminierung aufgrund des Geschlechts ein. Dazu gehört die Verwirklichung der Lohngleichheit, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und eine gerechte Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit. Aktiv war der SGB unter anderem in der Organisation einer Grosskundgebung zur Lohngleichheit am 22. September 2018 in Bern sowie als einer der Hauptakteure beim Frauenstreik am 14. Juni 2019, bei dem der SGB unter dem Slogan «Lohn. Zeit. Respekt» u. a. Mindestlöhne von 4000 Franken, Investitionen in Betreuungsangebote, Lohnanalysen- und Kontrollen als Mittel gegen Lohndiskriminierung sowie verstärktes Engagement gegen Sexismus und Belästigung am Arbeitsplatz forderte.

Präsidenten

1884–1886: Ludwig Witt 1886–1886: Johann Kappes 1886–1888: Ludwig Witt 1888–1888: Albert Spiess 1888–1890: Georg Preiss 1890–1891: Rudolf Morf 1891–1893: Conrad Conzett 1893–1894: Eduard Hungerbühler 1894–1896: Eduard Keel 1896–1898: Lienhard Boksberger 1898–1900: Alois Kessler 1900–1902: Heinrich Schnetzler 1902–1903: Niklaus Bill 1903–1908: Karl Zingg 1909–1912: Emil Ryser 1912–1934: Oskar Schneeberger 1934–1953: Robert Bratschi 1954–1958: Arthur Steiner 1958–1968: Hermann Leuenberger 1969–1973: Ernst Wütrich 1973–1978: Ezio Canonica 1978–1982: Richard Müller 1982–1990: Fritz Reimann 1990–1994: Walter Renschler 1994–1998: Christiane Brunner und Vasco Pedrina 1998–2019: Paul Rechsteiner seit 2019: Pierre-Yves Maillard

Mitglieder Folgende Gewerkschaften bilden den SGB:

Vollmitglieder +GewerkschaftAbkürzungUniaUniaGewerkschaft des VerkehrspersonalsSEVSchweizerischer Verband des Personals öffentlicher DiensteVPODSyndicomSyndicomPersonalverband des BundesPVBSchweizerischer BankpersonalverbandSBPVAvenir SocialAvenir SocialSchweizer Syndikat MedienschaffenderSSMGaranto (Gewerkschaft Zoll- und Grenzwachtpersonals)GarantoSchweizerischer Musikpädagogischer VerbandSMPVKapers (Vereinigung des Kabinenpersonals)KapersEasyJet Switzerland Pilots AssociationESPAHelvetica Swiss Controllers AssociationUSDAMSchweizerischer MusikerverbandSMVNautilus InternationalNautilusNew WoodESPASociété pédagogique vaudoiseSPV

Gewerkschaften mit besonderem Status

Assoziierte Mitglieder: Szene Schweiz, Syndicat interprofessionnel de travailleuses et travailleurs (SIT)

Mitglieder im Beobachterstatus: Zentralverband Öffentliches Personal Schweiz (ZV), Impressum, Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner

Historische Mitglieder Verband schweizerischer Arbeiterinnenvereine (1904–1908) Schweizerischer Typographenbund (STB), Fusion zur GDP 1980 Schweizerischer Buchbinder- und Kartonagerverband (SBKV), Fusion zur GDP 1980 Verband der Bekleidungs-, Leder- und Ausrüstungsarbeiter der Schweiz (VBLA), Fusion mit dem Smuv 1992 Gewerkschaft Bau und Holz (GBH), Fusion zur GBI 1993 Gewerkschaft Textil, Chemie, Papier (GTCP), Fusion zur GBI 1993 Schweizerischer Coiffeurpersonal-Verband (SCPV), Fusion mit dem VHTL 1998 Verband Schweizerischer Postbeamtinnen und Postbeamte (VSPB), Fusion zur GeKo 1998 Schweizerischer Posthalterveband (SPV), Fusion zur GeKo 1998 Verband schweizerischer Telegraphen- und Telephonbeamter (VSTTB), Fusion zur GeKo 1998 PTT-Union, Fusion zur GeKo 1998 Schweizerischen Lithographenbund (SLB), Fusion zur Comedia 1998 Gewerkschaft Druck und Papier (GDP), Fusion zur Comedia 1998 Schweizerische Journalistinnen- und Journalisten-Union (SJU), Fusion zur Comedia 1998 Verband des Schweizerischen Zollpersonals (VSZP), Fusion zu garaNto 2001 Verband Schweizerischer Zollbeamter (VSZB), Fusion zu garaNto 2001 Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI), Fusion zur Unia 2004 Gewerkschaft Industrie, Gewerbe, Dienstleistungen (Smuv), Fusion zur Unia 2004 Gewerkschaft Verkauf Handel Transport Lebensmittel (VHTL), Fusion zur Unia 2004 Die Dienstleistungsgewerkschaft (unia), Fusion zur Unia 2004 Gewerkschaftliche Bewegung für Arbeit und Gerechtigkeit (GEWAG), Auflösung 2005 Schweizerischer Berufsverband Soziale Arbeit (SBS), Fusion zu AvenirSocial 2005 Schweizerischer Verband Seidenbeuteltuchweber (SVSW), Auflösung 2008 Die On-Line-Gewerkschaft (//syndikat), Auflösung 2009 Gewerkschaft Kommunikation (GeKo), Fusion zur Syndicom 2010 Die Mediengewerkschaft (Comedia), Fusion zur Syndicom 2010

Geschichte

Der 1888 gegründete Gewerkschaftsbund bestand zunächst vorwiegend aus einem Gemisch von Fachvereinen, Einzelsektionen und mehreren Berufsarten umfassenden Gewerkschaften. Die gemeinsame Basis bildete die sozialdemokratische Grundlage. Dies im Gegensatz zum Grütliverein, der eher kleinbürgerlich ausgerichtet war.Robert Grimm: Die Geschichte der Schweiz in ihren Klassenkämpfen, Limmat Verlag Zürich, 1976, S. 390; (basierend auf dem unveränderten Nachdruck der 1920 erschienenen Ausgabe, ergänzt mit einem Vorwort von Felix Müller). Die ersten Metallarbeitergewerkschaften in der Schweiz entstanden aus den sogenannten Gesellenkrankenkassen der damaligen Zeit. Dies mit dem ausschliesslichen Zweck der gegenseitigen Unterstützung in Krankheits- und Notfällen. Bald aber genügte der enge Rahmen nicht mehr: „Die Entwicklung drängte dann die Gewerkschaften immer mehr auf den eigentlichen Boden ihrer Aufgabe: auf die Mitbestimmung bei Gestaltung der Arbeitsverhältnisse.“ Peter Bratschi (Politiker): „Schweizerischer Metall- und Uhrenarbeiterverband“, in: Der Schweizerische Gewerkschaftsbund 1880/1930. Mit Beiträgen der Geschichte der einzelnen Verbände, von Friedrich Heeb, (Hg.), Verlag des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes Bern 1930, Druck der Genossenschaftsdruckerei Zürich, S. 423