mini|Oxer mini|Steilsprung mini|Parcours einer Springprüfung Eine Springprüfung ist neben der Stilspringprüfung und der Springpferdeprüfung eine von drei Prüfungsformen im Springreiten. Sie kann nach verschiedenen Richtverfahren ausgetragen werden. Hierbei richtet sich das Ergebnis je nach Richtverfahren nach Fehlern, Zeit oder einer Kombination aus beidem. Mehrere Springprüfungen (oder auch andere reitsportliche Prüfungen, je nach Ausschreibung) bilden zusammen ein Reitturnier.
Richtverfahren A mini|Ein Ungehorsam: Das Pferd verweigert vor dem Sprung mini|Fehler am Rick Im Richtverfahren A (International: Table A) werden Fehler in einer Springprüfung mit Strafpunkten sanktioniert. Das Ergebnis der Springprüfung richtet sich dann nach der Anzahl der Strafpunkte und der benötigten Zeit. Die meisten Springprüfungen werden in einer Form des Richtverfahrens A ausgetragen.
Für die Strafpunktevergabe beim Richtverfahren A gelten international folgende Grundregeln: das Abwerfen einer Stange oder eines sonstigen zugehörigen Teils eines Hindernisses (Abwurf): 4 Strafpunkte Einfußen des Pferdes in den Wassergraben oder Auftreten auf das weiße Band hinter dem Wassergraben: 4 Strafpunkte erstmaliges Verweigern des Pferdes (Ungehorsam): 4 Strafpunkte Überschreiten der erlaubten Zeit: 1 Strafpunkt pro angefangene Sekunde Überschreitung (bis zum Jahresende 2021 gab mit Ausnahme von Stechen nur 1 Strafpunkt pro angefangene vier Sekunden Überschreitung) zweiter Ungehorsam, Sturz des Reiters und/oder des Pferdes, Überschreiten der Maximalzeit, Reiten der Hindernisse in der falschen Reihenfolge oder entgegen der vorgegebenen Sprungrichtung: Ausscheiden des TeilnehmersFEI Jumping Rules 2022, 27th Edition, effective as of 01 January 2022 - mark-up version (PDF; 1,5 MB), Artikel 236 – Table A
Auf nationalen Turnieren in Deutschland wird im Richtverfahren A wie folgt bewertet: Hindernisfehler (Abwurf): 4 Strafpunkte erste Unterbrechung (z. B. Stehenbleiben, Ausweichen; frühere Bezeichnung: Ungehorsam bzw. Verweigerung): 4 Strafpunkte zweite Unterbrechung: Ausschluss Sturz des Teilnehmers und/oder Pferdes: Ausschluss Überschreiten der Erlaubten Zeit (EZ) je angefangene 4 Sekunden (im Stechen je angefangene Sekunde): 1 Strafpunkt bis 2017 wurde das Überschreiten der erlaubten Zeit abweichend gewertet (0,25 Strafpunkte pro angefangene Sekunde Zeitüberschreitung)
Springprüfung nach Fehlern und Zeit Fehler-Zeit-Springprüfungen bestehen aus einem einmaligen Umlauf über einen festgelegten Turnierparcours. Die Teilnehmer werden nach der Anzahl der erzielten Strafpunkte platziert, bei Punktgleichheit nach der benötigten Zeit. Somit ist der Teilnehmer mit den wenigsten erreichten Strafpunkten und der geringsten Zeit Sieger der Prüfung.FEI-Reglement Teil 1 „The Jumping Event“, Artikel 238.2.1 – Competitions against the clock
Springprüfung mit Stechen (Normalumlauf nach Fehlern und Zeit) Springprüfungen mit Stechen bestehen aus einem Normalumlauf und einem Stechen. Beide werden (nach dieser Ausschreibung) im Stil einer Springprüfung nach Fehlern und Zeit ausgetragen. Alle Teilnehmer, die im Normalumlauf die gleiche, niedrigste Fehleranzahl (im Regelfall null Fehler) erreicht haben, treten nochmals im Stechen an. Dieses findet über einen festgelegten verkürzten Parcours statt. Sieger ist der Teilnehmer mit den wenigsten erreichten Strafpunkten und der geringsten benötigten Zeit im Stechen. Sollte im Normalumlauf nur ein Teilnehmer die niedrigste Fehleranzahl erreichen, entfällt das Stechen (dieser Teilnehmer ist dann der Sieger der Prüfung)FEI-Reglement Teil 1 „The Jumping Event“, Artikel 238.2.2 – Competitions against the clock with jump off (siehe auch Artikel 245 ff.).
