mini|hochkant|Dorfkirche Chambon-sur-Lac, von Westen Die Kirche St-Étienne in Chambon-sur-Lac liegt inmitten der Ortsbebauung und ist romanischen Ursprungs des 12. Jahrhunderts.
Das Dorf liegt im Talgrund der Couze Chambon, westlich des Stausees Lac-du-Chambon in der Region Auvergne-Rhône-Alpes im Département Puy-de-Dôme und etwa 35 km südwestlich der Großstadt Clermont-Ferrand am östlichen Rand der Monts Dore. Zu den Sehenswürdigkeiten Chambons zählt auch die bei Kennern der auvergnatischen Romanik geschätzte romanische Friedhofskapelle, ein Zentralbau mit Ursprüngen im 10. Jahrhundert. Sie befindet sich auf dem höher gelegenen Friedhof am nordöstlichen Ortsrand, auf dem Hang jenseits der Durchgangsstraße, etwa 200 Meter von der Kirche entfernt.
Geschichte Nach ihren bescheidenen Quellen wird ihre Entstehung auf das 12. Jahrhundert bis Anfang des 13. Jahrhunderts datiert. Ihr ursprünglicher Baustil wird dort mit „auvergnatischer Romanik“ (frz. Roman Auvergnat) angegeben. Diese Angabe muss allerdings angezweifelt werden, zumindest im Bezug auf die wesentlich anspruchsvollere Skulptur der auvergnatischen Romanik der Hauptkirchen der Basse Auvergne oder der Limagne, wie etwa die der Stiftskirche Notre-Dame du Port und der St-Nectaire (Saint-Nectaire), wie auch diejenige bei der benachbarten Friedhofskapelle.
Der erste Patron, dem die Kirche geweiht war, ist der heilige Stephanus (frz. Saint Étienne). Ihm ist die Reliefskulptur eines ehemaligen Tympanon-Monolithen gewidmet, der später in das Giebelfeld des gotischen Narthex' eingesetzt worden ist.
Der romanische Bauabschnitt besitzt den klassischen Grundriss in Form eines lateinischen Kreuzes, aus einem einschiffigenen Langhaus, einem Querhaus, mit ausgeschiedener Vierung und zwei Querhausarmen einem Chorjoch mit halbrunder Chorapsis.
Die beiden seitlichen Kapellenanbauten das dritte Langhausjoch sind im Innern zweifelsfrei der gotischen Stilepoche (etwa 14. Jahrhundert) zuzuordnen. Die nördliche Kapelle besitzt das einzige gotische Spitzbogenfenster der Kirche.
Der spitze Turmhelm wurde entweder in der Gotik errichtet, vielleicht infolge eines flach geneigten romanischen Turmhelms. Er könnte aber auch neuzeitlicher Entstehung sein.
Die Datierung der beiden seitlichen Anbauten in den Winkeln zwischen Chorjoch und den Querhausarmen ist ungewiss. Es handelt sich um eine Sakristei und einen weiteren Nebenraum. Sie könnten ebenfalls neuzeitlichen Ursprungs sein.
In den oben genannten Quellen wird berichtet, dass das Bodenniveau um die Kirche herum im Laufe der Jahre um 1,80 Meter angewachsen sei. Man habe das auf Grund von Grabungen im Jahr 1882 festgestellt, bei denen drei Plattenböden gefunden wurden, zwischen denen sich Kiesgeröll aufgetürmt hatte. Die Ursache wird den Überflutungen des Dorfes durch den häufig anschwellenden Gebirgsbach Couze zugeschrieben. Vermutlich ist das auch die Hauptursache für die Verlagerung des Friedhofs von der Kirche auf den gegenüber ansteigenden Hang.
Bauwerk mini|hochkant=1.6|links|Dorfkirche Chambon-sur-Lac, Grundriss, Handskizze mini|hochkant|Langhaus von SW
Äußere Erscheinung Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Oberflächen der Wände in hellgrauen bis hellbeigen Farbtönen mit Verputz beschichtet. Alle Bauteile des Vierungsturms sind steinsichtig aus grauen, vereinzelt bis fast weißen glatten Werksteinen gefügt, das Mauerwerk aus Steinen mittleren Formats, in regelmäßigen gleich hohen Schichten vermauert. Ebenfalls steinsichtig, aber in deutlich wechselnden Farbtönen, von fast weiß bis hin zum dunklen Grau und in mittelgroßen Formaten, sind alle Strebepfeiler, Bauteilecken, wie Öffnungskanten, Teile der Wände vom Narthex, Chorjoch und Chorapsis gemauert. Steinsichtig und hellgrau sind alle von Steinmetzen gearbeiteten Dekorationen, wie Gesimse, Kragsteine, Giebelkreuze und andere Skulpturen.
