Die römisch-katholische Kirche St. Maria Magdalena ist ein Kirchenbau in der Platanenstraße 22b im Berliner Ortsteil Niederschönhausen und wurde von 1929 bis 1930 nach Plänen und unter Leitung des Architekten Felix Sturm aus Berlin-Pankow erbaut.Muysers: Felix Sturm, ... Das Gotteshaus im Stil des Expressionismus steht seit den frühen 1980er Jahren unter Denkmalschutz und ist seit dem 1. Mai 2004 eine Filiale der Pfarrkirche St. Georg in Pankow. Nach weiteren Zusammenschlüssen gehört die Gemeinde zu der am 1. Januar 2021 errichteten Pfarrgemeinde Heilige Theresa von Avila Berlin Nordost im Erzbistum Berlin, zu der folgende weiteren Pfarreien gehören St. Josef (Berlin-Weißensee), Heilig-Kreuz-Kirche (Berlin-Hohenschönhausen) und Kirche Ss. Corpus Christi (Berlin-Prenzlauer Berg).

Bau- und Gemeindegeschichte Vorgeschichte Der Pankower Seelsorger Kuratus Hubert Teubner, seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zuständig für alle Pankower Katholiken samt dem Einzugsbereich Niederschönhausen, hatte im Jahr 1907 von der Terrain-Aktiengesellschaft Pankow ein 3600 m2 großes Grundstück in der Platanenstraße zu einem Kaufpreis von 30.000 RM erworben, als Darlehen von der Kurmärkischen ritterschaftlichen Darlehnskasse bereitgestellt. Zur Überbrückung, bis der Bau einer Kirche geplant war und beginnen konnte, mietete Teubner in der Waldowstraße 27 bei der Handwerksbank Wedding eine ehemalige Tischlerwerkstatt nebst einer Wohnung für den Küster. Die Werkstatt ließ er zu einer Kapelle umbauen.Chronik, S. 4. Die zahlreich zugezogenen Katholiken konnten so ab 7. September 1907 für die Aufbewahrung des Allerheiligsten, fürs Hochamt mit Predigt und für die Feier der heiligen Messe die Notkapelle mit dem Namen Maria Hilf nutzen.

Doch die Kapelle erwies sich bald als zu klein für die wachsende Schar der Katholiken aus Niederschönhausen, Blankenfelde und Französisch-Buchholz (das waren rund 3500 Personen).Brandenburger Kirchennachrichten auf Kujawsko-Pomorska Digitale Bibliothek (kpbc.uci.pl) (polnisch), Hinweis auf die Anzahl der Katholiken und den Kuratus Teubner; abgerufen am 6. April 2017. Außerdem war es tatsächlich nur eine Noteinrichtung, wie Kuratus Teubner notierte:

mini|links |Kapelle Maria Frieden um etwa 1921 Kurz hintereinander leiteten mehrere Geistliche die Geschicke der Pankower Kuratie: Kuratus Teubner bis Herbst 1911, Kuratus Bernhard Lichtenberg bis Anfang 1912, Kuratus Teodor Kubina (später Bischof von Czenstochau) bis September 1912 und danach Pfarrer Mitschke.Chronik, S. 6.

Weil die Notkapelle bald die Gläubigen aus dem Einzugsgebiet Niederschönhausen nicht mehr fasste und sie außerdem wegen der Baumängel aufgegeben werden musste, ergab sich in dem Heim Maria Frieden in Nordend, das die Josephschwestern eingerichtet hatten, die Mitnutzung der dortigen Kapelle. Zunächst zogen die Niederschönhauser Katholiken unter Pfarrer Mitschke im Oktober 1920 mit der gesamten Ausstattung ihrer bisherigen Kapelle nach Nordend um. In der Kapelle, die aus einem großen Raum des Hauses hergerichtet worden war, konnte nun für die Schwestern und die Katholiken aus Niederschönhausen täglich die heilige Messe gefeiert werden, zelebriert von eingeladenen Geistlichen christlicher Vereine aus Pankow. Infolge des guten Zuspruchs wurden rasch weitere Räume des Heimes in die Gottesdienste einbezogen. Wegen der großen Wohnungsnot zum Beginn des 20. Jahrhunderts hatte die Stadt Berlin just in diesen Jahren die beiden großen Häuser des Heimes zu Wohnzwecken beschlagnahmt, sodass dies auch auf die Katholikengemeinde Auswirkungen hatte.Chronik, S. 6–9.

