mini|hochkant=1.7|Links der Adenser Berg und rechts der Marienberg mit dem Schloss Marienburg, vom Osterwald gesehen
Der Marienberg (früher Rehberg) ist eine Erhebung bei Nordstemmen in Niedersachsen, auf der sich das Schloss Marienburg befindet. Der Marienberg enthält die nördlichsten Buntsandstein-Aufschlüsse im Weser-Leine-Bergland. Sie geben Auskunft über die Entstehung des Marienberges in den Perioden der Unteren Trias und der Oberen Kreide.
Name Die Namen Marienberg und Marienburg gehen auf König Georg V. von Hannover zurück, der Burg und Berg seiner Frau Marie zu ihrem 39. Geburtstag schenkte. Georg V. gab dem Rehberg als angekauften Teil des Schulenburger Berges in der Schenkungsurkunde den neuen Namen Marienberg. Die geplante Burg nannte er Marienburg. Beide Namen enthalten den Rufnamen seiner Frau Marie.
Lage mini|hochkant=1.7|Der Marienberg mit dem Schloss Marienburg Der Marienberg liegt in Niedersachsen im Süden der Region Hannover im Bereich der Stadt Pattensen in der Gemarkung von Schulenburg. Er wird nordwestlich vom Schulenburger Berg und westlich vom Adenser Berg begrenzt und südöstlich von dem Fluss Leine und der Kreisstraße 505 berührt. Die K 505 überquert die Leine auf der Marienbergbrücke. Vom Schlossturm und von der Südseite des Schlosses Marienburg aus hat man einen weiten Blick über das Leinetal.
Die Nordhänge des Adenser Berges, des Schulenburger Berges und des Marienbergs gehören seit 1997 zu dem Landschaftsschutzgebiet Calenberger Leinetal.
Beim Bau von Schloss Marienburg wurde der Marienberg zum romantischen Schlosspark umgestaltet und Fußwege angelegt, die zum Wandern auf dem Marienberg und dem benachbarten Adenser Berg einladen. Die mittelalterlichen Wallanlagen um die Marienburg und am ehemaligen Wartturm können begangen werden. Von den Wegen am Waldrand des Adenser Berges ergeben sich Ausblicke in das Hallertal und das Calenberger Land.
Die Kreisstraße 505 mini|hochkant|Beschrifteter Findling an der Kreisstraße 505Inschrift des Findlings: "Zur Erinnerung an den Strassenbau Adensen – Nordstemmen 1935"
An der Stelle der jetzigen Kreisstraße K 505 befand sich bis 1935 zwischen der Leine und dem Marienberg ein schmaler Feldweg. Er war ebenso wie die steinerne Marienbergbrücke durch eine Schranke für den Kraftfahrzeugverkehr zur Marienburg gesperrt; es gab nur einen schmalen Durchlass für Fußgänger und Radfahrer. Im Jahr 1935 wurde der Feldweg von dem Reichsarbeitsdienst zur Kreisstraße K 505 ausgebaut und mit Platanen bepflanzt. Da seinerzeit die Leine dicht an dem Feldweg vorbeiführte, mussten am Marienberg Felsen weggesprengt werden. Bei den Bauarbeiten wurde ein FindlingFoto-Informationen zu dem Findling. und Die ursprüngliche Ansicht des Findlings. gefunden, der jetzt am Straßenrand unterhalb der Sachsenschlucht auf den Bau der K 505 hinweist. Er dient der Erinnerung an den Straßenbau von 1935. Über der Inschrift befand sich ursprünglich ein Hakenkreuz, das nach 1945 entfernt wurde. 1935 durfte die Straße zum Schloss von Fahrzeugen befahren werden. Die Leine wurde erst Jahrzehnte später in ihr jetziges Flussbett verlegt; dabei wurde ein Teil des ehemaligen Flussarmes als Löschwasserteich für das Schloss Marienburg belassen. Seitlich der Leine entstanden später zahlreiche Kiesteiche.
An der Marienbergbrücke beginnt der Welfenweg, ein Radweg und Wanderweg, der unterhalb des Marienberges durch das Leinetal nach Pattensen führt. An der Marienbergbrücke zweigt von der K 505 die Bergstraße K 210 (Marienbergstraße) ab, die über den Marienberg zum Parkplatz des Schlosses Marienburg und von da aus inmitten einer Allee weiter zur Kreisstraße K 506 führt.
