Paul Martini (* 25. Januar 1889 in Frankenthal (Pfalz); † 8. September 1964 in Galenberg) war ein deutscher Mediziner und Hochschullehrer.
Leben Nach dem Studium der Medizin in München und Kiel wurde Martini 1917 promoviert. Seit 1908 war er Mitglied der katholischen Studentenverbindung KDStV Aenania München. Später wurde er noch Mitglied der KDStV Bavaria Bonn und der KDStV Trifels München.Die Ehrenmitglieder, Alten Herren und Studierenden des CV, des Cartell-Verbandes der Katholischen Deutschen Studentenverbindungen, Wien/Straßburg 1924, S. 402. Er war Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg und anschließend auch Mitglied im Freikorps Epp. Er habilitierte nach einer längeren Zeit als Assistent, dann Oberarzt an der II. Medizinischen Klinik der Universität München bei Friedrich von Müller. Zum außerordentlichen Professor wurde er 1926 ernannt und konnte 1927 als Chefarzt an das St.-Hedwig-Krankenhaus in Berlin wechseln.
In der Berliner Zeit entstanden wichtige Arbeiten zur therapeutischen Urteilsbildung und 1932 sein Buch „Methodenlehre der Therapeutischen Untersuchung“. In vielen Schriften wird seine Unzufriedenheit über die Mechanismen der therapeutischen Urteilsbildung der damaligen Zeit ersichtlich. Im Jahr 1932 wurde er auf den Lehrstuhl für Innere Medizin der Universität Bonn berufen und setzte dort seine therapeutischen Studien fort. Auch im Zweiten Weltkrieg wurde er eingezogen und mit EK II und KVK II dekoriert. Durch die Zeit des Nationalsozialismus ging der Katholik, wenn auch nicht ohne antisemitische VorbehalteSchreiben an Erich Krauß, 10. Juli 1933, bei Forsbach, Medizinische Fakultät der Universität Bonn, S. 140 f., so doch ohne schuldhafte Verstrickung, weshalb er 1948 erster Präsident der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) nach dem Krieg wurde und den ersten Internistenkongress (in Wiesbaden) leitete. In Bonn war er 1953/54 Rektor der Universität und wurde 1959 emeritiert.
Martini war nach 1949 auch als Arzt für Konrad Adenauer und andere Bonner Politiker tätig. Adenauers Kalender führt über 60 Begegnungen zwischen 1949 und 1962 mit Martini auf, der bald auch als Adenauers politischer Ratgeber besonders in der Wissenschaftspolitik fungierte.Hans-Georg Hofer: Zwischen Klinik und Kanzleramt. In: Frankfurter Rundschau. 5. September 2019, S. 35. Martini stellte zugleich die Verbindung seines Schwiegersohnes, des Bonner Mediävisten Eugen Ewig, zu Adenauer her, was zur Gründung des Deutschen Historischen Instituts in Paris führte.
Ehrungen Paracelsus-Medaille (1957)Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 392 Paul-Martini-Medaille in Gold (1967, postum) Friedrich-von-Müller-Plakette (1958) Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, Sektion Innere Medizin (1959) Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern (1959) Ehrenmitglied der DGIM
In Bonn ist im Klinikviertel Venusberg eine Straße nach Paul Martini benannt.https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=Paul-Martini-Stra%C3%9Fe
Veröffentlichungen (Auswahl) 1927 Die unmittelbare Krankenuntersuchung: Ärztliches sehen, hören und fühlen 1932 Methodenlehre der therapeutischen Untersuchung (spätere Auflagen unter dem Titel: Methodenlehre der therapeutisch-klinischen Forschung) 1953: Über das Wesen und die Behandlung des essentiellen Hochdrucks. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. 33–42 (O. Bollinger-Vorlesung, gehalten in München am 11. Dezember 1952).
Literatur Ralf Forsbach, Die Medizinische Fakultät der Universität Bonn im "Dritten Reich", München : Oldenbourg 2006, ISBN 978-3-486-57989-5, Kurzbiografie auf S. 139
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Internist Kategorie:Rektor (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn) Kategorie:Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert) Kategorie:Träger der Paracelsus-Medaille Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern Kategorie:Sanitätsoffizier (Deutsches Reich) Kategorie:Person im Zweiten Weltkrieg (Deutsches Reich) Kategorie:Freikorps-Mitglied Kategorie:Korporierter im CV Kategorie:Person (Frankenthal (Pfalz)) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1889 Kategorie:Gestorben 1964 Kategorie:Mann Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes II. Klasse