Errichtung der Kirche Nach zwei Provisorien in 23 Jahren begann es zu drängen, in der Platanenstraße ein festes Kirchengebäude zu errichten. Die ersten Spendensammlungen durch Pfarrer Mitschke erbrachten bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 19.000 Mark.Chronik, S. 17 ff: Der Kirchenbau. Doch dieses Geld, von der Kirchengemeinde in Kriegsanleihen angelegt, hatte die Inflation danach vollständig vernichtet, das Grundstück jedoch blieb erhalten. Das entsprechende Darlehen wurde im Jahr 1923 zurückgezahlt. Die Sammlungen für das Bauwerk mussten von neuem beginnen. Einen ersten Plan für eine Kirche lieferte der Lichterfelder Architekt Carl Kloß auf Initiative des Pfarrers Mitschke um 1923, der jedoch ad acta gelegt wurde. In der Chronik heißt es dazu:Chronik, S. 18.

Am 2. Oktober 1924 wurde ein Kirchbausammelverein gegründet, darüber hinaus verschickte der Pfarrer Bettelbriefe in alle katholischen Gemeinden Deutschlands, hielt Bettelpredigten, verteilte Spendenpostkarten; auch auf dem Kirchengrundstück durchgeführte Sommerfeste brachten eine größere Spendensumme ein. So war es gelungen, bis zum November 1927 wiederum rund 19.000 Mark zusammenzubekommen. Der Baupreis war aber auf rund 156.000 Mark geschätzt worden,Festschrift zur Weihe der Kirche, Beitrag von Felix Sturm: Zur Einweihung der St. Maria-Magdalena-Kirche in Berlin-Niederschönhausen, S. 13–17. sodass Pfarrer Oskar Feige aus Pankow, der nun für die Kuratie in Niederschönhausen zuständig war, beim Katholischen Gesamtverband Groß-Berlin einen Finanzierungantrag einreichte. Die erteilte Genehmigung legte fest, dass die Gemeinde jedoch die Kosten für die komplette Innenausstattung selbst zu tragen hat.Festschrift zum 75. Kirchweih-Jubiläum, S. 8 ff.

Die neuen Pläne für das Kirchengebäude hatte der Pankower Architekt Felix Sturm ausgearbeitet, die ingenieurtechnischen Berechnungen lieferte Ing. Fekete aus Berlin-Wilmersdorf. (Felix Sturm war Gemeindemitglied.)

Pfarrer Feige führte am 25. April 1929 den ersten Spatenstich aus und konnte am Himmelfahrtstag, den 9. Mai 1929, die Grundsteinlegung festlich begehen, die der Erzpriester Kayser aus Hermsdorf im Auftrag der Fürstbischöflichen Delegatur vor zahlreich erschienenen Gästen vornahm. An der Stelle, wo später der Hochaltar stehen sollte, war ein großes Kreuz aufgerichtet, neben der lateinischen Urkunde und katholischen Zeitungen kamen verschiedene Münzen in den Grundstein. Auf dem Kirchplatz war ein Modell des künftigen Gotteshauses zu sehen.Chronik, S. 17: Die Grundsteinlegung.

Am 15. Mai 1929 wurde für den bisherigen Kaplan Josef Lenzel die Ernennungsurkunde zum Kuratus der neuen Gemeinde ausgestellt. Auf den Baufortschritt hätte er gern mehr Einfluss genommen. Eine engere Zusammenarbeit erfolgte dagegen zwischen Felix Sturm und dem Bildhauer Paul Müller aus Pankow, der als Mitglied der Baukommission für die künstlerische Gestaltung des Hauses zuständig war. Müller setzte beispielsweise durch, statt der geplanten Vorhalle besser ein großes Tympanon einzufügen, wofür sogar bereits fertige Teile der Frontmauer wieder abgerissen werden mussten. Nur ein enger Windfang blieb übrig. Lenzel sorgte jedoch über einen Direktkontakt mit dem katholischen Gesamtverband dafür, dass nachträglich an den bereits fertigen Rohbau des Gotteshauses ein Anbau erfolgte, in dem das Pfarrbüro und im darunterliegenden Keller ein Jugendheim untergebracht werden konnten. In der Chronik heißt es dazu: Eine Wohnung für den Seelsorger gab es vorerst nicht in Nähe der Kirche.Chronik, S. 24–26. mini|Eingangsbereich der Kirche

In Vorbereitung der neuen Kirchengemeinde gab es auf Betreiben von Kuratus Lenzel einige Änderungen der kirchlichen Zuständigkeitsbereiche: Ursprünglich gehörten die Ortsteile Niederschönhausen, Berlin-Rosenthal III (der Bereich Nordend) und Berlin-Buchholz zum Pankower Seelsorgebezirk. Rosenthal I (Wilhelmsruh) und II (der historische Dorfkern) waren dagegen nach Berlin-Reinickendorf gepfarrt, obwohl sie politisch ebenfalls zu Pankow gehörten. Die dortigen Katholiken wechselten auf Betreiben von Kuratus Lenzel nach Niederschönhausen. Der weitere Pankower Ortsteil Berlin-Blankenfelde war nach Berlin-Hermsdorf gepfarrt. Diesen Seelsorgebereich übernahm Lenzel nach Absprache mit dem dortigen Pfarrer ebenfalls.Chronik, S. 114 ff: Blankenfelde. So ergab sich zum Dezember 1929 das von Bischof Schreiber festgelegte Einzugsgebiet des neuen Gotteshauses wie folgt:

Die neue Kapellengemeinde gewann stetig neue Mitglieder, Vereine und Gruppen wurden gebildet sowie ein Kirchenchor (1929), ein Paramentenkreis (1931) und ein Lebendiger Rosenkranz (1933) gegründet.Chronik, S. 312 f.