Die Marienbergbrücke mini|Die im Jahr 1860 als hölzerne Jochbrücke erbaute Marienbergbrücke mit neuen gerundeten Steinmauern an den Eingängen im Zustand ab 1865 mini|Die Marienbergbrücke mit gerundeten Steinmauern an den Eingängen zwischen 1898 und 1903
Das Gelände des Marienbergs wurde laut Isabel Arends „durch einen in Nord-Süd-Richtung über den Berg verlaufenden Fahrweg erschlossen, der auf Höhe der Marienburg einen Stichweg erhielt. Nördlich war dieser mit der Chaussee zwischen Calenberg und Elze verbunden. Südlich wurde der Weg bis zu einer neu erbauten Jochbrücke unterhalb des Schlosses geführt. Von hier aus wurde eine Chaussee zum nahen Eisenbahnknotenpunkt Nordstemmen geschaffen.“Isabel Arends: Gothische Träume. Die Raumkunst Edwin Opplers auf Schloss Marienburg. Hannover 2005. S. 54.
Im Jahr 1860Isabel Arends: Gothische Träume. Die Raumkunst Edwin Opplers auf Schloss Marienburg. Hannover 2005: Anmerkung 43 auf Seite 96. Siehe hierzu Dep. 103, XXIV Nr. 5927 Acta betr. „Bau der Brücke über die Leine am Marienberg 1858–61“. baute das Hannoversche Königshaus zum Preis von 16.500 Reichstalern die Marienbergbrücke als hölzerne Jochbrücke über die Leine. Die Jochbrücke wurde 1911 durch eine Steinbrücke ersetzt. Auf der Ostseite der Brücke befand sich 1911 auch eine Fähre. Bis 1935 war die Brücke mit einer Schranke versehen, die von einem Schrankenwärter bewacht wurde, um unbefugten Kraftfahrzeugverkehr zur Marienburg zu verhindern. Erst nach dem Bau der Kreisstraße K 505 im Jahr 1935 bekamen Kraftfahrzeuge freie Fahrt nach Nordstemmen und Adensen.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Marienbergbrücke am 6. April 1945 von Angehörigen des Volkssturms gesprengt. Die Britische Rheinarmee ersetzte die gesprengte Brücke zunächst durch eine Pontonbrücke und im Jahr 1948 durch eine Bailey-Brücke aus Stahl, die mit Holzbohlen belegt war und eine Tragfähigkeit von 12 t besaß. Im Jahr 1955 wurde schließlich die jetzige Marienbergbrücke errichtet und am 29. September 1955 dem Verkehr übergeben.Hans Kleuker: Es war einmal… in Nordstemmen. Die Vergangenheit für die Zukunft bewahren. S. 119–120. Selbstverlag, Nordstemmen 2014. Im Sommer 2015 wurde die Marienbergbrücke für einen Hochbord-Radweg verbreitert.
Geologie miniatur|Aufschlüsse aus der Zeit des Unteren Buntsandsteins am Hang des Marienbergs über der K 505
In der Periode der Unteren Trias befand sich hier vor etwa 251 bis 245 Millionen Jahren das Ufer eines riesigen warmen und flachen Salzsees am Westrand der Hessischen Senke. Aus diesem Binnensee strömten zeitweise Flüsse heraus, die rotbraunen Sandstein ablagerten, auf dessen Schichtflächen zuweilen Rippelmarken entstanden. Hier sieht man deutlich, wie jede einzelne Schichtfläche einmal die Oberfläche des Strandes gewesen ist und wie auf den einzelnen Schichtflächen sich die Wellenfurchen in ganz verschiedener Ausbildung gröber, feiner, auch oft Wechsel der Windrichtung anzeigend, ausgebildet haben, heißt es 1914 in dem Sammlungsführer des Römer-Museums in Hildesheim. Der Salzsee lagerte bei starker Wellenbewegung Oolith ab, das sich aus kleinen konzentrischen Kalkkügelchen zusammensetzt. Außerdem entstanden hier Tonsteine, deren Trockenrisse ein häufiges Trockenfallen des Salzsees anzeigen.
miniatur|Die Steinbrüche am Hang des Marienbergs über der Kreisstraße K 505 im Jahr 1864. In der Periode der Oberen Kreide wurden vor etwa 135 Millionen Jahren die ursprünglich horizontal abgelagerten Gesteinsschichten durch Salzbewegungen im Untergrund nach Osten gekippt, so dass die ursprünglich waagerechten Schichtungen hier am Marienberg als schräge Schichtungen fast senkrecht stehen. Die jüngeren (ursprünglich höheren) Gesteinsschichten aus der Zeit des Mittleren Buntsandsteins stehen unter der Marienburg und an deren Ostseite, während die älteren (ursprünglich tieferliegenden) Gesteinsschichten aus der Zeit des Unteren Buntsandsteins sich an der Westseite der Marienburg befinden. An der Südkante des Marienberges entstanden durch Steinbrüche und durch den Bau der Kreisstraße K 505 zahlreiche Aufschlüsse, an denen der Buntsandstein und seine schrägen Schichtungen sichtbar sind. Diese Aufschlüsse sind die nördlichsten Buntsandstein-Aufschlüsse im Weser-Leine-Bergland. Die Felsanschnitte im Bereich der Schlossmauer sind stark versturzgefährdet und sollten deshalb nicht mit dem Hammer abgeklopft werden.