Springprüfung nach Fehlern, nicht gegen die Zeit Diese Springprüfungen bestehen aus einem einmaligen Umlauf über einen festgelegten Turnierparcours aus Hindernissen. Die Teilnehmer werden nach der Anzahl der erzielten Strafpunkte platziert, unabhängig von der benötigten Zeit. Somit ist der Teilnehmer bzw. die Teilnehmer mit den wenigsten erreichten Strafpunkten Sieger der Prüfung.FEI-Reglement Teil 1 „The Jumping Event“, Artikel 238.1 – Competitions not against the clock Solche Prüfungen sind auch als Clear-Round-Springen bekannt, da jede fehlerfreie Runde (englisch: clear round) in der Erlaubten Zeit (EZ) den Sieg bedeutet. Clear-Round-Springen werden seit dem Inkrafttreten der LPO 2024 auch im nationalen Turniersport angeboten. Prüfungen ohne EZ werden national nur im Einstiegsbereich als WBO-Wettbewerbe angeboten.
Springprüfung mit Stechen (Normalumlauf nicht gegen die Zeit) mini|Beispielhafter Parcours einer Springprüfung mit Stechen (Normalumlauf: schwarz, Stechen: rot) Springprüfungen mit Stechen bestehen aus einem Normalumlauf und einem Stechen. Bei dieser Art der Ausschreibung wird der Normalumlauf im Stil einer Springprüfung nach Fehlern, nicht gegen die Zeit, ausgetragen. Alle Teilnehmer, die im Normalumlauf die gleiche, niedrigste Fehleranzahl (im Regelfall null Fehler) erreicht haben, treten nochmals im Stechen an. Dieses findet über einen festgelegten verkürzten Parcours statt. Sieger ist der Teilnehmer mit den wenigsten erreichten Strafpunkten und der geringsten benötigten Zeit im Stechen. Sollte im Normalumlauf nur ein Teilnehmer die niedrigste Fehleranzahl erreichen, entfällt das Stechen (dieser Teilnehmer ist dann der Sieger der Prüfung).FEI-Reglement Teil 1 „The Jumping Event“, Artikel 238.1.2 – Competitions not against the clock with jump off (siehe auch Artikel 245 ff.) Die bekannteste Prüfung, die nach diesem Reglement ausgeschrieben ist, ist das Hickstead Derby.
Springprüfung mit Siegerrunde Springprüfungen mit Siegerrunde bestehen aus einem Normalumlauf und einem dem Stechen ähnlichen zweiten Umlauf (Siegerrunde). Beide werden im Stil einer Springprüfung nach Fehlern und Zeit ausgetragen. 25 Prozent der Teilnehmer, auf jeden Fall aber alle fehlerfreien Teilnehmer (im nationalen Reglement LPO sind auch weitere Varianten enthalten), treten nochmals in der Siegerrunde an. Diese findet über einen festgelegten verkürzten Parcours statt. Alle Teilnehmer an der Siegerrunde werden vor Beginn dieser wieder auf null Fehlerpunkte zurückgesetzt. Sieger ist der Teilnehmer mit den wenigsten erreichten Strafpunkten und der geringsten benötigten Zeit in der Siegerrunde.FEI-Reglement Teil 1 „The Jumping Event“, Artikel 276.2 – Competitions against the clock with winning round
Bis 2008 war es bei Springprüfungen mit Siegerrunde auch möglich, dass die Teilnehmer laut Reglement die im Normalumlauf erreichten Strafpunkte mit in die Siegerrunde nehmen.FEI-Reglement Teil 1 „The Jumping Event“, ehemaliger Artikel 276.3 – Competitions against the clock with winning round (winning round: penalties carried forward) National ist dies weiterhin möglich.