Pfarrer Lenzel setzte sich auch dafür ein, dass die rund 40 katholischen Familien von Blankenfelde und Schildow, für die im Auftrag der Siedlungsgesellschaft Mariengarten die Siedlung Marienthal neu errichtet worden war, für den Sonntags-Gottesdienst die ortsansässige Gastwirtschaft nutzen konnten. Intensiv suchte Lenzel nach einer Möglichkeit, für die Katholiken in diesem seinem Seelsorgebereich eine eigene Kirche errichten zu können, was aber infolge fehlenden Kapitals vom bischöflichen Ordinariat abgelehnt wurde. Allerdings erreichte er, dass für den Bereich Schildow im August 1936 ein eigener Geistlicher angestellt wurde. Im Folgejahr wurden Blankenfelde und Schildow an den Pfarrverband Hermsdorf abgetreten.Chronik, S. 134/135. Später entstand auch dort eine katholische Kirche.

Das Geläut, bestehend aus vier Bronze-Glocken, hatte die Gemeinde – nach Abwägung, ob Bronzeglocken oder die preisgünstigeren Klangstahlglocken bestellt werden sollten – bei der Glockengießerei Otto in Auftrag gegeben, die sie in ihrer Filiale Breslau gießen ließ. Die Finanzierung erfolgte durch eine persönliche Anleihe vom Gemeindemitglied Frau Gupkarl über 3000 Mark, das sie Kuratus Lenzel gewährte. (Die über den Kirchbauverein gesammelten Gelder waren für die Anschaffung der Altäre, Bänke und das Sakristei­mobiliar vorgesehen, aber nicht für die Glocken.) Lenzel stiftete somit auf diesem Wege das Geläut, dessen Herstellung ursprünglich 4.200 Mark kosten sollte; wegen eines Schönheitsfehlers konnte der Preis nachträglich auf 3.600 Mark gesenkt werden.Chronik, S. 28.

Kuratus Lenzel bestellte die Läutemaschine bei der Glockengießerei Bachert aus Karlsruhe, die ein sehr günstiges Angebot gemacht hatte. Als alles installiert war, nahm Pfarrer Oskar Feige aus der St. Georgsgemeinde infolge des gerade nicht besetzten Postens des Weihbischofs am 2. Oktober 1929 die Glockenweihe auf dem Kirchengrundstück vor.

Schließlich weihte Bischof Christian Schreiber am 21. September 1930 die Kirche auf den Namen der heiligen Maria Magdalena als Kirchenpatronin. Der Namensgebung war ein Streit zwischen verschiedenen Gemeindemitgliedern vorausgegangen, die ihre Spendensammlung für eine Maria-Hilf-Kirche durchgeführt hatten. Mit dem Hinweis, dass im benachbarten Reinickendorf bereits eine Marienkirche existierte und das Heim in Nordend auch Maria im Namen führte, schlug Pfarrer Feige dann Maria Magdalena vor. Er hatte diese Idee der Predigt eines seinerzeit berühmten Dominikanerpaters entnommen, der geäußert hatte, Chronik, S. 24/25: Der Name der Kirche. Bei der abendlichen Feier nach der Konsekration erhielt Kuratus Lenzel direkt vom Bischof den Titel Pfarrer und das Recht, den Pfarrkragen zu tragen.Chronik, S. 45.

Weitere Entwicklungen mini|Eines der Kreuzwegfenster

Mit einer Urkunde vom 16. Februar 1931 erteilte das Bischöfliche Ordinariat die Genehmigung zur Errichtung eines Kreuzwegs.Chronik, S. 45–61: Die Ausstattung Daraufhin wurden die im Kirchenschiff installierten 14-farbigen Kreuzwegfenster mit einer Andacht gesegnet.

Das Kirchengebäude samt Grundstück repräsentierte im Herbst 1931 einen Wert von 168.000 Mark, nach den Regeln gehörte es dem Berliner Katholischen Gesamtverband, der es der Gemeinde in Niederschönhausen nun „großzügig schenkte“.

Zur Advent- und Weihnachtszeit 1932 erwarb die Gemeinde eine Weihnachtskrippe und stellte sie im Altarbereich auf. Pfarrer Lenzel hatte jedoch bereits vorher dafür gesorgt, dass durch die Anbringung eines vom Gemeindemitglied Eugen Barbe gemalten Bildes Die Anbetung der Hirten nach dem gleichnamigen Gemälde von Murillo an das Weihnachtsgeschehen erinnert wurde.