Beim Bau der Marienburg sind in diesen Steinbrüchen Buntsandstein-Quader gebrochen worden, die in die Außenmauern der Marienburg eingefügt wurden.
Hügelgräber aus der Bronzezeit miniatur|Hügelgrab am Waldrand des Marienbergs
Im Norden des Schulenburger Bergs befand sich am Waldrand auf der Höhe von 135 m eine Gruppe von neun Hügelgräbern mit einem Durchmesser von ca. fünfzehn Metern und einer Höhe von ca. einem Meter, die hauptsächlich in der Mittleren Bronzezeit (1600–1200 v. Chr.) entstanden sind. Bei dem Anlegen eines Weges am Waldrand wurden Hügelgräber eingeebnet; dabei sind Äxte, Messer, Armringe aus Bronze, Steingeräte und Keramik mit Merkmalen der endsteinzeitlichen Michelsberger Kultur gefunden worden. Im Wald sind dicht am Waldrand noch drei Hügelgräber zu sehen, ein Fußweg führt über zwei von ihnen hinweg (Stand 2007). Die Karte GLL, LGN weist 2007 auf 4 Hügelgräber hin.August Kreipe: Historische Gedenkmale im Leinetal von Elze bis Alt-Calenberg. Gerstenberg, Hildesheim 1926. Er schreibt auf Seite 4, dass noch die Reste von 4 Hügelgräbern erkennbar seien, und fügt hinzu: eine größere Anzahl wird dort eingeebnet sein. Die Geologische Wanderkarte Leinebergland, Hannover 1989 (2. Auflage) spricht von 9 Grabhügeln.
Ringwallanlage
Das Schloss Marienburg wurde in eine ältere 6,22 ha große Ringwallanlage (Höhenlinien 110 bis 120 m) hineingebaut. Vielfach ist die Anlage in die Eisenzeit (etwa 750 v. Chr. bis Chr. Geburt) datiert worden. Sie gehört aber eher in das frühe Mittelalter. Sie bestand aus einem etwa 700 m langen Erdwall (Sachsenwall genannt), der fast die gesamte Kuppe des Marienberges umschließt. Unter Berücksichtigung der Hanglage erreicht der Wall noch heute stellenweise eine Höhe von 6 Metern und eine Breite von 10 bis 15 Metern. An besonders gefährdeten Stellen wurde dem Wall ein Graben vorgelagert. Die Ausgangslage zum Bau der Wallburg war auf der Bergkuppe günstig, da die Südwestseite durch die Sachsenschlucht und die Südseite durch einen natürlichen Steilhang gesichert war, den man nur geringfügig nachzuarbeiten brauchte. Eine archäologische Untersuchung des Walles hat bisher nicht stattgefunden, so dass keine gesicherten Angaben zu seinem Aufbau und seiner Entstehungszeit gemacht werden können. Wie andere Anlage in der Umgebung dürfte es sich um eine Fliehburg gehandelt haben, die bei Gefahr der Bevölkerung mit ihrem Hab und Gut, einschließlich des Viehs, Zuflucht bieten konnte. Die Wasserversorgung konnte durch eine Quelle gesichert werden, die sich am östlichen Wallabschnitt befindet und dort durch eine Lücke nach außen in den Sachsenhain abfließt.
Nach der Veröffentlichung von J. H. Müller aus dem Jahr 1893 wurden beim Durchbruch des Walles für die nördliche Zufahrt zum Schloss bronzezeitliche Funde gemacht, darunter das Bruchstück einer Schwertklinge.Andrea Moser: „Die archäologischen Fundstellen und Funde im Landkreis Hannover.“ Katalog. Hannover 1998, Seite 334, Nr. 2745.
80px|links|Wappen von Nordstemmen
Dieses Fundstück inspirierte die Gemeinde Nordstemmen 1939 in der Zeit des Nationalsozialismus zu dem Nordstemmer Wappen. Wilhelm Barner schrieb im Jahr 1940 am Anfang des Zweiten Weltkrieges „Die Gemeinde Nordstemmen benutzte dieses so prachtvolle Zeichen der Wehrhaftigkeit ihrer Vorfahren, um es in Schild und Siegel in sinnvoller Weise sprechen zu lassen“ und beschrieb das Wappen so: „In goldenem Schild ein roter Pfahl, belegt mit einem gestürzten goldenen Schwert der Bronzezeit.“Wilhelm Barner: Wappen und Siegel des Kreises Alfeld, Hildesheim 1940 und 1953².