Springprüfung mit zwei Umläufen Springprüfungen mit zwei Umläufen bestehen aus einem ersten und einem zweiten Umlauf. Die einzelnen Umläufe werden im Stil einer Springprüfung nach Fehlern und Zeit oder im Stil einer Springprüfung nach Fehlern, nicht gegen die Zeit, ausgetragen. Je nach Ausschreibung erreichen entweder alle Teilnehmer oder eine festgelegte Anzahl von Teilnehmern den zweiten Umlauf. Dieser kann über denselben oder einen anderen Parcours als im ersten Umlauf ausgetragen werden. Alle Teilnehmer am zweiten Umlauf nehmen die im ersten Umlauf erreichten Strafpunkte in diesen mit. Sieger ist der Teilnehmer mit den wenigsten erreichten Strafpunkten und der geringsten benötigten Zeit in der Siegerrunde.FEI-Reglement Teil 1 „The Jumping Event“, Artikel 273.1, 273.2, 273.3.3 – Competitions over two rounds (no jump off)
Springprüfung mit zwei Umläufen und Stechen Eine Springprüfung mit zwei Umläufen und Stechen erfolgt im Ablauf genauso wie eine Springprüfung mit zwei Umläufen (ohne Stechen). Nach den zwei Umläufen findet jedoch noch ein Stechen nach Fehlern und Zeit statt. Dieses findet über einen festgelegten verkürzten Parcours statt. Sieger ist der Teilnehmer mit den wenigsten erreichten Strafpunkten und der geringsten benötigten Zeit im Stechen. Sollten nach den beiden ersten Umläufen nur ein Teilnehmer die niedrigste Fehleranzahl erreichen, entfällt das Stechen (dieser Teilnehmer ist dann der Sieger der Prüfung). Diese Ausschreibung findet bei Nationenpreisen Anwendung.FEI-Reglement Teil 1 „The Jumping Event“, Artikel 273.1, 273.2, 273.3.1 oder 273.3.2 – Competitions over two rounds (with jump off)
mini|Beispielhafter Parcours einer Zwei-Phasen-Springprüfung (1. Phase: schwarz, 2. Phase: rot) Zwei-Phasen-Springprüfung Alle Teilnehmer an einer Zwei-Phasen-Springprüfung starten in einem Parcours, der genauso wie in einer Springprüfung nach Fehlern und Zeit ausgeschrieben ist. Sollte der Reiter während dieser ersten Phase Strafpunkte erhalten, ist die Prüfung somit für ihn zu Ende (im nationalen Reglement LPO sind auch weitere Varianten enthalten). Er wird gemäß seinen erreichten Strafpunkten und seiner benötigten Zeit platziert. Sollte ein Teilnehmer diese erste Phase ohne Strafpunkte überstehen, beginnt sofort die Zeit der zweiten Phase zu laufen. In dieser zweiten Phase hat der Teilnehmer nochmals einen (anderen) Parcours im Stil einer Springprüfung nach Fehlern und Zeit zu bewältigen. Sieger ist der Teilnehmer mit den wenigsten erreichten Strafpunkten und der geringsten benötigten Zeit in der zweiten Phase.FEI-Reglement Teil 1 „The Jumping Event“, Artikel 274 – Competitions in two phases
Springprüfung mit unmittelbarem Stechen Diese Springprüfung ist mit der Zwei-Phasen-Springprüfung weitgehend identisch. Jedoch beginnt das Stechen (identisch mit der zweiten Phase) nicht sofort mit dem Überschreiten der Ziellinie des Normalumlaufs (identisch mit der ersten Phase), sondern erst, soweit die Richter diesen freigegeben haben. Sieger ist der Teilnehmer mit den wenigsten erreichten Strafpunkten und der geringsten benötigten Zeit im Stechen.FEI-Reglement Teil 1 „The Jumping Event“, Artikel 238.2.2 in Verbindung mit 245.3 – Competitions with jump off (immediately)
Gruppenspringprüfung Gruppenspringprüfungen bestehen aus einer Gruppenphase und einer Siegerrunde. Vor Beginn der Prüfung werden die Teilnehmer in Gruppen eingeteilt (im Regelfall vier oder fünf Teilnehmer pro Gruppe). Jede Gruppe wird nach dem Reglement einer (eigenständigen) Springprüfung nach Fehlern und Zeit ausgetragen. Der Sieger einer jeden Gruppe zieht in die anschließende Siegerrunde ein. Außerdem kann das Reglement festlegen, dass sich zusätzlich noch eine bestimmte Anzahl an Teilnehmer als Lucky Loser für die Siegerrunde qualifizieren. Dies sind die Besten von den nicht für die Siegerrunde qualifizierten Teilnehmern (nach Strafpunkten und Zeit). Die Siegerrunde findet über einen festgelegten verkürzten Parcours statt. Alle Teilnehmer an der Siegerrunde werden vor Beginn dieser wieder auf null Fehlerpunkte zurückgesetzt. Sieger ist der Teilnehmer mit den wenigsten erreichten Strafpunkten und der geringsten benötigten Zeit in der Siegerrunde.FEI-Reglement Teil 1 „The Jumping Event“, Artikel 275 – Competitions in groups with winning round
Diese Art der Prüfung führt zwar zu einem spannenden Prüfungsablauf (nach wenigen Reitern bereits die ersten Entscheidungen), wird jedoch von vielen Teilnehmern als nicht besonders fair empfunden (einige Teilnehmer mit Strafpunkten erreichen die Siegerrunde, teilweise sind aber einige Teilnehmer ohne Fehler aus besonders starken Gruppen nicht zur Teilnahme an der Siegerrunde berechtigt). Aus diesem Grund und aus mangelnder Beliebtheit dieser Prüfungsform wurde diese zum Jahreswechsel 2023/2024 aus dem nationalen Reglement (LPO) gestrichen.
Knock-Out-Springprüfung