Langhaus Das einschiffige Langhaus wird unter einem Satteldach mit circa 45. Grad Dachneigung überdeckt, das mit großformatigen grauen Schieferplatten mit symmetrisch gerundeten Unterkanten eingedeckt ist. Der Dachfirst wird von einem kantigen Steinprofil abgedeckt. mini|hochkant|Langhaus und Narthex mini|hochkant|Vierungsturm von SW Die Unterteilung des Schiffs in drei Joche ist auch äußerlich erkennbar durch kräftige Strebepfeiler, die bis unter die Traufen reichen. Ihre Vorderseiten steigen bis in etwa zwei Metern Höhe bis zu einem leichten Rücksprung senkrecht an, der von einem oberseitig abgeschrägten Kämpferprofil abgedeckt ist. Darüber verjüngen sich die Pfeilertiefen leicht, bis zu den steil abgeschrägten Oberseiten der Pfeiler.
Die Traufen bestehen aus waagerechten Gesimsplatten, deren senkrechte Sichtseiten mit einem Schachbrettfries ornamentiert sind. Sie liegen auf kräftigen Hobelspankragsteinen, wie sie in der Basse Auvergne oder der Limage bekannt sind, über denen sie mittig gestoßen sind. Die untere Reihe der Schieferplatteneindeckung ist geradlinig gestutzt und kragt über die Gesimsplatten geringfügig aus. Von dort kann das Regenwasser frei abtropfen.
In den Seitenwänden der Langhausjoche eins und zwei ist jeweils mittig ein rundbogiges Fenster ausgespart, deren Bögen von Keilsteinen überdeckt sind. Den Keilsteinbögen folgt außenseitig ein Kragprofil mit einem Rollenfries, das in Höhe der Bogenübergänge waagerecht abschwenkt und gegen die Strebepfeiler stößt.
Die Ortgänge der westlichen Giebelwand reichen ein kurzes Stück über die Dachflächen hinaus und werden von flachen Steinplatten abgedeckt, die schuppenartig überdeckt sind. Auf den seitlichen Kanten dieser Giebelwand stehen etwas eingerückt ebensolche Strebepfeiler wie auf den Längswänden und reichen knapp bis unter die Ortgangabdeckungen hinauf. Im Zentrum der Giebelwand ist etwa in Traufhöhe ein kreisrundes Fenster, ein so genanntes „Ochsenauge“ ausgespart, das von Keilsteinen rundum eingefasst wird. Auf dem Ortgangfirst steht auf einem quadratischen Sockel die Skulptur der gekrönten Muttergottes, die ihre Arme nach unten weisend ausgebreitet hält. Sie trägt ein üppig wallendes Gewand.
Im dritten Joch ist auf beiden Langhausseiten je eine gotische Kapelle angebaut, deren etwas flacher geneigte Pultdächer unmittelbar an die Traufen des Hauptdachs anschließen. Die Pultdächer sind mit kleinformatigen dünneren Schieferschindeln eingedeckt. Nur in der Wand der nördlichen Kapelle gibt es ein gotisches Spitzbogenfenster mit Maßwerk. Am Ortgang der südlichen Kapelle verläuft eine steinerne Treppe hinauf, die oben mit einem waagerechten Steg quer bis zum Turm hin abzweigt, und dann mit einer weiteren Treppe hinauf zur Glockenstube des Turmes führt.
Vor der Giebelwand des Langhauses ist ein vorderseitig offener Narthex in gotischem Stil angebaut, in einer Breite, die gut zwischen die Strebepfeiler passt. Er wird von einem Satteldach überdeckt, in gleicher Neigung und Eindeckung wie die des Hauptdachs. Auch hier überragen die Ortgänge geringfügig die Dachflächen und sind ebenso mit flachen Steinplatten abgedeckt. In der Giebelwand des Narthex' ist über die ganze innere Breite eine leicht angespitzte rundbogige Öffnung ausgespart, die an den Bogenansätzen von Kämpferprofilen markiert sind, die bis auf die Ecken des Narthex' geführt sind. Der Bogenverlauf ist mehrfach profiliert. Die Vorhalle wird von einem vierteiligen Kreuzrippengewölbe überdeckt. Das Hauptportal in die Kirche wird von mehrfach abgestuften Archivolten eingefasst, mit halbkreisförmigen Profilen.
Im Giebeldreieck des Narthex' oberhalb der großen Öffnung befindet sich das bereits oben genannte Relief auf einem hier wiederverwendeten Monolithen, mit oberseitig dachförmiger Abschrägung, welches das Martyrium, die Steinigung des heiligen Stephanus* darstellt, der erste Patron der Kirche. Das Relief wird datiert auf das 12. Jahrhundert und überdeckte vermutlich ursprünglich das Portal der Kirche.
Der heilige Stephanus (* ca. 1 n. Chr.; † ca. 36/40 n. Chr.) ist im Neuen Testament ein Diakon der Jerusalemer Urgemeinde. Er gilt als erster christlicher Märtyrer.
Der Gesteinigte, mit Nimbus als heilig zu erkennen, kniet gebückt am linken Rand der Szene. Unter und neben ihm haben sich etliche der auf ihn geschleuderten Steine aufgetürmt. In der rechten Hälfte der Szenerie stehen fünf der Schächer, ihre Gesichter frontal dem Betrachter zugewandt, sie sind mit dem Schleudern der Steine beschäftigt. Halblinks steht ein Engel, an den ausgebreiteten Flügeln und einem Nimbus zu erkennen. Er hält die Arme seitwärts ausgebreitet und fasst mit seinen Händen ebenfalls Steine, die er offensichtlich schützend abgewehrt hat. Mit seiner Rechten berührt er die gefalteten Hände des Stephanus. Der Engel erklärt sich aus Psalm . Die Anwesenheit Gottvaters ist oben in der Mitte als segnende Hand dargestellt. In Bibeltexten ist überliefert: Stephanus befahl seinen Geist Jesus, sank in die Knie, und rief: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ mini|Relief, Martyrium des hl. Stephanus
Auf dem First des Narthexgiebels steht ein steinernes Kreuz, das einem Tatzenkreuz ähnelt, dessen gespreizte Arme aber an den Enden spitz zulaufen. Die Kreuzarme sind mit je einem Relief in Form eines gelappten Blattes dekoriert.
Das Langhausdach stößt unmittelbar gegen den Sockel des Vierungsturms, die Kapellendächer gegen die westlichen Wände der Querhausarme.
Querhaus mit Vierungsturm Die Dächer der Querhausarme bleiben ein beachtliches Stück unter denen des Langhauses. Sie wurden über rechteckige Grundrissen errichtet, deren Breite (in Längsrichtung zum Schiff) ist etwas größer, als ihre Tiefe. Sie werden von Satteldächern überdeckt, mit Neigung, Eindeckung, Firstabdeckung und Traufausbildung wie beim Hauptdach. Die Traufhöhe liegt etwas tiefer, die Firsthöhe ist etwa nur halb so hoch, als die des Langhausdachs. Die nord- und südseitigen Giebelwände sind ähnlich ausgebildet wie der Giebel des Langhauses, allerdings kleiner. Die Ortgänge des Giebels sind mit glatten Steinplatten abgedeckt, deren außenseitige Auskragung von einfachen Rollenfriesen unterfüttert sind. Am unteren Ende stoßen sie auf waagerechte Kämpferplatten, die die nach Osten und Westen weisenden Strebepfeiler oberseitig abdecken und deren Auskragung vom bekannten Rollenfries unterstützt sind. Die Strebepfeiler auf den Giebelwänden stehen in Verlängerung der östlichen und westlichen Querhausarmwände, reichen etwa in dreiviertel Höhe der Traufen und sind oberseitig steil abgeschrägt. Mittig in den Giebelwänden der Querhausarme ist je ein schlankes rundbogiges Fenster ausgespart, dessen Bogenscheitel knapp über die Höhe der Strebepfeileroberkante hinaufreicht. Die Keilsteine des Bogens werden von einem Kragprofil mit dem Rollenfries umfasst, das an den Bogenenden waagerecht abknickt und bis zu den Strebepfeilern geführt wird. Auf den Firsten der Giebelwände steht jeweils auf einem rechteckigen Sockel ein Tatzenkreuze mit breit gefächerten Armen. mini|hochkant|Chorhaupt mit Querhaus von SO